Der Begriff „App“ bezeichnet eine „Application“, also eine Anwendung, die man auf einem Computer installiert. Dabei wird die Kurzform „App“ meist bei Smartphones genutzt, bei denen kleine Erweiterungsprogramme aus dem Internet besonders einfach installiert werden können. Smartphones sind Telefone, die wie ein kleiner Computer ausgestattet sind. Sie können zwar schnell rechnen und viele Daten speichern, sind aber nicht wirklich „schlau“. Das Denken muss also immer noch der Mensch übernehmen. Gerade, wenn man eine App installiert. Dazu später mehr …
Ben und Timmy waren immer viel mit ihren Jungschar- und Schulfreunden unterwegs gewesen, wenn sie mittags aus der Schule kamen. Daher ist für sie der Wechsel auf die neue Gesamtschule nicht einfach. Sie verstehen zwar, dass der Umzug für ihren Vater wichtig ist, und freuen sich auch darauf, ihre neuen, großen Zimmer einzurichten. Aber sie werden die Freunde vermissen. Natürlich haben sie ihre digitalen Adressen ausgetauscht, um in Kontakt zu bleiben. Aber zusammen Fußball spielen und an der Spielekonsole der Nachbarn „zocken“ wird so einfach nicht mehr funktionieren. Bei der Wohnungsbesichtigung hatte Ben bereits einen Jungen auf der Straße Ball spielen sehen. Von daher hoffen sie, dass es noch andere Kinder in der Gegend geben wird.
Die Meyers ziehen also um. Neue Aufgaben stehen an, und jeder hat spannende Erlebnisse vor sich. Gemeinsam suchen sie Anschluss an eine christliche Gemeinde, die für sie gut erreichbar ist, ihrer Prägung entspricht und auch den Kindern ein gutes Einleben in der neuen Umgebung ermöglicht. Und dabei benutzen sie ganz alltäglich auch moderne Kommunikationsformen.
Die folgenden Kapitel begleiten Paul, Petra und die Kinder dabei und zeigen uns gleichzeitig, wie gerade im Gemeindekontext soziale Medien die menschliche und geistliche Gemeinschaft stärken können. Aus realen Erlebnissen und Anekdoten gespeist bleibt die Geschichte dabei anonym und jedwede Übereinstimmungen mit physisch existierenden Personen und Gemeinden sind rein zufällig, aber vermutlich in Teilen immer wieder anzutreffen:-).
Der Umzug
Meyers sind angekommen
Die Meyers sind angekommen. Zumindest in ihrer neuen 5-Zimmer-Wohnung am Stadtrand. Mit Garten, das war Petra ganz wichtig. Als Ausgleich zum Alltag möchte sie dort gerne Blumen setzen und etwas Gemüse anbauen. Außerdem haben die Kinder Platz zum Spielen und Toben.
Paul wollte gerne den Wald in der Nähe haben. Dort kann er Gott begegnen, sagt er. Er ist landeskirchlich getauft, konfirmiert und rechnet als Realist fest mit Gott. Allerdings macht ihn das nicht passiv. Gottesdienst und Bibel lesen gehören für ihn genauso zum Leben als Christ dazu wie soziales Engagement und das Eintreten für weltweite Gerechtigkeit. Sein Glaube reduziert sich nicht auf emotionale Äußerungen im Gottesdienst, sondern er ist ein Macher. Das hat er von seinem Vater, der schon früh mit ihm Baumhäuser aus alten Holzresten gebaut hat und ihm ein großes Vorbild war. Paul ist zwar beruflich viel unterwegs, aber auch in der Familie durchaus aktiv. Er mag das Abenteuer im Wald mit seinen beiden Jungs. Und wenn er von einer Dienstreise nach Hause kommt, hat er meistens etwas spannendes Neues dabei. Kleine Spielzeuge, Werkzeuge oder Bastelideen, wie er Haus und Garten optimieren kann. So kann er mit seinen Kindern spannende Abenteuer erleben oder seine Frau überraschen. Besonders stolz ist er, dass er die komplette Medieninstallation des neuen Hauses selber verkabelt hat.
Gemeindesuche
Einen Katalog von über 6000 Gemeinden findet man im Gemeindeatlas. Dort können sich Kirchen und Gemeinden mit Adresse und kurzem Profil eintragen. Wer eine Gemeinde sucht, kann aufgrund der Stichworte oder der Postleitzahl/Ortsname die Suche eingrenzen. Momentan sind eher Freikirchen und weniger Landeskirchliche Gemeinden verzeichnet.
www.gemeindeatlas.de
Petra hat an solchen Tüfteleien kein so großes Interesse. Sie hat ihm dabei hilfreich zur Seite gestanden und gestaunt. Sie ist zwar nicht so technikversiert, kann aber dafür mit ihrem iPhone alle nötigen Infos und Nachrichten abrufen und überrascht Paul oft, wenn sie Antworten auf knifflige Fragen in wenigen Sekunden findet, noch bevor er überlegt hat, dass er seinen Computer hochfahren könnte. Wie das genau funktioniert, ist ihr aber egal. Sie freut sich einfach, dass sie dank dieses Gerätes mit ihren Freunden aus der heimischen Freikirche in Kontakt bleiben kann. Sie hat sich vor einigen Jahren dort für ein Leben als Christ entschieden und lebt ihren Glauben offen und emotional. „Gefühle sind auch ein Ausdruck der Gottesbeziehung“, hat sie Paul einmal erklärt, und er hat das akzeptiert. Selbst wenn er das weniger aktiv auslebt, kann er rational nachvollziehen, wie seine Frau sich fühlt und freut sich, weil es ihr guttut. Deshalb singt Petra auch oft, wenn sie die Wohnung mal wieder umdekoriert, für die Familie kocht oder den Garten gestaltet. Neben einer Rasenfläche für die Kinder und einigen bunten Blütenecken hat sie sich auch einen kleinen Nutzgarten umgegraben. Und jetzt warten sie gemeinsam auf die erste Ernte. Dank Wikipedia und einschlägigen Internetforen ist sie nicht nur Fachfrau für frühkindliche Entwicklung und Erziehungskonzepte, sondern auch für Nützlinge, Nährstoffkreisläufe und optimale chemielose Düngemethoden für die eigene Gemüsezucht.
Ben und Timmy mögen den Garten auch. Petras Gemüse muss sich zwar hart gegen ihre Schuhe verteidigen, wenn mal wieder ein Fußball den Rasen verlassen hat und aus dem Beet gefischt werden muss. Aber meist bleibt alles heil, und die Jungs dribbeln nur um Gerätschaften und Trampolin herum. Und wenn Paul abends nach Hause kommt, toben sie zusammen durch den Garten, recherchieren gemeinsam am PC für ihre Schulprojekte oder spielen als ganze Familie ein Brettspiel. Erste Kontakte hat Ben auch schon zu einem Nachbarjungen geschlossen, den sie an der Straße getroffen hatten. In Timmys Alter scheint es weniger Kinder in der Nähe zu geben. Er hat zwar auch schon Freunde in der Schule gefunden, vermisst aber seine Jungschargruppe aus der alten Gemeinde.
Gemeindesuche
Nachdem die Wohnung halbwegs eingerichtet ist, beratschlagen Paul und Petra, welche Gemeinde sie sich am Wochenende anschauen wollen und machen sich im Internet auf die Suche. Paul hat über evangelisch.de schnell herausgefunden, zu welcher Kirchengemeinde er als Zugezogener gehören wird und wann die Gottesdienste dort stattfinden. Auch Petra hat über eine Google-Suche die Website gemeindeatlas.de gefunden. Dort hat sie sofort eine Handvoll Gemeinden aufgetan, die sie fußläufig erreichen könnten. Also heißt es: Website ansteuern und vergleichen.
Die erste Internetseite, die Petra aufruft, fällt schon allein durch ihre Farbgebung auf. „Uh, das geht ja gar nicht!“, ist Petras spontaner Kommentar. Naja, optisch ist die Seite sicherlich auch nicht so optimal, aber Paul hätte zumindest noch mal genauer hingeschaut, wo Petra bereits weitersuchen wollte. Aber auch er ist schnell ernüchtert. Schwer zu lesende Texte – rot auf lila geschrieben – mit viel zu kleiner Schrift. Dazwischen stark animierte Grafiken und eine persönliche Begrüßung des Webmasters mit der „aktuellen“ Jahreslosung. Hm, denkt sich Petra, war das nicht die Losung von vor drei Jahren? Die haben wir doch damals im Kindergottesdienst als Mobile umgesetzt. Ja, auch die Termine scheinen nicht ganz so aktuell zu sein. Die Jungschar lädt zur Freizeit ein – vor drei Jahren. Der Frauenkreis trifft sich zur Winterwanderung – am 13. Februar vor drei Jahren. Und die Gottesdienste weisen auf Themen der nächsten Wochen hin, vor drei Jahren. „Scheinbar ist also vor drei Jahren der Webmaster verstorben“, witzelt Paul, und Petra meint: „Oder er ist weggezogen und hat niemandem verraten, dass es diese Seite gibt.“ Zumindest sind sich beide einig, dass sie lieber erst mal weitersuchen wollen.
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