Robert fand einen Parkplatz auf der Piazza del Duomo vor der Kathedrale. Dann betrat er den gewaltigen Bau und näherte sich einem ältlichen Priester, der eben den Altarraum verließ.
«Entschuldigen Sie, Pater«, sagte Robert,»ich suche einen
Geistlichen aus Orvieto, der letzte Woche in der Schweiz gewesen ist.«
Das Gesicht des Priesters verdüsterte sich.»Ach ja. Der arme Pater Patrini. Er hat einen Nervenzusammenbruch erlitten.«
«Wie schrecklich! Weiß man, warum?«
Der Pfarrer senkte die Stimme zu einem Flüstern.»Er hat des Teufels Streitwagen gesehen.«
«Und wo ist er jetzt? Ich hätte ihn gern gesprochen.«
«Er liegt im Krankenhaus an der Piazza di San Patrizio — aber ich glaube nicht, daß er Besuch empfangen darf.«
Das Krankenhaus war ein schlichter ebenerdiger Bau in einem Außenbezirk am Stadtrand.
«Guten Morgen«, sagte Robert zu der Krankenschwester am Empfang.»Ich möchte zu Pater Patrini.«
«Es tut mir leid, aber das ist unmöglich. Er kann mit niemandem sprechen.«
«Entschuldigen Sie, aber Pater Patrini hat mich gebeten, ihn zu besuchen. Ich bin eigens auf seinen Wunsch nach Orvieto gekommen. «
«Er hat um Ihren Besuch gebeten?«
«Ja. Er hat mir nach Amerika geschrieben. Ich habe diese weite Reise nur seinetwegen gemacht.«
Die Schwester zögerte. Dann gab sie ihrem Herzen einen Stoß.»Gut. Sie dürfen zu ihm, signore — aber nur für ein paar Minuten.«
«Die genügen mir«, versicherte Robert ihr.
«Kommen Sie bitte mit.«
Sie gingen einen Flur entlang. Vor einer der Türen blieb die Krankenschwester stehen und sagte:»Nur ein paar Minuten, signore.«
« Grazie .«
Robert betrat den kleinen Raum und erblickte einen Mann, der nur noch wie ein Schatten seiner selbst aussah. Robert blieb vor seinem Bett stehen und sagte halblaut:»Pater…«
Der Geistliche sah zu ihm auf. Robert hatte noch nie solche Seelenpein im Blick eines Menschen gesehen.
«Pater, ich bin…«
Die Hand des Kranken umklammerte Roberts Arm.»Helfen Sie mir!«murmelte der Priester.»Sie müssen mir helfen. Ich habe meinen Glauben verloren. Mein ganzes Leben habe ich in den Dienst des einen, allmächtigen Gottes gestellt. Doch jetzt weiß ich, daß es keinen Gott gibt. Es gibt nur den Teufel! Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen! Im Wagen des Satans sind nur zwei gewesen — aber andere werden folgen! Warten Sie’s nur ab! Wir sind alle zum Fegefeuer verdammt.«
«Bitte hören Sie mir zu, Pater. Sie haben keinen Teufelswagen, sondern ein Raumschiff gesehen, das.«
Der Geistliche ließ Roberts Arm los und starrte ihn plötzlich ernüchtert an.»Wer sind Sie? Was wollen Sie?«
«Ich meine es gut mit Ihnen«, versicherte Robert ihm.»Ich möchte Ihnen nur ein paar Fragen zu der Busfahrt stellen, die Sie in der Schweiz gemacht haben.«
«Ah, der Bus! Ich wollte, ich wäre nie eingestiegen!«
«Sie haben in dem Bus neben einem Texaner gesessen. Sie haben lange mit ihm gesprochen, wissen Sie das noch?«
«Gesprochen. Mit dem Texaner. Ja, ich erinnere mich.«
«Hat er Ihnen gesagt, wo er in Texas lebt?«
«Ja, ja. Er hat es mir gesagt.«
«Wo ist er daheim, Pater?«
«In Texas. Er hat von Texas gesprochen.«
Robert nickte aufmunternd.»Richtig! Und wo — «
«Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen. Ich wollte, Gott hätte mich zuvor geblendet. Ich.«
«Bleiben wir bei dem Mann aus Texas, Pater. Hat er gesagt, wo er lebt?«
Der Geistliche verfiel wieder ins Delirium.»Sie kommen! Der Armageddon ist nahe! Die Bibel lügt! Satan wird sich die
Erde Untertan machen. Nehmt euch in acht! Nehmt euch in acht!«
Die Krankenschwester kam hereingestürzt. Vorwurfsvoll blickte sie Robert an.»Sie müssen sofort gehen, signore.«
«Ich brauche nur noch eine Minute, um.«
«Nein, signore. Bitte gehen Sie!«
Robert warf einen letzten Blick auf den Priester, der unzusammenhängende Worte vor sich hinbrabbelte, und wandte sich ab.
Die» Ponderosa«- das war die Ranch der mythischen Cartwrights. Der alte Knabe hat zuviel ferngesehen und im Delirium Texas mit der früher so beliebten Fernsehserie >Bonanza< gleichgesetzt, dachte Robert erbittert.
Trotzdem — ein Versuch konnte nicht schaden. Also rief Robert Bellamy Admiral Whittaker an.
«Robert, nett, daß Sie sich bei mir melden. «Die Stimme des Alten klang müde.»Wo stecken Sie?«
«Das darf ich nicht sagen, Sir.«
Eine kurze Pause.»Ja, ich verstehe. Kann ich irgend etwas für Sie tun?«
«Ja, Sir. Das ist mir ein bißchen peinlich, weil ich Befehl habe, völlig selbständig zu arbeiten. Aber ich brauche Hilfe von außen. Ich muß unbedingt wissen, ob es irgendwo in Texas eine Ranch gibt, die >Ponderosa< heißt.«
«Wie in der Fernsehserie >Bonanza