(Vereinsbrauerei Apolda)
Apostelbräu Dinkel naturtrüb(4,8%
) ist als obergäriges Weizenbieräquivalent vollkommen untauglich. Vom Säuredogma geknebelt, wird das Fruchtflehen des Dinkels kaum erhört (Fruchtflucht?), die Rezens ist mit Rosenkranzbeten beschäftigt, und anstatt des so bitter nötigen Hopfens erkenne ich nur eine riesige Tonsur.
(Apostelbräu Hauzenberg)
Arco Urfass(4,9%
) bietet ein mildes, helles Bier an. Die Dunkle Weiße(4,7%
) eine würzige Variante, bei der außer saurer Erdbeere kaum fruchtige Komponenten aufzuspüren waren. Die bräuchte es mindestens. Und einen stabilen Schaum. Die Urweiße(5,1%
) versöhnt wieder mit ihrem schweren cashewkernigen Charakter.
(Arco Bräu Moos)
Årgangsøl 2000(10,6%
) trägt die Abfüllnummer 4499678 und das Gütesiegel »Skatteklasse 4«, ist vollbierfarben, erzeugt jedoch Schüttelhaut und Gänsefrost und bleibt (wie der ganze Milleniumsrummel) eine Überflüssigkeit. Schade um den wertvollen Alkohol.
(Wiibroes Bryggeri Helsingør/Dänemark)
Asahi Super Dry(5,0%
) befremdet mit reichlich limonadigem Anflug, ziemlich stromlinienförmig. Hopfen- und Malzlinie treffen sich in der Unendlichkeit der Mineralwassermeere.
(Asahi Breweries Ltd. Tokyo/Japan)
Ist der ewige Gegenspieler Astra Pilsener(5,0%
) nun besser als sein Pendant → Holsten ? Aber jein. Eine neue Dimension Ausgewogenheit wird hier praktiziert, daß es eine Wohltat ist. Folgt ein »mildwürziges« Astra Urtyp(4,9%
), dem von mir zu bescheinigen wäre: zu mild, zu wenig würzig, ein Nachtrünkchen allenfalls. Wenn man schon dem Namen Urtyp die Ehre geben will. Astra Exclusiv Export(5,2%
) ist so lala, liegt viel in Hamburger Grünanlagen herum. Nach Möhre. Dübels Brücker Dunkel(4,9%
) pfeift und klingelt zwischen Export und Malzbier umher und kann sich schwer entscheiden. Doch Ratsherrn Premium Pilsener(4,8%
) wetzt alle Scharten wieder aus, weniger vordergründig, strategisch günstiger gehopft. Das paßt sogar zu Fisch.
(Bavaria-St.-Pauli-Brauerei Hamburg)
Ehrfürchtig nähert man sich dem großen Auer Dunkel(5,2%
). Hey, wie werden die Hallertauer im Direktvergleich mit → Spalt und → Tettnang abschneiden? Ich mach’s nicht unnötig spannend: Ihr Dunkel haben die Brauer selbst als disqualifiziert erkannt und aus dem Rennen genommen, und Pils(4,9%
), hm, das Pilsener schafft mühelos einen dritten Platz.
(Schloßbrauerei Au Hallertau)
Die müden Malzgelenke von Auerhahn Pils(4,9%
) und Export(5,0%
) sind mit prima Hopfenöl eingecremt. Man staunt Brauklötzer.
(Auerhahn Bräu Schlitz)
Aufsesser Dunkel(4,7%
) schlägt eintönig an, mit einer deplazierten Bittere auf brown-ale-farbigem Grund. Das aufsässigverschwommene Geschmacksbild von Hefe Weizen(5,1%
) murrt reduziert malzig. Andere Interpretationen läßt es nicht zu. Premium Pils(4,9%
), wie seine verruchten Kollegen aus der »nostalgischen Bügelverschlußflasche«, mit einem Waldmeisterlimonadenetikett und netten Grüßen aus dem verkrusteten Senfkübel. Lange wurde in Verkosterkreisen hin und her überlegt: Kann das schmecken? Will das schmecken? Resignierendes Resultat: Muß das überhaupt schmecken? Was sie gut können und demnach hinreichend für einen konzilianten Schluß wäre: ein lakritziges Festbier(5,1%
) und das um eine freundliche und ergo verständlichere Hefedominanz bemühte Zwicklbier(5,1%
).
(Privatbrauerei Rothenbach Aufseß)
Vom Augustiner EdelstoffExportbier(5,6%
) kriegt der Münchner nasse Zungen: clever dislozierte Hopfenpartikel, darum angenehme zart metallische (leichte!) Süße, wie überhaupt das Getränk sehr, sehr leicht, fast schwerelos wirkt und uns auch macht. Oktoberfestbier(6,0%
) ist eine klitzekleine Strafe dafür, daß man sich aufs Septemberfest begibt. Wie Gerhard Strunz rührend ehrlich bestätigt, merkt man das Zuviel viel zu spät.
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