Dem jungen Roßkopf kommt bei Borussia Düsseldorf auch die Erfahrung der dort spielenden gestandenen Profis zugute. Mannschaftskollege Ralf Wosik etwa lebt ihm vor, was es heißt, Tischtennis beruflich zu spielen. Auch der frischgebackene Europameister Jörgen Persson, drei Jahre älter, weist ihm den Weg. Der Schwede hat auch international große Erfolge gefeiert und setzt ebenfalls alles auf die Karte Tischtennis. Bei der Borussia lernt Roßkopf zudem früh, mit extremem Druck umzugehen. Mit Jülich liefert sich Düsseldorf damals regelrechte »Hassduelle«, die Spieler werden von den Zuschauer angepöbelt, die Stimmung bei den ausverkauften Spielen kocht. Das ist schon etwas anderes als in der zweiten Liga. In den Vereinen, bei den Spielern und vielen Zuschauern ist Tischtennis eine Lebenseinstellung, viele Klubs wie Steinhagen, Grenzau, Lübeck oder Reutlingen haben eine lange Tradition.
Die Zeiten sind damals noch andere. Roßkopf steigt in einer Phase ein, als der Sport vor seinem großen Boom steht – dessen Träger er bald werden sollte. Die ersten Jahre aber spielt er noch gegen die alte Generation des Tischtennis. Die Mannschaftsduelle in der Bundesliga gehen – wie bis heute in den Amateurklassen – bis neun gewonnene Einzel- oder Doppelspiele über viele Stunden, entfalten eine ganz andere Intensität als heute. Auch die Identifikation der Spieler und Fans mit einem Verein ist noch ausgeprägter. Damals lernt Roßkopf Erfolge mit der Mannschaft schätzen, die oft schöner sind als individuelle Titel, denn man bereitet sich zusammen vor, kämpft zusammen und kann am Ende – läuft es gut – auch gemeinsam feiern. Während der Saison geht man schon mal mit den Mannschaftskameraden einen trinken, am nächsten Tag treffen sich alle wieder in der Halle zum Training. Roßkopf ist ein geselliger Typ, ihm liegt das. In einer funktionierenden Gemeinschaft fühlt er sich wohl.
Schon in dieser frühen Phase seiner Karriere erlebt er viel, sammelt wichtige Erfahrungen, positive wie negative. Gemeinsame Siege zu erringen ist ebenso wichtig, wie nach einer Niederlage mit schlechter Mannschaftsleistung vom Manager in der Kabine zur Sau gemacht zu werden. In der Bundesliga reift Roßkopf zu einem internationalen Star. Über die FTG Frankfurt nimmt er den Weg nach Düsseldorf, um dort für den Vorzeigeverein Deutschlands an die Platte zu gehen. Das ist das Maximum, was ein junger Spieler erreichen kann und entspricht damit zu hundert Prozent Roßkopfs Philosophie. »Mich hätten damals nur eine Verletzung oder irgendwelche privaten Probleme stoppen können«, sagt er heute.
Sicher gehört auch immer eine Portion Glück dazu, in wichtigen Momenten die richtigen Leute und Entscheidungen zu treffen. Roßkopf hatte dieses Glück mit Helmut Hampl, seinem wichtigen Förderer in den Jugendjahren, später mit Zlatko Cordas sowie Mario Amizic, die ihn – der eine als Teamcoach in der Nationalmannschaft, der andere als Trainer von Düsseldorf – in die absolute Weltspitze führten. Zudem konnte er sich auf sein Umfeld, seine Familie verlassen, die ihm nie Druck gemacht hat, dafür stets Rückhalt war. Diese Voraussetzungen sind nötig, um ans Limit der Leistungsfähigkeit zu gelangen. Bemerkenswert ist Roßkopfs frühe Fokussierung, seine Beharrlichkeit und die geistige Klarheit, mit der er die Dinge angeht. Er hat schon als Jugendlicher mehr trainiert als nahezu alle anderen, mehr investiert, mehr geopfert – auch wenn ihm das nicht so vorkam – und auch mehr davon profitiert. Die Titel kamen schnell und zu Beginn doch noch überraschend.
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