Roy Palmer - Seewölfe Paket 6

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Seewölfe Paket 6: краткое содержание, описание и аннотация

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Ein Brandpfeil, abgefeuert von Big Old Shane, dem früheren Waffenmeister von Arwenack Castle, stach in zitternder Bahn auf die spanische Dreimast-Karavelle zu, senkte sich auf seiner Flugbahn und bohrte sich zischend ins Hauptdeck. Entsetzt starrten die Spanier auf dieses Teufelsding, in dessen Schaft ein Brandsatz verborgen war. Und dann explodierte der Brandpfeil. Was er anrichtete, war ungeheuerlich. Ein Funke mußte in eine der Pulverkammern geflogen sein, denn ein Feuerball stieg mit Getöse aus der Karavelle…

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Hasard grinste, als er die Schritte der Männer hörte, die zur Landzunge marschierten.

Sie übten bereits. „Caramba!“ fauchte Sam Roskill. „Hijo de Puta!“ gab Luke Morgan prompt zurück. Und Al Conroy, der Stückmeister, demonstrierte genießerisch, daß er von allen Teufeln der Hölle über eine kastilische Wanderhure bis hin zum blöden Hammel und anderen freundlichen Bezeichnungen aus dem Tierreich eine ganze Menge saftiger englischer Flüche ins Spanische übersetzen konnte.

„Die sollen bloß nicht so übertreiben“, murmelte Ben Brighton besorgt.

„Werden sie auch nicht.“ Hasard nickte seinem Bootsmann zu. „Gut, Ben! Gary, laß verdammt noch mal die Finger von den Riemen! Ein spanischer Offizier pullt doch nicht, du Esel!“

„Scheiß-Spanier“, sagte Gary Andrews ungerührt.

„Da kannst du recht haben. Alles fertig?“

Zustimmendes Gemurmel. Hasard watete als erster ins Wasser. Ed Carberry, Ferris Tucker, Big Old Shane, Smoky und Stenmark folgten ihm. Der rothaarige Tucker und der blonde Stenmark trugen Tücher um die Köpfe, der riesenhafte Shane hatte sich zusätzlich das halbe Gesicht verhüllt, um seinen grauen Bart zu verbergen. Sie hatten zwar nicht vor, sich den Spaniern zu zeigen, aber sicher war sicher.

Die Männer begannen in dem Augenblick zu schwimmen, in dem sich das Boot unter kräftigen, langen Riemenschlägen in Bewegung setzte. Die Rudergasten pullten, als wollten sie Rekorde brechen. Oder als legten sie es darauf an, mit den Schwimmern ein Wettrennen zu veranstalten.

„Ben!“ zischte Hasard. „Ihr seid wohl übergeschnappt! Pullt gefälligst einen schönen gemächlichen Rundschlag, ja? Wir wollen hier nicht die See zum Kochen bringen!“

„Verdammt! Verzeihung, Sir! Hätte ich fast vergessen.“

Das Boot wurde langsamer. Hasard und die anderen paßten ihre Geschwindigkeit dem gemächlich durch die Dünung schwimmenden Boot an. Die zweite Gruppe hatte inzwischen das Boot erreicht, das in Sichtweite der Karavelle lag – soweit überhaupt von Sicht die Rede sein konnte. Aber die Männer warteten noch und taten so, als müßten sie irgend etwas an der Vorleine klarieren. Sie würden erst starten, wenn das zweite Fahrzeug hinter den Felsen der Landzunge auftauchte, damit beide Boote etwa gleichzeitig das Schiff erreichten.

Jetzt war es soweit.

Hasard konnte ein paar spanische Kommandos hören, die Männer brachten das Boot aufs Wasser. Dabei zahlte sich mal wieder der Sprachunterricht aus, den Hasard ab und zu veranstalten ließ. Es hatte zwar seine Zeit gedauert, bis auch der letzte an Bord die Notwendigkeit dieser Übung begriff, aber inzwischen hatten sie es schon ein paarmal geschafft, die Dons erfolgreich zu täuschen.

Riemen klatschten ins Wasser und wurden durchgezogen. Hasard konnte im Augenblick weder das zweite Boot noch die Karavelle sehen. Aber er sah den hageren Gary Andrews, der das hellblonde Haar unter dem Eisenhut des spanischen Offiziers verborgen hatte und aufrecht und mit verschränkten Armen auf der Heckducht saß. Wie ein echter Grande, dachte Hasard und grinste breit.

„Eh, Ben!“ flüsterte er.

„Sir?“

„Steck dir den Sir an den Hut! Ich will wissen, was sich auf der verdammten Karavelle tut.“

„Gar nichts“, sagte Ben Brighton gelassen. „So um die zehn Mann stehen am Steuerbord-Schanzkleid und stieren Löcher in die Luft. Das Achterdeck ist leer. Dieser saubere Capitan scheint doch tatsächlich zu pennen.“

„Der wird schon aufwachen“, sagte Hasard grimmig. „Ist der Ausguck besetzt?“

„Aye, aye. Aber der Kerl hat kein Spektiv da oben.“

„Na bestens! Ben, du mußt jetzt verdammt die Augen offenhalten. Wie ist dein Kurs?“

„Schräg auf den Bug zu, was sonst? Die Kerls werden denken, daß wir vorbeipullen wollen.“

„Laß dich etwas zurückfallen. Die Dons dürfen unsere Kopfe noch nicht sehen, wenn das zweite Boot die Jakobsleiter erreicht. In dem Moment, in dem die anderen die Vorleine belegen, sagst du uns Bescheid, damit wir abtauchen.“

„Aye, aye! Noch drei Minuten, schätze ich. Die Kerls da oben werden allmählich zappelig.“

Von Bord der Karavelle war spanisches Stimmengewirr zu hören. Die Männer wollten wissen, was, zum Teufel, passiert sei. Und Sam Roskill im ersten Boot rief ihnen zu, sie sollten, verdammt noch mal, lieber eine zweite Jakobsleiter außenbords hängen, statt dämlich herumzubrüllen.

Hasard grinste. Ben Brighton verschluckte sich fast.

„Mann, die tun das tatsächlich“, flüsterte er. Und nach einer Pause: „Aufpassen, jetzt! Abtauchen!“

Wie ein Mann tauchten die sechs Seewölfe, die im Sichtschutz des Bootes schwammen, weg.

Hasard schnellte mit vorgestreckten Armen geschmeidig wie ein Fisch durchs Wasser. Er ging möglichst tief, wurde langsamer und vollführte eine geschmeidige Drehung, als seine Finger sacht gegen die Bordwand stießen. Unmittelbar unter der mächtigen Galion durchstieß sein Kopf die Wasserfläche. Eilig schwamm er um den Vorsteven nach Backbord hinüber, um den anderen Platz zu machen.

Kein Wort fiel, kein Prusten oder Keuchen erklang – nur ein leises Plätschern, das sich mit dem Gurgeln und Schmatzen der Dünung an den Bordwänden mischte.

Ed Carberrys zernarbtes Gesicht tauchte hinter dem Vorsteven auf, Ferris Tucker folgte ihm, dann Smoky, Stenmark und schließlich Big Old Shane, dessen wettergegerbte Züge sich grimmig verzogen hatten, weil er von jeher der Ansicht war, daß man das Schwimmen besser den Fischen überließ. Schweigend und konzentriert arbeiteten sich die Männer bis auf die Höhe der Kuhl vor. Wahrscheinlich ging auch hier auf der Backbordseite jemand Wache, aber der würde im Moment ganz bestimmt nicht über das Schanzkleid blicken.

Hasard spannte die Muskeln, schnellte seinen Körper aus dem Wasser und schwang sich geschmeidig auf den hölzernen Wulst, der sich um den Bauch der Karavelle zog. Neben ihm enterte Stenmark auf, Ferris Tucker streckte Big Old Shane die Hand entgegen, links von Hasard erschienen Ed Carberry und Smoky. Der Profos warf einen Blick zum Schanzkleid hoch, rammte eine Schulter an die Bordwand und faltete die Hände. Nicht, um ein Stoßgebet zum Himmel zu schicken, wohlgemerkt. Hasard setzte einen Fuß auf die behelfsmäßige Stufe – und in derselben Sekunde ging an der Steuerbordseite der Tanz los.

Einer der Spanier brüllte erschrokken auf.

Es klatschte laut.

„Arwenack!“ schrie der schwarzhaarige, dunkeläugige Sam Roskill, der am spanischsten aussah und deshalb wohl als erster aufgeentert war, und dann brach auf der „Santa Monica“ von einer Sekunde zur anderen die Hölle los.

Der schwarze Segler verschmolz fast mit der Dunkelheit.

Siri-Tong und der Wikinger standen vorn auf der Back. Thorfin Njal hatte die Fäuste in die Hüften gestemmt und kratzte ab und zu an seinem Kupferhelm. Die Rote Korsarin schwenkte mit dem Spektiv die Kimm ab: eine dünne Linie zwischen dem schwarzen Himmel, auf dem die Sterne wie Brillanten funkelten, und einem Meer, in dem sich die Sterne als gleißende, verschwimmende Flecken spiegelten. Und genau voraus, sehr fern, gab es zwischen glitzerndem Meer und sternengespicktem Himmel so etwas wie einen unregelmäßigen schwarzen Buckel, auf dessen höchster Erhebung ein winziger rötlicher Punkt glomm.

Siri-Tong setzte das Spektiv ab und reichte es dem Wikinger.

„Genau voraus, Thorfin“, sagte sie knapp. „Schau es dir an und sag mir, wofür du es hältst.“

Der bärtige nordische Riese brauchte einen Moment, bevor er den Buckel über der Kimm gefunden hatte.

„Die Insel“, brummte er. „Und zwar haargenau da, wo sie der Karte nach auch liegen soll.“

„Das weiß ich selbst“, sagte die Korsarin ungeduldig. „Schau dir diesen Berg an – oder was immer es ist. Den Gipfel vor allem!“

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