Shumona Sinha - Staatenlos

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Die Frauen in Shumona Sinhas neuem Roman sind entwurzelt, heimatlos, nie ganz angekommen in einer Gesellschaft, die unlebbar ist, vor allem für Frauen und Fremde. Voller Wut erzählt Sinha von Rassismus, Sexismus und Unterdrückung in Frankreich wie in Indien:
Esha stammt aus wohlhabendem, gebildetem Milieu in Kalkutta, sie ist aus Liebe zur Sprache nach Paris gekommen, einem romantischen Traum folgend. Doch während sie auf das Ergebnis ihres Einbürgerungsantrags wartet, häufen sich die rassistischen Bemerkungen, die abfälligen Blicke, die Enttäuschungen.
Mina ist Analphabetin und stammt aus einer Bauernfamilie, die seit Generationen Land in Bengalen bewirtschaftet, das ihr nicht gehört. Sie wird in einen Aufstand gegen den Bau einer Autofabrik hineingezogen. Doch sie hat eine viel drängendere Sorge, denn sie ist von ihrem Cousin Sam schwanger, der sie ganz sicher nicht heiraten wird.
Marie schließlich wurde schon als Säugling von liberalen französischen Eltern adoptiert. Sie reist regelmäßig nach Indien, auf unbestimmter Suche nach Exotik und ihrer eigenen unauffindbaren Herkunft.
In einer Gegenwart, die zunehmend von Misstrauen, Angst und sogar Hass dem Anderen gegenüber geprägt ist, ist Staatenlos eine wichtige und einzigartige literarische Stimme, die uns Fragen zur Gewalt aufzwingt, die wir tolerieren, akzeptieren und selbst ausüben, sei es auch ohne unsere Absicht.

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Nach wenigen Tagen litt sie unter Schlaflosigkeit, wie bei allen vorherigen Stellen, die ihr zugeteilt worden waren, die Nächte kamen wieder, licht und rau wie Tafelkreide. Sie ging zur Schule, einen Angstknoten im Bauch, jeden Tag musste sie bei null anfangen, musste sich eine neue List ausdenken, um ihnen die Fremdsprache beizubringen, ihre Aufmerksamkeit zu wecken, die Fragen umzulenken, die mehr ihr Privatleben betrafen als den Lehrstoff, sehr schnell wollten sie nichts mehr wissen, zwei, drei Schüler in der ersten Reihe machten sich klein, wurden von den anderen für ihre Strebsamkeit gehänselt, die Mädchen verwechselten in ihrer Federtasche die Wimperntusche mit dem Kugelschreiber, die Jungen kamen ohne Schultasche, Kappe auf dem Kopf, Kopfhörer auf den Ohren. An dem Tag, als es Esha gelungen war, sie davon zu überzeugen, mit einem Heft und einem Kugelschreiber zur Schule zu kommen, hatte sie sich selbst zu diesem ersten Sieg beglückwünscht. Größte Wachsamkeit war gefordert, damit sie einander nicht mit Papierkügelchen oder kaputten Kugelschreibern bewarfen, damit sie die Tische nicht mit den Fäusten und ihre Klassenkameraden nicht mit den Füßen malträtierten, ihre Stühle nicht durch die Luft warfen, nicht schrien, einander nicht beschimpften, nicht plötzlich aufsprangen, um durch das Klassenzimmer zu laufen, nicht brüllten »Verpiss dich, du Vollidiot!« und nicht ständig losprusteten, damit sie sie nicht unterbrachen, wenn sie sprach, sie nicht lauthals fragten, warum sie an die Tafel schrieb, was sie schrieb, ihr nicht vorhielten, dass sie einen Akzent habe, dass sie dahin zurückgehen solle, wo sie hergekommen war, dass sie hier zu Hause seien, weil ihre Eltern seit Jahren hier lebten.

Dieses Mal war die Stimmung schon in der ersten Stunde mit einer Klasse von einem Dutzend Schülern gekippt. Diese Jungen kamen von einem dreiwöchigen Praktikum als Mechaniker zurück. Sie wussten nicht, dass sie beim Fremdsprachenunterricht ihr Schulzeug brauchten, sie rieben sich die leeren, rauen Hände, ließen ihre Finger knacken, kratzten sich am Kopf und seufzten lautstark. Die weiße Tafel strahlte in ihre verblüfften Augen wie das Neonlicht eines Operationssaals, sie hypnotisierte sie und schläferte sie ein, die Buchstaben und Wörter fügten sich nicht zusammen, sie verstanden die Zeichen nicht, die unergründlich und leblos vor ihnen lagen.

Esha war ratlos. Wie konnte man sie das Lernen lehren?

Als sie das Hörbeispiel abspielen wollte, fiel ihr auf, dass der Junge, der sich ganz hinten, weit weg von den anderen, hingesetzt und seinen Kopf auf die verschränkten Arme gelegt hatte, mittlerweile schlief.

»Wach auf! Du darfst hier nicht schlafen!«, rief sie.

Er antwortete ihr nicht, rührte sich nicht, mit einer Handbewegung forderte er Esha auf, ihn in Frieden zu lassen. Esha insistierte, rief ihm die Schulordnung in Erinnerung, da lief der Jugendliche rot an. Man hätte meinen können, dass die großen, durchscheinenden Pickel, die sein Gesicht bedeckten, jeden Moment platzen würden. Er sprang von seinem Stuhl auf und schrie: »Du hast mir gar nichts zu befehlen! Ich bin nicht dein Hund!«

Esha versuchte, ihm zu erklären, dass es hier nicht um Herrchen und Hunde ging, sondern um Lehrer und Schüler, dass das die Grundidee der Schule war, was den Jungen umso mehr aufregte.

»Zieh dir ne Burka an! Walla, dir geht’s wohl nicht gut! Hast du schlecht geschlafen oder was?« Er schaute zu seinen Klassenkameraden, lachte. Die Jungen lachten mit, zerknitterten die Blätter, die Esha ausgeteilt hatte, zerknüllten sie und warfen sie durch den Raum.

Esha hob den Hörer des Telefons an der Wand ab und wählte mehrere Nummern, bevor sie eine Aufsicht ans Telefon bekam. Ein Mann kam herein, groß und kräftig wie ein Soldat. Mit seinen ruhigen, halbgeschlossenen Augen beobachtete er die tobenden Schüler, fragte Esha, was sie wünsche. Sie erzählte von dem Zwischenfall, und der Aufseher wandte sich an den fraglichen Schüler, der beim Leben seiner Mutter schwor, nichts gemacht zu haben, was alle seine Brüder bezeugen könnten.

In der Überzeugung, dass niemand etwas Böses wolle, dass es ihre Art sei und dass man sie nicht vor den Kopf stoßen dürfe, verließ der Aufseher den Raum und schloss ehrfürchtig die Tür hinter sich. Nichts konnte Esha beruhigen. Weder der Bericht, den sie im Anschluss für den Beauftragten für Disziplinarfragen und die Direktion verfasste, noch die Sammelmail, die sie an ihre Kollegen schickte.

Angespannt ging sie in die zweite Unterrichtsstunde in einer Klasse mit Mädchen, die eine Ausbildung in der Modebranche machten.

Seit Beginn des Schuljahres hatte sie sich das Vertrauen eines Teils von ihnen erarbeitet, sie thematisierten die Stellung der Frau, trugen T-Shirts mit politischen Slogans, waren stolz auf ihre Tätowierungen und Piercings, lasen in den Pausen. Die anderen folgten allen Modetrends, oder packten sie vielmehr, zermalmten sie mit ihren starken Händen und behielten Fetzen aus Stoff, Metall, Farben und Frisuren zurück. Mit ihren kräftigen Körpern in engen Leggings, ihren Perücken, Extensions, Zöpfen, ihren falschen Wimpern, falschen Nägeln, ihrem Lippenstift waren sie grausam schön und beunruhigend. Diese Kriegerinnen lächelten nie, legten sich ständig mit Esha an, musterten sie und gaben tuschelnd Kommentare ab, mit denen sie ihre Klassenkameradinnen die ganze Stunde lang zum Lachen brachten.

Für diesen Nachmittag hatte Esha sich vorgenommen, in ihrem Unterricht Simone de Beauvoir zu behandeln. Sobald sie ihnen ihre Biografie ausgeteilt hatte, warf ein Mädchen ihre blauen und schwarzen Zöpfe in den Nacken und sagte laut: »Das ist abartig!«

»Warum abartig?«

Esha war überrascht. Sie hatte die beiden unterschiedlichen Gruppen in ihrer Klasse mit einem Thema, das alle interessierte, versöhnen wollen und wurde unruhig.

»Es ist nicht gut, sowas zu lesen, Madame.«

»Ja, sie ist … Sie wissen schon … sie hat Frauen geliebt, sie war homo.«

»Sie hat Männer und Frauen geliebt.«

»Dann ist sie eine Nutte.«

Von einem Moment zum nächsten herrschte helle Aufregung. »Das ist haram . Das ist Sünde. Diese Leute machen es von hinten. Für sowas kommen wir nicht zur Schule.« »Das ist eine Sünde, Madame, so steht es in der Bibel.« Diejenigen, die schöne, volle Extensions trugen und diejenigen, die ihre Haare unter einem hübschen blauen oder grauen Kopftuch verbargen, schrien durcheinander, lachten und brachten die drei, vier Mädchen zum Schweigen, die sich auf der anderen Seite des Raumes befanden und die Szenerie verstört beobachteten. Esha sagte nichts, schaute ihnen zu und überlegte. Dann begann sie, das Gesagte in zwei Spalten auf der Tafel zu notieren. Die Mädchen hörten plötzlich auf zu schreien.

»He, warum schreiben Sie das auf?«

Esha beruhigte sie, sie wollte nur ihre Meinung zum Thema festhalten, um darüber zu sprechen. Die Spalten wurden immer unausgeglichener, die Reihe der Beleidigungen nahm die ganze Tafel ein, die Mädchen wurden still.

Am Ende des Schultags sprachen Fadyla und Houria, zwei ihrer Kolleginnen, sie an. »Ignoriere sie einfach! Sie sind dumm und gemein.«

»Du darfst es ihnen nicht übel nehmen. Du musst sie verstehen, dich auf sie einlassen …«

Jean war Musiklehrer. Er rückte seine blaue Brille zurecht, die farblich auf seinen Schal aus sorgfältig zerknitterter blauer Biobaumwolle abgestimmt war, und stellte sich zu ihnen. Ein kleines, kaum merkliches Lächeln erstrahlte auf Fadylas Gesicht, sie wirkte wie ein junges, verschmitztes Mädchen. Sie nickte Esha zu und verließ mit Houria den Raum. Jean lief im Lehrerzimmer auf und ab und warf Esha flüchtige Blicke zu, aber sie hatte keine Lust mehr, ihr Gespräch, das zu nichts führen konnte, fortzusetzen.

Esha rieb ihr Gesicht am Laken, versuchte, den Tag, die Beleidigungen, das Geschrei, das Gelächter auszulöschen. Sie dachte an ihre Jugend, ein Mädchengymnasium in einem einfachen Viertel von Kalkutta, ihre Klassenkameradinnen und sie kommentierten den Werdegang und das Werk der feministischen Philosophin, träumten davon, die Stadt zu erkunden, wo Menschen verschiedener Herkunft, Künstler und Intellektuelle zusammenkamen, die freie Liebe kennenzulernen, den Mann ihres Lebens zu treffen, der zudem ein Mann von Welt, ein Mann seiner Zeit, der Zukunft sein würde. Sie erinnerte sich an den Rasen, wo sie bis lange nach Unterrichtsende saßen, hinter den Mauern wurde es langsam Abend, der nepalesische Hausmeister und seine Frau bereiteten vor ihrer Wohnung in einem Backsteinofen unter freiem Himmel das Abendessen zu, ein Hahn und seine Hühner scharrten in der Nähe. Wenn Esha und ihre Freundinnen wieder aufstanden, hatten ihre weißen Tuniken grüne Flecken, der Duft von frisch gebackenem Brot ließ ihnen das Wasser im Mund zusammenlaufen, manchmal nahmen sie ein Stück oder etwas Gemüse von der Frau des Hausmeisters an, manchmal rannten sie zur Kreuzung, die Schultasche an die Brust gepresst, in Gedanken schon bei der Tracht Prügel, die sie zu Hause erwartete.

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