Nach etwa einer Viertelstunde Fußweg kam sie durch ein Wäldchen und sah bereits von weitem einige Räuber, die zwei Frauen belagerten. Als Monika näherkam, wollte sich einer der Räuber an sie heranmachen, doch erstmals machte sich Eberons Training bezahlt, denn Monika schickte den Angreifer schnell zu Boden.
Nachdem sie auch einen zweiten Räuber ins Land der Träume befördert hatte, flüchtete der letzte in den Wald. Somit hatte sie die beiden Frauen gerettet.
Die eine der beiden bedankte sich überschwänglich bei Monika: »Ich möchte mich bei dir herzlich bedanken, dass du uns gerettet hast. Wer weiß, was passiert wäre, wenn du nicht gekommen wärst. Mein Name ist Sybilla, und das neben mir ist meine Freundin Christina.« Sie streckte ihr die Hand hin.
Sich langsam wieder entspannend, drehte sich Monika zu den beiden um und antwortete: »Ich bin Monika, angenehm.« Monika drückte ihr die Hand. »Ich hatte bereits von weitem gesehen, dass diese Schurken euch überfallen haben.«
Nun ergriff Christina, zuckersüß lächelnd, das Wort: »Auch von mir ein herzliches Dankeschön. Wir würden uns gerne erkenntlich zeigen und dich zum Essen in ein nahes Gasthaus in dem Ort dort vorne einladen wollen.«
Monika, die in diesem Moment auch Hunger empfand, willigte ein.
Zusammen machten sich die drei Frauen auf den Weg, nachdem die beiden Überfallenen wieder ihr verstreutes Hab und Gut aufgesammelt hatten.
Auf dem Weg zum Dorf plauderten die drei Frauen angeregt miteinander, während Monika versuchte, etwas von der Gegend und das Dorf, das sie gleich erreichen würden, zu erfahren.
Allerdings war es nicht viel. Monika wollte außerdem wissen, was zwei Frauen so allein in diese Gegend getrieben hatte.
Sybilla antwortete: »Ja, diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wir beide waren bislang auf einem Bauernhof in der Nähe beschäftigt. Doch der Bauer hat erst kürzlich geheiratet und wollte keine weiblichen Kräfte mehr neben seiner Frau auf dem Hof haben. Daher mussten wir gehen. Wir sind nun auf dem Weg zu dem Dorf Waag dort vorne, um morgen einen Bekannten von uns zu treffen, der für uns Arbeit hat. Und was machst du so? Hast du genug Geld zum Leben?«
Monika überlegte kurz und erschrak innerlich, denn sie wusste, dass sie kein Geld besaß. Auch in dieser Welt schien nichts ohne Geld zu laufen. »Tja, ich bin von zu Hause weg, weil man mich dort verheiraten wollte, und der mir zugedachte Mann war so gar nicht mein Geschmack. Da ich Hals über Kopf fliehen musste, bin ich derzeit mittellos, aber ich bin sicher, bald eine Arbeit zu finden. Vielleicht sogar auch in dem Dorf da vorne.«
Die beiden Frauen sahen sich kurz an, und Sybilla fuhr danach fort: »Damit geht es dir finanziell gesehen auch nicht gut. Lass uns doch zusammentun! Unser Freund hat sicher auch Arbeit für dich, und außerdem schulden wir dir was, daher werden wir ein gutes Wort für dich bei ihm einlegen.«
»Ja das klingt doch gut. Na, dann sehen wir ja, was für Arbeit er für mich hat«, resümierte Monika noch.
Auf dem restlichen Weg zum Dorf unterhielten sie sich noch über Belangloses. Die beiden anderen Frauen wollten wissen, wie ihr Bräutigam so gewesen sei.
Monika beschrieb diesen nach einem Bekannten, den sie aus München kannte und der so gar nicht ihr Fall war. Damit konnte sie ein Bild zeichnen, bei denen auch die beiden anderen zustimmen mussten, so jemanden sicherlich nicht als Bräutigam in Erwägung zu ziehen.
Kurz darauf erreichten die drei das Dorf und begaben sich zum Gasthaus. Sybilla bestellte Essen und Trinken für alle sowie ein Zimmer für die Nacht.
Der Wirt fragte, etwas verwirrt, nach: »Soll das Zimmer für euch drei sein?«
Nachdem Sybilla nickte, fügte er hinzu: »Gut, dann bekomme ich ein Silberstück von jeder von euch.«
Sybilla und Christina überreichten dem Wirt jeweils das gewünschte Geldstück, und als Monika an der Reihe war, sagte Christina, als sie Monikas verzweifelten Gesichtsausdruck sah: »Ich leihe dir das Geld. Gib es mir zurück, wenn du Arbeit hast und es zurückzahlen kannst.« Sie gab dem Wirt ein zweites Silberstück, woraufhin sich Monika bei ihr mit einem Nicken bedankte, obwohl ihr gar nicht so recht wohl dabei war, Schulden zu haben; immerhin war sie gerade erst in diesem Dorf angekommen.
Als dann das Essen gebracht wurde, ließen es sich alle drei schmecken. Nachdem sie danach auch noch ein Bier getrunken und miteinander angestoßen hatten, näherte sich plötzlich ein verschlagen dreinblickender Mann den Frauen, setzte sich an deren Tisch und sagte, an Sybilla und Christina gewandt: »Hallo, ihr beiden, da seid ihr ja! Ich hatte euch bereits gestern erwartet. Wo wart ihr denn so lange?«
Dieses Mal antwortete Christina und erzählte von dem Überfall und dass Monika ihnen geholfen hatte. Danach stellte sie Monika dem Fremden vor: »Übrigens, das ist Fred, unser Freund, von dem wir dir schon erzählt haben und der auch Arbeit für uns hat.«
Neugierig geworden, fragte Monika ihn sogleich: »Welche Tätigkeit hast du eigentlich anzubieten?«
Misstrauisch betrachtete Fred die fremde junge Frau, wandte sich danach wieder an Christina und wollte wissen: »Kann man der wirklich trauen?«
Christina und Sybilla nickten, und Sybilla meinte: »Monika ist so arm dran wie wir, ja, ich denke, wir können ihr trauen.«
Fred betrachtete nochmals Monika und meinte: »Also gut. Ich habe vor, im Wald zwischen diesem Dorf hier und Natternheim, welches nördlich von hier liegt, den Geldtransport der Bauernzunft zu überfallen. Der ist zwar bewacht, aber die Gruppe um Janis wird morgen zu uns stoßen, und dann sind wir genug. Zudem fahren in dieser Kutsche immer auch noch gutbetuchte Bauern mit. Denen können wir dann auch noch die Barschaft abnehmen. Was ist, macht ihr mit?«
Christina und Sybilla nickten sofort erfreut, während Sybilla antwortete: »Wir müssen uns dann nur noch auf unsere Rolle und unseren Anteil einigen, aber sonst sind wir dabei.«
Christina nickte ebenso zustimmend.
»Und du, Monika, machst du mit?«, fragte Fred und sah Monika lauernd an.
»Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann plant ihr einen Überfall und einen Raub«, entgegnete sie.
Fred nickte und lächelte, sodass Monika erstmals seine ungepflegten Zähne mit dem bereits fehlenden Schneidezahn sah. Es war vor allem sein Lächeln, welches ihren Entschluss, den sie bereits getroffen hatte, noch weiter festigte. »Es tut mir leid, aber an so etwas bin ich nicht interessiert. Nein, ich mache nicht mit.«
Staunend sagte Christina zu Monika: »Und wie willst du dann deine Schulden bei mir zurückbezahlen?«
Monika hatte mit so einem Einwand gerechnet und stand nun wortlos auf, ging zum Wirt und sprach mit ihm. Wenig später kam sie zurück, händigte Christina ihr Silberstück aus und sagte nur: »Ich wünsche euch, dass ihr heil aus dieser Sache rauskommt. Alles Gute euch!« Sie drehte sich um und ging.
Mit dem Wirt hatte sie vereinbart, ihm heute in der Wirtschaft zu helfen. Dafür durfte sie heute Nacht in seinem Stall übernachten und konnte morgen dann weiterziehen und sich eine legale Arbeit suchen.
Nun war es Monika gleich wieder wohler ums Herz.
Sie arbeitete hart den ganzen Abend, spülte unzählige Gläser und Schüsseln und bediente die Gäste der Wirtschaft. Anscheinend war sie bei den Gästen so gut angekommen, dass sie sogar mehrere Kupferstücke als Trinkgeld erhalten hatte. Vom Wirt erfuhr sie, dass alles zusammen fast einer Silbermünze entsprach.
Für zwei Kupfermünzen erhielt Monika sehr früh am Morgen noch ein Frühstück, währenddessen sie der Wirt bat, noch etwas länger auszuhelfen, da seine Magd erkrankt war und Monika seine Gäste anscheinend zu mehr Umsatz animiert hatte.
Früh am Morgen hatte Monika gesehen, wie Christina und Sybille das Wirtshaus verlassen hatten, weshalb es somit unwahrscheinlich war, die beiden je wiederzusehen. Daher fühlte sie sich sehr viel wohler und sagte dem Wirt zu.
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