Nils Kramer ist ein Kind, das schon sehr viel in seinem kleinen Leben mitgemacht hat.
Erst der Vater weg, dann die Mutter weg, der kleine Bruder weg, und die Oma ist auch nicht mehr so fit. Es ist lieb von dir, wenn du dich ein wenig kümmerst. Ich hoffe, wir kriegen ihn wieder vollkommen hin. Ich habe seine Hüfte gut hergestellt, und er wird bald wieder laufen können.
Aber am Freitag steht eine Hirn-OP an, denn es hat sich bei dem Unfall ein Stückchen Knochen in die Hirnmasse gebohrt. Es dauert nicht mehr lange, und er kann die Schmerzen nicht mehr aushalten. Wir geben schon so viel Morphin, wie es sein kleiner Körper verkraftet.
Für Peter Weber wäre es ein Kinderspiel, aber er operiert nicht mehr, seit seine Frau gestorben ist. Mal sehen, wie es wird. Er bereitet die Operation bis ins kleinste Detail vor.
Ich hoffe, dass die Kollegen es auch so ausführen können. Danke Bettina, für dein Zuhören.«
»Bitte sag Tina zu mir. Keiner nennt mich Bettina. Wenn du noch mal ein Ohr brauchst, dann komm ruhig wieder. Ich laufe ja nicht weg.«
»Danke, Tina. Du erinnerst mich sehr an meine verstorbene Freundin Martha. Sie war so ein wundervoller Mensch. Ich vermisse sie ganz schlimm. Ob sie wohl gewusst hat, wie sehr wie sie geliebt haben?« Tina schmunzelte.
»Da bin ich mir sowas von sicher. Vielleicht kann sie uns nun sogar sehen. Manchmal spüre ich etwas um mich herum, das ich nicht erklären kann.
Vielleicht ist es nur ein Wunschdenken, vielleicht aber auch nicht. Es ist ein gutes Gefühl, wenn ich meine, dass Marie bei mir ist. Siehst du Dr. Weber gleich noch?«, fragte Tina.
»Nein, ich denke nicht. Wieso fragst du?«
»Er wollte nachher noch kommen und mir was bringen. Es wäre schade, wenn ich dann nicht im Zimmer bin. Ich muss ja noch zu Nils Kramer.« Andy nickte.
»Ach ja, die Schlafanzüge. Schreibe doch einen Zettel mit einer Notiz, wo du dich befindest. Dann kann er entweder die Tasche mit den Schlafanzügen hinlegen oder zu dir auf die Kinderstation kommen. So hast du keinen Stress.«
Tina sagte: »Ein toller Tipp. So mache ich es. Oh, mein Essen kommt. Nun aber flott. Ich muss um 18 Uhr bei Nils sein.«
Andy ging in Richtung Tür und sagte: »Nochmals danke, Tina. Das Gespräch mit dir hat mir sehr gut getan. Wenn ich mich mal revanchieren kann, dann komm gerne zu mir. Und bitte vergiss, was ich dir über Nils gesagt habe. Ich hätte es eigentlich gar nicht tun dürfen. Aber ich habe so viel Vertrauen zu dir.«
Tina hatte sich schon Tee eingegossen und schmierte sich nun ein Brot.
Sie schaute Andy an und meinte: »Das ist ja wohl klar. Ich verstehe zwar nicht, warum Dr. Weber ihn nicht operiert, aber das ist ja nicht meine Aufgabe, mich da einzumischen.
Aber eines noch, Andy: Vergiss den Kerl. Er hat dich nicht verdient, glaub mir. Du hast mir gesagt, es sei deine Wohnung, in der ihr lebt.
Ich kann dir nur eines raten: Geh noch heute Abend hin und setze den Schmarotzer vor die Tür. Egal, was er dir sagt, alles ist Lüge. Schmeiß ihn raus. Achtkantig! Sowas hat ein toller Mann wie du nicht nötig. Auch andere Mütter haben hübsche Söhne.«
Andy konnte nun wieder lachen.
Er zeigte mit dem Finger auf Tina und sagte: »Genau das werde ich auch tun. Bis morgen, du Engel.«
Sie hauchte ein angedeutetes Küsschen in die Luft. Als Andy die Tür hinter sich schloss, dachte Tina, dass es doch so schade sei, dass dieser Mann auf Männer stand. Die Natur ist manchmal ungerecht, aber sie wusste, dass sie es akzeptieren musste.
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