Jonathan Franzen - Weiter weg
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- Название:Weiter weg
- Автор:
- Издательство:Rowohlt Taschenbuch Verla
- Жанр:
- Год:2013
- ISBN:9783499259517
- Рейтинг книги:5 / 5. Голосов: 1
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Der Más-Afuera-Schlüpfer ist der größere, trister gefiederte Vetter des Stachelschwanzschlüpfers, eines bemerkenswerten Vogels, den ich in mehreren Wäldern auf dem chilenischen Festland gesehen hatte, bevor ich auf die Inseln kam. Wie eine so kleine Art achthundert Kilometer vor der Küste landen konnte, zahlreich genug, um sich zu vermehren und weiterzuentwickeln, wird für immer ein Rätsel bleiben. Die Más-Afuera-Art braucht unberührten Farnwald, und ihre Population, nie groß, scheint kleiner zu werden, vielleicht weil die Vögel, wenn sie auf dem Boden brüten, leichte Beute für die eingeschleppten Ratten und Katzen sind. (Más Afuera von Nagern zu befreien würde das Einfangen und Sichern der kompletten Bussard-Population auf der Insel voraussetzen, damit danach über Hubschrauber die Felsenlandschaft mit Giftködern gespickt werden könnte, zu Gesamtkosten von vielleicht fünf Millionen Dollar.) Mir war gesagt worden, in seinem Habitat sei der Más-Afuera-Schlüpfer nicht schwer zu entdecken; die Schwierigkeit bestehe darin, das Habitat zu erreichen.
Die Höhenlagen der Insel waren noch wolkenverhangen, aber ich hoffte, dass der Wind bald für klare Sicht sorgen würde. Soweit ich das anhand meiner Karte beurteilen konnte, musste ich bis auf elfhundert Meter steigen, um zwei tiefe Schluchten, die südlich den Weg nach Los Inocentes versperrten, zu umgehen. Dass der reine Höhengewinn meiner Wanderung bei null liegen würde, heiterte mich auf, kaum hatte ich jedoch das refugio hinter mir gelassen, schloss sich die Wolkendecke wieder. Die Sicht sank auf unter hundert Meter, und bald hielt ich alle zehn Minuten an, um meinen Standort elektronisch zu markieren, wie Hänsel, der im Wald Brotkrumen verstreut. Eine Weile hielt ich mich an einen von Maultierkot markierten Pfad, aber der Boden wurde bald zu steinig und zu sehr von Ziegenspuren vernarbt, als dass ich mir hätte sicher sein können, noch auf dem richtigen Weg zu sein.
Auf elfhundert Metern wandte ich mich nach Süden, schlug mich durch dichte, triefende Farne und fand meinen Weg von einem Wasserlauf blockiert, der zu diesem Zeitpunkt eigentlich unter mir hätte sein sollen. Ich studierte die Karte, aber ihre Google-Earth-Schraffuren waren kein bisschen weniger vage geworden, seit ich sie das letzte Mal studiert hatte. Ich versuchte, mich seitwärts an den Flanken der Schlucht voranzuarbeiten, doch unter der Farndecke verbargen sich glitschige Felsen und tiefe Löcher, und der Hang schien, soweit ich das im Nebel beurteilen konnte, steiler zu werden, also machte ich kehrt und kämpfte mich zurück auf den Kamm, wobei ich mich mit dem GPS orientierte. Nach einer Stunde Suche war ich völlig durchnässt und kaum mehr als dreihundert Meter von meinem Ausgangspunkt entfernt.
Ein Blick auf die Karte, die dabei sehr nass wurde, erinnerte mich an das unbekannte Wort, das Danilo benutzt hatte. Cordones : Das musste Gebirgskamm heißen! Ich sollte den Kämmen folgen! Nur noch innehaltend, um elektronische Brotkrumen zu streuen, stürmte ich wieder bergauf, bis ich eine solarbetriebene Funkantenne erreichte, vermutlich auf einem der Gipfel. Der Wind, jetzt stärker, blies Wolken über die Rückseite der Insel, die, wie ich wusste, aus Klippen besteht, die tausend Meter tief zur Robbenkolonie hin abfallen. Sehen konnte ich sie nicht, aber der bloße Gedanke an ihre Nähe ließ mich schwindeln; ich habe große Angst vor Klippen.
Zum Glück war der cordón südlich der Antenne einigermaßen eben, und es fiel mir nicht allzu schwer, mir einen Weg zu suchen, selbst bei starkem Wind und einer Sicht nahe null. Eine halbe Stunde lang kam ich gut voran, begeistert, dass ich aus knapper Information den richtigen Weg nach Los Inocentes erschlossen hatte. Schließlich aber teilte sich der Kamm und stellte mich vor die Wahl, entweder einer höher oder einer tiefer gelegenen Route zu folgen. Die Karte deutete ziemlich klar darauf hin, dass ich auf tausend Metern sein sollte, nicht auf zwölfhundert. Doch als ich im Versuch, meine Höhe zu verringern, den tiefer gelegenen Kammwegen folgte, landete ich an übelkeiterregend steilen Abhängen. Ich kehrte auf den höher gelegenen Kammweg zurück, der außerdem den Vorzug hatte, geradewegs südlich in Richtung Los Inocentes zu führen, und freute mich, als er schließlich abfiel.
Mittlerweile war das Wetter richtig schlecht, der Nebel hatte sich in Regen verwandelt und blies horizontal, mit Windböen von über sechzig Stundenkilometern. Während ich mir meinen Weg den Kamm hinab suchte, wurde der beängstigend enger und enger, bis eine schmale Felsnadel ihn gänzlich versperrte. Ich konnte mehr oder weniger gut erkennen, dass der Kammweg dahinter weiter abwärts führte, wenn auch sehr steil. Aber wie um den Felsen herum kommen? Wenn ich mich um seine Leeseite hangelte, riskierte ich, von einer Bö erfasst und hinuntergeweht zu werden. Und auf der Windseite ging es, soweit ich wusste, blanke tausend Meter in die Tiefe; aber wenigstens würde mich der Wind dort gegen den Felsen drücken statt mich von ihm wegzureißen.
In meinen regendurchtränkten Stiefeln hangelte ich mich an der Windseite entlang, jeden Tritt und jeden Griff zweimal prüfend, bevor ich ihm vertraute. Während ich vorwärtskroch und ein wenig weiter sehen konnte, kam mir der Kammweg jenseits der Felsnadel mehr und mehr wie eine neue Sackgasse vor, nichts als dunkler Raum dahinter und zu beiden Seiten. Auch wenn ich fest entschlossen war, den Más-Afuera-Schlüpfer zu finden, kam doch der Moment, in dem ich mich vor dem nächsten Schritt fürchtete, und plötzlich konnte ich mich selber sehen: mit ausgestreckten Armen und Beinen gegen eine glatte Felswand gepresst, in blendendem Regen und grimmigem Wind, ohne die Garantie, dass ich überhaupt in die richtige Richtung ging. Ein Satz, so klar, dass er beinahe wie gesprochen schien, schoss mir in den Kopf: Was du da machst, ist extrem gefährlich. Und ich dachte an meinen toten Freund.
David schrieb so gut über das Wetter wie jeder andere, der je Worte zu Papier gebracht hat, und seine Hunde hat er unverfälschter geliebt als irgendetwas oder irgendjemanden sonst, aber die Natur selbst hat ihn nicht interessiert, und Vögel waren ihm völlig egal. Einmal, als wir mit dem Auto in der Nähe von Stinson Beach unterwegs waren, in Kalifornien, hielt ich an, um ihm einen Fernglasblick auf einen Rostbrachvogel zu gönnen, eine Art, deren Herrlichkeit sich in meinen Augen ganz von allein erschließt. David schaute zwei Sekunden lang durch das Glas, bevor er sich offenkundig gelangweilt abwandte. «Yeah», sagte er mit seinem charakteristischen Tonfall leerer Höflichkeit, «er ist schön.» In dem Sommer, bevor er starb, saß ich mit ihm auf seiner Veranda, und während er Zigaretten rauchte, konnte ich meinen Blick nicht von den Kolibris abwenden, die sein Haus umschwirrten, und war traurig, dass er es konnte. Wenn er seinen schwer medikamentierten Mittagsschlaf hielt, lernte ich für eine bevorstehende Reise die Vogelarten von Ecuador auswendig, und ich begriff, dass der Unterschied zwischen seinem unbeherrschbaren Elend und meiner beherrschbaren Unzufriedenheit darin lag, dass ich mir selbst in der Freude an den Vögeln entkommen konnte und er sich nicht.
Er war krank, ja, und in gewisser Weise ist die Geschichte meiner Freundschaft mit ihm einfach die, dass ich einen Menschen liebte, der psychisch krank war. Die depressive Person brachte sich dann um, auf eine Art, die jenen, die er am meisten liebte, größtmöglichen Schmerz zufügen sollte, und wir, die wir ihn liebten, blieben zurück, zornig und mit dem Gefühl, betrogen worden zu sein. Betrogen nicht nur, weil wir mit der Liebe, die wir investiert hatten, gescheitert waren, sondern auch, weil sein Selbstmord ihn uns wegnahm und aus dem Menschen eine öffentliche Legende machte. Leute, die nie ein Buch von ihm gelesen oder die nicht einmal von ihm gehört hatten, lasen im Wall Street Journal seine am Kenyon College gehaltene Abschlussrede und beklagten den Verlust einer großen und sanften Seele. Ein literarisches Establishment, das nie auch nur eines seiner Bücher für einen Staatspreis nominiert hatte, erklärte ihn nun einmütig zu einem verlorenen Nationalheiligtum. Natürlich war er ein Nationalheiligtum und «gehörte», weil er ein Schriftsteller war, seinen Lesern nicht weniger als uns. Aber auch wenn man zufällig wusste, dass sein eigentliches Wesen viel komplexer und dubioser war als das, wofür er gerühmt wurde, und wenn man zudem wusste, dass er viel liebenswerter war — witziger, alberner, bedürftiger, gequälter im Krieg mit seinen Dämonen, verlorener, auf kindliche Art durchsichtiger in seinen Lügen und Widersprüchen — als der Künstler/Heilige, der aus ihm gemacht wurde, war es immer noch schwer, sich nicht verletzt zu fühlen von dem Teil in ihm, der die Vergötterung durch Fremde der Liebe der Menschen, die ihm am nächsten standen, vorgezogen hatte.
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