Der Mangel an Bereitschaft zu Wandel und Veränderung hat aber auch mit einem anderen Aspekt des Seins zu tun, der nicht nur für den menschlichen, sondern ebenso für den religiösen Organismus gilt. In Indien wurde dieser Aspekt als Teil einer Trinität von Temperamenten, den Gunas, beschrieben, die das körperliche, das vitale und das geistige Sein prägen. Diese Gunas wirken zwar auf allen Ebenen des Seins, aber jedes von ihnen hat sozusagen sein Zuhause oder seinen Ausgangspunkt auf einer anderen Ebene.
Das Temperament, das Guna, das dem Körper zugeschrieben wird, ist das Tamas, das für Trägheit, Unbeweglichkeit und Unbewusstheit steht. In einem Menschen oder in einer Entität wie der Religion äußert sich Tamas im Unwillen zur Veränderung, in der Ablehnung von allem, was Energie verbraucht und Bewegung erzeugt, in Starrheit, Lähmung, im Aussitzen von Ereignissen, in der Vermeidung von Entscheidungen, in der Bewahrung von Althergebrachtem, in der Tradition, im Ansammeln, in der Konservierung und dem Erhalt des Bestehenden. Tamas ist also keine Kraft der Veränderung, sondern ihre Gegenkraft, die Bewahrung. In der indischen Philosophie ist Tamas darum die Ursache von Dunkelheit und das größte Hindernis für den Fortschritt, weswegen die damit assoziierte Körperlichkeit dem spirituellen und religiösen Fortschritt und der Erleuchtung im Weg steht und damit abgelehnt wird. So wird auch die in der heutigen indischen spirituellen Praxis weit verbreitete Weltflucht damit begründet, dass der Körper und alles irdische und weltliche den Menschen in der Welt festhält und ihm den Zugang zum Göttlichen verbaut. Und in der ein oder anderen Form findet sich diese Haltung in vielen Religionen wieder, die dann dem Suchenden den Rückzug von der Welt, z. B. in ein Kloster, und die Zurückweisung der irdischen Güter empfehlen.
Dabei wird in den Hintergrund gedrängt oder außer Acht gelassen, dass der Körper die Basis für jegliche Entwicklung ist und ein integraler Bestandteil unseres Seins. Und darum kann auch die Religion nicht auf ihren körperlichen Aspekt verzichten und benötigt vielleicht auch eine Hierarchie, die dann aber flach gehalten werden müsste und mehr von religiös-spirituellen Aspekten geprägt sein sollte. Der Körper verleiht Festigkeit und bietet einen verlässlichen Bezugspunkt. Und das mit ihm assoziierte Tamas darf auch nicht nur negativ gesehen werden. In unserem Sein hat alles seinen Platz, nur muss man diesen Platz erst finden und darf nicht versuchen, eine Sache zur Grundlage von allem zu machen. Tamas bedeutet aber auch einen Anker, der verhindert, dass man von jeder Welle, die gerade durch die Szene läuft, mitgerissen wird und vergisst, wo und wofür man steht. Und wenn man sich einmal in Bewegung gesetzt hat, dann hilft es dabei, die Bewegung beizubehalten, durchzuhalten und sich nicht ablenken und ermüden zu lassen.
Allerdings werden diese Bewegungen auch schnell mechanisch, rücksichtslos, leblos, starr und unflexibel, und darum wird hier das nächste Element in der Evolution des Seins benötigt, das Leben.
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