Carl erinnerte sich an die Warnungen von Ingenieur Smith und nahm mit allen Zeichen der Verachtung den Preiskampf auf.
«Vierzehn Dollar? Für den Preis geben Sie mir wohl das gesamte Warenlager! Da drüben habe ich die gleiche Tasche für acht Dollar gesehen ... und ich hätte sie auch für fünf bekommen!»
Der Araber verdrehte die Augen, bis man nur noch das Weiße sah, und schwor, daß es so gut wie ein Geschenk sei, wenn er die Tasche für vierzehn Dollar hergab.
«Ich gebe Ihnen fünf», sagte Carl und legte die Tasche zurück.
«Dreizehn», erwiderte der Kaufmann.
«Fünf!»
«Zwölf», jammerte der Araber und fuhr sich durch seinen Bart.
«Fünf!»
«O nein ... o nein ... wenn ich Ihnen die Tasche für weniger als zwölf verkaufe, wird meine Familie mich verdammen, und meine Verwandtschaft wird mich als den verworfensten Narren von ganz Casablanca betrachten ... Vielleicht werden mich die anderen Kaufleute nicht mehr anschauen und mich mit Hohn aus der Stadt verjagen.»
«Unsinn!» sagte Carl. «Ich hatte mir zwar, ehrlich gesagt, vorgenommen, nicht mehr als fünf Dollar auszugeben, aber da ich Sie nicht all diesen Unannehmlichkeiten aussetzen will, erhöhe ich mein Angebot auf sechs ... aber keinen Cent mehr.»
«Sagen wir elf Dollar, mein Herr», flehte der Kaufmann, während er sich wand und die Tasche Carl vor die Nase hielt. «Eine schönere Tasche ist seit Mohammeds Zeiten nicht hergestellt worden ... selbst der reiche Khadidja und seine fromme Ehefrau besaßen niemals ein solches Kleinod ... und Ihre liebwerte Frau wird Sie aus vollem Herzen segnen, wenn Sie ihr diese wunderbare Gabe mitbringen.»
«Ja, ganz bestimmt», sagte Carl trocken. «Aber wenn ich einmal eine Frau habe, wird sie mich doppelt segnen, wenn ich nur sechs Dollar dafür gegeben habe ... und mehr ist sie auch wirklich nicht wert, Ihre Tasche!»
Das Resultat dieser langanhaltenden Diskussion war, daß Carl die Tasche für sieben Dollar kaufte, und er fand, daß er damit einen sehr guten Kauf getätigt hatte. Der Araber schwor, daß er noch nie ein so schlechtes Geschäft gemacht habe. Er rollte die Augen, zerzauste sein Haar und rang seine Hände mit solchem Nachdruck, daß die Gelenke knackten. Immer wieder jammerte er, daß Allah ihn für diese Missetat strafen werde, und seine Familie werde ihn für alle Zeiten als den übelsten Hund aller arabischen Länder betrachten! Besonders seine beiden Töchter würden ihn verdammen, da sie doch so viel Arbeitsfreude und Liebe bei der Herstellung dieser Tasche, dieses ganz außergewöhnlichen Stückes verschwendet hatten!
Carl hörte mit Gleichgültigkeit dem Gejammer zu, während er dem Kaufmann das Geld hinzählte – und dann beging er einen Fehler, der ernsthafte Folgen haben sollte. Es fielen ihm nämlich Ingenieur Smiths vernünftige Reden ein.
«Oh, Ihre Töchter haben doch gar nichts mit dieser Tasche zu tun gehabt», sagte er ein wenig scharf. «Keine Spur! Sie haben mich sicher betrogen, und die Tasche ist entweder in Deutschland oder Japan hergestellt worden.»
Diese Worte waren unüberlegt. Gewiß werden viele deutsche und japanische Waren als «Eingeborenen-Heimarbeit» ausgegeben, aber bei Sachen aus echtem Kamelleder kann man sicher sein, daß kein Schwindel vorliegt, denn weder in Deutschland noch in Japan hält man Kamele als Haustiere. Der Araber schien auch sogleich zu erstarren, dann aber begann er laut zu schreien und mit den Armen wild um sich zu schlagen. Im Verlauf einer verblüffend kurzen Zeitspanne hatte er damit eine ansehnliche Zahl von Menschen um sich versammelt. Auf arabisch erklärte er den Umstehenden eine ganze Menge, und sogleich erklang von den Versammelten ein drohendes Gemurmel.
«Ach, hören Sie schon auf, Sie alter Geißbock», sagte Carl gutmütig. «So ernst habe ich es ja nun wieder nicht gemeint.»
Aber der Kaufmann regte sich nur noch mehr auf, und als Carl sich entfernen wollte, konnte er die ihn umgebende Mauer von Eingeborenen nicht durchdringen. Er versuchte den neben ihm stehenden Mann zur Seite zu drücken. Zuerst schob er ihn sanft beiseite, dann aber wurde er etwas energischer. Das drohende Knurren wuchs an, und Carl wurde sich bewußt, daß er sich jetzt ernsthaft in Gefahr befand.
«Hallo, Peter und ihr anderen!» rief er laut. Aber seine Freunde waren schon weitergegangen und hörten ihn nicht mehr.
Als sich die Araber immer dichter um ihn drängten, gab er dem Mann, der vor ihm stand, einen festen Stoß vor die Brust. Der Araber fiel mit einem lauten Schrei hintenüber. Im Fallen zog er noch einige mit sich, kam dann aber mit erstaunlicher Schnelligkeit wieder auf die Beine.
Und dann blitzte ein langes Messer im Sonnenlicht!
Im gleichen Augenblick erkannte Carl die Gefahr und handelte blitzschnell. Wie ein Tiger sprang er den Mann an und verabreichte ihm einen kräftigen Kinnhaken. Zum zweitenmal fiel der Mann um, und das Messer fiel ihm klirrend aus der Hand. Aber damit war das Zeichen gegeben, und bevor Carl wußte, wie ihm geschah, war er der Mittelpunkt einer riesigen Schlägerei.
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