Während organisatorische Hierarchien flacher werden, sind Anhänger einflussreicher und mächtiger geworden. Es überrascht nicht, dass diejenigen, die in Anhängerschaft erfolgreich sind, später in ihrer Karriere oft in Führungsrollen überwechseln.
Außerdem ist jede Führungskraft auch ein Anhänger in irgendeinem Leistungs‐ oder Lebensbereich. Deshalb muss jeder, unabhängig von seinem Titel oder seiner Rolle, die Kunst der Anhängerschaft beherrschen.
Wenn Sie dieses als Führungskraft lesen, hoffe ich, dass Sie sich die folgenden Tipps für Ihre eigene Arbeit mit Ihrem eigenen Vorgesetzten zu Herzen nehmen. (Ich habe festgestellt, dass jeder in irgendeiner Form einen »Boss« hat – auch wenn man der Firmeninhaber oder CEO ist, muss man möglicherweise dem Aufsichtsrat Rede und Antwort stehen.) Außerdem lege ich Ihnen ans Herz, sie an Ihre Angestellten weiterzugeben, da diese sich bemühen, die bestmöglichen Anhänger zu sein:
Seien Sie jeden Tag in Bestform.Arbeitsethik ist eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein guter Anhänger haben kann. Ich glaube, dass die meisten Menschen einen guten Job machen wollen . Manchmal können wir aber, ohne es zu bemerken, unseren Fokus verlieren. Wir können es uns sogar zur Gewohnheit machen, nur das Nötigste zu tun oder auf Zeit zu spielen, anstatt uns wirklich einzusetzen und alles zu geben. Bemühen Sie sich, dass es nicht dazu kommt. Wenn Sie bei der Arbeit sind, arbeiten Sie richtig!
Konzentrieren Sie sich auf die beabsichtigten Ergebnisse, haken Sie nicht nur ab.Ein guter Anhänger zu sein bedeutet nicht nur, Befehle in einem Vakuum auszuführen oder einfach zu arbeiten. Es bedeutet, eine Vision zu einem anvisierten Ziel zu verfolgen. Wenn Sie nicht mit hundertprozentiger Sicherheit wissen, was für ein Ergebnis die Führungskraft mit einer Aufgabe erzielen will, bitten Sie um Klarstellung. Möglicherweise geht Ihre Führungskraft einfach davon aus, dass Sie auf derselben Wellenlänge sind, obwohl dies nicht der Fall ist. Sie wird es schätzen, dass Sie nachgehakt haben.
Wenn Sie sich Gedanken über das Warum machen, fragen Sie.Ich spreche hier über das größere Warum hinter Ihrem Arbeitsauftrag. Gewöhnlich steht es im Zusammenhang mit dem übergeordneten Wohl des Kunden oder des Unternehmens (idealerweise mit beidem). Die Frage nach dem Warum hindert Sie daran, falsche Schlüsse zu ziehen und vielleicht in die falsche Richtung zu laufen, um zu »helfen«. Gleichermaßen wichtig ist es, das Warum zu kennen, weil es Ihrer Arbeit eine Bedeutung gibt und Sie mit der Sinnhaftigkeit verbunden bleiben, was die Quelle unserer Motivation ist.
Managen Sie die Organisation und die Führungskraft immer nach oben (manage up).Großartige Führungskräfte wissen, dass ihr Wohlergehen unmittelbar mit dem Wohlergehen des Unternehmens und seiner Führungsriege verbunden ist. Es ist sinnlos, das eine oder das andere herunterzuziehen oder gegenüber Mitarbeitern oder Kunden eine »Wir/Die«‐Sprache zu verwenden.
Fassen Sie den Mut, den Mund aufzumachen, wenn Sie glauben, dass die Führungskraft einen Fehler macht.Das kann extrem schwierig sein, aber es gehört zum Job eines Anhängers, den Boss zu schützen (sogar vor sich selbst). Sie haben die Pflicht, Ihre ehrliche Meinung zu sagen. Eine gute Führungskraft wird dankbar sein, dass es Ihnen wichtig ist, ehrliches Feedback zu geben.
Wenn Sie gebeten werden, mehr Verantwortung zu übernehmen, akzeptieren Sie es.Oder melden Sie sich gar freiwillig, wenn es angebracht ist. So werden Sie für das Unternehmen noch wertvoller und die Erfahrungen, die Sie sammeln, können Ihre Fertigkeiten erheblich verbessern. Seien Sie bereit, Risiken einzugehen und Ihre Komfortzone zu verlassen. Sie werden Wachstum nie bereuen.
Bitten Sie um Fortbildung, wenn Sie sich für eine Aufgabe nicht ausreichend qualifiziert fühlen.Warten Sie nicht darauf, dass Ihr Boss Ihnen dies anbietet. Sie sind für Ihre eigenen Kompetenzen und Ihre eigene Weiterbildung verantwortlich.
Seien Sie vertrauenswürdig . Sagen Sie die Wahrheit. Halten Sie Ihr Wort.Vertrauen ist die Grundlage der Beziehung zwischen Führungskraft und Anhänger und gilt in beide Richtungen. Über vertrauenswürdige Führungskräfte wurde schon vieles gesagt und geschrieben, aber vertrauenswürdig zu sein, ist für Anhänger genauso wichtig. Je mehr Führungskräfte Ihnen vertrauen, desto mehr Verantwortung werden sie Ihnen übertragen und desto wertvoller werden Sie für das Unternehmen.
Seien Sie ein proaktiver Kommunikator (insbesondere mit dem Projektleiter).Dies ist in einer komplexen Arbeitswelt mit all ihren beweglichen Elementen so wichtig. Sie werden dadurch in Ihrem Job weitaus effektiver. Ihr Boss kann sich keinesfalls über alle Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Prioritäten können sich plötzlich ändern, und indem Sie sich regelmäßig vergewissern, können Sie sicherstellen, dass das, was letzte Woche wichtig war, auch diese Woche noch zählt.
Bemühen Sie sich, positiv zu sein, ohne falsch zu sein.Chronische Nörgler, Neinsager und Zyniker sind für Führungspersonen ermüdend und schaden der Moral aktiv. Selbstverständlich sind Einwände und kritisches Feedback manchmal notwendig und es ist viel besser, den Mund aufzumachen, als vorzutäuschen, mit etwas einverstanden zu sein, von dem Sie wissen, dass es falsch ist. Im Großen und Ganzen versuchen großartige Anhänger aber meistens, positive Energie zu erzeugen. Das fühlt sich für alle (Sie eingeschlossen) besser an.
Bemühen Sie sich, ein guter Kollege zu sein, und unterstützen Sie Ihre Teammitglieder.Wenn Sie eine Erfolgsmethode haben, geben Sie sie weiter. Schalten Sie sich ein und helfen Sie Kollegen, wenn sie überlastet sind. Betreuen Sie neue Kollegen.
Wenn Sie auf ein Problem aufmerksam machen, liefern Sie eine Lösung.Großartige Anhänger sind Problemlöser. Sie wissen, dass die Führungskraft möglicherweise überlastet ist und es nicht brauchen kann, dass man ihr noch etwas aufbürdet. Außerdem sind Sie als Anhänger wahrscheinlich näher an dem Problem als Ihr Boss und können deshalb eine bessere Lösung finden. Letztendlich zeigt es Eigenverantwortung und trägt zu einer stärkeren Unternehmenskultur bei.
Machen Sie sich klar, was das Was Ihrer Führungskraft ist.Es gibt wahrscheinlich etwas, das für Ihren Boss wirklich, wirklich wichtig ist. Vielleicht gibt es einen bestimmten Kunden, dessen Glück wichtiger ist als alles andere. Oder vielleicht hasst er verpasste Termine mehr als alles andere. Achten Sie auf das Was Ihrer Führungskraft und richten Sie Ihren Laserfokus darauf, ihren Bedürfnissen in diesem Bereich Rechnung zu tragen. Sie wird Sie noch mehr mögen und Sie werden eine produktive Beziehung zu ihr aufbauen können.
Finden Sie, dass diese Verhaltensweisen Ihnen leichtfallen? Wissen Sie was? Es könnte sein, dass die Menschen in Ihrem Umfeld Sie bereits als Führungskraft betrachten, obwohl Sie selbst sich gar nicht so sehen. Hier folgt die Begründung.
Die besten Führungskräfte sehen sich selbst tatsächlich als Anhänger
Kürzlich las ich einen faszinierenden Artikel von Kim Peters und Alex Haslam im Harvard Business Review 1 . Darin behandeln die Autoren ihre Studie über Rekruten der britischen Marineinfanterie und ob diese sich selbst als »natürliche Führungspersonen« oder Anhänger sehen. Die Studie ergab, dass diejenigen, die sich selbst als Führungskräfte sahen, tatsächlich von ihren Befehlshabern eher als mit höherem Führungspotenzial eingeschätzt wurden als diejenigen, die sich als Anhänger sahen. Doch ihre Mit‐Rekruten waren anderer Meinung. Peters und Haslam schrieben:
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