Roy Palmer - Seewölfe Paket 6

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Seewölfe Paket 6: краткое содержание, описание и аннотация

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Ein Brandpfeil, abgefeuert von Big Old Shane, dem früheren Waffenmeister von Arwenack Castle, stach in zitternder Bahn auf die spanische Dreimast-Karavelle zu, senkte sich auf seiner Flugbahn und bohrte sich zischend ins Hauptdeck. Entsetzt starrten die Spanier auf dieses Teufelsding, in dessen Schaft ein Brandsatz verborgen war. Und dann explodierte der Brandpfeil. Was er anrichtete, war ungeheuerlich. Ein Funke mußte in eine der Pulverkammern geflogen sein, denn ein Feuerball stieg mit Getöse aus der Karavelle…

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Jean Morro kniff die grauen Augen zusammen.

„Also was ist?“ fragte er hart. „Borddienst oder Rahnock?“

„Borddienst“, quetschte Dan O’Flynn durch die Zähne.

„Und dein Freund?“

„Borddienst“, murmelte Batuti.

„Gut. Ich lasse euch jetzt die Fesseln abnehmen. Ihr werdet verschiedenen Wachen zugeteilt. Und bildet euch nicht ein, ihr könntet hier den Hund von der Kette lassen. Wenn einer von euch auch nur den geringsten Aufruhr veranstaltet, lasse ich den anderen sofort erschießen, ist das klar?“

Schweigen. Jean Morros Gesicht war eine kalte Maske.

„Ob das klar ist?“ fragte er gefährlich leise.

„Aye, aye“, sagte Dan zwischen zusammengepreßten Zähnen.

„Aye, aye, Sir, heißt das.“

„Nigger?“

„Aye, aye, Sir“, sagte Batuti mit merkwürdig fremder Stimme.

„Nimm ihnen die Fesseln ab, Esmeraldo! Der Lümmel kommt in die Kombüse, der Nigger zu den Fockmastgasten. Jacahiro, du paßt auf ihn auf!“

„In Ordnung“, sagte der Maya mit seiner dunklen, kehligen Stimme.

Er nickte Batuti zu und wies mit dem Kopf in die Richtung, in die der schwarze Herkules marschieren sollte. Aber Jacahiro fluchte nicht und brüllte nicht herum, und damit hatte Batuti entschieden das bessere Los gezogen.

Der schweigsame Maya war ein anständiger Kerl.

Ganz im Gegensatz zu dem fetten Tomaso, der Dan O’Flynn wieder unter seiner Fuchtel hatte. Als erstes ließ er sein Opfer die Kombüse schrubben, und die Art, wie er auf einem Dreibein saß und Speckstücke in sich hineinstopfte, zeigte, daß er nicht gesonnen war, sich selbst jetzt noch zu überarbeiten.

Dan O’Flynn kochte vor Wut.

Aber es war keine gesunde, wohltuende Wut, die ihn erfüllte. Es war eiskalter, würgender Zorn, ein Zorn, wie ihn nur schwarze Verzweiflung hervorbringt. Der Gedanke an Ben Brighton, Big Old Shane und Stenmark schien wie ein Feuer in ihm zu brennen, und seine Gedanken fieberten, während er den Boden der Kombüse bearbeitete.

Irgendwann würde der Bretone bezahlen.

Und wenn er Ben, Stenmark und Shane umgebracht hatte, würde er noch den Tag verfluchen, an dem er geboren worden war.

„Sieben“, sagte Ferris Tucker leise.

Der Seewolf nickte. Aus schmalen Augen verfolgte er das Boot, das sich von der Bordwand der „Santa Monica“ löste. Diesmal pullten die Männer nicht in Richtung Strand, sondern hatten offensichtlich den Plan, die Landzunge zu umrunden. Sie waren vorsichtig geworden und wollten erst einmal einen Blick auf die Nordseite der Insel werfen.

Viel Zeit konnten sie sich allerdings nicht dazu lassen.

In spätestens einer Stunde wurde es dunkel, dann konnte nur noch ein Verrückter versuchen, auf völlig unbekanntem Gelände irgend etwas zu finden. Das mußten auch die Spanier wissen. Nach Hasards Meinung hatten sie sich ohnehin schon unsinnig viel Zeit gelassen.

Ihm konnte es recht sein.

Für die Seewölfe ging es nur darum, mit den Booten die „Santa Monica“ zu erreichen, ohne von deren Kanonen in Fetzen geschossen zu werden. Im Enterkampf hatten die Spanier nicht den Schimmer einer Chance, darin waren ihnen die Seewölfe haushoch überlegen. Wenn sie erst einmal in den toten Winkel der Geschütze gelangten, gab es keine Schwierigkeiten mehr, dann war das Unternehmen für Hasards Crew so gut wie gelaufen.

Wieder blieb eine kleine Gruppe zurück, die das Schiff beobachtete, während die anderen im Schutz der Felsen die Hochfläche überquerten.

Als sie sich im Geröll am Rand des Kliffs auf den Boden preßten, hatte auch das Boot die Nordseite der Insel erreicht. Sechs Männer pullten, der siebte, ein großer, hagerer Bursche mit einer ausgeprägten Adlernase, beobachtete die Klippen. Schließlich befahl er, den Kurs zu ändern und steuerte einen Punkt etwa in der Mitte der Steilküste an. Der Seewolf wußte sofort, was der Bursche vorhatte.

Er hatte gemerkt, daß der Felsenkegel auf dem höchsten Punkt der Insel von hier aus verhältnismäßig einfach zu erreichen war. Dort oben brannte immer noch das Feuer und stieg eine dünne Rauchfahne in den Himmel. Dort oben wollte der Mann nachsehen, solange es noch hell genug dazu war.

Immerhin ein energischer Mann, dachte Hasard anerkennend. Und auf jeden Fall kein Idiot, der wie ein Anfänger in die Falle tappt. Der Seewolf grinste leise und wandte sich Ed Carberry zu.

„Sie werden heraufkommen, Ed“, flüsterte er. „Aber sie werden Wachtposten bei dem Boot zurücklassen. Die Kerle dürfen uns auf keinen Fall entwischen, klar?“

„Aye, aye! Ich klettere mit Matt und Bob da drüben hinter der Felsennase hinunter. Wir packen uns die Burschen, sobald hier oben der Tanz losgeht.“

„Gut, Ed. Aber seid vorsichtig!“

Der Profos murmelte etwas davon, daß er, verdammt noch eins, immer vorsichtig sei und man ihm das nicht extra zu sagen brauche.

Hasard grinste nur, während Carberry Matt Davies und Bob Grey einen Wink gab und sich lautlos zwischen die Steinbrocken zurückzog. Die beiden anderen folgten ihm genauso leise. Jenseits der vorspringenden Felsennase konnten sie bis zur Brandungsplatte hinunterklettern, ohne von den Spaniern gesehen zu werden. Dann brauchten sie nur noch ein Dutzend Schritte bis zu der Stelle, wo jetzt das Boot vertäut wurde.

Hasard stellte fest, daß er den Drahtigen richtig eingeschätzt hatte: erließ tatsächlich zwei Mann als Wache zurück. Die restlichen fünf marschierten auf die schräge Geröllrinne zu, die in das Kliff schnitt und die Möglichkeit für einen problemlosen Aufstieg bot. Der Mann mit der Adlernase kletterte als erster. Für die nächsten Minuten waren die fünf Männer aus dem Blickfeld der Seewölfe verschwunden, aber rollende Steine und ein paar unterdrückte Flüche verrieten ihren ungefähren Standort.

Der Drahtige schwang sich als erster über die Kante des Kliffs.

Hasard lag in der Deckung einiger durcheinandergewürfelter Felsbrocken und spähte durch eine schmale Lücke zwischen den Steinen. Deutlich konnte er das scharfe Profil seines Gegners sehen, der die Hände in die Hüften gestemmt hatte und aus schmalen Augen zu dem roten Felsenkegel hinaufsah. Nach einer Weile wandte er sich um und überzeugte sich, daß auch der Rest seiner Leute die Hochfläche erreicht hatte.

„Wir teilen uns“, sagte er auf spanisch. „Diego und ich klettern auf den Berg. Die beiden anderen Gruppen schwärmen aus, decken uns den Rücken und sichern unsere Flanken. Verstanden?“

„Si, Senor“, tönte es vierstimmig zurück.

Die Männer hatten funkelnde Augen. Hier war ein Mann, der wußte, was er wollte, und die Sache vernünftig anpackte. Prompt zeigten seine Leute ein ganz anderes Kaliber als die sechs, die bereits von den Seewölfen überwältigt worden waren. Der Hagere nötigte Hasard Achtung ab. Trotzdem hatte er keine Chance. Denn die Seewölfe hatten sich so über das Plateau verteilt, daß die eigentlich ganz vernünftige Idee mit den drei Gruppen den Spaniern nur zum Verhängnis werden konnte.

Der Drahtige und der Bursche mit dem Namen Diego marschierten quer über das Plateau auf den Felsenkegel zu. Die anderen teilten sich und schwärmten nach links und rechts aus. Auf diese Art bildeten sie eine keilförmige Formation und mußten annehmen, daß sie das größtmögliche Maß an Sicherheit erreicht hatten.

Hasard lächelte matt, richtete sich etwas auf und wartete darauf, daß die rechte Flanke der Formation in seine Reichweite geriet.

Ben Brighton, der hinter dem Seewolf kauerte, hielt einen handlichen Stein in der Faust. Ferris Tucker betrachtete einen Augenblick nachdenklich Batutis Morgenstern, dann deponierte er ihn sanft auf dem Boden und griff sich ebenfalls einen Stein. Die beiden lächerlichen Spanier, die da heranpolterten, waren völlig ahnungslos und konnten nichts dafür, daß man den Seewölfen die „Isabella“ geklaut hatte. Sie würden flachgelegt werden, aber man mußte ihnen ja nicht gleich den Schädel einschlagen.

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