16 Bin ich psychisch stabil und widerstandsfähig?
17 Kann ich damit umgehen, meinen Partner/meine Partnerin, meine Familie und Freunde nicht zu sehen, da ich oft die Stadt wechseln muss und zeitlich häufig sehr stark in Engagements eingebunden bin?
18 Komme ich mit zeitlich befristeten Arbeitsverträgen und immer wieder wechselnden Arbeitgebern zurecht?
19 Kann ich mit einem ungeregelten Tagesablauf umgehen?
20 Bin ich überdurchschnittlich diszipliniert?
21 Kann ich mit Konkurrenzkampf gut umgehen?
22 Kann ich mit Stress gut umgehen?
23 Bin ich selbstbewusst, zielstrebig, ausdauernd und habe ein großes Durchsetzungsvermögen?
24 Bin ich attraktiv und achte auf mein Aussehen?
25 Kann ich als Frau damit leben, dass für es für mich weniger Ausbildungsplätze, Rollen und Engagements gibt, als für Männer?
Wer mehr als sechsmal mit Nein geantwortet hat, sollte sich noch einmal überlegen, ob er wirklich Schauspieler werden möchte oder ob er die Schauspielerei nicht lieber als ein Hobby weiter betreiben will.
Wer zwanzigmal oder öfter mit Ja geantwortet hat, bringt gute Voraussetzungen für den Beruf des Schauspielers mit.
Nachdem die Vorraussetzungen, die ein künftiger Schauspieler mitbringen muss, nun geklärt sind, sollte sich jeder die Frage stellen, ob er die Schauspielerei für den einzigen Beruf hält, den es sich für ihn auszuüben lohnt.
Ist tatsächlich der innere Drang vorhanden, Zeit und Energie zu investieren, um diesem Ziel näher zu kommen? Wie sieht es mit Disziplin und Fleiß aus?
Und vor allem: Wie ist es um das Talent bestellt?
Die Einschätzung, ob ein Schauspieler Begabung besitzt, ist eine weitgehend subjektive. Der eine Intendant oder Casting Director hält einen Akteur für herausragend begabt, der andere wiederum findet sein Talent nur mittelmäßig.
Also muss jeder zunächst einmal selbst von der eigenen Begabung überzeugt sein und diese auch »verkaufen« können. Wer Angst hat, aus sich herauszugehen, und nicht in der Lage ist, andere Personen und ihre Gefühle mitreißend, glaubwürdig und überzeugend darzustellen, kann als Schauspieler langfristig nicht bestehen.
Neben dem Talent ist das Handwerk und damit verbunden die Schauspielausbildung ausschlaggebend. Sicher gibt es Schauspieler, die nie eine Schauspielschule besucht haben und trotzdem erfolgreich sind. Aber dies sind und bleiben Ausnahmen. Wer dauerhaft erfolgreich als Schauspieler arbeiten möchte, muss nach der mittleren Reife oder dem Abitur eine dreibis vierjährige solide Ausbildung absolvieren, sonst kommt auch ein großes Talent sehr schnell an seine Grenzen und kann sich nicht ausreichend entfalten.
Was kann ich tun, wenn ich für die Schauspielschule noch zu jung bin?
Es ist sinnvoll, sich schon vor der Schauspielschule auszuprobieren und erste Erfahrungen auf einer Bühne zu sammeln. Gelegenheiten, Theater zu spielen, gibt es viele. So hat fast jede Schule eine Theater AG. Und diese AGs sind hervorragend geeignet, um das Talent zu erproben, um in verschiedene Rollen zu schlüpfen und um herauszufinden, wie es ist, auf einer Bühne zu stehen und das Lampenfieber zu spüren.
Aufführung der Theatergruppe »The Wild Bunch« (Foto: Günter Danisch)
Außerdem haben beinahe alle städtischen Volkshochschulen Theaterkurse, Schauspiel- und Gesangsunterricht oder Stimmtraining im Programm. Der Vorteil der Volkshochschulen ist, dass sie sehr preisgünstig sind.
Und vielleicht gibt es zudem eine Laientheatergruppe in der Gemeinde oder im Stadtteil, die sich über Nachwuchs freut. Darüber hinaus bieten die Stadtzeitungen und Kulturteile der Tageszeitung einen guten Überblick darüber, welche Theatergruppe gerade in der freien Theaterszene ein neues Stück aufführt. Diese Vorstellung sollte man dann besuchen und die Beteiligten ansprechen. Selbst wenn einem bei der nächsten Produktion nicht sofort eine Rolle angeboten wird, kann man möglicherweise bei der Regie hospitieren oder soufflieren und auf diese Weise Erfahrungen sammeln.
Außerdem sollte jeder, der diesen Beruf ergreifen möchte, viele dramatische Werke lesen und sich immer wieder gute Theateraufführungen beziehungsweise gute Spielfilme ansehen, um sich von den Schauspielern inspirieren zu lassen und von ihnen zu lernen.
Wo kann ich mich auf der Bühne ausprobieren?
Wer in einer größeren Stadt mit einem eigenen Stadt- oder Staatstheater lebt, kann versuchen, dort als Statist zu arbeiten. Beinahe in jedem Stück werden Komparsen, also Leute, die stumme, kleine Rollen spielen, gesucht.
Immer wieder gibt es zudem Theaterstücke, für die Kinder und Jugendliche gesucht werden. Voraussetzung ist die Erlaubnis der Eltern, der Schule, eines Arztes und des Jugendamtes.
Da man zumindest bei den Haupt- und Generalproben auch vormittags proben muss, sollte der begeisterte Nachwuchs gut in der Schule sein, damit diese den Schüler bedenkenlos für die Proben freistellt.
Weil Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre noch unter das Jugendarbeitsschutzgesetz fallen, dürfen sie nur zeitlich begrenzt auf einer Theaterbühne stehen, also proben und bei einer Aufführung mitmachen.
»Die Bühnen Köln arbeiten bei Kindern und jungen Jugendlichen immer mit einer Dreifachbesetzung. Das heißt, es gibt drei Kinder, die sich eine Rolle teilen, sodass kein Kind zu oft auf der Bühne steht. So ist man natürlich immer auf der Suche nach jungen Menschen, die Lust haben, auf der Bühne zu stehen, die zuverlässig sind und deren Eltern das unterstützen. Als Bewerbung reicht ein Foto mit Angaben zum Alter, Größe und Telefonnummer.«
Madlen Thiemann, ehemalige Leiterin der Statisterie bei den Bühnen Köln
Ein großes Theater wird einem Komparsen keine Sprechrollen übertragen, aber er kann Theaterluft schnuppern, den Profis bei der Arbeit zusehen und dabei lernen sowie nicht zuletzt verbilligte Theaterkarten erhalten – lauter gute Gründe für die Statistentätigkeit.
Die Aufwandsentschädigung für Komparserie ist von Theater zu Theater unterschiedlich. Manche Theater zahlen fünf Euro für zwei Stunden Probe und sechzehn Euro pro Vorstellung, andere weitaus mehr. Wer den Job allerdings wegen des Geldes machen will, ist hier fehl am Platz. Wer an einer Statistenrolle interessiert ist, ruft am besten in der Zentrale des Theaters an, fragt nach dem Namen des Leiters der Statisterie und schickt eine Bewerbung an ihn.
Immer mehr Stadt- und Jugendtheater bieten außerdem Projekte für Jugendliche an, die Lust haben, den Theaterbetrieb näher kennen zu lernen. In diesen Theaterclubs wird kostenloser Unterricht erteilt, improvisiert und unter professioneller Anleitung eine Aufführung erarbeitet. Interessierte haben hier die Möglichkeit, das Theater von innen heraus kennen zu lernen und sich in den Bereichen Bühnenbild, Kostüm, Dramaturgie, Musik, Schauspiel, Licht, Tanz, Organisation und Fotografie auszuprobieren.
Wer nicht weiß, ob das Theater in der Nähe Projekte für Jugendliche anbietet, geht am besten auf die jeweiligen Internetseiten oder ruft im Theater an und lässt sich mit der Pressestelle oder Öffentlichkeitsarbeit verbinden. Manche Theater haben für ihren Jugendclub so viele Bewerbungen, dass sie sogar Castings veranstalten müssen, an anderen Projekten wiederum kann man ohne Vorsprechen teilnehmen.
»Ich habe über einen Flyer vom Jugendclub erfahren. Da sich sehr viele Leute beworben haben, gab es eine richtige Aufnahmeprüfung mit einer selbst gestalteten zweiminütigen Performance, Improvisationen und Übungen. Es ist ganz toll, hier zu sein. Schon alleine der Geruch im Theater ist etwas Besonderes für mich.«
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