Amanda Lasker-Berlin - Elijas Lied

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Nominiert für den Debütpreis der lit.COLOGNE 2020. Elija ist die älteste der Schwestern, ihre Augen, von einer großen Lidfalte beschützt, blicken auf das Schöne in der Welt. Sie liebt das Theater, wenn sie die Hagar spielt, die in die Wüste geschickt wird, allein mit einem Kind im Bauch. Auf der Bühne kann Elija Mutter sein, in echt kann sie das nicht. Noa jobbt in einer Kantine. Jeden Tag hofft sie auf Akim, der hoch oben in dem Glasturm mit Elbblick arbeitet. Sie können über vieles sprechen, die Exmatrikulation, ihre Ostasienreisen, nur nicht darüber, wohin sie geht, wenn ihre Schicht in der Kantine vorbei ist. Loth, die Jüngste, ist schön wie eine Statue. Und sie ist wütend. Bei Demos wird sie als Nazi beschimpft, sie selbst hält die Linken für Meinungsfaschisten. Sie ist in die patriotische Hausgemeinschaft in Halle gezogen, um zu kämpfen. Die Wanderung war Loths Idee. Die Idee, noch einmal Schwestern zu sein. Das Moor zu durchqueren und auf dem Berg das Lied zu singen, das ihr Vater für sie gedichtet hat. Doch wie die Schwestern ist auch das Moor nicht mehr dasselbe. Einen Tag verbringen sie zusammen, allein mit sich und den Erinnerungen, die selbst das Moor nicht schlucken kann, mit all dem Morast und Torf, und es gibt nichts, was Halt verspricht. Amanda Lasker-Berlin beherrscht die Kunst der Verdichtung, das Spurenlegen, das Erzeugen von stärker werdenden Schwingungen bis hin zum Paukenschlag. Ihre fließende, konzentrierte Sprache, ihr Vertrauen auf die Kraft ihrer Figuren sowie die Empathie und Unaufgeregtheit, mit der sie brisante gesellschaftliche Themen mit individuellen Schicksalen engführt, zeugen von dem großen Talent der Debütautorin.

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Loth mag es nicht, langsam zu sein. Sie ist immer schnell. Nur wenn sie mit Elija zusammen ist, muss sie Rücksicht nehmen. Vom langsamen Gehen tun ihr schnell die Knie weh. Wach werden kann sie so auch nicht. Sie schaut auf die Gräser, die neben den Planken wachsen. Hellgrün. Eigentlich findet sie die Natur eh langweilig. Deswegen ist sie nach Halle gezogen. Von der patriotischen Hausgemeinschaft mit frischen Eiern und Ziegenmilch auf dem Land in die patriotische Hausgemeinschaft mit Barraum und regelmäßigem Kinoprogramm. In Halle gibt es kein Hellgrün. Zumindest nicht so viel wie auf dem platten Land. In Halle gibt es nicht nur einen Streifen Hellgrün auf dem Boden, einen Streifen Dunkelgrün in der Mitte und einen Streifen Grau am Himmel. Da gibt es mehr als den Nebel am Morgen und einen dicken Baum auf dem Feld. Mehr als die Umrisse einer Kohlekraftanlage am Horizont. Auf dem Land ist Loth jeden Morgen joggen gegangen. Einmal bis zum Rauschen der Autobahn und wieder zurück. In Halle kann sie das nicht mehr machen. Obwohl sie gerne würde. Aber in den Parks ist es zu gefährlich geworden, findet sie und wundert sich, wenn junge Frauen da alleine durchspazieren. Morgens, mittags und abends. Denen kann sie auch nicht helfen, denkt sie dann.

In Halle sitzt Loth jeden Morgen auf der tiefen Fensterbank. Der erste Kaffee dampft neben ihr. Die Mitbewohner sitzen beim Frühstück in der Küche, bei Haferschleim und Wachwerden. Loth braucht morgens Ruhe, inhaliert Sauerstoff. Ihr Fenster ist geöffnet. Würde sie jemand erschrecken, sie könnte hinausfallen. Auf die Straße knallen und verbluten, ohne es bewusst zu erleben. Durch das Fenster dringen die ersten Stadtgeräusche. Keuchende Autos, Busse, die schniefend die Luft aus den Reifen lassen. Absatzschuhe schlagen auf Kopfsteinpflaster. Hinter der Hochhackigen läuft eine Frau mit verfilzten Haaren. Sie sieht aus wie eine Ureinwohnerin, wie jemand, der sich nicht wäscht, wie Pack eben, findet Loth. Sie schnappt sich die Tasse und schaut lieber dort hinein. Im dunklen Kaffee spiegelt sich ihr Gesicht. Morgens ist sie hübsch.

Die Ureinwohnerin verschwindet in Richtung Universität. Loth überlegt, ob sie sie schon kennt. Von den Protesten vor der Hausgemeinschaft. Grölende Menschen, die Loth und die anderen als Faschisten, als Mörder und was nicht noch alles beschimpfen. Die Krach machen. Worauf die aus der Gemeinschaft noch mehr Krach machen. Die gelben Fahnen hissen, mit dem schwarzen Symbol, und Parolen rufen. Auf Latein. An solchen Tagen wirbelt Loth durchs ganze Haus, vlogt aus dem Gemeinschaftsraum heraus, postet wild in die Welt. Im Haus gibt es nur morgens Stille. Und dann, wenn die Linken zu beschäftigt sind, die Gemeinschaft zu stören.

Der Bus hält wenige Meter von der Haustür entfernt. An der Haltestelle haben sich schon Leute versammelt. Alte, die nichts mehr mitkriegen. Junge, die nichts mehr mitkriegen wollen, und Mittelalte, die hier nichts zu suchen haben.

Überall Studierende, aggressive Meinungsfaschisten, findet Loth. Alle gleichgeschaltet und verstrahlt. In lumpiger Kleidung oder in durchschnittlichen Jeans mit Rucksäcken und Beuteln streunen sie die Straße entlang, vergeuden ihren Tag in dunklen Hörsälen und jammern über zu viele Hausarbeiten. Loth will nicht mehr studieren. Schon seit Jahren nicht. Loth will sich die Fußnägel lackieren.

Sie schaut auf ihre Füße, der dunkle Nagellack ist abgeblättert. Sie lehnt sich zur Kommode und zieht ihre Nagelutensilien heraus. Schwarzer Lack mit ein wenig Glitzer. Sie schüttelt ihn, er glänzt im Tageslicht. Sie kneift die Augen zusammen, schaut noch einmal raus. Jemand pfeift unter ihr ein Lied. Der Kamerad Ben geht zur Arbeit. Er dreht sich zum Haus, sieht sie auf der Fensterbank und winkt. Sie winkt zurück, öffnet das Fläschchen Nagellack und streicht mit dem getränkten Pinsel über den großen Zeh. Unter der frischen Farbe zeichnen sich die Farbreste ab. Loth stört das nicht, sie malt weiter, hält den fertigen Fuß aus dem Fenster. In der Sommerluft trocknet der Lack schnell. Sie trinkt den ersten Schluck Kaffee. Er ist lauwarm, im Mund fast kalt. Er schmeckt bitter. Macht noch nicht wach. Dafür bräuchte sie Wind um sich herum und aufgewärmte Muskeln. Sie bleibt sitzen, schaut auf das Kopfsteinpflaster unter ihr. Es sieht verdammt hart aus.

Loth holt Noa ein. Sie laufen hintereinander. Aus Versehen tritt Loth in Noas Ferse. Noa humpelt zwei Schritte lang, ignoriert es. Da tritt Loth noch mal zu. Noa tut so, als hätte sie es nicht bemerkt.

Kurz bleibt Loth stehen, damit Elija und Noa ein paar Meter Vorsprung bekommen. Sie schaut auf das sanfte Grün. In ihrer Erinnerung ist das Moor anders. Sumpfiger, dunkler. Nicht eine nette helle Wiese mit Wasserlöchern darin. Da ist mehr Einsinkgefahr und sind auch mehr Tiere und alles ist nicht so verlassen. Da ist es Herbst und regnerisch und Loth spürt was von der Natur. Nicht nur Sommerlüftchen und Gräser in der Hand.

Die Wanderung zum Berg im Moor zu beginnen war Loths Idee. Und die Schwestern hatten nichts dagegen. Noa zumindest nicht. Elija darf nicht mitbestimmen. Elija kann sich auch gar nicht an die erste Wanderung durch das Moor erinnern, glaubt Loth. Was weiß sie noch von Herbstferien, dem Geruch nach zu süßem Apfelkuchen, Spazieren zum Berg, Kassettenhören in der Ferienwohnung und den schnarchenden Eltern? Von dem zugezogenen Himmel, durch den nur manchmal stechendes Licht fällt, und den Gruselgeschichten, die Noa erzählt.

Lange her, denkt Loth, zupft den weißen Flaum von einem Wollgrashalm. Spürt es in der Hand. Es fühlt sich nicht so schmeichelnd auf der Haut an, wie sie gedacht hätte. Durch die Berührung zerfällt es in seine Einzelteile. Sie schließt die Hand fest, zerdrückt die Fasern, zermahlt sie. Dann lässt sie weißes Pulver auf das Hellgrün rieseln. Das Weiß geht im Grün unter. Loth ist unzufrieden.

Acht. Dreißig

Elija bleibt stehen. Sie hat es gesehen. Oder doch nicht? Sie späht in die Ferne. Da ist es. Da oben, links, an dem dicken Ast. Da sitzt es. Leise. Alle sollen leise sein. Noa bleibt stehen, Loth überholt die beiden. Beginnt zu pfeifen. Loth soll still sein. Das Pfeifen klingt nicht schön, nicht harmonisch, findet Elija. Loth pfeift abgehackt und mit wenig Gefühl.

Elija will das Fernglas aus dem Rucksack holen. Macht das zu viele Geräusche? Der Reißverschluss, das Wühlen. Dann würde es wegspringen, oder nicht? Es ist noch da. Es reckt den Kopf in die Höhe. Bewegt ihn zackig. Es kann sich nicht fließend bewegen. Elija findet das schön. Alle müssen ruhig sein, damit es da sitzen bleibt und seinen Köpfchentanz zu Ende bringt.

Elijas Atem ist laut. Rasselnd. Das hasst sie an sich. Sie kann sich nicht anpirschen, sie kann niemanden erschrecken, sie kann sich nicht verstecken. Immer dieser laute Atem, das Keuchen nach der geringsten Anstrengung. Elija findet ihren Mund zu klein. Da hat das Schweigen keinen Platz. Und die Worte kommen so schlecht an den Lippen vorbei, die wollen lieber in der Mundhöhle warten. Da ist es ganz warm.

Elija formt die Worte richtig, da ist sie sich sicher. Aber manchmal kommt ein Zahn dazwischen und schneidet sie auf oder verpasst dem Wort eine Wunde. Dann kann das Wort kaum einer verstehen. Jetzt hält Elija sich die Hand vor den Mund. Damit sie nicht aus Versehen dem Vögelchen etwas zuruft.

Auf dem Ast hüpft es ein Stück weiter. Sein weißer Bauch leuchtet zwischen den Nadeln hervor. Eine kleine rötliche Stelle unterhalb der Kehle. Die Flügel sind gräulich, etwas braun, der Schnabel still. Elija möchte, dass es ein Stückchen hüpft, dann kann sie es besser sehen. Ein bisschen mehr nach links. Sonst wird es im Schatten farblos. Elija braucht das Fernglas. Sie schaut zu Noa. Doch Noa hat die Augen geschlossen und lässt das Licht auf die Lider fallen. Noa interessiert sich nicht besonders für Vögel.

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