Lina Loos - Das Buch ohne Titel

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Lina Loos: Sie war die erste Ehefrau von Adolf Loos, die Weggefährtin von Egon Friedell und Franz Theodor Csokor und eine enge Freundin von Peter Altenberg, vor allem aber war sie eine scharfsinnige Beobachterin und pointierte Kritikerin ihrer Zeit.
Erstmals 1947 erschienen und nun nach vielen Jahren neu aufgelegt präsentiert «Das Buch ohne Titel» einen unverstellten, direkten Einblick in das Wien ihrer Zeit. Eine elegante, kluge, sinnliche und humorvolle Lebenschronik, reich an Anekdoten, Einsichten und Erinnerungen, die Presse und Publikum begeisterte.

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Meine Schwester besaß ein großes Osterlamm aus weißem glitzerndem Zucker. Der Boden, auf dem es stand, war grün bemalt, und es war kein Zweifel, daß dies Gras vorstellen sollte. Neben dem Lamm stand eine Fahne aus roter Seide. Dieses Lamm zu besitzen, war meine ganze Sehnsucht, und das war auch so ziemlich der einzige Wert, den es für meine Schwester hatte. Das Lamm hatte nämlich sonst Fehler, es war, um offen zu sein, sehr staubig, man könnte sogar »dreckig« sagen, und meine Schwester mußte zu Hause Staub abwischen (ein Nachteil der älteren Schwester).

Sie erklärte also eines Tages so ganz nebenbei, sie hätte die Absicht, das Lamm zu verschenken. Genoß meine Aufregung und ihre Macht und verstand es wirklich, eine große Sache daraus zu machen. Sie verteilte an alle Kinder des Hauses Lose; Ziehung am Ostersonntagmorgen im Hof! Ich trug den kleinen Zettel immer bei mir und sprach tagelang nur mit dem lieben Gott, er solle an mein Los denken und mir helfen, und versprach, dafür brav zu sein.

Bei der Ziehung war meine Schwester sehr feierlich und schüttelte den Topf mit den Losen endlos lange, alle Kinder umdrängten sie, nur ich stand abseits und sprach noch einmal ein ernstes Wort mit dem lieben Gott.

Endlich zog meine Schwester den Zettel heraus und darauf stand Lina! Das war ich! Dann zerriß sie den Zettel ohne weitere Erklärung, sagte nur: »Das gilt nicht!« und schenkte mein Lamm dem kleinen Mädchen vom ersten Stock, das einen Lackhut aufhatte, wenn es regnete; das alles ging so schnell, und doch werde ich es mein Leben lang nicht vergessen.

Was war geschehen? – Eine Ungerechtigkeit wurde begangen, ein Wort wurde gebrochen. Wurde aber deshalb ein Kinderherz verbittert? Wurde Grund gelegt für spätere böse Dinge des Lebens? Nein; nichts von alledem! Ich war tief davon überzeugt, daß der liebe Gott für mich war – er hatte es mir doch deutlich gezeigt. Nur meine Schwester war gegen mich und den lieben Gott, gegen uns beide; da konnte man eben nichts machen. Aber ich war so stolz auf diese Freundschaft, daß ich meiner Schwester einfach ins Gesicht lachte.

Sie war sprachlos …

Die Mutter und wir

Die Mutter, auf dem Lande aufgewachsen, konnte die Prügel nicht mehr vergessen, die sie einmal von der Pfarrersköchin bekam, weil sie dem Herrn Pfarrer vertrauensselig beichtete, daß sie mitschuldig sei am jähen Verschwinden seiner großen gelben Kaiserbirnen.

Seitdem war sie etwas mißtrauisch und besprach alles mit dem lieben Gott direkt, unter Umgehung aller Mittelspersonen.

Nun verbreitete sich aber eines Tages in unserm Hause das Gerücht von fremden Missionären, die, von weit her kommend, in der Kirche unsres Bezirkes die Beichte hörten. Sie sollten so ganz anders sprechen, so gütig und weise, und bald wieder weiterziehen.

Ich weiß nicht mehr, ob eine arme Frau, die neben uns, oder eine arme Frau, die ober uns wohnte, Mutter überzeugte, oder ob ihr nur die Tatsache so gefiel, daß die Missionäre von weit her kamen, um bald wieder fortzuziehen – kurz, sie beschloß, beichten zu gehen.

Ausnahmsweise wurde die Beichte abends abgehört, und wir Kinder blieben zum erstenmal allein. Wir hatten nämlich noch eine so gute Mutter, die sich nie von uns trennte, alles mit uns besprach und mit unsrer Freundschaft vollkommen zufrieden war.

Tagsüber hatten wir jedem Menschen, der es nur hören wollte, erzählt, daß unsre Mutter beichten gehe, und kamen uns sehr wichtig vor. Aber jetzt abends war es so still und dunkel, und wir bekamen Angst. Wir fühlten uns zwar verpflichtet, artig und brav zu sein; unter diesen beängstigenden Umständen aber waren wir geradezu gezwungen, Tiergarten zu spielen. Meine Schwester und mein Bruder wollten beide der Löwe sein. »Sie« wollte natürlich der König der Tiere sein, und es gelang ihr auch, meinen Bruder zu überzeugen, daß der Elefant größer wäre und daß er trompete. Bei mir gab es keine Wahl; ich konnte nur bellen.

Ich glaube nicht, daß diese Tierlaute, die wir jetzt ausstießen, sich wesentlich unterschieden haben, aber laut waren wir alle drei, sehr laut, fast markerschütternd.

Auf einmal klopfte es an die Wand, wir wurden still, da klopfte es wieder, und eine traurige Stimme sagte: »Seid doch ruhig; mein Kind, die Annerl, ist so krank!«

Viele Kinder wurden geboren, viele Kinder starben in diesem Armeleutehaus, es war nichts Besonderes für uns – aber jetzt durfte niemand sterben, wir waren allein, ohne Mutter. Wenn sie nicht wiederkäme? Oh, diese Angst!

Aber sie kam. Sie kam fröhlich und ruhig, setzte sich zu uns und erzählte.

»Also paßt auf, ich kniete nieder, machte das Kreuz und sagte: Hochwürdiger Herr, ich habe sicher viele Sünden begangen, aber ich weiß nicht mehr alle. Vielleicht fragen Sie mich, Hochwürden!«

»Wie lange waren Sie schon nicht beichten?« fragte er.

»Vierzehn Jahre, Hochwürden.«

»Ja, da können Sie freilich nicht mehr alles wissen, ich werde schon besser fragen«, und er war gar nicht böse.

»Sind Sie verheiratet?«

»Ja, Hochwürden, und damals vor vierzehn Jahren war ich beichten, das muß man so bei uns.« Ich dachte, er kommt von weit her, vielleicht weiß er das nicht. Er lächelte so ein bißchen und fragte weiter:

»Haben Sie Kinder?«

»Drei.«

»Sind die Kinder brav?«

»Gott sei Lob und Dank, Hochwürden; sehr brav sind sie und ganz gesund.«

Da lächelte er wieder, hob ganz langsam die Hand und sagte: »Eine Mutter, die drei brave, gesunde Kinder hat, kann nicht viele Sünden begangen haben«, und gab mir den Segen.

Mutter saß ruhig da, ganz erfüllt von ihrem schönen Erlebnis. Wir waren maßlos stolz. Auf einmal fiel ihr Blick auf uns, und sie schlug mit der Hand auf den Tisch und schrie laut und energisch: »Ihr braucht euch gar nichts darauf einzubilden, freche, ungezogene Fratzen seid ihr, damit ihr’s wißt, ich habe gelogen, jawohl, gelogen, so!«

Aber uns konnte sie nicht täuschen mit dieser pädagogischen Anwandlung; unter wildem Geschrei sprangen wir auf sie zu und wollten sie alle drei zugleich umarmen und küssen; sie wehrte sich vergeblich gegen den Überfall.

Da klopfte es wieder leise bittend an die Wand.

Drüben saß eine Mutter und weinte aus Angst, herüben saß eine Mutter und weinte aus Freude.

Von nun an spielten wir unentwegt »beichten gehen«. Mein Bruder war der Pfarrer, und meine Schwester kniete vor ihm und beichtete, daß sie zwölf ganz gesunde Kinder habe. Mein Bruder sagte: »Dann sind Sie gestraft genug!« und gab ihr seinen Segen.

Ich stand dabei und bellte. Ich konnte sonst noch nichts.

Allererste Kindheitserlebnisse

Es sind dies: ein blindes Pferd, eine Brennesselstaude und die erste Lüge, die ich zu begreifen suchte.

Meine Eltern hatten für ihr Geschäft ein blindes Pferd gekauft, weil es billig war.

Dieses Pferd liebte ich sehr, denn es erweckte die erste Empfindung in mir, über die kindliche, egoistische »Ich-Liebe« hinaus.

Das Tier war so fromm und gut, und es erkannte mich schon von weitem an der Stimme. Ich versuchte, an seinen Beinen hinaufzuklettern, um es streicheln zu können, da spitzte es die Ohren und rührte sich nicht, um mir nicht wehzutun. Jeden Abend wartete ich, bis es müde und erschöpft nach Hause kam, um ihm »Gute Nacht« zu sagen.

Ich wollte, ich hätte mein ganzes Leben so ergeben, treu und pflichterfüllt gelebt wie dieses Pferd. Ein so schönes Beispiel hatte mir da das Leben unvergeßlich ins Herz geprägt. Das Leben tut wirklich alles, um sich verständlich zu machen; es gibt Beispiel um Beispiel, aber wir verstehen es nicht oder verstehen es zu spät.

Dieses liebe, arme Pferd, so gütig wie eine Kreatur nur sein konnte, es liebte mich sicher auch, liebte mich so tief, wie eine Kreatur eben lieben kann.

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