Altug Barbaros - Sticht in meine Seele
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Er rückte seine Brille zurecht. Dann schaute er mir in die Augen. „Das alles habe ich, seit ich in Frankreich bin, noch niemandem erzählt. Auch Jacqueline kennt meine Geschichte nur oberflächlich. Und schon das ist ihr zu viel. Den Schmerz, den du und ich empfinden, meine Liebe, versteht niemand außer uns beiden. Ich möchte dir etwas erzählen, und du kannst mich jederzeit unterbrechen. Aber bitte hör es dir an, bevor du nach Istanbul gehst. Der Mann, an dessen Beerdigung du teilnehmen wirst, stammt auch aus unserer Heimat. Seine Familie hat gerade mit dem gleichen Schmerz zu kämpfen wie wir.“
Er verstummte und schaute mich an, als erwarte er meine Erlaubnis dafür, fortzufahren. Als ich ihn mit einem leichten Kopfnicken dazu ermunterte, holte er tief Luft, schwieg noch für einen Moment und setzte dann mit gesenkter Stimme an, als erzähle er nun von einer frischen, schmerzvollen Erinnerung. „Wie ich so eines Tages in der Hitze des Sommers durch die Sonnenblumenfelder rannte, hörte ich in der Ferne Menschen weinen und klagen. Ich war gerade erst fünf Jahre alt geworden ‚und mein Zuhause war meine ganze Welt. Ich rannte dorthin zurück. Da sah ich meine Mutter, meinen Vater, meinen Onkel und meine Geschwister, von Soldaten umstellt. ‚Mama!‘, rief ich. Meine Mutter schluchzte. Ich wollte zu ihr. ‚Ist das deiner?‘, fragte ein Soldat und packte mich am Arm. ‚Das ist mein Sohn, lassen Sie ihn los‘, sagte meine Mutter. Ich lief zu ihr und umklammerte ihre Beine. Ich brachte keinen Laut hervor. Wir mussten alle auf Ochsenkarren steigen und mein Vater fragte Kutscher und Soldaten, wohin man uns bringe. Sie wüssten es nicht, bekam er zur Antwort, und vielleicht wussten sie es wirklich nicht, oder man hatte ihnen befohlen, das zu behaupten. Mitten in der Steppe ließen sie uns absteigen. Wo genau, weiß ich bis heute nicht. ‚Ab hier geht ihr zu Fuß‘, sagten sie. Jeder hatte sein Bündel dabei. Und wir waren bei weitem nicht die Einzigen. In jeder Provinz, jedem Dorf, jeder Stadt hatten sie die Armenier zusammengetrieben. Jeden mit seinem Bündel. Mit all den Habseligkeiten, die man in so ein Bündel eben hineinbekommt.“ Er verstummte. Ließ den Kopf sinken. Nahm seine Brille ab und putzte sie mit einem weißen Tuch, das er aus seiner Hosentasche gezogen hatte. Ich wandte den Blick ab, damit er sich auch die Augen trocken tupfen konnte.
Dann holte er erneut Luft und fuhr fort. „Es dauerte Monate. Vier, vielleicht sogar fünf. Wir fragten die, die sich dem Treck neu anschlossen, wie die Orte hießen, durch die wir kamen. Wir kamen durch Afyon und durch Konya. Dann wurden wir – später erfuhren wir, dass es außerhalb von Tarsus war – von Bewaffneten umzingelt. Sie töteten die Männer, die ihren Frauen zu Hilfe eilen wollten. Den Frauen entrissen sie ihre Bündel. ‚Was weg ist, ist weg‘, sagten sie. Im allgemeinen Chaos verloren wir meinen Vater und meinen Onkel aus den Augen. Erst später erfuhr ich, dass sie von den Wegelagerern umgebracht worden waren. Die anderen hatten es uns nicht gesagt, damit wir weitergingen.“
Er nahm einen Schluck aus seinem Glas. „Wir, die wir übriggeblieben waren, setzten unseren Weg fort. Immer wieder kamen weitere Bewaffnete, vergewaltigten die Frauen und rissen den Männern die Goldzähne heraus. Ich war ein Kind, das bis dahin noch Angst vor Feldmäusen gehabt hatte. Und nun musste ich für Männer und Frauen, die aus Mund und Nase bluteten, Wasser heranschaffen. Man lernt irgendwann, keine Angst mehr zu haben.“
„Und wie sind Sie bis nach Frankreich gekommen?“, fragte ich.
„Stark dezimiert“, sagte er. „Es waren ja von der Familie nur meine Mutter, eine meiner Schwestern und ich noch übrig.“ Er holte tief Luft. „Meine Schwester hat es uns nie verziehen, dass wir sie zurückgelassen haben. Sie hat sich zeitlebens geweigert, uns zu treffen, und auch ihren Kindern jeden Kontakt untersagt.“ Er schaute mir in die Augen. „Ich habe ihre Kinder nie zu Gesicht bekommen, aber du wirst sie sehen“, sagte er. Das also war der Grund, weshalb Jacqueline uns so überstürzt miteinander bekannt gemacht hatte.
Weiterleben
Da das Landemanöver sich in die Länge zog, konnte ich in Gedanken noch einmal die Geschichte rekapitulieren, die Vahan Bey mir erzählt hatte.
Er war als kleiner Junge Zeuge schrecklichster Ereignisse geworden. Er hatte mit ansehen müssen, wie eine seiner älteren Schwestern vergewaltigt worden war und wie man anderen Frauen die Hände abgeschnitten hatte, um an ihre Armreifen zu kommen.
Ähnliche Geschichten kannte ich bereits. Aus den Büchern, die mein Vater mir hinterlassen hatte, oder besser gesagt, die ich nach seinem Tod dort, wo meine Mutter sie hingeräumt hatte, aufgestöbert und heimlich gelesen hatte. Aber zum ersten Mal hatte ich sie von jemandem gehört, der selbst dabei gewesen war.
Als sie in Aleppo angekommen waren, war seine Schwester schon nicht mehr bei ihnen gewesen. Ihre Mutter hatte ihre einzige verbliebene Tochter aus Angst, sie könnte vergewaltigt oder getötet werden, einem reichen türkischen Händler, einem alten Mann, zur Frau gegeben. Obwohl man dem kleinen Vahan die Ohren zugehalten hatte, war es ihm unmöglich gewesen, die Schreie seiner Schwester nicht zu hören. „Es ist mir zwar gelungen, nicht mehr ständig daran denken zu müssen, aber vergessen werde ich es nie“, hatte er gesagt, als er davon erzählte. „Auch heute noch, nach all den Jahren, verfolgen mich die Schreie meiner Schwester nachts in meinen Träumen.“
Nachdem seine Schwester Hayganuş schon lange verstorben war, hatte Vahan Bey Spurensuche betrieben und herausgefunden, dass ihre Kinder und Kindeskinder mittlerweile in Istanbul lebten. Sein letzter und vielleicht einziger Wunsch war es, seine Nichten und Neffen zu sehen, ehe er starb, sie kennenzulernen oder zumindest mit ihnen zu sprechen, und um ihm diesen Wunsch zu erfüllen, hatte Jacqueline, die nichts dem Zufall überließ und sich gern als Helferin hervortat, mich auserkoren. Hayganuşs jüngste Enkelin arbeitete nämlich bei der Zeitung Agos, bei der gleichen Zeitung also wie Hrant Dink, der Journalist, zu dessen Beerdigung ich ging. Und da ich ja ohnehin jede Menge Mitarbeiter von Agos interviewen würde, so hatte sich Jacqueline gedacht, sollte es doch ein Kinderspiel für mich sein, auch mit Vahan Beys Großnichte zu sprechen.
Die Trauerfeier
„Woher kommst du, Abla?“ In der Türkei muss man sich als Frau daran gewöhnen, „Abla“ genannt zu werden, sobald man die dreißig überschritten hat. Außerdem wird damit signalisiert, dass man quasi zur Familie gehört und der Gesprächspartner keine unlauteren Absichten hegt. „Aus Paris“, sagte ich. Im Radio lief ein Beitrag über die Beerdigung, an der ich heute teilnehmen wollte. „Es ist schade um den armen Kerl“, sagte der Taxifahrer, während er mir mit einem Blick in den Rückspiegel zu verstehen gab, dass er mit mir ins Gespräch zu kommen versuchte. „Er hatte es keinen Deut besser als unsereiner. Ich habe seine Schuhe gesehen und es hat mir das Herz gebrochen.“ Ich wandte den Blick vom Ufer des Bosporus ab, um noch einmal auf dem Laptop meine Notizen durchzugehen. So stellte ich klar, dass ich unsere kurze Unterhaltung als beendet betrachtete.
Wir näherten uns Pangaltı, wo Hrant Dink ermordet worden war. Auf den Straßen war eine Menschenmenge, wie ich sie in der Größe noch nie gesehen hatte. Hunderttausende schoben sich langsam wie eine riesige Welle voran und versammelten sich vor dem Zeitungsgebäude, in dem er gearbeitet hatte.
„Weiter kommen wir nicht, Abla.“ Der Fahrer zeigte auf die Menschenmassen vor uns. Ich stieg aus und versuchte mich in Richtung Zeitung vorzukämpfen, wurde aber von der Menge einfach mitgetragen, mal hierhin, mal dorthin. Als der Leichenwagen vor dem Gebäude eintraf, erhob sich ein vielstimmiges Klagen und Seufzen. Dann ertönte, weit weg von mir, eine einzelne traurige Stimme. Ich schaute in die Richtung, aus der sie kam. Sie schallte vom Dach eines Busses herüber. Aus Agenturmeldungen und von Fotos, die ich im Vorfeld durchgegangen war, wusste ich, dass die Sprecherin Rakel Dink war, Hrant Dinks Frau. Die zahlreichen Menschen verstummten wie auf Befehl, und Rakel Dink begann den Abschiedsbrief vorzulesen, den sie ihrem Mann geschrieben hatte.
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