Shumona Sinha - Staatenlos

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Die Frauen in Shumona Sinhas neuem Roman sind entwurzelt, heimatlos, nie ganz angekommen in einer Gesellschaft, die unlebbar ist, vor allem für Frauen und Fremde. Voller Wut erzählt Sinha von Rassismus, Sexismus und Unterdrückung in Frankreich wie in Indien:
Esha stammt aus wohlhabendem, gebildetem Milieu in Kalkutta, sie ist aus Liebe zur Sprache nach Paris gekommen, einem romantischen Traum folgend. Doch während sie auf das Ergebnis ihres Einbürgerungsantrags wartet, häufen sich die rassistischen Bemerkungen, die abfälligen Blicke, die Enttäuschungen.
Mina ist Analphabetin und stammt aus einer Bauernfamilie, die seit Generationen Land in Bengalen bewirtschaftet, das ihr nicht gehört. Sie wird in einen Aufstand gegen den Bau einer Autofabrik hineingezogen. Doch sie hat eine viel drängendere Sorge, denn sie ist von ihrem Cousin Sam schwanger, der sie ganz sicher nicht heiraten wird.
Marie schließlich wurde schon als Säugling von liberalen französischen Eltern adoptiert. Sie reist regelmäßig nach Indien, auf unbestimmter Suche nach Exotik und ihrer eigenen unauffindbaren Herkunft.
In einer Gegenwart, die zunehmend von Misstrauen, Angst und sogar Hass dem Anderen gegenüber geprägt ist, ist Staatenlos eine wichtige und einzigartige literarische Stimme, die uns Fragen zur Gewalt aufzwingt, die wir tolerieren, akzeptieren und selbst ausüben, sei es auch ohne unsere Absicht.

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Links von ihr saß eine junge Frau, die sie »Mademoiselle Porzellan« hätte nennen können. Als Esha sie ansah, wich sie ihrem Blick aus, verzog das Gesicht, verkrampfte sich auf ihrem Sitz und schloss die Augen.

Esha hatte Lust, jemanden anzurufen, egal wen, sie ging im Kopf die Männer durch, ihre Namen und ihre Gesichter, als sie gerade ihre Wahl treffen wollte, leuchtete das rote Ausrufezeichen neben dem grünen Symbol für SMS auf. Und ein weißer, muskulöser, nackter Körper nahm den Bildschirm ihres iPhones in Beschlag, ein Körper ohne Gesicht, ohne Botschaft. Mit wenigen Worten vereinbarte sie ein Treffen für den Abend. Was ihr von diesen Männern blieb, Bruchstücke von Liebe ohne Worte, ein Blick, Finger, ein tiefer Bauchnabel und ein gewölbter Po, eine Unbeholfenheit, ein Rechtschreibfehler, grammatikalische Verfehlungen, Anrufe mit unterdrückter Rufnummer, dann Überdruss, Vergessen, gesperrte Nummern. Ihr Laken nahm keinen Geruch an, außer dem des schlüpfrigen Gummis, traurig und desillusioniert.

Nach dem Konflikt verband eine besänftigende Solidarität die Fahrgäste im Waggon, sie lächelten einander beruhigend zu, tauschten Belanglosigkeiten über das Leben, die Stadt, das Wetter aus. Eine Frau, die mit ihrem Säugling auf dem Arm auf dem Klappsitz neben der Tür saß, stand auf, um ihren Platz mit rauer, selbstbewusster Stimme einer alten Dame anzubieten. Dann spuckte sie etwas, das sie vorher gekaut hatte, in ihre Handfläche und steckte es ihrem Kind in den Mund, das seinerseits darauf herumkaute, ein Bissen Brot oder wer weiß was, winzig, eingespeichelt, zerkleinert von der Mutter für das Kind. Sie stieg bei der nächsten Haltestelle aus, mischte sich unter die Touristen auf ihrem Weg zum riesenhaften Lichtturm.

Auch Esha stieg dort aus, erleichtert, die ungeliebten, die schmutzigen, stinkenden Bahnhöfe hinter sich zu lassen, den Eisen-und-Diesel-Bahnen zu entkommen, die sie jeden Morgen auf die andere Seite der Mauer, auf die andere Seite der roten Linie brachten, in den Nordosten von Paris. Dort, wo Typen vor dem KFC standen und Zigaretten verkauften, mit einem Geräusch, als würden sie Schafe zusammentreiben, die Zunge schnalzend an die Zähne und den Gaumen gepresst. Dort, wo alte Männer mit weißen Käppis überwachten, ob die Passantinnen ihr Haar bedeckten oder nicht. Das Gymnasium, in dem sie seit September arbeitete, befand sich dort, neben dem holprigen Gehsteig, den leprösen Wänden und den wortkargen Menschen, die ihre Energie nicht für Höflichkeitsfloskeln verschwendeten, die ihre Beine zum Gehen brauchten, ihre Ellenbogen, um sich einen Weg durch die Menschenmenge zu bahnen, und ihre Augen, um das Leben zu prüfen, zu begutachten, zu erfassen.

Sie befand sich in diesem ständigen Hin und Her zwischen Zentrum und Peripherie, zwischen dem, was ihr wie ein Block aus Stein erschien, durchscheinend, unerschütterlich, undurchlässig, und dem ganzen Rest ringsum, abgelegen, abgenutzt, schemenhafte Mäander fremder Leben.

Esha hatte Jahre gebraucht, um dort anzukommen, sie hatte ihr Leben hingegeben für dieses Leben. Sie ging weiter, ihre Tasche an die Brust gepresst, als trüge sie einen Säugling. Zertifikate, Nachweise, Empfehlungsschreiben, Anträge und Erklärungen, Fotos und Fotokopien – Jahre und Länder, Jahreszeiten und Städte, um ihren Weg zurückzuverfolgen, zur Vergangenheit vorzudringen, zum Ursprung der Dinge, um zu verstehen, wie sie hier gelandet war, um ihr Profil zu erstellen, ihre Erfahrungen und ihre Absichten zu durchleuchten, bevor man an höchster Stelle über sie entscheiden würde, bevor man ihr zutrauen würde, eine würdige Staatsbürgerin Frankreichs zu sein. Esha lief es kalt den Rücken hinunter. Würde auch sie eines Tages auf einen Metrositz steigen, um ihre Daseinsberechtigung zu unterstreichen? Würde sie eine Tätowierung aus Zahlen und Buchstaben, ein Zeichen auf dem Arm, im Nacken tragen, um auf ihre Zugehörigkeit, ihre Treue, ihre Ergebenheit hinzuweisen?

Links waren der Turm, die Menge, der kühle, feuchte Wind, rechts ragten die Mauern des Friedhofs in die Höhe. Auf der anderen Seite des Platzes, auf der anderen Seite der von Touristen überlaufenen Cafés begann die Avenue und führte in die ruhige Geometrie eines anderen Lebens.

Sie lebte am Ende der von Tankstellen, Autovermietungen und chinesischen Imbissläden gegliederten Straße, mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, die sich an dieses Ende klammerten wie an den Schwanz einer langsamen, müden Schlange, deren Leben sich weiter oben abspielte und die diesen Pöbel jeden Moment wie unnützen Ballast abschütteln könnte. Das Leben dort war für diese Leute die letzte Chance, um in Reichweite des Wohlstands zu bleiben, koste es, was es wolle.

Wer zum Arbeiten herkam, für Reparaturarbeiten, Auslieferungen oder für ein Essen in einem der Restaurants mit Sicht auf den Turm, begutachtete die Anwohner, konnte die authentischen Ansässigen von den Amateuren unterscheiden. Man erkannte sie von Weitem, die echten, mit ihren Hüten und ihren Pelzbergen, ihrem alten, mit Edelsteinen besetzten Goldschmuck, ihrem auf den Boden gehefteten Blick und der Hand auf der Brust, ihrem gesetzten Schritt und dem Geruch nach geschlossenen, mit Tapeten und Marmor ausgekleideten Räumen.

Die Arbeiter und Mechaniker, die Provinzler an den Tischen der Cafés irrten sich nie. Von Weitem machten sie die Betrüger, die Eindringlinge, die schwarzen Schafe in dieser Landschaft aus, die Handvoll Menschen einer Klasse, die in der Nähe des Turms nur geduldet wurde. Sie erregte ihre Aufmerksamkeit, eine Frau ohne Begleitung, ohne Herrchen, nicht reinrassig, eine brennende Sonne unter der Haut als einziges Erbe. Die Stadt war letztlich bloß ein riesiges Dorf, eine Vorstadt, wo die Leute sich ihre Zeit damit vertrieben, die anderen zu beobachten, zu bewerten, zu billigen oder zu missbilligen. Eine Fliegen-Stadt mit einer Vielzahl gieriger Augen. Die Männer sprachen sie an, musterten und kommentierten sie, wenn sie vorbeiging, folgten ihr von einer Avenue in eine Seitenstraße; die Frauen, die die Hunde oder Kleinkinder ihrer Arbeitgeber spazieren führten, musterten sie ebenfalls, ärgerten sich und murmelten etwas vor sich hin. Alle erinnerten sie daran, wo sie herkam, wo sie herkamen, sicher angetrieben von einem Gefühl seltsamer Brüderlichkeit, ihr verbunden in der Erinnerung an Elend, Pech und eine traurige Herkunft.

Sie musste einen Panzer tragen, eine Maske, Kopfhörer, und in den rosa, orange und samtig purpurfarbenen Himmel zwischen den Haussmann-Fassaden mit den smaragdgrünen Kuppeldächern am Ende der Straße schauen. Sie musste sich außerhalb ihrer Wohnung stets wie ein Soldat in Habtachtstellung bewegen, den Mund mit schwarzem Faden vernäht, eilig den öffentlichen Raum durchqueren, um von A nach B zu gelangen, von einem Privatraum in den nächsten, ohne sich Ärger einzuhandeln, ohne von den Worten verätzt zu werden.

Das Hauptquartier

Als der Generalsekretär der kommunistischen Partei, der auch der Bezirksabgeordnete war, sie sprechen wollte, wusste Mina nicht recht, ob das ein gutes Zeichen war, ob sie sich Sorgen machen oder sich angesichts dieser Aufmerksamkeit geehrt fühlen sollte. Seit der Abgeordnete in Vorbereitung seiner zweiten Amtszeit diese Gegend von Westbengalen bereist hatte, hatte er den Bau der Automobilfabrik zu seinem persönlichen Projekt gemacht.

Sie besprach sich mit ihren Eltern. Ihre Mutter zeigte ihre Missbilligung durch heftiges Rühren in der Linsensuppe, was ein metallisches, von Luftblasen und Dampf gemildertes Geräusch verursachte. Ihr Vater schien verwirrt. Seit einiger Zeit schon verstand er die Welt, die ihn umgab, nicht mehr. Er lebte im Rhythmus der Ernten, hielt die Tage und Monate und Jahre in der Hand wie einen gut durchgekneteten Klumpen Lehm, wie ein Bund Spinat, einen Strunk Kohl, ein Bündel Schilf. Die Jahreszeiten wanderten durch ihn hindurch, ihre Abstufungen von Blautönen, im Frühling sanft, im Sommer weißlich, verfärbten sich grau, schwarz, kräftig, gingen in Schauern auf ihn nieder, auf sein Dach, der Weiher trat über die Ufer und überschwemmte seinen bescheidenen Hof, wo er kleine, ungeschickte Fische fing. Er mochte den Fischgeruch an seinen rauen Händen nicht, er wartete ungeduldig, wieder zurück auf die Felder zu können, um sich über die Pflanzen zu beugen, ihre jungen Wurzeln zu pflegen, das Unkraut zu jäten, wobei er sich ab und zu schüttelte, um die Blutegel von seinen Füßen im Wasser zu vertreiben.

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