Sie nickte mit geschlossenen Lippen. Der Kriegsgerichtsrat fragte:
„Wann und wo, gnädige Frau, haben Sie das Tuch zum letztenmal in der Hand oder bei sich gehabt?“
Wieder suchte ein scheuer oder verlegener Blick der schwarzblauen Augen Riessthal: „Das war . . . . . . im Korridor!“
„Die Zeit, gnädige Frau?“
„Mein Gott, ich trage keine Uhr!“
„Wann gingen Sie zu Bett, gnädige Frau?“
Trotz ihres Erschreckens konnte Ada sich zum Lächeln zwingen:
„Wer denkt beim Schlafengehen an die Zeit?“
„Besinne dich, liebe Schwägerin,“ mahnte der Admiral mit leichtem Vorwurf in der Stimme. Adas Verhalten missfiel ihm und musste den Verdacht wecken, dass sie etwas verheimliche. Um ihr zu helfen, wendete er sich an Lund:
„Meine Frau legte sich schon vor zehn Uhr zur Ruhe, und da meine Schwägerin nie länger aufbleibt, dürfen wir annehmen, dass beide Damen um die gleiche Stunde zu Bett gingen.“
Der Kriegsgerichtsrat glaubte, dass Rücksicht auf den Vorgesetzten weiteres Fragen verbiete und sprach wieder zu Hentjen:
„Wann gingen Sie zu Bett?“
„Um elf Uhr. Eine Stunde später schlief ich, als der Bursche vom Herrn Admiral in meine Kammer kam, um eine Zigarre zu borgen!“
Im Zimmer war ein beklemmendes Schweigen. Lund sah nicht vom Papier auf und grübelte noch über das eigentümliche Verhalten der Frau Harder, als sie schon wieder aufstand: „Darf ich gehen?“
„Gewiss! Nur um die Unterschrift bitte ich noch.“ Er reichte ihr die Feder und sah sie mit runden, flüssigen Buchstaben ihren Namen schreiben. Seine Augen glitten zu den Abdrücken auf dem Löschblatt. Eine Aehnlichkeit der Schrift war nicht zu bestreiten. Doch neuerdings pflegten viele Damen die aus England gekommene Schreibart. Die Schrift allein konnte darum keinen Verdacht wecken. Frau Harder war allerdings Gattin eines fremden Diplomaten, aber wer durfte eine Verwandte des Admirals Barenheim der Spionage fähig glauben? Ihr Schwager schien keinen Verdacht gegen sie zu hegen. Höflich geleitete er sie aus dem Zimmer und drehte sich um:
„Herr Kriegsgerichtsrat, geben Sie also die Leiche zur Bestattung frei. Sie, Riessthal, bestellen das Begräbnis. Heidebreegs Bruder ist als Offizier wohl unabkömmlich. Wir wollen ihn unter Kameraden als erstes Opfer des Krieges in die Erde legen!“
Mit gesenktem Kopf trat er wieder an das Sofa, aber hob nach kurzem Sinnen ein dienstlich strenges Gesicht: „Noch etwas, meine Herren?“
Lund verbeugte sich:
„Jawohl, Herr Admiral. Ich bitte gehorsamst um den Befehl, dass kein Bewohner die Villa verlässt, bis die Kriminalpolizei eine Haussuchung vorgenommen hat!“
Barenheim nickte Riessthal zu: „Den Posten sagen!“
„Dann hätte ich auch eine Frage an den Herrn Kapitänleutnant — wer hat Herrn von Heidebreeg gestern abend als letzter gesehen?“
Riessthal strich mit der Hand über die Stirn: „Muss die Postordonnanz gewesen sein. Der Mann stand noch im Korridor, als ich gegen zwei Uhr aufbrach. Dann erst wird Heidebreeg ihm die noch auf dem Tisch liegende Mappe gegeben haben. Er wollte noch einen Brief schreiben und ein Paket für die Post fertig machen!“
„Die Ordonnanz muss ich vernehmen,“ sagte Lund, und die drei Herren brachen auf.
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