Im nächsten Augenblick jedoch schon tat ihm dieser Zornesausbruch leid, denn völlig eingeschüchtert sass sie da und wagte nicht weiter zu essen. Blass geworden, senkte sie die Wimpern mit einem schmerzlichen Ausdruck im schönen Gesicht, der ihr etwas Madonnenhaftes gab. „Iss nur weiter, es hat dir doch geschmeckt?“ lenkte er milde ein. „Man nicht immer gleich so übelnehmsch sein. Siehst du, ich bin doch schon ein erfahrener Mann gegen dich, und deine Altklugheit, siehst du — das ärgert mich.“
„Das wollte ich doch gar nicht,“ hauchte sie und zerdrückte die Tränen unter den langen Wimpern. „Sie sind immer gleich so grob . . . Märchen werden doch manchmal wahr . . . Und wenn ich ein Dummchen bin, weshalb modellieren Sie mich dann? Sie können doch ohne mich den Kopf gar nicht machen. Sehen Sie! Wo bleibt da Ihre Stärke? Ja, und . . .“
Sie gluckste die Worte hervor, die sie zuletzt verschluckte.
Kempen sah aufs neue ihre Keckheit darin, und sofort war seine Gutmütigkeit verscheucht. Er, der diese Töpferarbeit nur der Not gehorchend machte, nicht dem eigenen Triebe, sollte diese Zurechtweisung ruhig einstecken, von diesem Balg sogar? Nein, das durfte nicht geschehen, er musste den Fürchterlichen zeigen. „Geh jetzt, du brauchst nicht mehr wiederzukommen,“ herrschte er sie an und erhob sich mit einem Ruck.
„Es ist gut, Herr Kempen.“ Sie stand auf, machte sich rasch fertig, bedankte sich und ging hinaus.
Dieses Ausreissen ohne Sang und Klang hatte er nicht erwartet. Er sah die angenässte, halbfertige Büste, dachte an die Eile seiner Arbeit, bezwang sich rasch und riss die Tür auf. Noch vernahm er ihre Schritte. „Hör mal, Klara, übermorgen lass dich noch einmal sehen— wenn du willst!“ rief er ihr nach.
„Schön, Herr Kempen, ich werde pünktlich kommen,“ schallte es zurück. „Ich dachte es mir gleich.“
Wieder drin im Zimmer, warf er die Tür hinter sich zu, als hätte er einen Feind abgetan. Dann knurrte er seine Wut in sich hinein wie ein bezwungener Held, der still austoben muss, um nicht verlacht zu werden.
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