Mariama Jalloh, 19 Jahre alt, Abiturientin
Gibt es Schauspielunterricht speziell für Kinder und Jugendliche?
Immer öfter gründen sich in größeren Städten Schauspielschulen speziell für Kinder und Jugendliche. Diese Einrichtungen bieten Kurse an, in denen professionelle Lehrer den Schülern die Grundlagen von Schauspiel, Gesang, Tanz, Improvisation, Sprache, Körperbeherrschung, Kameraarbeit und Interviewtraining näher bringen. Oft vermitteln diese Schulen auch talentierten Nachwuchs für Film und Fernsehen oder sind an eine Schauspielagentur angeschlossen.
Es ist wichtig, die Seriosität der Schule und der Lehrer zu prüfen und eine kostenlose Probestunde mitzumachen.
»Die Lehrer müssen in jeder Hinsicht Profis sein. Sie müssen die Kinder ernst nehmen und sie begeistern können. Wichtig ist auch, dass die Schauspiellehrer die angeborene, unverfälschte Natürlichkeit der Kinder nicht unterdrücken, sondern fördern.«
Silvana Liebich, Next Generation Schauspielschule & Agentur, Berlin
Der Spaß am Spielen sollte immer an erster Stelle stellen, wenn ein Kind den Wunsch verspürt, Schauspielunterricht zu nehmen.
»Wichtig ist es, dass die Kinder von sich aus kommen und nicht, weil die Eltern aus ihnen gerne Stars machen möchten. Die Kinder sollen Spaß am Spielen, Singen und Tanzen haben, das ist die Grundvoraussetzung.«
Michele Huesmann, kids on stage, Düsseldorf
Was ist der Unterschied zwischen einer Castingagentur und einer Schauspielagentur?
Eine Castingagentur hat mehrere tausend professionelle Schauspieler in ihrer Kartei. Sie bekommt von einer Filmproduktion oder einem Sender den Auftrag, für einen Film oder eine Serie die Rollen zu besetzen. Das heißt, sie schlägt der Produktion mehrere Schauspieler für die jeweiligen Rollen vor. Aus diesen Vorschlägen werden dann in Frage kommende Kandidaten zum Casting eingeladen, oder Produzent, Regisseur und Redakteur schauen sich deren Demobänder an.
Schauspielagenturen hingegen betreuen nur eine kleine Anzahl von Akteuren – meist zwischen 10 und 50 Schauspieler. Schauspielagenten werden ihrerseits von den Castingagenturen angefragt und schicken daraufhin ihre Schauspieler zu einem Casting oder versenden ein Demoband des Darstellers. Wenn ein Schauspieler schließlich die Rolle bekommt, verhandelt die Schauspielagentur die Gage, prüft den Vertrag und erhält dafür in der Regel vom Schauspieler eine Provision zwischen 10 und 15 Prozent der Bruttogage.
Eine gute Schauspielagentur ist wichtig, weil sie Kontakte zur Branche unterhält, die der Anfänger normalerweise nicht hat. Die Agentur weiß, welcher Casting Director zurzeit welchen Film besetzt, und wird versuchen, ihren Schauspielern in diesen Projekten eine Rolle zu verschaffen.
Doch Achtung: Finger weg von einer Schauspiel- oder Castingagentur, die Geld dafür verlangt, dass sie den Interessenten in ihre Kartei aufnimmt und vermittelt. Agenturen, die sich 75 Euro dafür bezahlen lassen, dass sie Fotos vom Bewerber machen und diese ins Internet stellen, sind zum Großteil unseriös. Wenn eine Agentur auf diesem Wege mehrere hundert Schauspieler über das Internet anbietet, liegt der Gedanke nicht fern, dass sie ihr Geld allein durch die Aufnahmegebühr verdient und nicht durch die Vermittlung an Filmproduktionen.
Eine Recherche im Internet über die Agentur ist immer sinnvoll, bevor man sich bewirbt. Bei einer Agentur, die keinen Internetauftritt vorweisen kann, ist Misstrauen geboten.
Außerdem darf die Agentur keine Verträge anbieten, die den Klienten länger als ein Jahr ohne Kündigungsmöglichkeit binden. Provisionsforderungen über 18 Prozent sind laut der Vermittler-Vergütungsverordnung (VVVO) nicht gestattet.
»Seriöse Nachwuchsagenturen haben immer ein Büro und schlagen ihre Zelte nicht in irgendwelchen Hotels auf. Man muss bei einer seriösen Agentur nichts für die Aufnahme in die Kartei bezahlen, und eine gute Agentur achtet auch sorgfältig darauf, dass die Kinder nicht verheizt werden.«
Michele Huesmann, kids on stage, Düsseldorf
Ein weiteres Qualitätsmerkmal für eine gute Schauspielagentur, über die reine Vermittlung hinaus, stellt eine intensive Betreuung dar. Professionelle Agenturen haben nur eine begrenzte Anzahl von Klienten in ihrer Obhut und produzieren mit dem Schauspieler zusammen ein Videoband, verschicken die Fotos und beraten bei Fragen und Problemen. Daneben haben sie viele Erfahrungen mit der Medienbranche und wichtige Kontakte zu ihren Auftraggebern.
In der Regel nehmen Casting- und Schauspielagenturen nur Schauspieler mit einer abgeschlossenen Schauspielausbildung auf. Inzwischen gibt es aber daneben viele Agenturen, die ausschließlich Kinder und Jugendliche vermitteln und gleichzeitig auch Castings durchführen. Kinder und Jugendliche, die bereits Theatererfahrungen gesammelt haben, können sich bei einer dieser Agenturen bewerben. Sie sollten sich allerdings im Vorfeld im Internet einen Eindruck von der Agentur verschaffen.
Wie bewerbe ich mich bei einer Agentur für Kinder und Jugendliche?
Eine aussagekräftige Bewerbung erhöht die Chancen, in eine Agentur aufgenommen zu werden. Jugendliche, die jünger aussehen, als sie sind, haben dabei immer einen Vorteil, denn sie dürfen theoretisch schon mehr Stunden am Tag drehen als jüngere Kinder – für die Filmproduktion bedeutet dies eine Erleichterung bei der Erstellung des Drehplans.
Bevor eine Bewerbung verschickt wird, sollte telefonisch nachgefragt werden, ob die Unterlagen postalisch oder via E-Mail gewünscht werden.
Die Bewerbung sollte Folgendes beinhalten:
ein Anschreiben mit Adresse, Telefonnummer und einer Begründung, warum man in die Agentur aufgenommen werden möchte
aussagekräftige Farb-Fotos (wenn möglich mindestens im Format 13 x 18 cm) mit Namen und Telefonnummer auf der Rückseite
einen Lebenslauf mit Angaben der künstlerischen Talente und Erfahrungen
wenn möglich, eine kurze selbst produzierte DVD; auch diese sollte mit Namen und Telefonnummer beschriftet sein oder ein Link zum Online-Demoband
»Wir bekommen jede Woche viele Bewerbungen von Kindern und Jugendlichen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Bewerbung auffällt und einen neugierig macht. Ich will schon an der Bewerbung sehen, da ist einer, der kreativ ist, der sich anstrengt und der wirklichen Einsatz zeigt. Uns ist es schon wichtig, dass das Kind oder der Jugendliche bereits irgendwo Erfahrungen gesammelt hat. Das kann zum Beispiel die Theater AG in der Schule sein. Dann möchte ich Fotos sehen, die mich neugierig machen. Das kann ruhig ein guter Schnappschuss sein, der von Freunden oder von der Familie gemacht wurde. Hauptsache ist, ich kann auf dem Foto die Person gut erkennen und das Gesicht wird nicht durch Haare oder Hände verdeckt. Immer ganz toll ist es natürlich, wenn der Bewerber ein selbst gemachtes Demoband mitschickt. Da reichen ein paar Minuten, in denen er sich vorstellt und vielleicht ein, zwei Szenen spielt, wo ich ihn in verschiedenen Rollen sehen kann. Wenn jemand noch keine 16 Jahre alt ist, soll er mir auf jeden Fall schreiben, dass die Eltern mit der Bewerbung einverstanden sind. Sollte mir die Bewerbung gefallen und ich diesen Typus auch noch nicht in unserer Nachwuchsagentur vertreten haben, lade ich ihn zum Kennenlernen ein.«
Maria Schwarz, Agentur zur Vermittlung von Jungschauspielern, Köln
Wer von der Agentur zu einem Vorstellungstermin eingeladen wird, kann sehr stolz sein. Und wenn die Agentur den Jungschauspieler dann noch in ihre Kartei aufnimmt und Castern vorschlägt, ist schon ein großer Schritt getan. Vor lauter Freude sollte jedoch nicht versäumt werden, den Vertrag mit der Agentur sorgfältig zu prüfen.
Im März 2008 hat sich der Verband Deutscher Nachwuchsagenturen gegründet. Unter www.vdna-film.definden sich viele Informationen über seriöse Agenturverträge.
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