Birgit Schmid - Freie Liebe ist für Feige

Здесь есть возможность читать онлайн «Birgit Schmid - Freie Liebe ist für Feige» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Freie Liebe ist für Feige: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Freie Liebe ist für Feige»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Spätestens seit der aufklärerischen Libertinage gilt die »freie Liebe«
als Ausdruck einer progressiven Lebenseinstellung. In der Romantik
wurde sie ebenso gefeiert wie in Jugend- und Studentenbewegungen.
Heute erfreut sie sich als »Polyamorie« besonders unter Kosmopoliten
großer Beliebtheit. Wer sich eifersüchtig zeigt, gar auf emotionale
Exklusivität besteht, wird bestenfalls als hoffnungsloser Schwärmer,
meist aber als besitzergreifender Despot betrachtet. Eifersucht ist
eine der letzten verbliebenen Todsünden der Moderne.
Das Konzept »offene Beziehung« erscheint auf den ersten Blick ungeheuer
liberal und großzügig. Nein, besitzen oder gar brauchen sollte man
niemanden … Aber spiegelt sich darin nicht einfach die Furcht davor, Farbe
zu bekennen, sich verletzlich zu zeigen? Ist die Ehe das Ende der Leidenschaft,
Monogamie gleichbedeutend mit Langeweile? Dürfen Treue und
Ausschließlichkeit in einer Ehe eingefordert werden?
Birgit Schmid geht in diesem Buch aufs Ganze und hält ein flammendes
Plädoyer für die große und einmalige Liebe als Gegenentwurf zur emotionalen
Beliebigkeit. Und zu einer solchen Liebe, davon ist sie überzeugt,
gehört eben auch die vielgeschmähte Eifersucht, die hier eine Rehabilitierung
erfährt.

Freie Liebe ist für Feige — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Freie Liebe ist für Feige», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Heute hilft einem dabei auch die »Arbeit an der Liebe«. In der Psychologie wird Eifersucht meistens als etwas Defizitäres beschrieben. Sie entspringe einem mangelnden Selbstwertgefühl, beruhe auf traumatischen Erfahrungen in der Kindheit, wodurch ein Grundvertrauen fehle. Oder: Bei der Selbstbezogenheit heute komme es leicht zu narzisstischen Kränkungen; diesen entspringe unnötigerweise auch die Eifersucht: nämlich die Angst, nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen. So wird das Gefühl als Störung angesehen und als Krankheit behandelt, ohne zu unterscheiden zwischen starker Eifersucht und einem Ausmaß davon, das man als normal, sogar gesund bezeichnen könnte.

Diese negative Fokussierung ist eine logische Folge der Psychologisierung von Beziehungen und der Liebe, wie sie ab Mitte des letzten Jahrhunderts begann. Die Liebe ist jetzt keine unveränderbare Kraft mehr, sondern man »arbeitet« an ihr, optimiert die Befindlichkeit, versucht manche Gefühle von vornherein zu vermeiden. Damit ist auch die Eifersucht trivial geworden.

Niemand würde bestreiten: Eifersucht kann großes Leiden verursachen. Sie lässt einen erbärmlich fühlen, elend und wertlos. Der Eifersüchtige ist geplagt, zerquält von Misstrauen, seinen Verdächtigungen ausgeliefert. Genauso leidet der Verdächtigte, ob es sich nun um einen Verdacht handelt oder um ein begründetes Misstrauen. Ständig muss er sich rechtfertigen, Beschuldigungen abwehren und den andern vom Gegenteil überzeugen. Eifersucht kann Beziehungen zersetzen. Doch statt in ihr auch eine positive Kraft zu erkennen, wird das Gefühl an sich als unerwünscht bewertet. Psychologie und Medien fokussieren auf ihre destruktiven Kräfte. Unzählige populärpsychologische Bücher zum Thema versprechen Heilung. Sie tragen Titel wie »Verlustangst, und wie wir sie überwinden«, »Aus Eifersucht kann Liebe werden« oder »Eifersucht überwinden«. Die Eifersucht wird in der Ratgeberliteratur als eines der »letzten Tabus« beschrieben, dessen sich Betroffene schämen. Das dunkle Gefühl enthält in der pauschalen Betrachtung keine Schattierungen.

Oder man redet von »unangenehmen Gefühlen«, wie das die Psychoanalytikerin Verena Kast, eine Jungianerin, tut. Seit die Liebe Arbeit bedeutet, hat man sich ihren Herausforderungen zu stellen. Aus ungefähr diesen Worten setzt sich ein Buchtitel Kasts über Neid und Eifersucht zusammen. Dadurch »vermögen wir unsere vernachlässigten Potentiale zu entwickeln und unsere Grenzen wahrzunehmen«, wird das Buch beworben. Hat die Eifersucht einen Nutzen, dann also den, uns selbst zu verbessern – man könnte auch sagen: angepasster zu machen, leistungsfähiger. Das entspricht ganz den Forderungen der Optimierungsgesellschaft.

Gleichzeitig wird die Eifersucht versuchsweise von der Liebe entkoppelt. Eifersucht habe wenig mit Liebe zu tun, schreibt Kast in »Neid und Eifersucht«. Obwohl wir dort eifersüchtig würden, »wo wir überzeugt sind, geliebt zu haben, wo uns jemand oder etwas wichtig ist. Ob das allerdings Liebe ist, ist fraglich. Der sehr eifersüchtige Mensch ist selten ein Mensch, der liebt, sondern er ist meist ein Mensch, der vor allem geliebt werden muss, der von außen bestätigt haben muss, dass er liebenswert ist und dass er wichtig und bedeutsam ist.«

Die Psychologisierung, die alles verstehen und erklären will, befreit den Eifersüchtigen gleichsam von der Verantwortung für sein Fühlen. War die Eifersucht einst noch eine Todsünde, die hart bestraft werden musste, beschreibt sie in unserer »therapeutischen Kultur« (Eva Illouz) nun eine ganze Psychopathologie, aus der einem geholfen werden kann.

Doch auch wenn sich Moralvorstellungen aufgelöst haben und die Kirche nicht mehr mit Hölle droht: Eifersucht hat weiterhin nichts Heroisches. Und erntet nicht nur Mitleid, sondern wird auch mit Fanny Ardants Verachtung abgestraft. Eifersucht ist nicht bloß kein edler Charakterzug, sondern die Eigenschaft ist so auf fällig und dominant, dass sie einen Typus Mensch beschreibt. Wie moralisch verwerflich es ist, eifersüchtig zu sein, lernt man bereits als Kind aus Grimms Märchen. In ihnen sind nur böse Menschen eifersüchtig und neidisch, so wie die Königin bei Schneewittchen und den sieben Zwergen. Der Neid und Unmut der Königin, Schneewittchens Stiefmutter, wächst wie ein Unkraut in ihrem Herzen, weil Schneewittchen und nicht sie die Schönste im ganzen Land ist. Wer es vergessen oder verdrängt haben sollte: Aus Eifersucht will sie Schneewittchen vergiften, und als Strafe dafür muss sie in glühenden Eisenpantoffeln so lange tanzen, bis sie tot umfällt. Hier handelt es sich zwar um keine sexuelle Eifersucht – es sei denn, man liest das Märchen psychoanalytisch. Deutlicher kann man aber nicht sagen, was für niedrige Instinkte Eifersüchtige treiben. Und was sie deswegen verdienen.

Die Akzeptanz der Eifersucht hat auch mit dem veränderten Paarungsverhalten abgenommen. Je flüchtiger man einander begegnet, desto kleiner bleiben die Ansprüche. In Zeiten des wachsenden Partnerwahlmarktes im Internet wird die Liebe zu etwas schnell Konsumierbarem. Es macht uns zu Bulimikern der Liebe, die das Finden – eines, wie wir jetzt sagen: Partners – über die Suche nach der großen Liebe stellen. Hat man jemanden gefunden, und passt er nicht in allen Punkten, wird er aussortiert. Geht es mit dieser nicht, warten ja Tausende andere, mit denen es vielleicht besser matcht . In der heutigen Dating-Kultur wird nichts mehr dem Zufall überlassen.

Der erste Blick an der Tramhaltestelle wusste hingegen noch nichts von den Hindernissen, die ihm folgten: dem Glück, dem Schmerz, der Eifersucht; weil diesen Augen nicht anzusehen war, in wen man sich damals innerhalb einer Sekunde verliebte. Heute steht man vor den unendlichen Möglichkeiten und lässt sich doch nicht ein, vielleicht sind die Gefühle ja falsch investiert. Indem die sozialen Medien die Selbstbespiegelung fördern, bleibt man sich am nächsten und dem anderen fremd. Eine emotionale Korrektheit bewahrt einen zudem davor, sich zu verausgaben. Hingabe heißt Aufgabe der Unabhängigkeit, was keine emanzipierte Frau mehr hinnimmt, will sie nicht als hoffnungslos romantisch, wenn nicht naiv gelten. Gefühle bleiben beliebig, um so mehr, da der Gleichheitsgedanke zwischen Frauen und Männern es einem verbietet, mehr zu geben, als man erhält. Dieses berechnende Denken schadet dem Begehren und allem, was es nach sich zieht: Rausch, Verzweiflung, Eifersucht.

Gemeint ist hier also nicht die Liebe, dank der jedes Jahr am 14. Februar die Umsätze der Blumenläden steigen. Auch nicht die Liebe, mit der Unterwäschelabels werben. Nicht das auf ein lebensspendendes Organ verkitschte Gefühl, mit dem die Kandidaten in Dating-Shows die Lippen formen oder von dem die Sinnsprüche auf den Zuckertütchen handeln. Jene Liebe ist bloß ein Wort und an niemanden gerichtet. Sie fördert höchstens den »Konsum der Romantik«, wie das die israelische Soziologin Eva Illouz genannt hat, ist eine käufliche Liebe. Sondern, das Pathos ist gewollt: Es geht um die Liebe, die für einen Einzigen, eine Einzige alles riskiert. Und deshalb auf den Schutz der Eifersucht angewiesen ist.

Wäre es nur nicht so uncool, eifersüchtig zu sein! So steht Eifersucht noch in etwas dem Zeitgeist entgegen. Mit der Zahl der verfügbaren Partner wächst auch die sexuelle Vielfalt. Die Lustbefriedigung sucht sich jetzt viele Wege, das Spektrum der Erfahrungen will erweitert werden, und das mit möglichst vielen verschiedenen Partnern. Heute sind moderne Liebesformen wie die offene Beziehung angesagt. Diese kann sich auf die Sexualität beschränken: Man gesteht dem anderen weitere Sexualpartner außerhalb der Beziehung zu, ohne dass Gefühle involviert wären.

Bei der sogenannten Polyamorie hingegen handelt es sich um die gleichwertige Liebe zu mehreren Personen. Diese Mehrfachliebe wird seit ein paar Jahren in den Medien breit diskutiert und findet in jungen, urbanen Leuten von Berlin bis New York ihre Anhänger. Durch die propagierte Offenheit zu mehreren Liebespartnern wird der Eifersucht nun ihre Legitimation endgültig entzogen. Dabei ist der Traum der freien Liebe als Ausdruck einer progressiven Lebenseinstellung nicht einmal neu. Er wurde schon in der Romantik Ende des 18. Jahrhunderts gefeiert und während der Studentenbewegung der sechziger und siebziger Jahre ausprobiert.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Freie Liebe ist für Feige»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Freie Liebe ist für Feige» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Freie Liebe ist für Feige»

Обсуждение, отзывы о книге «Freie Liebe ist für Feige» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x