Martin Kowalski - Aber ich will etwas getan haben dagegen!

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"Aber ich will etwas getan haben dagegen!" – damit bezog sich Gudrun Ensslin auf den fehlenden Widerstand im Nationalsozialismus und rechtfertigte so ihren Kampf in der Stadtguerilla. Wie sehr die rebellierende Generation der 68er jedoch selbst immer noch dem faschistischen Denken verhaftet blieb und wie wenig Distanz sie zu ihren Eltern gewinnen konnten analysiert Autor Martin Kowalski genau. Aus einer Perspektive ist die RAF vor allem auch als ein postfaschistisches Phänomen zu sehen.

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Man musste nicht einmal linksradikal sein, um das Vorgehen der Polizei gegen die demonstrierenden Studenten und das Verhalten der Berliner Politiker als zutiefst antidemokratisch zu empfinden – und direkte Bezüge zur nationalsozialistischen Vergangenheit herzustellen. So nannte der linksliberale Publizist Sebastian Haffner das Geschehen während der Anti-Schah-Demonstration ein „systematische[s], kaltblütig geplante[s] Pogrom, begangen von der Berliner Polizei an Berliner Studenten“, bei dem sich „Gräuel abgespielt“ hätten, „wie sie außerhalb der Konzentrationslager selbst im Dritten Reich Ausnahmeerscheinungen gewesen sind.“ Berlin sei „faschistisch“ geworden, man habe es mit einer von der Springer-Presse monopolistisch angefeuerten „alte[n] faschistische[n] Spirale von Lüge und Gewalt“ zu tun. Die Bundesrepublik befände sich offensichtlich in einem Prozess der „Re-faschisierung“. 45

Auch den revoltierenden Studenten erschien der Tod ihres Genossen als konkreter Ausdruck einer faschistoiden Gesellschaft, in der polizeistaatliche Methoden gegen die Bevölkerung angewandt wurden. Nicht wenige empfanden den Schuss als persönliche Bedrohung: Es hätte genauso gut sie selbst treffen können. Die Erfahrung, dass friedlicher Protest – die Ausübung eines Grundrechts – mit derart brutaler Polizeigewalt beantwortet wurde, dürfte bei vielen maßgeblich zu dem Selbstverständnis beigetragen haben, sich in einem Kampf zu befinden, in dem auch militante Mittel gerechtfertigt schienen.

Wenige Stunden nach Ohnesorgs Tod forderte Gudrun Ensslin, damals Doktorandin der Germanistik und junge Mutter, eindeutige Konsequenzen: „Sie werden uns alle umbringen – ihr wisst doch, mit was für Schweinen wir es zu tun haben – das ist die Generation von Auschwitz […] – man kann mit Leuten, die Auschwitz gemacht haben, nicht diskutieren. Die haben Waffen und wir haben keine. Wir müssen uns auch bewaffnen.“ 46Die „Generation von Auschwitz“ – das waren die Eltern, die das NS-System getragen oder zumindest keinen effektiven Widerstand dagegen geleistet hatten. Diejenigen, die sich am Vernichtungskrieg direkt oder indirekt beteiligt hatten, die mitschuldig waren und dennoch einflussreiche Funktionen in der bundesdeutschen Gesellschaft bekleideten, die ihre antikommunistischen Ressentiments im Schatten des Kalten Krieges als ‚Antitotalitarismus‘ ins neue System hinübergerettet hatten. Die auf den materiellen und ideellen Trümmern des politisch-moralischen Totalzusammenbruchs eine kapitalistische Konsumwelt und defizitäre Demokratie errichtet hatten, über ihre Vergangenheit nicht sprechen wollten und mit dem Vietnamkrieg bereits dem nächsten Verbrechen gleichgültig schweigend zusahen. Diejenigen also, die ihr kleinbürgerliches Leben leben wollten – unter allen Umständen. Und die offenbar nicht davor zurückschreckten, ihre eigenen Kinder niederzuknüppeln, um ihre Grabesruhe zu erhalten.

Wenige Tage vor dem Tod Ohnesorgs hatte die linksradikal-experimentelle Berliner Kommune 1 in einem sarkastischen Flugblatt zur Brandstiftung in Kaufhäusern aufgerufen. Nach einem Kaufhausbrand in Brüssel, dessen Ursachen bis heute ungeklärt sind und bei dem über 300 Menschen ums Leben gekommen waren, hatte die Presse sogleich Linke als Brandstifter vermutet. In ihrem Flugblatt griffen die Kommunarden diesen Generalverdacht persiflierend auf: 47„Wann brennen die Berliner Kaufhäuser? […] Unsere belgischen Freunde haben endlich den Dreh heraus, die Bevölkerung am lustigen Treiben in Vietnam wirklich zu beteiligen: sie zünden ein Kaufhaus an, dreihundert saturierte Bürger beenden ihr aufregendes Leben und Brüssel wird Hanoi. […] Burn warehouse, burn!“ 48Ein knappes Jahr später war aus dem Sarkasmus bitterer Ernst geworden: In Frankfurt brannten zwei Kaufhäuser, allerdings ohne dass dabei Menschen zu Schaden kamen.

Als sich Gudrun Ensslin gemeinsam mit Andreas Baader und anderen für die Brandstiftung rechtfertigen musste, knüpfte sie an die Argumentation des Kommune-Flugblatts an – diesmal allerdings todernst: „Ich interessiere mich nicht für ein paar verbrannte Schaumstoffmatratzen, ich rede von verbrannten Kindern in Vietnam.“ 49Ihre grundlegende Motivation für die Tat beschrieb Ensslin als Lehre aus der deutschen Vergangenheit. Sie habe die Tendenz erkannt, „in der sich die spätkapitalistische Gesellschaft so ungeheuer deutlich fortbewegt, nämlich hin zum Faschismus.“ Entsprechend gelte es Widerstand zu leisten: „Ich werde mich […] niemals damit abfinden, dass man nichts tut. Ich hab‘ den Richtern gesagt: Ich weiß, warum sie sagen, man kann nichts tun – weil sie nichts tun können wollen. Aber ich will etwas getan haben dagegen.“ 50

In Ensslins moralischen Überlegungen deutete sich bereits an, was für den Diskurs der RAF charakteristisch werden sollte: Mit ihrem Widerstandskampf, den sie als Antifaschismus ausgab, wollte sie es besser machen, als die Elterngeneration. Das Feindbild ‚Faschismus‘ wurde dafür permanent aktualisiert und fast beliebig auf politische Phänomene der Gegenwart übertragen. Einerseits war die zeitgenössische Mehrheitsgesellschaft der Bundesrepublik gemeint, die in Kontinuität zur nationalsozialistischen Gesellschaft gesehen wurde, andererseits verschmolz die Rede vom ‚Faschismus‘ mit Begriffen wie ‚Kapitalismus‘ und ‚Imperialismus‘. In diesem abstrakten Konglomerat an Feindbildern wurde alles irgendwie mit allem gleichgesetzt. Basierend auf diesen undifferenzierten Konstruktionen wurde ein manichäisches Weltbild entwickelt, das der Legitimation der eigenen Praxis diente. Befreit von jedweder Ambivalenz konnten ‚Täter‘ definiert werden, die es gnadenlos zu bekämpfen galt, und ‚Opfer‘, mit deren vermeintlichen ‚Freiheitskämpfen‘ man sich ebenso bedingungslos solidarisierte.

Der Weg Gudrun Ensslins und einiger weniger anderer hin zum ‚bewaffneten Kampf‘ verlief nicht linear und schon gar nicht zwangsläufig. In jedem Fall stellte aber der Tod Benno Ohnesorgs für viele einen Wendepunkt dar. So erinnerte sich Ralf Reinders, Gründungsmitglied der Bewegung 2. Juni 51: „Die eigentliche Politisierung kam […] mit der Erschießung Benno Ohnesorgs […]. Nach all den Prügeln und Schlägen hatten wir das Gefühl, dass die Bullen auf uns alle geschossen haben. […] Ich kenne viele, die an diesem Tag einen Knacks gekriegt haben. Die auf einmal wussten, du musst auf die Straße, du musst Stellung beziehen.“ Nach dem 2. Juni schien der ‚bewaffnete Kampf‘ als ‚Gegengewalt‘ legitimierbar: „Mit diesem Datum im Namen wird immer darauf hingewiesen, dass sie zuerst geschossen haben!“ 52

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