Ilka Wild - Sind wir uns wirklich einig?

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30 Jahre Wiedervereinigung – was uns Deutsche eint, was uns trennt
Eigentlich scheint die deutsche Einheit eine Erfolgsgeschichte zu sein. Doch wie weit sind die beiden Teile Deutschlands drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung wirklich zusammengewachsen? Warum wird immer noch auf OST oder WEST abgestellt, als handle es sich um schwerwiegende Vorerkrankungen, auf die Rücksicht zu nehmen ist? Das (ost-)deutsch-(west-)deutsche Autorinnenduo Ilka Wild und Carolin Wilms spürt den alltäglichen Herausforderungen der Wiedervereinigung in ebenso unterhaltsamen wie informativen Texten nach. Durch fundiertes Faktenwissen und die persönlichen Beobachtungen der beiden Journalistinnen ist ein sachliches und dennoch empathisches Zwischenfazit entstanden – beide sind durch langjährige Lebens- und Arbeitserfahrung jeweils in Ost und West geprägt. Anhand von Themenkreisen wie Mauerfall, Alltag bis Berufswahl, Karrieremöglichkeiten und – ganz aktuell – COVID-19-Pandemie zeigen die Autorinnen die regionalen Unterschiede auf, die aufgrund der verschiedenen Sozialisationen bis heute nachwirken oder allmählich verschwimmen.

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Carolin Wilms

Auch im Westen nahm man die Veränderungen in Russland genau wahr und schöpfte Hoffnung: Das Wettrüsten und die nukleare Bedrohung hatten in den späten 1980er Jahren beängstigende Formen angenommen. Als Gegenentwurf dazu gab es im Westen eine sehr aktive Friedensbewegung. Die Menschen und vor allem die Jugendlichen waren politisch engagiert. NATO-Doppelbeschluss, Stationierung von Marschflugkörpern mit Atomsprengköpfen waren Themen, die im Westen nicht nur am sonntäglichen Kaffeetisch diskutiert wurden, und es gab – vereinfacht gesagt – zwei Lager: Die eher Konservativen wollten sich bis zu den Zähnen bewaffnen und aufrüsten, die Jungen wollten „Petting statt Pershing“.

„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!“ stand auf den Aufnähern, die auf unsere Parkas genäht waren. Der Look der Friedensbewegung war unverwechselbar: lange Haare, selbst gestrickte Pullis, Räucherstäbchen und Jute-Beutel. An eine militärische Konfrontation mit der DDR hatten dabei die wenigsten gedacht. Das Feindbild war die UdSSR. Mit Gorbatschow konnte man endlich etwas hoffnungsvoller gen Osten blicken. Dennoch schien bei den unmittelbaren Nachbarn im Osten – in der DDR – alles beim Alten geblieben zu sein: Die Opa-Fraktion mit Hut und falschem Gebiss nahm weiterhin die albernen Stechschritt-Paraden ab.

Und so war es größtenteils auch. Es gab in der DDR keine umwälzenden Veränderungen wie in Russland. Den Wandel konnte man nur minimal spüren: Etwa die Tatsache, dass der erwähnte russische Sputnik noch bis zu seinem Verbot im November 1988 gekauft und die kritischen Artikel darin von jedem gelesen werden konnten. Andere Minimal-Ausschläge am gesellschaftlichen Seismografen waren das Outing von Homosexuellen, womit man sich in den DDRJugend-Magazinen beschäftigte. So klein oder manchmal banal die Veränderungen auch waren: Es gab eine gewisse Öffnung. Es gab beispielsweise Platten von Michael Jackson zu kaufen. Zumindest, wenn man das Glück hatte, eine zu ergattern: Die sozialistische Mangelwirtschaft konnte die große Nachfrage nach derlei Produkten nicht im Entferntesten decken, und so bildeten sich lange Schlangen, falls es überhaupt einmal etwas zu kaufen gab, das irgendwie aus dem Westen kam. Die Platten von Künstlern aus dem Westen wurden in Lizenz von einem volkseigenen Betrieb hergestellt, die Qualität des Plattencovers war so dürftig, dass man auf den ersten Blick sah, dass es sich um ein DDR-Produkt handelte. Dennoch war jeder glücklich, der eine solche Platte sein Eigen nennen konnte.

Die DDR-Führung passte jedoch peinlich genau darauf auf, dass es nicht zu westlich zuging. Und somit musste es für Trends, die aus dem Westen kamen, aber die herrlich unpolitisch waren, ihre eigenen, teilweise peinlichen, DDR-Namen geben. So gab es die Bezeichnung Pop-Gymnastik für Aerobic, die DDR-Variante des Hamburgers hieß Grilletta und der ostdeutsche Hotdog war die Ketwurst, eine Kombi-nation aus Ketchup und Wurst.

Dieser Öffnung im unpolitischen Leben stand eine unerbittliche Haltung gegenüber allen Kritikern des Systems entgegen, ebenso gegenüber all denjenigen, die die DDR verlassen wollten. Und dies sogar bis in die unmittelbare Vorwendezeit hinein: Ein Freund unserer Familie äußerte sich im Sommer 1989 am Frühstückstisch in seinem Betrieb zum Thema Ungarnflüchtlinge sinngemäß so: „Ich hau dann auch bald ab, ist eh fast keiner mehr da!“ Obwohl scherzhaft gemeint, führte diese Äußerung dazu, dass er, drei Wochen später, als er seinen Jahresurlaub in der damaligen ČSSR antreten wollte, an der Grenze abgefangen wurde: Er saß bis November 1989 im Stasi-Gefängnis. Dieser Freund hat nach der Wende nicht Fuß fassen können und war viele Jahre arbeitslos.

Es war eine indifferente Stimmung, die schwer zu beschreiben ist, an die sich aber viele Ossis erinnern können: Ungefähr 18 Monate vor dem Fall der Mauer lag etwas in der Luft. Einerseits hoffnungsvoll, andererseits bedrohlich. „Es wird etwas passieren.“ Das ist der Satz, der für viele Ostdeutsche charakteristisch in dieser Zeit gewesen sein mag. Und man wusste nicht, ob es in eine positive oder eine negative Richtung ging. Schließlich gab es die Vorfälle am Platz des Himmlischen Friedens in Peking – dort war man mit Panzern und scharfer Munition gegen oppositionelle Studenten vorgegangen.

Angst und Hoffnung wechselten sich ab und vieles geschah im Verborgenen. Vielleicht ist damit zu erklären, dass man in Westdeutschland vom ostdeutschen ‚Wind of Change‘ nicht viel mitbekommen hat.

Mein Mann hatte im September 1989 mit seinem Schulfreund eine einwöchige Reise in die DDR unternommen und dessen ostdeutsche Familie besucht. Er sagt im Nachhinein, dass er selbst vor Ort nichts von diesem Wind of Change mitbekommen hatte. Vielleicht waren die Veränderungen zu subtil, dass sie ein Westdeutscher hätte spüren können. Vielleicht hatte die Familie schlichtweg Angst, denn mein Mann gehörte ja nicht dazu und hätte auch ein Stasi-Spitzel sein können. Wie wenig paranoid diese Überlegung war, zeigt bereits das Beispiel von dem Freund aus Ilka Wilds Familie, der an der tschechisch-slowakischen Grenze verhaftet wurde. Somit reiste mein Mann wieder nach Hause und konnte es nicht glauben, als keine sieben Wochen später die Mauer fiel. Ihn überkam das beklemmende Gefühl, überhaupt gar nichts in der DDR mitbekommen zu haben, obgleich sie individuell gereist waren und Verwandtschaft besucht hatten.

In unserer Familie war die Vorwendezeit persönlich eine ganz spezielle Zeit. Meine Schwester floh mit ihrem Mann und dem Trabant meiner Eltern über Ungarn in den Westen. Wir halfen ihr bei allen Vorbereitungen, mussten dies aber mit äußerster Vorsicht tun, damit die Pläne nicht aufflogen und in letzter Minute die Flucht misslang. Gleichzeitig mussten wir mit dem Gedanken leben, die Schwester eventuell für Jahre, Jahrzehnte nicht wiederzusehen, denn die Mauer war noch immer unüberwindbar.

Dieses Gefühl, die Wohnung der Schwester auszuräumen und nicht zu wissen, ob und wann man sie wiedersieht, werde ich nicht vergessen.

Derart zerrissene Gefühlswelten charakterisierten die Vorwendezeit. Und niemand, wirklich niemand, hätte damit gerechnet, dass sich die Lage derart weiterentwickelte.

Diese kollektive Erfahrung der Ostdeutschen, zu spüren, dass etwas im Gange war, wirkt bis heute nach. Es scheint, als haben die Ostdeutschen eine Sensibilität für derartige gesellschaftliche Situationen entwickelt. Vielleicht sind sie auch aufgrund derartiger Erfahrungen vorsichtiger, zurückhaltender. Vor allem aber eint dieses gemeinsame Erleben einer äußerst ungewissen Zeit. Egal, wie sehr ein Westdeutscher sich bemüht, eine Erfahrung wie diese kann man nicht wiederholen, nicht nachstellen. Diese Erfahrung ist ein ideeller Schatz, der viele Ostdeutsche in dieser Hinsicht reicher gemacht hat.

Tja und im Westen? Ich war bis September 1989 im Ausland und kann daher nicht sagen, ob auch im Westen der Wind of Change zu spüren war. Ich erinnere mich an die Bilder vom „Platz des himmlischen Friedens“, die ich in den USA im Fernsehen sah. Ich weiß, dass mich das rat- und fassungslos zurückließ. Ich konnte nicht nachvollziehen, was die chinesische Staatsführung dazu veranlasste, Panzer im Zentrum der Hauptstadt rumfahren zu lassen, bis sich einer mit Einkaufstüten in der Hand davorstellte. So fremd mir das war, so fern war es gleichzeitig. Der Gedanke, dass diese Bilder Angst bei den Menschen im Osten auslösten, ist mir nicht ansatzweise gekommen.

Überhaupt habe ich erst sehr viel später verstanden, dass sich die Berichterstattung im westdeutschen Fernsehen über die Ereignisse im Osten auch an die Zuschauer im Westen richtete. Sie war vor allem der Informationskanal für die Menschen im Osten.

Die verbotene Gewerkschaft Solidarność rief in Danzig zum Streik auf und auch andere sozialistische Staaten befanden sich in der Krise. Ob wir deshalb im Westen spüren konnten, dass sich durch Gorbatschow eine solche Veränderung abzeichnen würde? Eher nicht! Schließlich kam Lateinamerika damals mit dem Ende von Pinochet in Chile, der Wahl von Noriega in Panama und Aufständen in El Salvador auch nicht zur Ruhe und eine umfassende Erneuerung der Verhältnisse steht dort bis heute aus.

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