Aber natürlich ist der Teich mehr als ein Abfrischbecken für heiße Sommertage. Er ist der Blickfang im Garten und vermittelt immer wieder neue Stimmungsbilder je nach Tages- und Jahreszeit. Mit seiner lebendigen Gestaltung und der vielfältigen Bepflanzung aus Blutweiderich ( Lythrum salicaria ), Breitblättrigem Froschlöffel ( Alisma plan tagoaquatica ), Gewöhnlichem Tannenwedel ( Hippuris vulgaris ), Seerose 'James Brydon' ( Nymphaea ) und Zyperngras ( Cyperus longus ) ist er gleichzeitig ein wertvolles kleines Ökosystem.
Einen Blickfang in der Vertikalen bieten die Sitzmauer, eine Trockenmauer aus Luserna Gneis und die mehrstämmige Felsenbirne ( Amelanchier lamarckii ), die als Solitär eine gute Figur macht. Überhaupt ist die artenreiche Bepflanzung das Rückgrat dieses Naturgartens – sie verbindet alle Elemente miteinander und verleiht dem Garten trotz geringer Größe sein wildes, natürliches Erscheinungsbild. Das Haus mit seiner Holzfassade und dem mit einer Glyzine ( Wisteria ) berankten Vordach bietet eine ähnlich rustikale Optik und passt zum Garten. Abgerundet wird das Bild dieses Bilderbuch-Naturgartens mit einer Kompost-Ecke inklusive Asthaufen, einem Insektenhotel, Obst- und Beerensträuchern sowie einer artenreichen Staudenbepflanzung, die Nahrung und Lebensraum für Vögel und Insekten bietet.
Fricktal, Kanton Aargau, Schweiz
350 m 2
Hariyo Freiraumgestaltung GmbH
Salamander Naturgarten AG
Benedikt Dittli
„Aus einem langgezogenen und gegen die Nachbarn ausgestellten Grundstück wurde ein intimer Garten mit wertvollen Aufenthaltsflächen, ohne dass dieser Raum eingeengt wirkt.“
ANJA GUT UND ANDREAS DÖSSEGGER
PLAN
1Naturteich
2Sitzmauer aus Naturstein
3Sichtschutz mit Vorbepflanzung
4Gemüsegarten
5Blumenrasen
6Schrittplatten Naturstein
LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung
Ein grünes Gesamtkunstwerk
Fließende Übergänge: Blick vom Wintergarten in den verschneiten Wassergarten mit "Tor" zur Landschaft
Am Rande eines kleinen Weilers liegt diese gewachsene Einheit aus Haus und Garten, sanft eingebettet in die geschwungenen Hügelketten des Tertiärhügellandes. Dass der Garten liebevoll gepflegt wird, sieht man ihm sofort an. Ganze 30 Jahre hatte er Zeit, sich zu einem „Vermittler zwischen Siedlung und Landschaft“ zu entwickeln. Waldränder, Feld- und Wiesenstreifen sind durch Heckenfenster und -tore in den Garten einbezogen – Sichtbeziehungen, die das Grundstück in der ländlichen Kulturlandschaft verorten.
Unumschränkter Höhepunkt im Juni: die Rosensträucher im Buchsparterre
Hommage an den Garten des Castello Ruspoli in Vignanello und den Landschaftsbezug des Palazzo Piccolomini in Pienza. Im Hintergrund: Fenster in die Landschaft.
Alles hängt mit allem zusammen: Der Teich vor dem Wintergarten strahlt Energie zum Haus zurück.
Mußestunden im sommerlichen Buchs- und Rosengarten
Grünes Bollwerk gegen den Wind im Übergang zur Landschaft
Eine Reihe kleinkroniger Quitten vor der wärmenden Trockenmauer aus alten Mauer- und Dachziegeln
Innenhof mit blauen Hortensien und Agapanthus – jeder Gartenraum hat ein eigenes Pflanzkonzept.
Er ist das Lebenswerk der beiden Landschaftsarchitekten Anneliese und Peter Latz. Ein Gesamtkunstwerk, das keine Hierarchien kennt. Alles hängt mit allem zusammen, ist nicht isoliert voneinander zu betrachten. Haus und Garten wurden zusammen erdacht, sind ein in sich funktionierender Kosmos. Das vierseitige Gebäude, in dem gelebt und gearbeitet wird, hat Peter Latz selbst entworfen, sein Wissen über alternative Technologien eingebracht. Es entstand aus einem alten Häuslerhaus, das vor gut hundertzwanzig Jahren auf dem einstmals feuchten Hanggrundstück errichtet wurde. Behutsam wurden dem alten Gemäuer Seitenflügel für das Wohnen und Arbeiten und ein vorgelagertes Glashaus angegliedert. So entstand ein geschützter Innenhof mit schlichtem Wasserbecken und einem Topfgarten für tropische Schönheiten wie Schmucklilien ( Agapanthus ). „Das Haus hat eine Außenschale aus Glas wie eine doppelte Haut, um den Energieverlust gering zu halten. Fotovoltaik wird als Indach-System (PV-Anlage seit 2018) genutzt, um damit einen Teil des hohen Energiebedarfs zu decken; Regenwasser sammeln wir und nutzen es zur Bewässerung“, erklärt der emeritierte Professor für Landschaftsarchitektur. Nachhaltigkeit ist für Anneliese und Peter Latz eben nicht nur ein Schlagwort – hier wird mit Ressourcen verantwortungsbewusst umgegangen. Das zeigt sich auch bei der Materialverwendung: Die Stützmauern zur Terrassierung der hausnahen Gartenbereiche bestehen aus alten Ziegelsteinen und Dachziegeln, die aus dem Abbruch von Nebengebäuden stammen. Material mit Patina, das zur natürlichen, warmen Atmosphäre des Hauses passt.
Die intensiveren Bereiche um das Haus mit seinen berankten Holzveranden schützen dichte Strauchpakete aus Liguster ( Ligustrum vulgare ), Hainbuche ( Carpinus betulus ) und Feldahorn ( Acer campestre ) in der Tradition eines giardino segreto – ein rundliches Bollwerk gegen kühle Winde, das die Form der weichen Hügellandschaft widerspiegelt. Im Inneren herrscht ein günstiges Kleinklima für die einzelnen Gartenräume: für den Nutzgarten mit Gemüse und Kräutern, das Buchsbaum-Parterre, den Teichgarten und die verschwiegenen Sitzplätze in den Nischen. Schmale Pfade erschließen das Grundstück und verbinden die Gartenräume miteinander. „Von außen betrachtet, mag der intensive Teil des Gartens klein aussehen. Erst von innen erschließen sich die unterschiedlichen Räume, die ineinander übergehen“, erklärt Anneliese Latz. So wandert der Blick ungehindert vom Wintergarten zum Wassergarten mit dem Teich und durch ein geschnittenes Heckentor in die freie Landschaft. Es sind Bilder, die sich mit dem Wechsel der Jahreszeiten, dem Wetter und den Lichtverhältnissen immer wieder ändern.
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