Shumona Sinha - Staatenlos

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Die Frauen in Shumona Sinhas neuem Roman sind entwurzelt, heimatlos, nie ganz angekommen in einer Gesellschaft, die unlebbar ist, vor allem für Frauen und Fremde. Voller Wut erzählt Sinha von Rassismus, Sexismus und Unterdrückung in Frankreich wie in Indien:
Esha stammt aus wohlhabendem, gebildetem Milieu in Kalkutta, sie ist aus Liebe zur Sprache nach Paris gekommen, einem romantischen Traum folgend. Doch während sie auf das Ergebnis ihres Einbürgerungsantrags wartet, häufen sich die rassistischen Bemerkungen, die abfälligen Blicke, die Enttäuschungen.
Mina ist Analphabetin und stammt aus einer Bauernfamilie, die seit Generationen Land in Bengalen bewirtschaftet, das ihr nicht gehört. Sie wird in einen Aufstand gegen den Bau einer Autofabrik hineingezogen. Doch sie hat eine viel drängendere Sorge, denn sie ist von ihrem Cousin Sam schwanger, der sie ganz sicher nicht heiraten wird.
Marie schließlich wurde schon als Säugling von liberalen französischen Eltern adoptiert. Sie reist regelmäßig nach Indien, auf unbestimmter Suche nach Exotik und ihrer eigenen unauffindbaren Herkunft.
In einer Gegenwart, die zunehmend von Misstrauen, Angst und sogar Hass dem Anderen gegenüber geprägt ist, ist Staatenlos eine wichtige und einzigartige literarische Stimme, die uns Fragen zur Gewalt aufzwingt, die wir tolerieren, akzeptieren und selbst ausüben, sei es auch ohne unsere Absicht.

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Auf die Fragen seiner Tochter antwortete er mit Schweigen und blickte zur Decke seiner Hütte aus Schilf und Bambus. Vor der Tür wurde der kahle, unebene, staubige Hof breiter und ging in die Höfe der Nachbarn über, um sich dann wieder zu verengen und als schmale, holprige Straße das Dorf zu durchqueren. Weitläufige, überflutete Reisfelder, von denen das ganze Jahr ein kühler, feuchter Wind herüberwehte, umgaben die Handvoll Häuser. Der Wind warf sich gegen die grün bewachsenen Hügel, immer bläulicher, dunstiger zum Horizont hin, wo Kalkutta lag, weit weg, irgendwo im Nebel, von wo nur allzu selten ein Gerücht bis hierher durchdrang.

Soweit er sich erinnerte, hatten sein Vater und der Vater seines Vaters hier gelebt, neben den Bäumen, neben den Reisfeldern. Bis vor Kurzem war die Zeit eine weite Ebene gewesen. Er war den vorgezeichneten Schritten der Männer der Familie gefolgt und hatte nicht gedacht, dass dieser friedliche Rhythmus aus Arbeitstagen und Nachtruhe unterbrochen werden könnte. Aber die Politiker hatten alles durcheinandergebracht, sie hatten entschieden, die Landschaft umzuformen, diese ländliche Gegend, Tajpur und Umgebung, in einen Hinterhof der Stadt zu verwandeln. Sie hatten es nicht für nötig befunden, die Bauern über den Verkauf ihrer Felder an internationale Investoren für den Bau einer Automobilfabrik zu unterrichten, weil weder Minas Vater noch die anderen Landbesitzer waren. Sie waren bloß einfache Bauern, die die Felder für die Ernte pachteten und nur ihren Lebensunterhalt erwirtschafteten, ihre Wünsche und ihre Stimmen fielen weniger ins Gewicht als die der Zugvögel, die die Ernte stibitzten, sie standen mit den Füßen im Wasser und im Schlamm, den ganzen Körper über die Wurzeln der Pflanzen gebeugt, aber diese Erde, die sie kneteten und besser kannten als den Körper ihrer Frau, gehörte ihnen nicht. Nun wollte man sie selbst wie Unkraut ausreißen, den Boden platt walzen, das Wasser abpumpen, um alles zu betonieren und einen Jahrmarkt aus Karosserien zu errichten, die ihren Durst am Ölbrunnen stillen würden.

Mina rief ihren Bruder auf seinem Mobiltelefon an, aber er hob nicht ab. Sie hörte sich die Filmmelodie bis zur letzten Note an, bevor sie eine Nachricht hinterließ. Sie dachte an Sam, traute sich aber nicht, ihn anzurufen: Seit einigen Wochen, seit ihrem letzten heimlichen Treffen, mied er sie. Sie ging auf die Straße, um mit den Nachbarn zu reden, alles Bauern, Freunde ihres Vaters. Als am Abend der Sekretär des Abgeordneten kam, um ihr die Uhrzeit des Treffens mitzuteilen, stammelte sie ein paar Worte, ohne recht zu merken, dass sie sich bei ihm dafür bedankte, ihr ein Treffen zu gewähren.

Mina ging also am nächsten Abend zum Sitz der Partei. Das zweistöckige Gebäude mit seinem roten Anstrich, seiner quadratischen Form und seiner großen, schmiedeeisernen Eingangstür war nicht zu übersehen. Die Schnellimbisse, Handyläden und Internetcafés wirkten daneben wie die Ställe und Schuppen eines Herrenhauses.

Sie stieg die Treppen hinauf und begegnete auf dem breiten Flur des ersten Stocks einem Mann, der sich an einem Zinnkessel zu schaffen machte. Sie stellte sich vor, während er auf einem mit Tintenflecken gesprenkelten Tisch mit Schubladen voller alter Zeitungen Tee zubereitete. Der Abgeordnete gab gerade ein Fernsehinterview, weswegen der Mann aus dem Flur sie bat, im Sitzungssaal zu warten. Große Porträts von Marx, Engels, Lenin, Stalin und den indischen kommunistischen Führern schmückten die Wände. Von der Decke hing ein ockerfarbener, vierblättriger Ventilator, schmutzig und voller Spinnweben. Zwei lange Tische bildeten einen Winkel. Sie setzte sich auf einen der vielen Stühle, die ringsherum standen. Der Mann aus dem Flur kam und brachte ihr Tee.

Mina wartete. Die Zeitungen auf den Tischen interessierten sie nicht. Sie hatte den Linien der Wörter nie folgen können, sobald sie sie betrachtete, wimmelten sie über die Seiten wie Wildameisen. Nach zwanzig Minuten holte ein junger Genosse sie ab, um sie ins Büro des Abgeordneten zu bringen.

Das Fernsehteam war gegangen. Der Abgeordnete trug einen roten Wollschal, der sein Kinn verdeckte und seine fleischigen Lippen und seinen dicken Schnurrbart hervorhob. Seine grau melierten Haare waren auf der Seite gescheitelt, eine große, sorgfältig drapierte Schulkindlocke verdeckte seine Stirn. Er fasste sich an die schwarz gerahmte Brille, hob sie leicht an, setzte sie wieder auf, rückte sie zurecht.

Der junge Genosse setzte sich auf einen Stuhl neben der Tür und legte die Hände in den Schoß. An der dem Abgeordneten gegenüberliegenden Wand war ein Fernseher angebracht, auf dem die Abendnachrichten liefen, mit drei über den Bildschirm laufenden Informationsbalken zu drei verschiedenen Themen.

»Bring der jungen Dame einen Tee«, rief der Abgeordnete.

»Nein, nein, ich habe schon einen getrunken, danke.«

Er warf ihr einen überraschten Blick zu, als habe er von ihr keine Erwiderung erwartet.

Der Mann aus dem Flur brachte drei Tee auf einem Edelstahlteller, eine Tasse und zwei Becher.

»Habt ihr keine Tassen?«

Die Stimme des Abgeordneten hallte durch den Raum. Jemand spähte durch die Tür und verschwand sofort wieder.

»Das ist nicht schlimm! Ich kann ebenso gut aus einem Becher trinken.«

»Habe ich dich gefragt, ob es schlimm ist?«

Dieses Mal wirkte er nicht überrascht, er schien sich zu freuen, die Vermessenheit der jungen Frau aufgezeigt zu haben, die es wagte, über die Qualität der Ausstattung der Partei zu befinden.

Mina lächelte verlegen. Verknotete die Enden ihres Schultertuchs, entknotete sie wieder.

»Groß bist du geworden, sieh einer an, richtig erwachsen!« Der Abgeordnete gab seiner Stimme einen warmen Klang und wandte sich an den jungen Aktivisten: »Sie ist groß geworden, nicht wahr?«

»Ja, Sir!«, murmelte dieser und wich dem Blick des Abgeordneten aus.

»Ich kenne dich schon, seit du so klein warst.« Er zeigte mit der Hand die Größe des Mädchens, das sie gewesen war, nicht größer als ein Hocker. »Dein Vater ist ein guter Mann, ich kenne ihn, ich kenne ihren Vater, nicht wahr? Aber was hast du mit diesen Störenfrieden zu schaffen? Was soll der Blödsinn? Warum mischst du dich ein?«

»Herr Abgeordneter, vielen Dank, dass Sie mir die Möglichkeit geben, Ihnen zu erklären …«

»Du hast mir gar nichts zu erklären! Dein Platz ist woanders. Du hörst jetzt mit diesem Unfug auf. Kümmere dich um deine Familie. Wir werden allen Bauern ein neues Stückchen Land geben. Es wird etwas dauern, aber so wird es kommen. Schluss jetzt mit den Scherereien, du legst uns keine Steine mehr in den Weg. Mach, was ich dir sage, Punkt aus.«

Der Abgeordnete redete noch eine Weile auf sie ein, mit seiner lauten, tiefen, monoton autoritären Stimme.

Dann ließ er sie gehen. »Groß bist du geworden. Du bist jetzt eine Frau. Sie ist jetzt eine Frau, nicht wahr?«

Diesmal schaute der junge Genosse sie direkt an, grinste breit und nickte.

Am Fuß des Hügels

Als sie am frühen Abend aus der Schule kam, ließ Esha sich auf ihr Bett fallen. Ihr Magen knurrte vor Hunger, aber sie schaffte es nicht, wieder aufzustehen und sich ein Fertigessen aufzuwärmen. Sie nahm ihr Kissen, schob es sich unter den Bauch, versuchte zu schlafen und ihren Tag zu vergessen.

Seit Schuljahresbeginn kam es täglich zu Konflikten mit ihren Schülern. Von Weitem schon, beim Anblick des Tors, bereitete sie sich darauf vor, vermintes Terrain zu betreten.

Die engen Straßen rund um die Schule stanken nach Gras und Haschisch. Vor der Hausmeisterloge auf dem Hof rauchten die Aufseher und Schüler gemeinsam ihre Zigaretten. Die Schwingtür zum Gang flog auf und zerschmetterte der Person dahinter jedes Mal fast die Nase, die Schüler kamen und gingen hordenweise, schubsten einander, lachten und schrien, erfüllt von einer unglaublichen körperlichen Kraft, ihre Schritte und Rufe hallten durch das Gebäude. Plakate mit Referaten der Schüler bedeckten die Wände. Ihr Blick streifte das über die Frau, die dank eines Fotos ihres riesigen Hinterns in den sozialen Netzwerken berühmt geworden war, und das über eine junge Frau aus einer Realityshow, die durch ihre Imitation eines Telefonats Kultstatus erreicht hatte und anschließend in Verdacht geraten war, ihren Freund erstochen zu haben. Bei mehreren Türen waren die Schlösser mit Metallsplittern aus der Werkstatt verstopft worden. Seit Schuljahresbeginn machten sich ein paar Schüler einen Spaß aus diesem Spiel, sie blockierten die Türen und schrien: »Nieder mit der Schule!« Sie hatten die Schlüssel von mehreren Räumen geklaut, dann die Computer und die Beamer.

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