Lukas Bärfuss - Die Krone der Schöpfung

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In seinen Kolumnen äußert sich Lukas Bärfuss zu vielfältigen, aber immer drängenden Fragen unserer Zeit.
"Die Geschichte bewegt sich nicht im Ochsengang, nicht in einem gleichmäßigen Trott. Sie gleicht eher den wilden Sprüngen eines Pferdes, das nach Tagen im Stall wieder auf die Weide gelassen wird", heißt es bei Lukas Bärfuss. Und er unterzieht sie in seinen Kolumnen 2019/2020 gewissermaßen in Echtzeit seinem prüfenden Blick, etwa wenn er sich staunend klarmacht, was eigentlich das wirklich Neue an einem eben auf den Markt kommenden iPhone ist: nichts Wesentliches, und wenn er dann aber resümiert, welche grundstürzenden Dinge passiert sind in den wenigen Jahren, die es dieses Telefon überhaupt erst gibt. Seit 2008 nämlich. Das Kleine und das Große sind auf eine verblüffend einleuchtende Weise miteinander verzahnt. Bärfuss springt in seinen Themen, mal ist er analytisch kühl, mal argumentiert er leidenschaftlich polemisch, ob es um Corona geht oder um die Gleichberechtigung der Frauen, um Identitätspolitik, um die USA, China, den Brexit und immer wieder um die Schweiz. Durchaus bemerkt er, dass die ständigen Veränderungen den Menschen Angst machen können, aber dennoch macht er als die größere Gefahr die Stagnation aus. Als wacher Zeitgenosse will er sich einmischen, als genauer Beobachter und denkender Mensch, der Politisches und Poetisches in der Tradition Heinrich Heines zusammenbringt.

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Wahrheit und Wirklichkeit

1.

Die Wahrheit ist in vieler Munde. Es sollte uns beunruhigen, denn es bedeutet, dass sie in umso weniger Herzen ist.

2.

In der ersten Ausgabe von »Historische Urteilskraft«, dem Magazin des Deutschen Historischen Museums Berlin, setzt Daniel Kehlmann in einem Text mit dem Titel »Geschichten erzählen, Geschichte erzählen«[6] seine Arbeit als Schriftsteller der Arbeit eines Historikers gegenüber und zieht eine deutliche Grenze. Während der Historiker herausfinden solle und wolle, was geschehen sei, würde er, der Dichter, lügen und erfinden. Trotzdem sei auch er auf der Suche nach der Wahrheit. Die entscheidende Frage, die Kehlmann selbst stellt, aber nicht beantwortet, lautet: Gibt es verschiedene Wahrheiten, wovon eine nur dem Lügner, also dem Schriftsteller, zugänglich ist? Weil Kehlmann einer Antwort ausweicht, stellen sich plötzlich weitere Fragen: Warum, zum Beispiel, verspürt der Schriftsteller die Notwendigkeit, diese Unterscheidung zu treffen? Will er die Reputation der Geschichtswissenschaft retten, indem er das Feld der einen Disziplin, die Fakten, von jenem der anderen, die Fiktion, sauber trennt? Oder sucht er für sich selbst, als Schriftsteller, einen Raum, wo er seine Literatur vor weltanschaulichen Anwürfen in Sicherheit bringen kann? Aber die Probleme des einen Gewerbes können ebenfalls und gleichzeitig die Probleme des anderen darstellen, und es müsste mittlerweile deutlich sein, dass die ideologischen Kämpfe im Nachgang der Postmoderne nicht befriedet werden können, wenn wir einfach die Felder der Disziplinen abstecken und hoffen, dass niemand die Grenzen verletzt und Konterbande betreibt.

3.

Vor einiger Zeit behauptete eine Philosophin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dass es den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben habe. Was wir unter diesem Begriff zusammenfassten, so meinte sie, zerfalle in unzählige Einzelereignisse. Es sei eine unzulässige Verkürzung, die Komplexität der Wirklichkeit in einen einzigen Begriff zu fassen. Ferner habe kaum ein Zeitgenosse dieses Wort damals verwendet. Und schließlich würde der Zweite Weltkrieg in anderen Kulturen anders genannt, so heiße der Deutsch-Sowjetische Krieg in Russland »Der Große Vaterländische Krieg«.

Es handelt sich dabei nicht um eine Sophisterei unter Akademikern, vielmehr um einen Ausläufer der Turbulenzen, die den Menschen des einundzwanzigsten Jahrhunderts aus dem Gleichgewicht bringen. Nach wie vor finden sich Trümmer des zwanzigsten Jahrhunderts, die man sich bei Gelegenheit an den Kopf wirft, und man fürchtet, die Kontrahenten in der Auseinandersetzung um die kulturelle Hegemonie könnten irgendwann zu wirkungsvolleren Flugobjekten greifen.

4.

Einerlei, ob sich jemand Schriftsteller oder Historiker nennt, und gleichgültig, welche Mittel und Instrumente er bei der Ausübung seiner Tätigkeit benutzt, ob sie nun Quellenkritik oder erlebte Rede heißen, die Vergangenheit ist niemandem zugänglich. Aus dieser Verschlossenheit definiert sie sich. Sie ist das, was war, in Abgrenzung dessen, was ist und was sein wird. Diese allgemeine, alltägliche Erfahrung verdeckt nur eine grundsätzlichere Tatsache: Was sich uns durch das Wissen tatsächlich nicht erschließt, ist die Wirklichkeit als solche, gerade auch jene, die sich in der Gegenwart vollzieht. Dies beweist der Umstand, dass sich die Vergangenheit auch dann nicht erschlösse, wenn wir sie auf die gleiche Weise erfahren könnten wie die Gegenwart. Sie wäre nur eine weitere Gegenwart und die Gleichzeitigkeit unzähliger Ereignisse, deren Zusammenhänge uns zum überwiegenden Teil verborgen blieben. Und weiter: Selbst wenn sich sämtliche dieser Ursachen einem bestimmten Bewusstsein erschlössen, könnte ich sie nicht darstellen, denn das wäre gleichbedeutend mit einem totalen Abbild der Wirklichkeit, das dann, per definitionem, von dieser Wirklichkeit ununterscheidbar wäre. Ein absurder Gedanke, gleichwohl wurde und wird dieses totale Abbild versucht. Es gibt eine beinahe kindliche Sehnsucht, eine Vorstellung, dass man sich der Vergangenheit nähern könne, indem man den Aufwand und die Zahl der dargestellten Ereignisse erhöht. Hollywood erliegt ihr immer wieder. Aber nur, weil man Kriegsschiffe in den Ärmelkanal bringt und mit Tausenden von Komparsen den 6. Juni 1944 darstellt, versteht man den D-Day nicht besser. Aber die Entwicklung der technologischen Illusionsmöglichkeiten hat zu einem Verlust dieser lapidaren Einsicht geführt.

5.

Die Wirklichkeit bleibt mir verschlossen, aber das bedeutet nicht, dass es sie nicht geben würde. Dasselbe gilt für die Vergangenheit, oder, präziser formuliert, für ein beliebiges Ereignis in der Vergangenheit. Die Wirklichkeit zu verstehen würde bedeuten, ihre Unermesslichkeit zu verstehen. Ihre Unermesslichkeit definiert sich durch die Unbeschränktheit der Ursachen, die zwischen den Ereignissen wirken können. Auf welche Art die Ursachen wirken, kann ich untersuchen. Aber die größte Zahl dieser Ursachen liegt hinter meinem Informationshorizont. Ich weiß einfach nichts davon. Was sich hinter der nächsten Hausecke ereignet, sehe ich nicht. Und der Hausecken gibt es viele.

Je mehr Ursachen ich kläre, umso deutlicher wird die erkenntnistheoretische Lücke zwischen meiner Erfahrung und der Wirklichkeit. Man hat das Wissen eine Kugel genannt, die im Ozean des Unwissens schwimme. Mit jedem Erkenntnisgewinn wird sie größer, und daher nimmt die Oberfläche und ihr Kontakt mit dem Unwissen zu.

Die Wirklichkeit wird nicht verstanden, die Wirklichkeit wird zuerst empfunden. Wenn ich die Umstände der Heirat zwischen Carlos II von Spanien und Marie Louise d’Orléans klären will, kann ich die Quellen des Jahres 1679 sammeln und zum Beispiel versuchen, die Rolle der Kirche und der Inquisition anhand der Dokumente zu entschlüsseln. Ich kann Analogien herstellen, versuchen, ein hegemoniales System heutiger mit einem hegemonialen System vergangener Tage zu vergleichen. Und je weiter ich voranschreite in meiner Erkundung, umso deutlicher wird, dass ich niemals wissen kann, was ein Zeuge des Autodafés am 22. November eben jenes Jahres auf der Plaza Mayor in Madrid empfunden hat. Ich werde niemals wissen, was die Verbrennung von zweiundzwanzig Ketzern anlässlich der Hochzeit eines Monarchen für ihn bedeutete.

Man findet die Darstellung dieses Problems üblicherweise nicht in historischen, sondern in philosophischen Werken, und dort in der Abteilung der Philosophie des Geistes. Das Bewusstsein eines anderen Menschen, eines anderen Tieres, bleibt uns verschlossen. Ich kann niemals wissen, ob meine Begriffe in einem anderen Menschen dieselben Empfindungen auslösen oder ob wir dieselben Begriffe für unterschiedliche Sinneswahrnehmungen verwenden. Man nennt dieses Problem in der Philosophie die Qualia, und es beschreibt die Erkenntnis, dass jedes Bewusstsein letztlich in sich selbst eingeschlossen ist.

Wenn ich einem Menschen begegne, dann kann ich ihn befragen, was er unter einem gewissen Wort versteht, mit dem er ein beliebiges Ereignis beschreibt. Es ist nicht üblich, den Verfasser zu konsultieren, falls man sein Werk nicht versteht, aber da es die Möglichkeit grundsätzlich gibt, geht der Leser davon aus, dass der Korpus der Begriffe dem Korpus der Empfindungen entspricht. Dies liegt hauptsächlich am Umstand, den die deutsche Sprache treffend den »Erfahrungshorizont« nennt und den ich mit meinen Zeitgenossen potenziell teile. Potenziell: nur als Möglichkeit teile, aber alleine die Möglichkeit reicht, um zu behaupten, dass sich Begriffe und Wirklichkeit meiner Mitmenschen in weitgehender Übereinstimmung mit meiner Empfindung befinden, und, falls nicht, man Missverständnisse ausräumen könne. Man muss sich nur darüber austauschen. Aus diesem Austausch entsteht ein wesentlicher Teil der kulturellen Produktion.

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