Uwe Tellkamp - Der Turm

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Hausmusik, Lektüre, intellektueller Austausch: Das Dresdner Villenviertel, vom real existierenden Sozialismus längst mit Verfallsgrau überzogen, schottet sich ab. Resigniert, aber humorvoll kommentiert man den Niedergang eines Gesellschaftssystems, in dem Bildungsbürger eigentlich nicht vorgesehen sind. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren: Kann man den Zumutungen des Systems in der Nische, der "süßen Krankheit Gestern" der Dresdner Nostalgie entfliehen wie Richards Cousin Niklas Tietze — oder ist der Zeitpunkt gekommen, die Ausreise zu wählen? Christian, ihr ältester Sohn, der Medizin studieren will, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Sein Weg scheint als Strafgefangener am Ofen eines Chemiewerks zu enden. Sein Onkel Meno Rohde steht zwischen den Welten: Als Kind der "roten Aristokratie" im Moskauer Exil hat er Zugang zum seltsamen Bezirk "Ostrom", wo die Nomenklatura residiert, die Lebensläufe der Menschen verwaltet werden und deutsches demokratisches Recht gesprochen wird.

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«Wir trinken auf die Große Sozialistische Oktoberrevolution!«rief Barsano und hob das Glas. Schubert und Paul Schade brachten» Gorki, gorki «aus, wie es in der Sowjetunion üblich war —»bitter, bitter — und tranken ihre Gläser leer / als ob es reines Wasser wär«. Auch Judith Schevola schien die» Ziehharmonika «nichts auszumachen. Meno hatte sich nach dem Einschenken schnell vor den Schrank mit Geschenken befreundeter Regierungsdelegationen gestellt, dort gab es einen Teppich der Militärakademie Frunse, auf dem unter gekreuzten Kalaschnikows die Köpfe von Marx, Engels und Lenin mit winzig kleinen Glasperlen gestickt waren; einen Moskauer Fernsehturm aus Malachit; ein bulgarisches Weinfaß, das von Jungen Kommunisten aus halben Wäscheklammern geklebt war, mit eingebrannter Folklore; und einen» Pokal der Völkerfreundschaft «in Form einer Messingamphore, aus Griechenland: dies war Menos Ziel; er wollte nicht noch einmal mit dem Porzellanzentrum Unserer Welt von morgen Bekanntschaft schließen; er täuschte einen Hustenanfall vor, als er seine» Ziehharmonika «in die Völkerfreundschaft goß; es plätscherte darin.»Wir trinken auf das Andenken unseres großen Genossen Wladimir Iljitsch Lenin!«—»… auf das Wohl unseres Genossen Juri Wladimirowitsch Andropow!«—»… auf das Wohl der Partei!«—»… die Weltrevolution!«

Judith Schevola schwankte nicht einmal, als all die Toasts beendet waren. Paul Schade klopfte ihr anerkennend auf die Schulter:»Prachtmädel! Mit dir werd’ ich noch ein Tänzchen wagen!«, und Schiffner, der selig lächelte, tätschelte ihr die Wange.

Inzwischen hatte Ritschel seine Arbeit im Kinosaal beendet. Der Filmvorführer verschwand mit mehreren Filmrollen auf den Schultern über eine Treppe in den Vorführraum; hinter einem schießschartengroßen Fensterchen stand ein fossiler» Ernemann«-Projektor, wie Meno von den Londoners wußte, die Barsano öfter zu einem seiner Filmabende lud. Der Kinosaal diente nicht nur Barsanos persönlicher Liebhaberei, hier wurden Filme vorab angesehen, hier wurde entschieden, ob ein Film der Bevölkerung gezeigt werden durfte oder nicht. Das Licht verlosch, als der Bezirkssekretär und die, die er neben sich in der ersten Reihe wissen wollte, auf ihre Stühle gefallen waren, die Maschine begann zu rattern, ein staubdurchwanderter Lichtschacht warf erste Bilder auf die geisterhaft emporgetauchte Leinwand; zunächst sah man eine weiße Tafel mit abgerundeten Ecken, durchhuscht von schwarzen Kratzern, in einem Fadenkreuz erschienen Ziffern, ein knistriger und zitternder Countdown, Barsano und Paul Schade rutschten erwartungsvoll auf ihren Sitzen hin und her.

33. Wehrlager

Gartengerüche, Duft der Rhododendren, Jasmin, der sich abends blaßgesichtig öffnete, weiße Münder der murmelnden Dämmerung, und blaue, ocker- und wasserfarbene Strömungen, die der Wind fächerte; die Geheimnisse des Grases, das Kuckucksstreifen trug und sich am Rand der Wiesen zu Violett vertiefte, plötzlich der Ruf eines Vogels aus einer Ahornkrone voll rieselndem Grün, Holunder, dessen Flüstern klang, als ob jemand Sand schüttete,

ein Blatt, ein blinkendes Paddel, erfaßt von der Thermik, es wirbelte zurück und hielt auf dem Ast, von dem es gefallen war, inne, so daß man auf die Straße sah und sich vergewisserte, daß die Passanten nicht rückwärts liefen wie in Stummfilmen; jäh aufblitzende Fahrradspeichen, wenn am Wegrand ein Junge ein aufgebocktes Rad wendete; Dissonanz: eine Distel auf einer Streuobstwiese,

schlummernde Katzen auf Bretterstapeln hinter Schuppen, erst zwei, dann drei, dann noch eine graue, eine braune regte sich auf braunem Holz, und dort: eine getigerte, Dutzende Katzen hockten in der Sonne, in respektvoll-eigensinnigem Abstand zueinander, keine Katze sah eine andere an, keine lag zu einer anderen parallel oder einer anderen im Rücken, in genau austariert scheinenden, noch so minimalen Winkeln sahen sie aneinander vorbei, reglos, und immer mehr erschienen, lautlos wie Umrisse auf einer sich entwickelnden Fotografie, manche mochten berührbar sein, manche nicht: als wäre diese Kolonie aus verschiedenen Junitagen zusammengesetzt, und durch eine Irritation im üblichen Ablauf der Zeit würden alle Katzen sichtbar, die in den vergangenen hundert Jahren an diesem Platz gesessen hatten,

dann kam der Sommer.

«Wir möchten dich bis auf weiteres nicht sehen«, hatte Josta nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus geschrieben, und es war dieses» wir«— das auch Daniel und Lucie umfaßte, die noch gar nicht verstand, was vorgefallen war —, das Richard in Unruhe versetzte und die Melancholie verstärkte, die ihn nach den friedlichen Einladungen des Frühlings, seinem verletzlich und unpathetisch wachsenden Grün, in den heißen Monaten oft befiel. Der Sommer forderte, trieb an, alles lief hochtourig, rangelte in schweißnasser Hektik, der Himmel schien sich wie ein Mühlstein zu drehen, Baumspitzen und Dächer zu bedrücken, den Fluß zu einer blinkenden Klinge zu schleifen; die Blüten beruhigten sich nicht mehr, sie hatten, so schien es, keine Zeit und platzten auf, pumpten aggressives Weiß in die Straßen, das gegen Mittag, unter kieselgrauer, wie alte Filme zerkratzter Sonne, zu Hitzeschlieren gequirlt wurde, dann verdorrte und, wenn die Blüten knisternd fielen, wie Gipsstaub auf den Wegen qualmte. Richard ging schwimmen an den Donnerstagen — trotz der Hitze zog er das Hallenbad den Freibädern vor —, kreiste Jostas Haus ein, fand den Laden, in dem Frau Schmücke Fische verkaufte:»Der Junge hat bald Ferien«, sagte sie auf seine vorsichtige Erkundigung hin, als das Geschäft leer war und die Schleien im Aquarium sich träge wieder sinken ließen,»es sieht so aus, als ob sie wegfahren wollen. Die Kleine lacht nicht mehr. Übrigens ist für die Kinder jemand gekommen, ich brauchte mich nicht darum zu kümmern. — Eine Frau«, setzte sie hinzu,»ich kenne sie nicht. Von der Familienfürsorgestelle beim Rat der Stadt, hat sie gesagt.«

Die Jungen der 11. Klassen fuhren ins Wehrlager. Christian brachte eine hellgrüne Uniform und eine Gasmaske von der Einkleidung mit, über der Schulter ein Paar schwarze Schnürstiefel:»Es sind ja nur zwei Wochen«, beruhigte er Anne. Die Uniform stammte aus einem Depot, roch nach Mottenmittel; Robert, dem es nicht gefiel, daß sein Bruder über die Ferien wieder in der Karavelle wohnte, riß die Fenster sperrangelweit auf:»Das Zeug verpestet die ganze Bude! — Und hör mal, Alter, hier ruft dauernd so ’ne Trulla an, ist das die aus Waldbrunn? Reina Kossmann. Reina — klingt wie chemische Reinigung!«

«Kümmer dich um deinen eigenen Kram«, sagte Christian. Bei Wiener ließ er sich die Haare kurz scheren:»Wennschon — dennschon«, ging in Uniform hin und Schnürstiefeln, das Käppi unter einer Schulterklappe; Wiener bediente schweigend im stumm gewordenen Salon, die Blicke wichen aus; erst als Oberst a. D. Hentter, der ehemalige Generalstäbler aus Rommels Afrikakorps, aufstand und Christian die Hand auf die Schulter legte, warteten Wiener und seine Gehilfen.»Wir dachten, wir haben bezahlt«, sagte Hentter,»solche wie dich hab’ ich vor El Alamein sterben sehen wie Fliegen. Und du kreuzt hier in diesen Lappen auf, mein Junge. Geh nach Hause und zieh das erst an, wenn’s nicht mehr anders geht.«

Christian war enttäuscht, daß der Oberst ihn nicht verstand. Er trug diese Uniform nicht aus Stolz, sondern weil er sich bedauern lassen wollte, vielleicht auch aus Trotz, ein masochistisches» Seht her«-Gefühl, die Ausstellung von Leiden. Noch immer waren die Russen in Afghanistan. Noch immer herrschte Kriegsrecht in Polen. Er ertrug den Gedanken nicht, frei herumlaufen zu können, während die Uniform schon wie eine Mahnung im Zimmer lag. In dem Moment, in dem er die Montur erhalten hatte, war auf seine Freiheit ein Schatten gefallen, war die Frist bis zur Abreise vergiftet — und er hatte das Bedürfnis nach Würde: nach außen hin paßte er sich an, innerlich sagte er: Ich trage diese Kleidung, ich habe sogar kurze Haare, ich tue mehr, als verlangt ist, und ihr habt trotzdem keine Macht über mich. Den eigentlichen Grund überspielte er: Damit der Abschied erträglicher würde, zog er die Uniform schon vorher an.

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