In der Entscheidungsschlacht bei Dürnkrut, durch welche Österreich an das Haus Habsburg fiel, hatte Ottokar von Böhmen die größere Zahl verdeckter Rosse, so nannte man die geharnischten, und glaubte deshalb Aussicht auf den Sieg zu haben. Daß Rudolf ihn davontrug, soll er erstens den Ungarn und ihrer leichten Reiterei verdankt haben, sodann einer neuen Anordnung, die er sich selbst ausgedacht zu haben scheint. Er sonderte nämlich 50 schwer geharnischte Ritter aus, die anfänglich abseits zu bleiben hatten, um erst im späteren Verlauf der Schlacht, wenn sich die Lage etwa verschlechterte, einzugreifen. Die Zumutung, sich nicht sofort zu beteiligen, kam den Rittern so unerhört vor, daß sie sich erst auf den strengen Befehl des Königs hin herbeiließen, die Führung dieser Notschar zu übernehmen. Doch unterließen sie es nicht, bei den anderen Herren umherzugehen und ihr Verhalten zu erklären und zu entschuldigen.
Die Schlacht bei Göllheim am Fuße des Donnersberges, durch die Adolf von Nassau und Albrecht von Habsburg den Streit um das Reich ausmachten, war eine ausgesprochene Ritterschlacht. Das Mitteltreffen führten auf beiden Seiten die Könige selbst an, Adolf von Nassau im goldenen Harnisch, vor beiden wehte die Reichssturmfahne. Wie in der Schlacht bei Worringen die persönlichen Feinde sich suchten, so hier die beiden Könige; Albrecht wurde später beschuldigt, seinen Herrn, denn er hatte anfangs den rechtmäßig gewählten Adolf anerkannt, mit eigener Hand getötet und damit eine unerhörte Freveltat begangen zu haben. Manchen mochte es als gerechte Vergeltung erscheinen, daß er selbst zehn Jahre später durch Mörderhand fiel. Während in der Schlacht nur hundert Kämpfer gefallen sein sollen, wurden über 20 000 Pferde getötet. Wenn dadurch der Vorzug des Berittenseins als trügerisch, mindestens als zweifelhaft erwiesen wurde, so zeigte sich vollends, daß der Harnisch, der den Mann schützen sollte, ihm vielmehr zum Verhängnis werden konnte. Es war ein heißer Sommertag; auf beiden Seiten kam es vor, daß Ritter in ihrer Rüstung erstickten. Lange sah man ein Roß über das Schlachtfeld jagen, den toten Herrn von Ochsenstein aus einem den Habsburgern treu ergebenen elsässischen Geschlecht aufrecht in angeschnallter Rüstung auf dem Rücken tragend. Wie Saurier muten diese Ritter an, denen die Schuppen und die lederne Haut und das Riesengebiß selbst, alle die Waffen, mit denen die Natur sie ausstattete, zuletzt anstatt ihnen zu helfen, ihr Verderben beschleunigten, besonders als behendere Tiere den Kampf mit den allzuschwer gerüsteten Ungetümen wagten. Noch wurden aus der Erfahrung keine Schlüsse gezogen. Herzog Leopold zweifelte im Jahre 1315 nicht, daß er mit der Menge seiner geschulten und gerüsteten Krieger die Bauern von Schwyz und Uri leicht würde erdrücken können. Am Ende des Jahrhunderts zog ein anderer Herzog Leopold mit einem großen Ritterheere gegen Luzern, das mit den Waldstätten verbündet die österreichische Landstadt Sempach an sich gezogen hatte, um das Erbe der Väter zurückzugewinnen. Bei Sempach kam es zu der furchtbaren Schlacht, in der die Blüte des schwäbischen, oberrheinischen und elsässischen Adels fiel. Wieder war es ein heißer Julitag, und mancher erstickte im Harnisch. Wieder entfaltete sich inmitten des Unterganges der stolze Sinn der Herren, wie der Chronist mit sichtlicher Vorliebe aufgezeichnet hat. »O rette Österreich, rette!« rief der Herzog, und die Getreuen folgten seinem Rufe, ohne das Verderben aufhalten zu können. Leopold focht als ein Leu, so heißt es, und verschmähte die Flucht, indem er sagte, er wolle lieber sterben mit Ehre, als unehrbarlich leben auf Erden. Seinem stolzen Tode stellt die Sage den Opfertod Arnold Winkelrieds von Nidwalden gegenüber, eines Abkömmlings jenes Struth von Winkelried, der einen Drachen tötete und, von dessen Gift getroffen, in demselben Augenblick starb, wo er seine Heimat befreite.
So waren denn die Bauern, die in den Kriegen Heinrichs IV. entmannt worden waren, weil sie sich angemaßt hatten, gegen Ritter zu kämpfen, von Bauern, die freie Herren geblieben waren, gerächt. Aber die späte Rache der Geschichte, die außer erkennbarem Zusammenhange trifft, genügt dem Bedürfnis nach ausgleichender Gerechtigkeit nicht. Auch kam es kurz nach der Schlacht bei Sempach vor, daß Pfalzgraf Ruprecht, nachdem er rheinische Städte bei Worms besiegt hatte, sechzig Knechte, die an der Schlacht teilgenommen hatten, in einen Ziegelofen werfen und verbrennen ließ, während die ritterlichen Gefangenen in der üblichen standesgemäßen Gefangenschaft gehalten wurden. Diese düsteren Fragen könnten nur durch den Glauben an eine überirdische Klarheit, in der Menschenirrsal mündet, gelöst werden.
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