Dragica Rajčić Holzner - Liebe um Liebe

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"Wäre Mutter anders, hätte ich nie geheiratet. Wie ein Hund, von der Leine gerissen, lief ich durchs Fenster weg, hängte ich mich an Igor." In einer rohen, wilden und starken Sprache, ihre eigene Herkunft nicht verleugnend, erzählt die Lyrikerin und Dramatikerin Dragica Rajčić Holzner aus der Innensicht von einer unmöglichen Ehe, in der mit Gewalt auf Liebe geantwortet wird, und mit Liebe auf Gewalt.
Als die Ich­-Erzählerin Igor zum ersten Mal sieht, erscheint er ihr wie ihre Rettung. Und doch ist da gleich zu Beginn dieses ungute Gefühl, das immer wieder weggeschoben und ignoriert werden will. Igor trinkt zu viel, aber tun das nicht alle Männer? Er ist aufbrausend, aber auch das ist doch nichts Ungewöhnliches. Jahre später zieht das verheiratete Paar in den Norden
der USA. Hier wird sich die anfangs noch diffuse Unruhe als prophetisch er­ weisen. Der Mann, an den sie sich in ihrer Jugend voller Hoffnung klammerte, wird zu jemand völlig anderem. Und wieder muss sie fliehen – diesmal fort von ihm.
Über hundert Jahre tief, bis in die Zeit der Spanischen Grippe, senkt sie das Lot der eigenen und erzählten Erinnerungen, um die raue Zeit des Auf­wachsens im ländlichen Jugoslawien der 60er­Jahre, die Flucht von der Familie, das Hineingeraten in die frühe Ehe und die späte Befreiung daraus zu verstehen. Ein Roman wie das darin geschilderte Leben: ein glitzernder Scherbenhaufen, eine fesselnde Naturgewalt.

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Kindheit 1965

In die Geldtasche hatte Vater mein Gesicht gesteckt, das erste Foto für die Vergünstigung, für den Familien-Angestellten-Ausweis der Eisenbahn-Mitarbeiter. Er trug den Ausweis immer mit sich und dieses Kind, ein in sich versunkenes Kind mit großen dunklen Augen, mit dem Haarschnitt eines Jungen, Scheitel auf der linken Seite, geölt, gekämmt, schmale Pulloverzöpfe bis zur Brust. Dann hörte das Foto auf. Das Kind starrt in sich hinein, abwesend, fragend. Das Kind ist nicht verängstigt, eher neugierig. Abstechende Ohren fallen auf, große. Ein Heiratshindernis, obwohl die Mutter sie mit einem Wundpflaster anklebte, damit die Chancen, später für das Mädchen einen Bräutigam ausfindig machen zu können, sich vergrößerten. Dieser nach innen gerichtete Blick, ich schaue dieses Kind in mir an und es scheint mir unmöglich zu begreifen, dass dasselbe Ich in mich heute hinübergerettet wurde.

Die Mutter schloss sich manchmal hinter der Schlafzimmertür ein und kam für Stunden nicht heraus. Eine seltsame Unruhe ohne Lärm, wenn sie nach den Gegenständen griff, ihre Stimme, die Befehle oder Warnungen austeilte, verstummt. Wenn sie aus dem Zimmer endlich wieder in der Küche auftauchte, mit geschwollenen Augen und schmalen Lippen, bekam die Küche ihr normales Gesicht. Die seltene Erinnerung, wie sie lachte beim ersten Schneefall; sie spielte und lachte und warf Schneebälle um sich. Der Geruch ihres Schweißes und der Härchen unter den Armen, wenn sie uns wusch. Als sie die Sehbrille bekam, wurden ihre Augen vor der Welt geschützt. Schwarz umrandet, undeutlich.

Der Vater hütet das kleine Häuschen am Bahngleis-Übergang. Mit dem Vater kommt die Stille ins Haus. Wenn Besuch aus Glück bei ihnen ist, ziehen die Eltern eine andere, lachende Gesichtshaut an und die Wörter werden laut hinausgesagt. Wenn die Kinder allein mit den Eltern zu Hause sind, geben diese kürzeste Befehle durch geschlossene Lippen.

Der Wächter der Familie, der Fürst mit blauen Augen, Vater, der Gesetze und Regeln gab, die keines der Kinder gründlich ausführen konnte. Sein Lachen wäre Verschwendung der Zeit, nur die Nachbarin Jasna brachte ihn zu einem seltsamen Kichern. Er zeigte den goldenen Zahn beim Reden und einen silbrigen beim Fluchen, welcher weit hinten im Mund lag. In ihm kochte eine Zornmilchsuppe, die jederzeit überschwappen konnte wie Milch. Er konnte es auch immer begründen: Hast du keine Augen im Kopf? Er liebte lange Reden vor den Ohren anderer. Wir Kinder hatten kein Wort, sondern dienten als Empfänger seiner Verheißungen. Die Antwort: den Kopf senken und still sein. Die Disziplin, welche er erwartete, förderte, was er als gute Erziehung ansah; sicher war, dass es in seiner Macht stand, die Kinder zu biegen und zu brechen. Er musste aus Kindern die Schlechtigkeit aller Menschen rechtzeitig austreiben. Die Dorfprimitivität ein für alle Mal aus ihnen verbannen, des Dorfs Glück, in dem er nur primitive Menschen sah.

An Weihnachten verfiel er in eine zur Schau gestellte Gleichgültigkeit, weil es sich so gehörte, weil er sich in der Rolle des feierlichen Vaters gefiel. Weil Weihnachten war und die Kinder sollten sich an Weihnachten erinnern, weil er zwei Gläser bitteren Pelinkovac-Likör trank und den Kindern die Geschichte erzählte, wie er einem Wolf auf dem vereisten Fluss den Schwanz aus dem Körper gerissen hatte. Die Kinder trauten dieser Verwandlung nicht ganz und saßen auf seinen Knien, jederzeit bereit, abzuspringen. Die Mutter und die Großmutter hängten sich nicht an die gute Stimmung an, warnten ihn vor dem Alkohol, welcher ganze Familien schon zerstört habe, er werde auch seinem Magen nicht guttun. Der Vater brach in Zorn aus, schüttelte die Kinder von seinen Knien. Ihr gönnt mir gar nichts, wann war ich je betrunken? Die Kinder wünschten sich so sehr einen betrunkenen Vater, der Geschichten erzählte und scherzte. Weihnachten, das so kurz nach dem Schweineschlachten kam, hieß Zuckerbonbons auf dem kleinen Tannenbaum am Esstisch, Orangen darunter, Baumwolle, Watte, vier Glaskugeln wurden aufgehängt (wegen der Kinder). Aber die Kinder verstanden nicht, was gut daran sein sollte, diese Sachen zu sehen, aber nicht essen zu dürfen, die zuckerweißen Bonbons, die in Glitzerpapier eingewickelt waren. Es war unvorstellbar, was Weihnachten sollte und was die kleinen Kerzen, die in Öl schwimmenden Kerzen unter dem Baum, mit der Seele des Großvaters (den toten Seelen) zu tun haben könnten.

Dann die Nachmittage, an denen die Kinder zu Gott beteten und ihn baten, den Vater verschwinden zu lassen, er soll sterben, lieber Gott, aber der Gott sollte nicht verraten, dass er auf die Kinder hörte. Die Schrecklichkeit dieses Hasses, der ihre kleinen Körper zerschmetterte, so wie der Schmerz des Hosengürtels ihre rot gestreifte Haut platzen ließ. Dieses Brennen der Haut, das nicht zu stoppen war, und dann die Tage, an welchen das Sonnenlicht kam, an welchen sie Trost im Weglaufen fanden und im Versinken in den Schlaf. Die vergebliche Mühe des Gebets zeigte sich immer, weil ihre Schuld schon im Vorhandensein lag, nicht auszulöschen war.

Die Kinder quälten die kleinen Tiere und schauten zu, wurden herzlos, wenn kleinste Vögel im Nest ihren Schnabel aufsperrten und nach Luft rangen, wenn ihr Kopf sank und sich nicht mehr bewegte. Die Kinder überfütterten sie mit Feigenfleisch.

Die Kinder hatten Angst vor der Strafe, vor dem Hosengürtel, die Wunden sahen im Frühling schrecklich aus auf weißen Oberschenkeln. Erst dunkelblau, dann gelblich.

Ich sehe mich sitzen, auf einem flachen, unregelmäßigen, großen Stein auf dem halben Weg, welcher von der Straße berghinauf führt. Schutt und Steine hat Vater nachgefüllt, um den Weg auszubessern, damit das Pferd es leichter hat, den Wagen bis zum Haus hinaufschleppen kann. Der Stein drückt unter dem Gesäß, der dünne Stoff des Sommerkleidchens ist hinaufgerutscht, ich spüre den Stein unter dem Gesäß und den Oberschenkeln, der Stein klebt an der Haut.

Auf dem zweiten Foto, das in jenem Sommer gemacht wurde, auf dem Dorffest, hat die Mutter kleine Augen, durch das Schauen in Richtung Sonne und Fotokamera sind die Mutteraugen noch kleiner als sonst. Um ihren Kopf ist ein dünner Zopf gewickelt, weiße Sandalen, Schürze und eine helle Kurzarmbluse. »Schau, wie dünn ich da bin«, jedes Mal hat sie das gesagt, wenn ich dieses Foto mit ihr angesehen habe.

Ich sehe mich in der Spiegelkommode des neuen Elternschlafzimmers. Mutter hat Wasser erwärmt und es vor das Haus gestellt. »Du musst dich waschen, hinter den Ohren schrubben, hinter den Ohren sammelt sich am liebsten Schmutz.« Mutters Hände tun weh.

Ich erinnere mich nur an den Geruch des nassen weißen Stoffs, den sie wäscht, ich sehe die runde glitschige Seife aus Mutters Händen in den Wassereimer fallen, die Haare unter den Oberarmen, kleine Hände mit schmalem Goldring, ihren blumigen Unterrock, Combine genannt, darüber den Faltenrock. Mutter näht mit der linken Hand. Das Kleid mit Schiffen, das Mutter genäht hat, trage ich in der Erinnerung die ganze Kindheit. Mutter singt leise, kaum hörbar … meine Blumen, mein Glück, deine Ljuba … moj gaj, moja sreća, tvoja ljubav .

Ich glaube, Großmutter ist auf der Reise, die Großmutteraugen haben sie nicht beobachtet.

Einmal sagte Vater feierlich: »Wir gehen nach Čačak.« Nach diesen Worten hatte ich eine geräuschlose, steigende Aufregung in den Augen, in den Ohren, mein Herz unter dem vergilbten Unterhemd klopfte bis in den Rücken. Eine Zugreise, morgen. Die Reisekleider lagen schon auf Großmutters Bett, die Kleider, welche ausgeliehen waren und nur zu dieser Gelegenheit angezogen werden sollten. Ein hellgelber Wollpullover mit Zopfmuster, der um Gotteswillen nicht beschmutzt werden durfte, weil er von Tatjana Jagoda, der Cousine, ausgeliehen war. Tatjana Jagoda sprach Italienisch mit Nonna und Nonno und war ein »Augenapfel« für alle. Der Wintermantel wurde auch ausgeliehen. »Weil das Kind kalt haben wird«, sagte Mutter zum Vater; er hatte Holzknöpfe auf beiden Seiten, dunkelblau.

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