Euer Scharfsinn aber kommt aus einer anderen Welt. Ihr betrachtet die Rätsel vor Euch mit den Augen der Wissenschaft, weshalb Ihr Dinge aufspürt, die anderen verborgen bleiben – und das ist es, was uns vielleicht helfen wird, den Tod meines Freundes aufzuklären.“
„Haich denkt nicht so, und wer weiß, am Ende könnte er sogar recht behalten. Was wird sein, wenn ich keinen Hinweis auf die Mörder unseres Ratsherrn finden kann? Wie, wenn ich gar die bisherigen Spuren falsch gedeutet hätte, und es doch ein Unglück gewesen ist?“
„Ich glaube so wenig wie Ihr selbst, dass Ihr in einem großen Irrtum befangen seid. Aber mein Wort darauf: Selbst wenn Ihr nichts weiter finden solltet, werde ich am Ende dennoch zufrieden sein. Ich könnte guten Gewissens vor Maria von Brempt treten, weil ich weiß, dass wir alles versucht haben, die Geschehnisse dieser verfluchten Nacht zu enträtseln.“
Ulrich wechselte das Thema: „War es schwierig, die Versammlung für meine Person zu gewinnen?“
„Durchaus nicht. Alle zeigten sich nach der Fragestunde von Euch beeindruckt. Am Ende galten die Einwände allenfalls noch eurer Jugend, und dann sprachen wir natürlich noch über die Frage des Entgelts.“
„Aber Haich …“
„Haich ist nicht dumm, und er ist eine gute Stütze für den guten alten Borsfeld, der nicht mehr allen seinen Aufgaben nachkommen kann, wie er es früher vermochte. Aber sein Ehrgeiz steht ihm häufiger im Weg, als er ahnt. Auch heute hätte er mehr Besonnenheit an den Tag legen sollen.“
„Wie habt Ihr meinen Vater dazu gebracht, eurem ganzen Vorhaben zuzustimmen?“, schoss Ulrich seine nächste Frage ab.
Diesmal war Lengsdorp so verblüfft, dass seine Miene für einen Moment wie gefroren schien und er sein übliches Lächeln gänzlich einbüßte. „Hat er es Euch gesagt? Nein, woher wisst Ihr …?“, fragte er zurück. Wohl zum ersten Mal an diesem Tag schien ihm ein Faden entglitten, den er doch fest in seinen Händen wähnte.
„Ich wusste es lange Zeit nicht“, erklärte Ulrich, „Wohl bemerkte ich heute morgen, dass mein Vater anders gestimmt war als sonst, aber eure Rolle hierbei erriet ich erst, nachdem Ihr diese Versammlung erfolgreich auf meine Dienste eingestimmt hattet. Da wurde mir plötzlich klar: Ihr würdet kaum alles so kunstfertig eingefädelt haben, wenn nicht zuvor bereits eine Abmachung getroffen wäre, dass Johann Hesenius zugunsten des Rats auf die Dienste seines Sohnes verzichtet. Ihr selbst habt ihm gestern Abend meine Vorladung zu dieser Versammlung überbracht, und anschließend – der Himmel mag wissen wie – habt Ihr meinen Vater überredet, mich nach eurem Wunsch hin für diese Aufgabe frei zu geben.“
„Und wie gut das war!“, antwortete der Kaufmann, und sein verschmitztes Lächeln war dabei wiedergekehrt. „Übrigens hält die Weinstube im Alten Rathaus nebenan einige gute Tropfen bereit und auch die Küche dort weiß manches aufzutischen, das uns munden könnte. Wenn Ihr einverstanden seid, würde ich gern alles Weitere, was zu bereden wäre, mit Euch bei einem Krug Wein und einem Stück Braten angehen.“
Ulrich war es nur recht. Er verspürte großen Appetit.
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