Wolfgang Herrndorf - Sand

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Sand: краткое содержание, описание и аннотация

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"Er aß und trank, bürstete seine Kleider ab, leerte den Sand aus seinen Taschen und überprüfte noch einmal die Innentasche des Blazers. Er wusch sich unter dem Tisch die Hände mit ein wenig Trinkwasser, goß den Rest über seine geplagten Füße und schaute die Straße entlang. Sandfarbene Kinder spielten mit einem sandfarbenen Fußball zwischen sandfarbenen Hütten. Dreck und zerlumpte Gestalten, und ihm fiel ein, wie gefährlich es im Grunde war, eine weiße, blonde, ortsunkundige Frau in einem Auto hierherzubestellen."
Während in München Palästinenser des "Schwarzen September" das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis — Nordafrika 1972.
Ein mitreißender Agententhriller — und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman. (rowohlt)

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Carl versuchte, aus dem Gesichtsausdruck seines Gegenübers schlau zu werden, und entschied sich dafür, unmerklich zu nicken.

«Nehmen wir mal an, ich würde dir glauben. Ich glaube dir nicht. Aber nehmen wir’s mal an. Würde nicht selbst der dümmste Journalist zuerst einmal ganz andere Fragen stellen?»

«Was für Fragen?»

«Fragen nach Herkunft, Verbreitung, Einsatzgebiet? Und wenn’s schon um Preise geht, muss man dann nicht die Typen benennen?»

«Was für Typen?»

«Was für Typen ?» Risa zog beide Hände wieder aus den Taschen und legte sie vor sich auf den Tisch. «Du fragst nach einer Mine! Das ist ungefähr so, als ob du fragen würdest: Was kostet ein Obst?»

«Aber ich sag doch: das teuerste Obst.»

«Und das ist alles? Das teuerste Obst? Für so was interessiert man sich in Europa?»

«Ich hab nichts von Europa gesagt.»

«Und das war’s? Du willst wissen, wie teuer die teuerste Mine ist? Warum fragst du ausgerechnet mich das? Das kann dir jeder andere auch beantworten.»

«Es antwortet aber keiner.»

«Jeder Trottel auf der Straße kann dir das beantworten.»

«Das Problem ist, dass keiner von den Trotteln, die ich gefragt hab, geantwortet hat. Genauso wenig wie du. Weil alle glauben, dass ich irgendwas will. Oder dass ich so tue, als ob ich was will. Ich will aber gar nichts, und keiner sagt mir was.»

«Weil es jeder weiß.»

«Ich weiß es nicht.»

«Weil du ein Trottel bist. Schau dich an!» Risa fasste Carls gelben Blazer am Revers. «In dieser Clownsgarderobe würd ich dir nicht mal verraten, wie du heißt. Zieh dich erst mal anständig an. Das ist nicht gut für die Gesundheit, wenn man so aussieht. Und es ist auch nicht gut für die Gesundheit, wenn man derart ahnungslos ist. Kapiert? Und du bist ahnungslos. Du hast absolut keine Ahnung.»

«Stimmt. Ich hab absolut keine Ahnung. Und du bist der Fachmann, und deshalb bin ich hier.»

«Ich bin kein Fachmann.»

«Nein. Okay.»

«Wer hat das gesagt, dass ich ein Fachmann bin?»

«Niemand hat das gesagt. Entschuldigung. Du bist natürlich kein Fachmann. Aber im Gegensatz zu mir weißt du immerhin schon mal, dass es unterschiedliche Typen von Minen gibt, die unterschiedlich viel kosten. Wahrscheinlich. Und du weißt wahrscheinlich auch, was sie kosten, weil es jeder auf der Straße genauso weiß. Mehr will ich doch gar nicht wissen.»

«Mein Glas ist leer», sagte Risa nach einer langen Pause. Carl schob ihm sein eigenes Glas rüber, das er nicht angerührt hatte. Risa trank es in einem Zug aus und sagte: «Es ist schon wieder leer.»

Carl versuchte, dem Barmann ein Zeichen zu geben, und der Barmann rührte sich wieder erst, nachdem Risa das Zeichen durch Kopfnicken bestätigt hatte.

«Na schön», sagte Risa. «Du willst also was wissen. Und ich sag dir was. Weil du meinen Schnaps zahlst. Und weil es jeder weiß. Weil es Wissen ist, das auf der Straße liegt. Du willst also den Rolls-Royce unter den Minen. Jugoslawisches Fabrikat?»

«Ja.»

«Oder englisches?»

«Ja. Egal.»

«Oder amerikanisches?»

«Ja. Amerikanisches.»

«Du willst also was Amerikanisches? Sind dir jugoslawische nicht gut genug?»

«Nur der Preis. Was am meisten kostet.»

«Was am meisten kostet?» Wütend starrte Risa Carl an. Er sprang auf und setzte sich wieder. Die Narben auf seinem Gesicht leuchteten hellrosa. Carl, der dem Blick nicht standhalten konnte, machte den Fehler, sich abzuwenden. Im nächsten Moment lag er auf dem Rücken neben der Bar. Der Narbengesichtige kniete auf seiner Brust, Scherben splitterten, und der Barmann stand mit einer am Hals abgebrochenen Flasche über ihnen.

«Was! Am! Meisten! Kostet!», schrie Risa. «Glaubst du im Ernst, ich fall auf dich rein? Glaubst du, ich weiß nicht, wer du bist? Das wusste ich schon, als du reingekommen bist! Ich erkenn doch einen Flic! Und du bist kein Flic. Was bildest du dir ein, du Scheißschwuler?» Er drückte Carl die Kehle am Hemdkragen zusammen. Carl röchelte und versuchte, sich so wenig wie möglich zu wehren. «Denkst du, du kannst hier einen aufzaubern, wenn du nicht mal weißt, wo der Unterschied zwischen einer englischen und einer jugoslawischen Mine ist? Also verkauf mich nicht für blöd. Weil: Ich bin nicht blöd! Dein Gesicht stinkt zum Himmel. Ich kenn dich. Ich kenn Typen wie dich. Soll ich dir sagen, wer du bist? Du bist ein Intellektueller. Ein Scheißintellektueller, einer von diesen verblödeten Kommunisten, der zu viel von dieser französischen Rollkragenpulloverscheiße gelesen hat und jetzt irgendwas in die Luft jagen will. Ein Abgedrehter. Ich kenn Abgedrehte. Und du bist ein Abgedrehter. Ein Hobbyterrorist.» Er lockerte seinen Griff und fuhr etwas ruhiger fort: «Aber mit Eiern in der Hose. Und jetzt willst du eine Mine mit Wums, und ich sag dir was. Wenn du versuchst, in dieser kleinen, beschissenen Stadt hier deinen kleinen, privaten Rachefeldzug gegen den Imperialismus zu starten, wenn du irgendwas in die Luft jagen willst, ich meine, wenn du nichts anderes im Kopf hast, als hier irgendeine kranke Scheiße zu starten und Hunderte von Arabern in die Luft zu sprengen und die ganze Stadt in einem Flammenmeer zu ertränken — meine Unterstützung hast du.»

Langsam entspannten sich Risas Gesichtszüge. Er stieg wieder von Carl herunter, putzte sich den Staub von den Knien und setzte sich zurück an den Tisch. «Aber lüg mich nicht an. Lüg mich um Gottes willen nicht an. Und setz dich. Setz dich. Du kannst von Glück sagen, dass dieser ‹Junge› dich zu mir geschickt hat und nicht zu irgendeinem Irren. Wenn ich nämlich eins nicht abkann, ist das, wenn man mich anlügt. Verstanden? Also setz dich.»

Carl knöpfte sich den Hemdkragen wieder zu, ordnete seinen Kopfverband und setzte sich. Er schwieg.

«Nur dass ich nicht mit Waffen handle. Sodass ich dir in diesem speziellen Punkt leider nicht behilflich sein kann. Was ich mich aber frage, ist — rein hypothetisch, weil, du willst ja nichts, und ich verkaufe auch nichts — aber wenn einer so dringend eine Mine braucht, warum macht er es dann nicht wie alle anderen und geht dahin, wo die Minen sind, und schraubt eine ab? Du weißt, wo Süden ist? Wo die Sonne steht. Da gehst du hin und schraubst fünf Claymore von jedem Pfahl.»

Er wies mit einer Kopfbewegung auf einen Mann, der in vorgebeugter Haltung ein paar Tische weiter saß und mit dem Mund aus seiner Suppentasse schlürfte. Der Mann hatte keine Arme.

«Vielleicht deshalb», sagte Carl. «Und das ist dann das Beste, was es gibt?»

«Die Claymore? Nein.»

«Also gut. Nehmen wir mal an, jemand hat Glück. Und schraubt das Beste ab, was es gibt. Und will es verkaufen. Was würde der da etwa verlangen?»

«Zweihundert.»

«Dollar?»

«Für dich hundertfünfzig.»

«Und was ist das dann?»

«Panzermine. Mit Hohlladung. Magnetauslöser.»

«Und das ist das Teuerste, was es gibt?»

Risa wurde wieder unruhig. Er sah sich im Lokal um. «Was zum Schinder hast du vor? Ist dir hundertfünfzig nicht genug?»

«Ich dachte, es müsste noch irgendwas Wertvolleres geben.»

«Wertvoll? Eine wertvolle Mine?»

Aus kürzester Entfernung starrte Risa Carl ins Gesicht. Bisher hatte er sich nicht allzu viele Gedanken gemacht. Der Kerl war ein Spinner. Ein Kommi. Oder ein Hilfspolizist. Jedenfalls zu blöd, um gefährlich zu sein. Aber irgendetwas schien doch nicht zu stimmen mit dem Mann. Was um Gottes willen wollte der Kerl in die Luft sprengen?

«Bist du sicher, dass du eine Mine brauchst und keine Atombombe?»

«Ich kann dir nicht sagen, was ich brauche. Ich brauche wirklich nur die Information … was das kostet.»

«Dann bist du ja jetzt zufrieden.»

«Da werden die Hersteller auch nicht reich, oder?»

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