Silke Weyergraf - Kennen wir uns?

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Nach einem Autounfall erwacht Jenny aus einem beängstigenden Traum: An der Hand Adolf Hitlers war sie zum Traualtar geschritten. Zunächst verdrängt sie den Alptraum, steht sie doch im echten Leben vor den Trümmern ihrer Beziehung. Kurz vor der Hochzeit hat sich ihr Verlobter ausgerechnet für ein Leben mit ihrer besten Freundin entschieden. Als ihr aber beim Ausmisten der Wohnung alte Familienfotos aus Kriegszeiten in die Hände fallen, ahnt Jenny, dass der Traum eine tiefere Bedeutung haben muss.
Sie wird von dem Wunsch gepackt, die nationalsozialistische Vergangenheit ihrer Familie aufzuarbeiten. Doch Jenny muss erkennen, dass der Weg dorthin sehr lang ist und neben Schweigen und Abweisung noch weitere erschütternde Begegnungen auf sie warten.
Eine gefühlvolle Geschichte über die dunkle Vergangenheit einer Familie – und das Schicksal der Generation Kriegsenkel.

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Jenny schloss erschöpft die Augen. Sie war dankbar, ihre Eltern gesehen zu haben und war sich sicher, dass nun alles schnell besser würde. Den Aufbruch der Eltern zurück in ihre gemeinsame Heimat Dortmund registrierte Jenny nicht mehr. Auch die ärztliche Visite vernahm sie lediglich aus der Ferne, wobei die sie untersuchenden Mediziner dennoch zufrieden mit der Reflextätigkeit und der Vitalität der Körperfunktionen ihrer Patientin waren.

Jenny schlief tief und fest und wachte erst auf, als die Krankenschwester des Frühdienstes zum Waschen an ihr Bett trat. Die Wunde an ihrem Unterschenkel verheilte wie im Lehrbuch beschrieben und die Schmerzmedikation konnte reduziert werden. Zwar musste sich Jenny aus Angst vor Kopfschmerzen sehr behutsam bewegen, aber bereits am Mittag konnte sie etwas Gemüsesuppe schlürfen. Nach einer erneuten Visite wurde entschieden, Jenny am nächsten Vormittag auf die unfallchirurgische Station des Hauses zu verlegen. Alle waren sehr zufrieden mit der Genesung und es bestanden kaum noch Bedenken über vollständige Heilung. Jenny war etwas enttäuscht, denn sie hatte sich mit der offenen und einfühlsamen Art ihres Lieblingspflegers angefreundet und glaubte, auf der neuen Station sicherlich kein solches Glück wie mit Andreas zu haben.

Nachmittags erhielt sie erneut Besuch von ihren Eltern, die sich bemüht oberflächlich mit Jenny unterhielten. Thea, ihre Freundin aus Kölner Studienzeiten, die mit ihrem Mann und einer Tochter in der Nähe des Klinikums wohnten, ließ Grüße ausrichten. Kurz wurde ihr der schicksalhafte Abend vor Augen geführt, denn eigentlich wollte Jenny unangekündigt bei Thea nächtigen. Sie verdrängte aber diesen, ihr Kopfschmerzen bereitenden, Gedanken und ließ sich stattdessen Dortmunder Neuigkeiten berichten. Ihre sechsjährige Nichte Emely, Tochter ihres großen Bruders Markus, hatte bei ihrem ersten Handballturnier gleich drei Tore erzielt. Und ihr jüngerer Bruder Jens lebte zum Leidwesen der besorgten Mutter wieder im Elternhaus, nachdem sich seine langjährige Freundin von ihm getrennt hatte und er aus der gemeinsamen Wohnung in Bochum ausziehen musste. Besorgniserregend waren nach Aussagen der Mutter vor allem die langen nächtlichen Sitzungen ihres jüngsten Sprosses am Computer.

3

Am nächsten Morgen wurden all ihre Habseligkeiten gepackt. Schwester Mia, eine gelangweilte 20-Jährige, fuhr Jenny im Bett über mehrere Flure und Aufzüge, durch geschäftiges Kliniktreiben auf die unfallchirurgische Station. Jenny durfte nach wie vor nicht aufstehen, da das gebrochene Bein noch nicht eingegipst war. Das sollte auf der neuen Station als Erstes geschehen, da die Wunde, dank der fürsorglichen Pflege von Andreas, gut verheilt war und einer konservativen Behandlung des Bruches nichts mehr im Wege stand. Ein Vorteil, nun auf der normalen Station zu liegen, war, dass Jenny endlich wieder ihr Handy nutzen durfte. Wegen der Empfindlichkeit der Überwachungsgeräte auf der Intensivstation war dort die Nutzung von Mobilfunk nicht erlaubt. Gut, dass ihre Eltern einige Hörbücher – klassische Frauenliteratur – mitgebracht hatten. Jenny liebte historische Romane, aber ihre Mutter wollte sie schonen und ihr keine zu schwere Kost zumuten. So wurde die Zeit, als Jenny schon wieder auf dem aufsteigenden Ast war, nicht zu lang. All die Gedankenfetzen, die ihr nach dem Unfall seelische Qualen zugefügt hatten, verdrängte sie aus ihrem Bewusstsein. So war sie auch nicht sicher, was sie wirklich erlebt oder geträumt hatte.

Jenny wurde bis auf Weiteres krankgeschrieben. Die Vorstellung, nach dem Krankenhausaufenthalt noch eine Rehamaßnahme verordnet zu bekommen, fand sie sehr verlockend. Denn so richtig gute Stimmung war in letzter Zeit nicht unter den Kolleginnen gewesen. Außerdem wurde der Umgang mit den Kindern (und deren anspruchsvollen Eltern) immer nervtötender. Gut, dass sie selbst keine Kinder hatte. Und gut, dass der Scheißkerl von Nick sie auch nicht mehr damit drangsalieren konnte.

Jenny versank in ihrem Krankenbett und war wütend über sich selbst. Warum hatte sie nur einen Gedanken an Nick zugelassen? Plötzlich war das Glück darüber, bei dem Unfall im Grunde nur leicht verletzt worden zu sein, in den Hintergrund gerückt. Der Tibiabruch wurde, sofort nachdem sie die neue Station erreicht hatte, mit einem sperrigen Gips versorgt. Am Nachmittag, eine Woche nach ihrer abendlichen Horrortour mit Unfall, saß sie nun allein in ihrem Einzelzimmer der neurochirurgischen Station des Universitätsklinikums Münster, als plötzlich alle Ereignisse der letzten Tage, die sie bis dahin erfolgreich verdrängt hatte, auf sie einstürzten. Jennys Herz raste und ein Gefühl der Ohnmacht überkam sie. Das mit der Hochzeit musste ein Traum gewesen sein. Wahrscheinlich hatte sie alle schmerzvollen Erlebnisse in diesem Traum, der sich langsam und bruchstückartig wie ein Puzzle zusammensetzte, verarbeitet. Ihr Körper zitterte und krampfhaft versuchte sie, gegen aufsteigende Tränen anzukämpfen. Es gelang ihr nicht. Alle Muskeln anspannend, drehte sie sich zusammengekrümmt auf die Seite und weinte. Sie weinte leise in sich hinein und spürte alle Qualen dieser Welt auf ihren Schultern. Wieso ihre beste Freundin? Jenny hatte ihr vertraut. Nun verschwanden alle miteinander verbrachten Stunden mit einer Klospülung in der Tiefe der Abwasserkanalisation. Es stank. Alles stank und Ekel durchfuhr den sich vor Verzweiflung schüttelnden Körper.

Marla. Seit der zweiten Schulklasse hatte Jenny Marla ins Herz geschlossen. Dieses schon immer eigenwillige, kreative und etwas chaotische Mädchen. Sie erinnerte sich genau, wie Marla an ihrem ersten Schultag in der neuen Schule neben der Grundschullehrerin gestanden hatte. Sie war aus Hamburg ins fremde Ruhrgebiet gekommen. Ihre Mutter hatte als Schauspielerin in Dortmund eine Anstellung im Theater angeboten bekommen. Forsch, dem neugierigen Blick der neuen Mitschüler standhaltend, hatte sie ohne Hemmungen der Klasse von ihrem Umzug erzählt. An diesem ersten Tag schon hatte sie rote, halbhohe Stiefel getragen. Damals ohne Absatz, aber der Farbe war sie immer treu geblieben. Da Jenny ohne Partnerin an einer Schulbank gesessen hatte, sollte Marla sich neben sie setzen. Mit einem kräftigen Händedruck und fröhlich funkelnden Augen begrüßte sie Jenny und nahm für die weiteren zwölf Schuljahre (mit kleinen Selbstfindungsunterbrechungen in der weiterführenden Schule) neben Jenny Platz. Das aufgeschlossene, neue Mädchen war allgemein sofort anerkannt und insgeheim übertrug sich der Glanz ihrer Künstlereltern auf die ganze Klasse. Erst später konnte Jenny die Nachteile dieses so glamourös anmutenden Lebens erkennen. Zunächst war es eine willkommene Nebenwirkung der Berufstätigkeit beider Eltern ihrer besten Freundin. Marla wurde fast wie eine Schwester in das Leben der Hilgers integriert. Marlas Eltern hatten kaum Zeit und die Ferien verbrachte Marla immer in Hamburg bei ihrer Großmutter. Später wurde Jenny auch oft dorthin eingeladen und die Mädchen verbrachten glückliche Tage am Elbstrand, beim Besuch eines benachbarten Tiergeheges oder einfach faulenzend im Garten des großen Hauses der Mutter von Marlas Papa. Dieser war erfolgreicher Künstler und entschied sich, da war Marla zwölf Jahre alt, nach Amerika auszuwandern. Diese Veränderung hatte Marlas Mutter nicht verkraftet. Oder es war die Belastung auf der Bühne, immer im Fokus der Beurteilung anderer zu stehen. Sie trank zu viel. Zuerst, weil es chic war. Später, weil sie es sonst nicht mehr ertragen konnte. Sie war krank und Marla litt sehr darunter, den Verfall der Mutter miterleben zu müssen. Der Vater kam nur selten und weilte dann in Hamburg. So entschied sich Marla, sofort nach dem gemeinsam bestandenen Abitur nach Hamburg zu ziehen, um dort Kunst zu studieren.

Und nun so etwas. Welche Abgründe schlummerten nur in den Menschen. Wie herz- und gewissenlos konnte nur jemand sein, der jahrelang das Vertrauen eines ihm wichtigen Menschen genossen hatte? In diesem Moment war es ihr fast egal, dass sie eigentlich ihrem Verlobten Nick Schuld am schrecklichen Verlauf ihrer langjährigen Beziehung gab. Die für Mai kommenden Jahres geplante Hochzeit hatte ihre Liebe besiegeln sollen. Jenny ertrug keinen weiteren Gedanken mehr daran, doch die Bilder drehten sich vor ihrem inneren Auge. Sie spannte jeden Muskel an, in der Hoffnung, die Realität zerquetschen zu können. Sie presste auch das letzte bisschen Luft aus ihrem Körper, aber bei der nächsten Einatmung strömte doch wieder zarter Zukunftshauch mit dem belebenden Sauerstoff in ihren eingefallenen Brustkorb. Sich in Luft auflösen. Alles andere war für Jenny in diesem Moment nicht erstrebenswert. Nach einigen Minuten der äußersten Anspannung brach ihr Widerstand ab und der Körper erschlaffte. Selbst fürs Weinen war keine Kraft mehr übrig und so lag Jenny regungslos mit verquollenem, zum Fenster gerichteten Gesicht in ihrem Krankenhausbett.

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