Kuno Fischer - Schopenhauer

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Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) ist eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür, dass sich Philosophie nicht auf Universitätsphilosophie beschränken lässt. Im Anschluss an Kant, für dessen einzig legitimen Thronerben er sich hält, legt er als Dreißigjähriger sein Hauptwerk vor: «Die Welt als Wille und Vorstellung», um den Rest seines Lebens an dessen Erweiterung, Vertiefung und Kommentierung zu arbeiten. Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ethik und Ästhetik sind die thematischen Schwerpunkte dieses systematischen Entwurfes, der als ein organisches Ganzes aus der Explikation des einen Grundgedankens hervorgeht: die Welt ist die Selbsterkenntnis des Willens.

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1. Kant und Plato

2. Der Veda und der Buddhismus

II. Die geniale Anschauung und deren Objekt

1. Die Urformen oder Ideen

2. Das reine Subjekt des Erkennens

3. Das Genie und der Genius. Die Charakteristik des Genies

4. Genialität und Wahnsinn

Dreizehntes Kapitel

I. Das ästhetische Wohlgefallen und dessen Begründung

II. Die ästhetische Weltbetrachtung und deren Objekte

1. Das Schöne

2. Das Erhabene

III. Die platonische Idee als das Objekt der Kunst

1. Schopenhauers Nichtübereinstimmung mit Plato

2. Das Thema und die Aufgabe der Kunst

Vierzehntes Kapitel

I. Die bildende Kunst

1. Die Architektur

2. Die Skulptur (Laokoon)

3. Die Malerei. (Die Allegorie)

II. Die Dichtkunst

1. Die Bildersprache. Rhythmus und Reim

2. Die Arten der Poesie

3. Die Tragödie

III. Die Musik

1. Das Rätsel der Musik. Schopenhauer und Richard Wagner

2. Die Analogie zwischen den Gebilden der Dinge und denen der Töne

3. Das Tongebilde. Rhythmus, Harmonie und Melodie

Fünfzehntes Kapitel

I. Die Selbsterkenntnis des Willens

II. Die Gewissheit des Lebens und des Todes

III. Die menschliche Willensfreiheit

1. Die physische, intellektuelle und sogenannte moralische Freiheit

2. Die wahre moralische Freiheit

Sechzehntes Kapitel

I. Das leidensvolle Dasein

II. Die Fortpflanzung des menschlichen Daseins

1. Die Erblichkeit der Eigenschaften

2. Die Metaphysik der Geschlechtstriebe

Siebzehntes Kapitel

I. Die zeitliche Gerechtigkeit

1. Die reine oder moralische Rechtslehre. Unrecht und Recht

2. Gewalt und List

3. Der Staat und das Staatsrecht

4. Die Strafgerechtigkeit

II. Die ewige Gerechtigkeit

1. Schuld und Strafe

2. Die Seelenwanderung. Metempsychose und Palingenesie

Achtzehntes Kapitel

I. Der Grundsatz und die Grundlage der Moral

1. Das Problem

2. Die Kritik der kantischen Sittenlehre

3. Die gute und böse Gesinnung. Das gute und böse Gewissen

II. Das Mitleid als Fundament der Ethik

1. Der metaphysische Grund des Mitleids. Rousseau

2. Mitleid und Liebe

3. Der Ursprung des Weinens

Neunzehntes Kapitel

I. Die Stufenleiter des bösen und des guten Willens

1. Der heftige, grimmige, böse und teuflische Wille

2. Der gelassene, rechtliche und großherzige Wille

II. Die Selbstverleugnung und Askese

1. Die Modifikation des Willens

2. Die Verneinung des Selbstmords

3. Die Heiligkeit und die Erlösung

III. Das Quietiv und die Heilswege

1. Die Vorbilder auf dem Wege zum Heil

2. Motive und Quietiv

3. Die ethisch-geniale Erkenntnis als der erste Heilsweg

4. Das empfundene Leiden als der zweite Heilsweg

5. Die Heilsordnung

IV. Religion und Religionsphilosophie

1. Monotheismus und Polytheismus

2. Das echte und unechte Christentum

3. Nirwana

4. Epiphilosophie

Zwanzigstes Kapitel

I. Übersicht

II. Die christliche Religion und die vorkantische Philosophie

1. Religionsgeschichtliche Irrtümer

2. Die alte Philosophie und die indo-ägyptische Hypothese

3. Die Scholastik

4. Die neuere Philosophie

III. Die Kritik der kantischen Philosophie

1. Die Aufgabe

2. Kants Verdienste

3. Kants Fehler

4. Erläuterungen

IV. Schopenhauer und die nachkantische Philosophie

1. Bemerkungen über die eigene Lehre

2. Die Universitätsphilosophie

Einundzwanzigstes Kapitel

I. Das Grundgebrechen des ganzen Systems

1. Die entwicklungsgeschichtliche Betrachtung. Die Antithese zwischen Kant und Schopenhauer

2. Der Unwert der Geschichte. Die Antithese zwischen Schopenhauer und Hegel

3. Der Wert der Geschichte

II. Die Widersprüche in dem System

1. Die falsche Abwehr

2. Die Welt als Entwicklungssystem

3. Die Welt als Erkenntnissystem

4. Das pessimistische Weltsystem

III. Die Widersprüche im Fundament

1. Der Drang im Dinge an sich

2. Die transzendenten Fragen

3. Die einzigen Ausnahmen

4. Die Individualität im Dinge an sich

5. Der transzendente Fatalismus

Zweiundzwanzigstes Kapitel

Die Kritik der Darstellungsart

I. Vorzüge und Mängel

1. Wiederholungen

2. Zitate und Fremdwörter

3. Satzbildung und Interpunktion

II. Stilistische Grundsätze

Auswahlbibliographie zur Schopenhauer-Literatur

I) Gesamtausgaben

II) Einzelausgaben

III) Gesamtdarstellungen, Einführungen und Biographien

IV) Sonstige Sekundärliteratur

V) Bibliographien, Lexika, Zeitschriften

VI) Briefe, Tagebücher, Gespräche und Übersetzungen

VII) Elektronische Medien: Tonkassetten, CD-Rom, Internetadressen

Fußnoten

Kontakt zum Verlag

Arthur Schopenhauer – Originalgenie und philosophischer Außenseiter

Eine Einführung zu Kuno Fischers Schopenhauer-Buch

Kuno Fischers Schopenhauer-Monographie, die, nach dem Urteil Wilhelm Windelbands »großartigste[…] Charakteristik einer philosophischen Persönlichkeit, die ihm gelungen ist«1, wird hier auf der Grundlage der dritten Auflage, um eine Einführung und aktuelle Literaturhinweise ergänzt, wiederum vorgelegt.2 Die erneute Herausgabe eines Werkes, das zuletzt vor etwas mehr als hundert Jahren, kurz nach dem Tode Kuno Fischers, erschienen ist, bedarf »einer besondern Schutzrede«3, eines Wortes der Rechtfertigung, die nicht bloß im Hinweis darauf bestehen kann, dass es sich dabei um das einst berühmte Buch eines einst berühmten Autors handelt. Da die geschichtliche Begründung sich notwendig im Widerspruch zur eigenen Absicht realisiert4, wollen die folgenden Ausführungen den Autor des Buches, der heute nur noch einem engeren Kreis philosophisch Interessierter bekannt ist, und das Buch selbst vorstellen, um zu zeigen, dass seine Neuausgabe nicht die Freude am Nostalgischen und Historischen, sondern der Blick auf seine Qualität und Originalität, seinen zeitlosen Gehalt und sein bleibendes Verdienst motiviert.

Kuno Fischer und die Heidelberger Tradition

Was die philosophiegeschichtliche Einordnung betrifft, steht Kuno Fischer in der Heidelberger Tradition des Philosophierens, deren herausragendster Repräsentant er ist. In ihrem Sinn lehrten in Heidelberg in »fast ununterbrochener Folge […] ein Jahrhundert lang Philosophen, welche ihre eigene Bemühung um die Probleme grundsätzlich mit einer umfassenden Kenntnisnahme und kritischen Vergegenwärtigung der geschichtlichen Überlieferung verbanden. Hegel hatte damit begonnen; Eduard Zeller , Kuno Fischer , Wilhelm Windelband , Paul Hensel , Ernst Hoffmann folgten ihm, obwohl sie seine dialektisch-konstruierende Methode nicht übernahmen«5. Der als Nachfolger Eduard Zellers nach Heidelberg berufene und von Wilhelm Windelband auf dem Lehrstuhl der Ruperto-Carola beerbte, beiden als Denker und Forscher ebenbürtige Kuno Fischer, hat »sowohl seinen Vorgänger wie seinen Nachfolger in der Kunst der literarischen Darstellung und des Kathedervortrags«6 übertroffen. In seiner 1924 vorgelegten, Kuno Fischer gewidmeten Habilitationsschrift7 hat sich Hermann Glockner zu dieser Heidelberger Tradition bekannt, die mit der n.s.-diktatorisch geregelten Nachfolge von Heinrich Rickert zu Ende geht: »Ernst Krieck kam nach Heidelberg. Damit war die philosophische Tradition zerstört. Sie wurde auch 1945 nicht wieder aufgenommen«8.

Kuno Fischer – Biographisches9

Ernst Berthold Kuno Fischer wird am 23. Juli 1824 in Groß-Sandewalde in Schlesien geboren. Der Vater, der Sandewalder Pastor Karl Theodor Fischer, widmet sich nach dem frühen Tod der Mutter mit großer Sorgfalt seiner und seines älteren Bruders Erziehung, was zu einer innigen Beziehung zwischen Vater und Sohn führt.10 Fischer besucht zunächst das humanistische Gymnasium in Posen, dem er die Beherrschung seines Gefühlsüberschwanges, seine klassische Bildung, sowie sein literarisches und ästhetisches Interesse, das von besonderem Einfluss auf seine weitere Entwicklung ist, verdankt. Nach dem Abitur 1844 beginnt er in Leipzig ein Studium der Philologie bei Gottfried Hermann und Moritz Haupt, doch dauert es kein Semester, bis den jungen Studenten die Philosophie an sich reißt11 und er im Herbst 1844 an die Universität Halle wechselt, wo er bis zum Frühjahr 1847 studiert. Julius Schaller, vor allem aber Johann Eduard Erdmann, der ihn in die Philosophie Hegels einführt, sind dort seine Lehrer. 1847 promoviert er in Halle mit der in lateinischer Sprache abgefassten Dissertation »De Parmenide Platonico«.12 Um sich auf die akademische Laufbahn vorzubereiten, nimmt der junge Doktor 1848 eine Hauslehrerstelle bei dem Papierfabrikanten Bohnenberger in Pforzheim an. In dieser Zeit entstehen die ersten philosophischen Arbeiten (Aufsätze und Buchbesprechungen). Der Aufenthalt ist angenehm durch gemeinsame Reisen und Ausflüge, anlässlich eines Winteraufenthaltes in Karlsruhe lernt er den Schauspieler Ludwig Dessoir kennen, der ihn in Sprech- und Vortragskunst unterrichtet, mit deren selbstverständlicher Beherrschung er sich die technischen Voraussetzungen seiner künftigen Erfolge als Vortragender schafft. Mehr Freude als der Unterricht des zurückgebliebenen Sohnes bereiten Fischer die Vorträge, die er den Damen des Hauses (der Mutter und der ältesten Tochter) über ästhetische Themen hält, die gesammelten Vorträge bilden die Grundlage von Fischers erster Buchveröffentlichung.13

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