Helge-Ulrike Hyams - Das Alphabet der Kindheit

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Was ist ein Kind? Was denkt es, was tut, träumt, spielt, spricht, liest es? Aber auch: Was will, kann, darf, muss, soll es? Ratgeber für ratlose Erwachsene füllen viele Regal­meter, doch ein Buch wie dieses findet sich bislang nicht darunter. Die leidenschaftliche Pädagogin Helge-Ulrike ­Hyams hat ein Hausbuch verfasst, zu dem man immer ­wieder greifen wird – sei es zu bestimmten Anlässen (Heimweh, Eifersucht, Krankheit, Schulschwänzen) oder einfach zum Nachdenken über die schönen (Schokolade, Glück, Kuscheltier) und weniger schönen (Lügen, Einsamkeit, ­Quälen, Strafen) Momente im Leben eines Kindes. Ein großer, ganz unakademischer Spiegel der Kindheit und der Welt, in die Kinder hineinwachsen. Ein Alphabet für ­Eltern und Erwachsene, die geduldigen und die ungeduldigen, die lässigen und die strengen, die ängstlichen und die leicht­sinnigen.

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Seine ersten Fragen richtet das Kind an Mutter und Vater. Sie dürfen nicht ins Leere gehen. Sie müssen wie ein Ball aufgefangen werden, damit das Fragen und Antworten zur Gewohnheit wird. Damit der Dialog nicht versickert und nicht entgleist . 99Wo nämlich der Austausch von Frage und Antwort endet, wo die Fragen der Kinder ins Leere gehen, da hört das Kind häufig auf, weiter zu erkunden. Es begnügt sich mit dem Gegebenen, so wie es ist, und irgendwann interessiert es sich nicht mehr, warum etwa Menschen und Tiere sterben müssen. Es verliert den brennenden Impuls, hinter die Dinge zu schauen – zu transzendieren.

Denn auch darum geht es: das Geschaute und offensichtlich Gegebene zu hinterfragen und damit hinter seine Geheimnisse zu gelangen. Die äußere Realität der Dinge nimmt jedes Kind mit seinen Sinnen deutlich wahr – es sieht, es hört, es riecht und tastet –, aber dem Wesen der Erscheinungen muss es durch Fragen nachspüren: Wie sind wir entstanden? Wie bin ich entstanden? Wer hat uns Menschen gemacht? Wer hat mich gemacht?

Die meisten Eltern und Lehrer sind dankbar für die Fragen der Kinder, ist es doch ein Zeichen dafür, dass das Kind lernen will und sich der Welt öffnet. Manchmal stehen wir als Erwachsene staunend vor solchen Fragen, die wir in dieser Radikalität nie hätten stellen können. Ich erinnere mich an einen damals zehnjährigen Jungen in einem Gespräch über die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Er fragte mich: »Warum essen wir das, was wir am meisten lieben?«

Ein faszinierendes Beispiel von Fragelust gibt der Knabe Jesus im Tempel. Der Zwölfjährige fiel den Priestern und Gelehrten damals nicht durch seine Frömmigkeit, sondern durch seine kluge, wissbegierige Art des Fragens auf: »Der Knabe sitzt inmitten von gelehrten Theologen, und das lebendigste Gespräch fließt in die Fragen und Antworten herüber und hinüber. Die Lehrer können nicht genug staunen über die Fülle von Wissen und Weisheit, die sich in den Fragen und erst recht in den Antworten des Knaben offenbart. Sie fühlen hier ihre eigene Weisheit weit übertroffen«, schreibt Emil Bock in seinem Buch über Kindheit und Jugend Jesu . 100Als die Eltern ihren drei Tage lang vermissten Sohn wiederfinden, rechtfertigt er sein Verschwinden mit einer Frage: »Muss ich nicht sein bei dem, was meines Vaters ist?«

Ja, es ist immer wieder ein Vergnügen, lebendig fragende Kinder zu erleben. Lebendig fragend heißt: unbeeinflusst von gesellschaftlichen Konventionen. Konventionen, die uns schon früh diktieren wollen, was man fragen darf und vor allem was nicht. Kinder fragen normalerweise unverblümt, direkt: »Oma, wann stirbst du? Warum hast du keinen Mann? Warum sieht die Frau so komisch aus?« Sie haben ein brennendes Interesse, auf diese sehr persönlichen, körpernahen Dinge eine Antwort zu bekommen. Die Zeitangabe »irgendwann« – bezogen auf den Tod der Oma – sagt ihnen gar nichts.

Schnell fahren wir Erwachsenen ihnen über den Mund: »Das fragt man nicht!« Dieser Satz sitzt. Viele Kinder werden durch diesen Satz nachhaltig geprägt. Sie stellen nur noch brave und angepasste Fragen über irgendwelche Sachverhalte oder Funktionsweisen der Dinge. Das Brennende, das Aufwühlende, das dem wirklichen Erkenntnisinteresse des Kindes zugrunde liegt, verschwindet.

Wir Erwachsenen haben es am eigenen Leib erlebt. Ich erinnere mich haarscharf an die Fragen meiner Kindheit und Jugend. Und ich erinnere mich genau, wie unsere Erzieher antworteten. Mit zehn wollte ich wissen, wie Kinder gemacht werden. Als Antwort schenkte man mir eine Babypuppe. Als wir dreizehn-/vierzehnjährig, aufgeweckt durch die Lektüre von Anne Franks Tagebuch, unsere ersten Fragen über den Holocaust stellten (wir benutzten damals dieses Wort noch nicht), wurden die Gesichter der Mütter blass und die Lehrer wandten sich ab. Alle Fragen gingen ins Leere – ins peinliche Niemandsland. Die Erwachsenen ließen uns mit unseren Fragen, mit unseren kleinen Körpern und unseren großen Fantasien vom Krieg allein. Dieses Schweigen, dieser kollektive Entschluss, auf die Fragen der Folgegeneration nicht zu antworten, war eine der schwersten Hypotheken für die Nachkriegsgeneration. Die tatsächliche gesellschaftliche Sprengkraft der Studentenbewegung lag nicht zuletzt darin, dass wir Studenten damals die Antworten auf unsere Fragen erzwingen wollten. Ulrike Meinhof sagte in einem Interview mit Marcel Reich-Ranicki, sie habe andauernd nur eine einzige Frage bewegt, nämlich: »Wie konnte das geschehen?« 101

Aber es kann auch anders laufen. Wenn man es nämlich zulässt, dass das Kind seine Fragen frei stellen darf, wird es bald vorwärtsdrängen und immer mehr und immer neue Fragen stellen, die weit über die Erklärung der realen Welt hinausgehen. Es will dann nicht mehr nur wissen, wie es geboren wurde, sondern auch warum: »Warum bin ich ich ? Warum bin ich kein Reh?« 102Und eine ganze Reihe weiterer Fragen über die Erschaffung von Mensch und Tier und Kosmos, über das göttliche Prinzip beginnt zu fließen. Für mich als Hochschullehrerin waren die lebendigsten, die fruchtbarsten und glücklichsten Momente jene, wenn die Studierenden vorbehaltlos fragten. Und die trostlosesten, wenn ein Thema kommentarlos – und das heißt fraglos – geschluckt wurde. Wirkliches, lebendiges Lernen ist wie das Fragen selbst: ein hoch dialogischer, dialektischer Prozess. Die Lust des einen, der fragt, erzeugt geradezu die Lust des anderen, der antwortet. Das ist die Kunst des Sokratischen Gesprächs, ja, der Sokratischen Lehre selbst, dass der Dialog durch ständiges Fragen inspiriert und in Gang gehalten wird. Wie, wenn wir unsere Kinder nur ungebremst und frei fragen ließen – vielleicht würden sie dann lauter kleine Philosophen.

Freunde

»Ich kann die Freunde meiner Kindheit nicht zählen, doch viele Gesichter blicken mich noch an. Ich weiß nicht mehr richtig, wer sie sind, doch sie haben ihre tiefen Spuren in mir hinterlassen, sie in mir und ich in ihnen. Wen werde ich wiedererkennen in diesem Spiegelbild?«

Jacques Lusseyran

Jean-Jacques Sempé, der immer leicht melancholische, großartige französische Cartoonist – in Deutschland vor allem durch seinen kleinen , stets von einer Freundesbande umzingelten Nick bekannt –, bekennt in einem Gespräch, dass er als Kind nie wirklich Freunde gehabt habe. Aber er war schon damals nicht auf den Kopf gefallen und äußerst kreativ: »Wir wohnten nicht sehr weit vom Stadtpark, in Bordeaux hieß er Jardin public . Mein Bruder und ich gingen sehr häufig dorthin. Und es durfte niemand wissen, dass ich keine Freunde hatte, das war bei mir so eine fixe Idee. Die Frauen, die dort mit ihrem Strickzeug saßen und auf ihren Nachwuchs aufpassten und mich vorüberrennen sahen, durften bloß nicht denken, ich sei ganz allein mit meinem Halbbruder da. Im Gegenteil, sie sollten glauben, wir hätten eine ganze Horde von Freunden, und so habe ich, sobald ein paar Erwachsene in der Nähe waren – mein Halbbruder muss mich für verrückt gehalten haben –, plötzlich ›Sie kommen, sie kommen!‹ geschrien und bin losgerannt und hab meinen Halbbruder hinter mir hergezogen. ›Sie kommen!‹, das sollte signalisieren, dass andere Kinder uns verfolgten, obgleich wir ganz allein waren. Mir hat das sehr gefallen, weil ich dachte: Jetzt glauben all diese Erwachsenen, dass ich ganz viele Freunde habe.« 103Diese Geschichte ist nicht nur witzig, sondern sie zeigt auch, wie trügerisch unsere Wahrnehmung von dem ist, was wir gemeinhin Freunde nennen – dies gilt anscheinend für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Und diese Geschichte erzählt auch viel über den Menschen Jean-Jacques Sempé.

Anfänglich sind es zumeist eher Zufälle, welche Jungen und Mädchen zusammenbringen: die Nachbarschaft, der gemeinsame Schulweg, der Pausenhof. Man kann einander gut leiden und schon tituliert man den anderen als Freund oder Freundin . Und ebenso leicht und schnell wie diese Freundschaften geschlossen werden, werden sie auch, zumindest verbal, wieder aufgekündigt. So durchzieht etwa der Satz: »Du bist meine Freundin gewesen« die allermeisten Kleinmädchengespräche als latente Drohung, und von einem Moment auf den anderen wendet er sich in sein Gegenteil: »Du bist meine allerliebste Freundin!« Dauerhafte freundschaftliche Bindungen, die auf Sympathie, auf gleicher Interessenlage und Schwingung beruhen, gehen Kinder in der Regel erst im Pubertätsalter ein, wenn sie frei wählen und ihre Bindungswünsche auch real umsetzen können.

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