Ilka Wild - Sind wir uns wirklich einig?

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30 Jahre Wiedervereinigung – was uns Deutsche eint, was uns trennt
Eigentlich scheint die deutsche Einheit eine Erfolgsgeschichte zu sein. Doch wie weit sind die beiden Teile Deutschlands drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung wirklich zusammengewachsen? Warum wird immer noch auf OST oder WEST abgestellt, als handle es sich um schwerwiegende Vorerkrankungen, auf die Rücksicht zu nehmen ist? Das (ost-)deutsch-(west-)deutsche Autorinnenduo Ilka Wild und Carolin Wilms spürt den alltäglichen Herausforderungen der Wiedervereinigung in ebenso unterhaltsamen wie informativen Texten nach. Durch fundiertes Faktenwissen und die persönlichen Beobachtungen der beiden Journalistinnen ist ein sachliches und dennoch empathisches Zwischenfazit entstanden – beide sind durch langjährige Lebens- und Arbeitserfahrung jeweils in Ost und West geprägt. Anhand von Themenkreisen wie Mauerfall, Alltag bis Berufswahl, Karrieremöglichkeiten und – ganz aktuell – COVID-19-Pandemie zeigen die Autorinnen die regionalen Unterschiede auf, die aufgrund der verschiedenen Sozialisationen bis heute nachwirken oder allmählich verschwimmen.

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Ich glaube, eines der heutigen Grundprobleme zwischen Ost- und Westdeutschland stammt aus dieser Zeit: Dass diese Hoffnung, die Politiker wie Helmut Kohl bewusst aufgebaut hatten, und an die man auch selbst zu gern glauben wollte, zerstört wurde. Um Wählerstimmen im Osten zu gewinnen, wurden Dinge versprochen, die, bei Licht betrachtet, nie gehalten werden konnten. Die Ostdeutschen sind heute vielleicht skeptischer denn je, was Politiker, was die Demokratie insgesamt betrifft. Laut einer Allensbach-Studie aus dem Jahr 2019 sprechen sich fast 80 Prozent der Westdeutschen dafür aus, dass Demokratie die beste und erstrebenswerteste Staatsform ist; im Osten sind es nur 42 Prozent. Denn das neue System der echten Demokratie versprach insgesamt ein besseres Leben – nicht nur freiheitliche Grundrechte, sondern auch, materiell gesehen, ein gutes Leben. Das gehörte für die Ostdeutschen zusammen, hatte doch die Führung der DDR immer davon gesprochen, dass man nicht nur ideologisch das überlegene System hat, sondern auch die bessere Lebensqualität bringt. Dies konnte aber bis in die späten 1980er Jahre nicht eingelöst werden. Und so glaubten die Ostdeutschen gern den westdeutschen Politikern, die Freiheit UND Wohlstand versprachen.

Damals WOLLTEN auch viele Ostdeutsche die positiven Aussichten glauben, denn diese gab ihnen die Hoffnung, bald wirklich eins zu sein und gleiche Lebensverhältnisse wie im Westen zu haben. Stimmen, die sagten, dass es ca. 20, vielleicht 25 Jahre bis zur Angleichung dauern würde, empfand ich, sowie viele andere, als völlig unrealistisch. Kohls „blühende Landschaften“ waren uns da viel lieber.

Wir hatten keine Ahnung, welche Fehleinschätzung das war, sonst hätte man sich vielleicht viel mehr mit den Vorgängen beschäftigt, die an den Runden Tischen passierten – ganz ehrlich: Die meisten, so auch ich, probierten die neuen Möglichkeiten und Freiheiten aus. Man konnte reisen und einkaufen, was für ein (schnelles) Glück! Dafür wollte man sich auch gern beruflich umorientieren.

Dass über Alternativen zur ‚Angliederung‘ an die Bundesrepublik diskutiert wurde, bekamen wir am Rande mit, hielten das aber für unrealistisch.

Irgendwann würden sie kommen, die westdeutschen Unternehmen, würden Arbeitsplätze schaffen, so wie es die westdeutschen Politiker versprochen hatten. Und für mich traf auch genau das ein: Die ostdeutsche Staatsbank wurde in weiten Teilen Ostdeutschlands von der Deutschen Bank übernommen, ich bekam dort einen Ausbildungsplatz. Meine Azubi-Vergütung war um einiges höher als das Gehalt, das ich in so manchem Ost-Betrieb 1989 verdient hätte. Lebenswege wie meiner hätten die Regel sein sollen, leider waren sie eher die Ausnahme.

Viele andere in meinem Alter hatten keine andere Möglichkeit, als sich in den „alten Bundesländern“ nach Beschäftigung umzusehen. Dies führte zu einem regelrechten Exodus aus Ostdeutschland. Viele Städte verloren innerhalb weniger Jahre große Teile ihrer Bevölkerung. So lebten beispielsweise in Thüringen 1988 2,7 Millionen Menschen, zwei Jahre später waren es schon 100.000 weniger. 2017 hatte Thüringen nur noch 2,1 Millionen Einwohner und heute ist es noch eine halbe Million weniger. Die Tatsache, dass gerade wir jungen Leute abwanderten, verstärkte diesen Trend noch: Meine Heimatstadt Gotha musste zwischen 1989 und 2016 einen Bevölkerungsrückgang von fast einem Viertel verzeichnen. Die jungen Leute, die blieben, bekamen wegen der Unsicherheit der Lebensverhältnisse kaum Kinder, die Geburtenrate von 1985 bis 1995 sank auf die Hälfte. Heute ist die Überalterung hoch, in manchen Landkreisen, wie etwa in Altenburg, liegt die Seniorenquote bei einem Drittel.

Die Jahre kurz nach der Wende waren eine Zeit des „Wilden Ostens“: Kleinkriminalität bis zur organisierten Kriminalität, Radikalismus, eine wilde Party-Szene mit Drogen – damit waren die neu aufzubauenden Staatsorgane erstmal überfordert. In der DDR war wohl kaum ein Polizist jemals mit Mafia-Kriminellen oder harten Drogen und offen ausgetragenem Rechtsradikalismus konfrontiert worden, das war für die Exekutive plötzlich Neuland.

Neu war auch der Umgang mit der Marktwirtschaft im Kleinen. Durch den Mangel an Privat-Pkws in der Ex-DDR war die Nachfrage nach einem Familienauto groß. Doch viele Ostdeutsche konnten oder wollten sich keinen Neuwagen kaufen, also schossen Gebrauchtwagen-Märkte oder Läden von Gebrauchtwarenhändlern wie Pilze aus dem ostdeutschen Boden.

Ich arbeitete damals in der Automobilindustrie und die Absatzzahlen im Osten zeigten in unseren Verkaufsstatistiken ungeahnte und unbekannte Ausschläge nach oben. In den Folgejahren wurden die zunehmend schlechteren monatlichen Zahlen im Vergleich zu diesen Höchstständen immer mit dem „Ost-Effekt“ erklärt: Einmal und nie wieder!

Viele westdeutsche Glücksritter boten ihre Schrottkisten zu Höchstpreisen an, die Ostdeutschen kauften fast alles. Sie taten das zum Teil aus Leichtgläubigkeit, zum Teil daher, da man es ja gewohnt war, mit schadhaften Autos umzugehen, man reparierte es einfach. Dass dies bei modernen Autos westdeutscher Fabrikation weniger einfach war als bei einem simplen Auto wie einem Trabi, und dass die Autos oft überteuert waren im Vergleich zum Westen, dass bekamen viele Ossi erst später mit. Ähnlich war der Umgang mit Versicherungspolicen oder anderen Produkten, die an der Haustür verkauft wurden. Es war so einfach in dieser Zeit, den Ostdeutschen einfach alles zu verkaufen.

Die Erkenntnis kam vielen schnell, dass manche Westdeutsche nicht nur Gutes mit den Ostdeutschen im Sinn hatten. So wurde oft verallgemeinert: Die Wessis ziehen uns über den Tisch! Ein Freund aus dem Westen erzählte, dass der Kontakt zu seiner Familie im Osten, der während der deutsch-deutschen Trennung hielt, nach der Wende von ostdeutscher Seite plötzlich abgebrochen wurde, nachdem er wohlwollende Hilfe beim Kauf des Gebrauchtwagens oder der richtigen Versicherungen angeboten hatte. Woran das genau lang, kann er heute nicht sagen, aber ein Misstrauen allen Wessis gegenüber, auch aus der eigenen Familie, gab es oft, wenn auch häufig unberechtigt.

Doch der Osten brauchte Hilfe aus dem Westen, und das nicht nur finanziell: Behörden und Betriebe mussten aufgebaut, neue Strukturen mussten geschaffen werden. Das war sinnvoll und notwendig, gerade in den Bereichen Justiz, Bildung und Verwaltung.

Man versüßte vielen westdeutschen Mitarbeitern, die in den Osten gingen, ihren Wechsel mit einer sogenannten „Busch-Zulage“. Das waren finanzielle Anreize, die das Gehalt der entsandten Wessis erhöhte. Sie waren wie Expats im eigenen Land. Oft waren diese Mitarbeiter sehr motiviert und hilfsbereit, aber es gab auch eine große Anzahl von Westdeutschen, die sich aufspielten, ohne wirklich Fachleute zu sein, Führungskräfte aus der zweiten und dritten Reihe mit ungenügenden Kompetenzen für die teilweise sehr komplexen Anforderungen im neuen Umfeld, die das West-Unternehmen auf diese Weise im Osten „entsorgte“. Diese taten ihre Arbeit meist mit großem Selbstbewusstsein.

Der Aufbau Ost war auch in der Automobilindustrie ein großes Thema. Es mussten Vertriebsstrukturen durch Händlernetze eingerichtet werden. Ich selbst war für einige internationale Märkte zuständig, erinnere mich aber noch an meinen Kollegen, der mit mir das Büro teilte und den ostdeutschen Markt bearbeitete: Bei den Telefonaten prallten häufig nicht nur der schwäbische und der sächsische Dialekt aufeinander, sondern gleich zwei Welten. Mitunter beendete er die Telefonate milde lächelnd, es schienen sich Abgründe im Hinblick auf marktwirtschaftliches Verständnis aufgetan zu haben, die telefonisch nicht „gschwind“ zu beheben waren.

Der Terminus „Besserwessi“ entstand und wurde umgehend das Wort des Jahres 1991. Es gibt unzählige Geschichten über Besserwessis. Oft geht es darum, dass der Mitarbeiter oder Chef aus dem Westen zwar das Sagen und die vermeintlich besseren Ideen hat, der Ossi das Problem jedoch gewitzt und praktikabel anders löst. Und da fällt mir ein beliebter Witz aus diesen Zeiten ein: Warum sagen Wessis zu Ostdeutschen immer Ossis? Weil sie das Wort ‚Spezialist‘ nicht aussprechen können.

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