Sibel Schick - Hallo, hört mich jemand?

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Während die einen nichts machen müssen, um gehört zu werden, müssen manche anderen so laut schreien, wie sie können, weil sich die Gesellschaft nicht für ihr Schicksal interessiert. Ungefähr so entstand das Buch „Hallo, hört mich jemand?“ Sibel Schick ist eine scharfsinnige Kommentatorin unserer gegenwärtigen Gesellschaft. Sie versteht es wie keine andere, den Finger in die Wunde zu legen und dabei neue Zugänge zu den wichtigen Diskursen unserer Zeit zu verwenden – klar, mitreißend und für alle verständlich. „Hallo, hört mich jemand?“ ist eine Sammlung aus den Kolumnen und Kommentaren Schicks über Rassismus, Klassismus, Sexismus, Identität und Sprache, geschrieben aus ihrer einzigartigen Innen-Außen-Perspektive, die in der deutschsprachigen Medienlandschaft zu kurz kommt. Wer Deutschland verstehen möchte, muss Sibel Schicks Buch lesen.

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Vor laufenden Kameras wird der Hitlergruß gezeigt und man diskutiert darüber, ob es „diesen Rassismus denn wirklich gibt“. Die Reaktion auf den Versuch, das Rassismusproblem Deutschlands sichtbar zu machen, ist, Augen rollen, seufzen und ein „nicht schon wieder“ von sich zu geben. Der Ernst der Lage kann nicht offengelegt werden, weil man mit Deutschen nicht darüber reden kann, ohne dass sie „ja, aber die Linken randalieren“ und „die Türkeistämmigen wählen die AKP und daher kann es in Deutschland keinen Rassismus geben“ von sich geben. Ironisch ist, dass auch diese Reaktionen rassistisch sind, und Rassist*innen in Schutz nehmen.

Und all die, die schweigen, und die, die sich zwischen Nazis und von Rassismus betroffenen Menschen stellen und nach „Kompromissen“ oder einem „Dialog“ suchen, weil sie sich das noch leisten können, weil sie noch unantastbar sind, sollten eigentlich wissen, dass es nur eine einzige legitime Meinung zu Rassismus gibt und zwar ganz klar dagegen zu sein. Solange sie die Nazis und andere Vertreter*innen von menschenfeindlichen Gedanken als legitime Gesprächspartner*innen betrachten, mit diesen diskutieren, ihnen zuhören, vermitteln sie beiden Seiten, dass es Raum für Rassismus in dieser Gesellschaft gebe, dass er tolerierbar sei, weil sie ihm eben Raum geben und ihn tolerieren.

Deutschland hat sich nicht darum gekümmert, die Kinder und die Enkelkinder von Nazis zu integrieren und zu rehabilitieren und jetzt haben wir schon wieder Nazis am Hals, sie wachsen wie Pilze vor unserer Nase. Es ist verdammt viel zu tun. Zu Hause, auf der Straße, bei der Arbeit und nachts, wenn man den Kopf auf das Kissen legt, ist ganz viel zu tun. Noch ist aber Zeit. Überlegt euch also noch einmal und zwar ganz genau, wo ihr euch positionieren möchtet. Bevor es zu spät ist.

Meine Oma im Inklusionsparadies

03.09.2019, Missy Magazine

Auf seinem T-Shirt steht: „No borders, No nations“. Wir essen Burger, es ist unser zweites Date. Wir unterhalten uns, alles ist super. Dann sagt er: „Du kannst so gut Deutsch! Es gibt Leute, die seit 40 Jahren hier leben und nicht so gut Deutsch sprechen wie du!“ Eigentlich höre ich das oft, wenn ich sage, dass ich seit zehn Jahren in Deutschland wohne. Diesmal bin ich überrascht und es liegt an seinem T-Shirt. Er weiß es nicht, aber er redet von meiner Oma. Sie gehört zu jenen, die nicht gut Deutsch sprechen, obwohl sie lange hier leben. Zwischen ihrer Biografie und meiner liegen Welten. Meine Oma kam in Kurdistan auf die Welt und ging nie zur Schule, sie kann nicht lesen und schreiben. Sie kam in den 1970ern nach Deutschland und hatte gleichzeitig mehrere Putz- und Spüljobs. Es gab damals weder Deutsch- noch Alphabetisierungskurse, „diese Integrationskurse sind neu“, sagt sie. Das stimmt, die wurden erst 2004 eingeführt. Sie erzählt, dass es Frauen unter den Gastarbeiter*innen besonders schwerfiel, Deutsch zu lernen: „Sie mussten sich noch um den Haushalt und die Kinder kümmern.“ Männer hatten es leichter. Ich wuchs bei meiner Mutter in der Türkei auf. Als ich nach Deutschland zog, hatte ich rote Haare, Piercings, war tätowiert. Viele sagten: „Du siehst nicht aus wie eine Türkin.“ Als Kurdin wusste ich nicht, was ich damit anfangen soll. Außerdem, wie sieht eine Türkin aus? Jedenfalls wurde ich offenbar nicht gleich als Ausländerin eingeordnet. Wenn Menschen es erfuhren, waren sie oft „positiv überrascht“, das ermöglichte mir, mich selbstbewusst zu bewegen. Ich habe zwar nicht studiert, aber immerhin die Schule abgeschlossen. Auch ich musste kurz nach meiner Ankunft in Deutschland arbeiten und fand einen Job in einem Kiosk. Im Gegensatz zu meiner Oma konnte ich nebenbei einen Deutschkurs besuchen. Ich wohnte im hippen Köln-Ehrenfeld, meine Oma wohnte in einem Gastarbeiter*innenviertel. 2011 fing ich an zu kellnern und hatte nur noch mit deutschen Muttersprachler*innen zu tun. Meine Oma, die bis zu ihrer Migration nach Deutschland kein Türkisch sprach, lernte Türkisch von ihren türkischen Nachbarinnen.

Das Kompliment „es gibt Leute, die seit 40 Jahren hier leben und nicht so gut Deutsch sprechen wie du“ funktioniert nur, weil im selben Atemzug die „Integrationsverweigerer“ erwähnt werden. Ganz so als wäre Deutschland ein Inklusionsparadies und die faulen Kanax hätten nur kein Interesse teilzunehmen. Als ich beim Date von meiner Oma erzähle, sagt er: „Ich wusste nicht, dass es Analphabeten unter den Gastarbeitern gab.“ Der Duden beschreibt Parallelgesellschaft als „in einem Land neben der Gesellschaft der Mehrheit existierende Gesellschaft“. Das ist falsch. Parallelgesellschaft ist der ständige Wechsel zwischen unangenehmer Sichtbarkeit und kompletter Unsichtbarkeit. Parallelgesellschaft heißt nicht nur, dass Minderheiten lieber untereinander bleiben, sondern auch, dass sich die Mehrheitsgesellschaft für sie und ihre Probleme nicht interessiert, egal, welche linken Sprüche auf ihren T- Shirts stehen. Parallelgesellschaft ist Alltag für Minderheiten in Deutschland. Parallelgesellschaft ist Deutschland.

Dabeisein ist nicht alles

23.12.2019, Missy Magazine

Es ist kein Geheimnis, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und jene, die von Rassismus betroffen sind, in deutschen Medien unterrepräsentiert sind. Der sogenannte Migrationshintergrund, der allerdings keine Auskunft darüber gibt, ob eine Person auch von Rassismus betroffen ist, beträgt in Deutschland 25 Prozent. Dieser Anteil lässt sich aber in der deutschen Medienlandschaft nicht wiederfinden.

In einem ZEIT -Streitgespräch, das am 17. Dezember veröffentlicht wurde, sagte der ZDF -Chefredakteur Peter Frey, dass Björn Höcke kein möglicher Talkshowgast für den Sender sei. Er erinnerte an seinen Kommentar zur Thüringenwahl, in dem er sagte, wer dem AfD-Politiker im Oktober bei der Landtagswahl die Stimme gegeben hat, habe bewusst rechtsextrem gewählt. Aber Frey sagte im Streitgespräch auch was anderes – und zwar, dass das ZDF nicht alle Gäste mit Migrationshintergrund, die sie gern bei ihren Talkshows dabeihätten, bekomme: „Manche schlagen unsere Einladung aus, weil sie nach Auftritten schon viele Anfeindungen erlebt haben.“

Ebenso kein Geheimnis (lässt sich zumindest hoffen): Wer als betroffene Person öffentlich über gesellschaftliche Probleme spricht, wird in der Regel zur Zielscheibe gemacht. Die Ursache könnte darin liegen, dass die Hemmschwelle, benachteiligte Menschen anzugreifen, niedriger ist als bei privilegierten Menschen. Das hängt zum einen mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen zusammen – wer kann sich eher wehren, wer verfügt über ausreichend Ressourcen, für wessen Schicksal interessiert sich die Mehrheit, mit wem zeigt sie sich solidarisch?

Zum anderen hängt das auch damit zusammen, dass von marginalisierten Menschen erwartet wird, dankbar für ihr bloßes Existenzrecht zu sein, dafür, überhaupt in dem betreffenden Land leben zu dürfen und sich nicht über Missstände zu beschweren. Woran liegt es, dass Menschen, die ihre Diskriminierung öffentlich problematisieren, als Nestbeschmutzer*innen abgestempelt werden? Für mich nicht auszuschließen, dass das ein Erbe der Nazizeit sein könnte, in der diese Gruppen ja nicht existieren durften. Existieren zu dürfen, nicht getötet zu werden, wird heute als Beweis genommen, dass es nichts mehr gebe, worüber man sich beklagen könne. Nun, nur weil Nazideutschland besiegt wurde, heißt das nicht, dass die Bundesrepublik kein Demokratieproblem hat.

Die Konsequenz des Hasses ist für viele betroffene Menschen, sich lieber zurückzuziehen. Das ist nicht nur die Erfahrung von Peter Frey, sondern geht auch aus einer Studie von Amnesty International aus dem Jahr 2017 16hervor. Diese Entscheidung ist jedem betroffenen Menschen selbst überlassen. Sie müssen sich schützen und sie schulden der Mehrheitsgesellschaft nichts, vor allem, wenn ihr Engagement mit Gewalt bestraft wird und die Mehrheit das übersieht oder ignoriert. Allerdings ändert ihr Recht auf Rückzug nichts an der Tatsache, dass dadurch bestimmte Perspektiven, die ohnehin kaum hör- und sichtbar sind, noch weniger gesehen und gehört werden. Wenn deutsche Medien oder die Zivilgesellschaft betroffene Menschen für ihre Talkshows, Gastbeiträge oder Podiumsdiskussionen gewinnen möchten und einladen, denken sie auch an Schutzmechanismen? Wenn diese eingeladenen Gäste später angefeindet, angegriffen und bedroht werden – was machen sie? Wie gehen sie damit um? Bleiben sie dran? Fragen sie die betroffenen Menschen, was sie brauchen, was sie für sie machen können? Unterstützen sie sie mit Rat und Tat? Vernetzen sie sie mit Beratungsstellen, stellen ihnen juristische Unterstützung zur Verfügung? Greifen sie ihnen unter die Arme? Zumindest nicht flächendeckend. Die Abbildung der gesellschaftlichen Realität in Talkshows, Podiumsdiskussionen oder Zeitungen besteht nicht nur darin, durch ein Quotensystem bestimmte Gruppen dabeizuhaben. Dabeisein ist nicht alles, kann sogar unter Umständen zur Benachteiligung von marginalisierten Personen führen. Darin besteht auch das Quotendilemma. Unterschiedliche Gruppen haben unterschiedliche Probleme und Bedürfnisse, die in den meisten Fällen nicht beachtet werden. Nicht alle haben dieselben Startbedingungen und nicht alle müssen mit den gleichen Konsequenzen rechnen. Dieselbe Aussage kann drastisch unterschiedliche Reaktionen auslösen, wenn sie von einem weißen, heterosexuellen, cisgeschlechtlichen, nicht behinderten Mann aus dem Mittelstand kommt oder aber von einer Schwarzen trans Frau, die im Rollstuhl sitzt. Diese beiden mögen in demselben Land leben, dennoch haben sie grundverschiedene Realitäten. Das Publikum filtert und bewertet ihre Aussagen nicht nach denselben Maßstäben.

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