Denis Prodanov - Zwischen zwei Feuern

Здесь есть возможность читать онлайн «Denis Prodanov - Zwischen zwei Feuern» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Zwischen zwei Feuern: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Zwischen zwei Feuern»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Die jüdische Bevölkerung des Russischen Kaiserreichs war bereits vor dem Russischen Bürgerkrieg jahrhundertelang Marginalisierung, Anfeindung und Verfolgung ausgesetzt. Doch insbesondere während des Bürgerkriegs kam es im Russischen Kaiserreich zu Pogromen und Übergriffen gegenüber Jüdinnen und Juden. Die sowjetische Regierung setzte nur zögerlich Schritte, um Antisemitismus und Pogrome einzudämmen. Nicht nur die Mehrheitsbevölkerung, auch das neue Regime und die Armeen waren stark antisemitisch geprägt. Während sich Jüdinnen und Juden einerseits mit grausamen Übergriffen durch weiße Truppen ebenso wie durch Zivilistinnen und Zivilisten konfrontiert sahen, wurden sie andererseits auch durch das neue System angefeindet. Schutz fanden sie nirgends: Die jüdische Gemeinde fand sich zwischen zwei Feuern wieder.

Zwischen zwei Feuern — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Zwischen zwei Feuern», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Trotzdem ist der Hauptgrund für die erfolgreiche Etablierung von Antisemitismus in Russland anderswo zu verorten. Seine Wurzeln reichen weit zurück in die Monarchie und in den rechten Flügel der Russisch-Orthodoxen Kirche, die aktiv dem Judenhass und dessen aktiver Verbreitung verschrieben war. Insofern unterschied sich die Russisch-Orthodoxe Kirche kaum von der Katholischen Kirche und ihrer jahrhundertealten Dichotomisierung von Christen und Juden, der Aufhetzung von Christen/Christinnen gegen Juden/Jüdinnen und daraus resultierenden Kreuzzügen, mittelalterlichen Pogromen, Zwangskonvertierung zum Christentum und Verstoßung. 8

Hier sei angemerkt, dass außer orthodoxem Christentum und Katholizismus auch der frühe Protestantismus von Antisemitismus durchsetzt war. Ein berühmtes Beispiel findet sich in Martin Luthers Traktat „Über die Juden und ihre Lügen“ aus dem Jahr 1543. Er hielt es für ebenso aussichtslos, Juden zu bekehren, wie zu versuchen, den Teufel zu bekehren. Dieses Traktat ist durchzogen von blutrünstigen Forderungen nach der Verfolgung von Juden und Jüdinnen sowie dem Niederbrennen von Synagogen und Schulen, dem Abriss von Häusern, der Konfiszierung heiliger Schriften wie der Tora und dem Verbot von Predigten durch Rabbis bei Todesstrafe sowie dem Verbot des Umherziehens von Juden und Jüdinnen auf Landstraßen. 9

Der Autor Felix Rachlin schrieb hinsichtlich der den Juden auferlegten Rolle des Krämers und Wucherers über den Unmut und sogar Hass, den diese Rollen in der Bevölkerung hervorriefen. Laut seinen Ansichten stammte diese Zuschreibung, die den traditionellen religiösen Judenhass anheizte, vom evangelikalen Gleichnis der Kreuzigung Christi. Rachlin schrieb:

„Die Tatsache ignorierend, dass Christus selber Jude war und dass das Evangelium von Juden geschrieben worden war, haben Generationen von Christen jahrhundertelang Hass und Verachtung für ‚das Volk Judas‘, ‚Heuchler‘, ‚Selbstsüchtige‘, ‚Verräter Christi‘ genährt. Heutzutage hat sich zu all diesen Bezeichnungen der Gedanke an Juden als ‚feine Pinkel‘, ‚Intellektuelle‘, die nichts dagegen haben, ‚unseren russischen Iwan‘ an der Nase herumzuführen, hinzugesellt.“ 10

Tief verwurzelt und genährt durch Mythen und Legenden, Zuschreibungen an „das Fremde“, „das Andere“, waren Antisemitismus und Judenhass in Russland also seit dem Mittelalter sowie während der jahrhundertelangen Herrschaft der Zarenfamilien. Und auch das 20. Jahrhundert sollte keine Veränderung der Lage bringen.

Die Schwarzen Hundertschaften

Russische Antisemiten stellten Russen und Russinnen Jahr für Jahr als unschuldige Opfer dar, während Juden und Jüdinnen im Gegensatz dazu als angebliche „Ausbeuter“ diskreditiert wurden. Dies widersprach komplett der Wahrheit. Russen und Russinnen machten die absolute Mehrheit im Land aus, Juden und Jüdinnen aber hatten unter jahrhundertelangen Schikanen durch die zaristische Herrschaft zu leiden gehabt, sei es durch Raub, Gewalt oder dreifache Unterdrückung in Hinblick auf Klasse, politische und ethnische Identität.

Besonders zu leiden hatten sie unter der Entwicklung einer Bewegung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Kreuzung von reaktionärem Russisch-Orthodoxem Christentum und seinem extremen Antisemitismus, von ultrarechtem Nationalismus und von Monarchismus entstand: die Bewegung der Schwarzen Hundertschaften (tschernosotenzy). 11Die Schwarzen Hundertschaften stellten bereits vor der Entstehung des Faschismus eine russische Version von Protofaschismus dar. Es handelte sich um eine organisierte Plattform extremer rechtsgerichteter Parteien, die sich zu imperialistischem Chauvinismus, Slawophilie, blinder Unterstützung der Monarchie und militantem Antisemitismus bekannten. Besonders mächtig waren sie zwischen 1905 und 1917.

Zuerst nannten sich die Anhänger dieser extrem rechtsgerichteten Ideologie „Patrioten“, „wahre Russen“ und „Monarchisten“. Doch bald gab ihr Wladimir Gringmut, einer der wichtigsten Theoretiker der Bewegung und Gründer der ersten rechten Partei namens Russische Monarchistische Partei, einen neuen Namen. Er taufte die Bewegung Schwarze Hundertschaften, eine Analogie zu Kusma Minins „Schwarzen Hundert“ aus Nischni Nowgorod. Minin war einer der Organisatoren eines Milizheeres in den Jahren 1611–1612 gegen die polnische Invasion gewesen. 12

Angesichts des wohlklingenden Namens und der attraktiven historischen Parallele zum Kampf um Freiheit hielt sich die Bezeichnung. Am 3. Juni 1906 publizierte Gringmut den Artikel „Das Handbuch des Monarchisten der Schwarzen Hundertschaften“, dem er eine Liste „innerer Feinde Russlands“ beilegte. Der Ideologe russischer Faschisten teilte diese Feinde in sechs Kategorien: 1) Anhänger der Verfassung; 2) Demokraten; 3) Sozialisten; 4) Revolutionäre; 5) Anarchisten; 6) Juden. 13

Gringmut wurde wegen Verhetzung der Prozess gemacht. Dennoch gewann die Bewegung der Schwarzen Hundertschaften nach den revolutionären Unruhen 1905 und der darauffolgenden politischen Reaktion rasch an Schwung. Zu ihren Gunsten wirkte die Unterstützung durch den Zaren und durch die reaktionären Kreise der Orthodoxen Kirche.

Ein bedeutsamer Teil dieser reaktionären kirchlichen Kreise bestand nicht nur aus Mitgliedern, sondern auch aus Anführern der Schwarzen Hundertschaften und ihnen zugehöriger Organisationen wie dem Bund des Russischen Volkes, dem Bund des Erzengels Michael, der Gesellschaft des Aktiven Kampfes gegen die Revolution und dem Bund der Russen. 14Der zukünftige stalinistische Patriarch Alexius I. saß zum Beispiel dem Bund des Russischen Volkes in Tula vor. Der spätere Patriarch Sergius I. segnete die Banner des Bundes des Russischen Volkes. 15

Die Propaganda der Schwarzen Hundertschaften wurde in den Zeitungen „Russkoje Snamja“, „Semschtschina“, „Potschaewskij Listok“, „Kolokol“, „Grosa“, „Wetsche“, „Moskowskie wedomosti“ und in vielen weiteren verbreitet. Sogar Massenblätter wie „Kiewljanin“, „Graschdanin“ und „Swet“ verboten den Druck der Propaganda der Schwarzen Hundertschaften nicht.

Die Schwarzen Hundertschaften stellten mit ihrem reaktionären Zarismus, ihren Ochranka-Agenten und Gefängnissen als wahrer Cerberus den Gegenpol zum progressiven und revolutionären politischen Spektrum dar. Sie hassten alles Demokratische wie die Pest und organisierten die Ermordungen etlicher liberaler politischer Schlüsselfiguren.

Die größten Kritiker der Schwarzen Hundertschaften waren ihre politischen Gegner: die Anarchisten und Sozialdemokraten. Zur Unterdrückung der Anhänger und Anhängerinnen der revolutionären Bewegung 1905–1907 schrieb der Anarchist P. A. Kropotkin in einem Brief an M. I. Goldsmith:

„Die Lage ist wirklich verzweifelt. Die Schwarzen Hundertschaften werden zweimal pro Woche im Peterhof-Palast empfangen, ihnen wird volle Freiheit zum Töten auf der Straße gegeben, die sie nutzen. Natürlich greifen die Leute in einer solchen Situation nach allem. – Und da sie kein Kapital haben, fassen sie das Kapital, wo auch immer sie können … Das ist eine Carte blanche für alle Gauner. Und sie nutzen sie! Im Taganskaja-Gefängnis hängen sie jeden Tag Menschen, vor den Insassen … Der Verfall ist absolut.“ 16

Auch der russische Philosoph N. A. Berdjanew schrieb 1909 in einem „Offenen Brief an Erzbischof Antonij“ über den Bund des Russischen Volkes, eine Massenorganisation monarchistischer Schwarzer Hundertschaften, die nicht nur gegen die Revolution, sondern gegen die grundlegende Idee demokratischen Parlamentarismus vorgehen wollte:

„Der ‚Bund des Russischen Volkes‘ ist ganz Boshaftigkeit, ganz Hass, seine Taten erschreckend und verführerisch, er schürt Bruderzwist in der russischen Bevölkerung und Gesellschaft, er erschwert umso mehr die religiöse Wiederauferstehung unseres Mutterlandes. Und ist es möglich, die verführerische Rechtfertigung der Hierarchen der Kirche dieser bösartigen, brudermörderischen, unchristlichen ‚Politik‘ zu ertragen?“ 17

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Zwischen zwei Feuern»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Zwischen zwei Feuern» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Zwischen zwei Feuern»

Обсуждение, отзывы о книге «Zwischen zwei Feuern» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x