Birgit Schmid - Freie Liebe ist für Feige

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Spätestens seit der aufklärerischen Libertinage gilt die »freie Liebe«
als Ausdruck einer progressiven Lebenseinstellung. In der Romantik
wurde sie ebenso gefeiert wie in Jugend- und Studentenbewegungen.
Heute erfreut sie sich als »Polyamorie« besonders unter Kosmopoliten
großer Beliebtheit. Wer sich eifersüchtig zeigt, gar auf emotionale
Exklusivität besteht, wird bestenfalls als hoffnungsloser Schwärmer,
meist aber als besitzergreifender Despot betrachtet. Eifersucht ist
eine der letzten verbliebenen Todsünden der Moderne.
Das Konzept »offene Beziehung« erscheint auf den ersten Blick ungeheuer
liberal und großzügig. Nein, besitzen oder gar brauchen sollte man
niemanden … Aber spiegelt sich darin nicht einfach die Furcht davor, Farbe
zu bekennen, sich verletzlich zu zeigen? Ist die Ehe das Ende der Leidenschaft,
Monogamie gleichbedeutend mit Langeweile? Dürfen Treue und
Ausschließlichkeit in einer Ehe eingefordert werden?
Birgit Schmid geht in diesem Buch aufs Ganze und hält ein flammendes
Plädoyer für die große und einmalige Liebe als Gegenentwurf zur emotionalen
Beliebigkeit. Und zu einer solchen Liebe, davon ist sie überzeugt,
gehört eben auch die vielgeschmähte Eifersucht, die hier eine Rehabilitierung
erfährt.

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Diese Erkenntnis hat unzählige Beziehungsratgeber hervorgebracht und beschäftigt heute Kulturkritikerinnen und Paartherapeuten. Sie klingen immer gleich ernüchternd: Erfülle die Phase der Verliebtheit meistens noch alle Merkmale der romantischen Liebe, merke man spätestens nach ein paar Jahren, dass der Wunsch nach Aufregung, Leidenschaft und Begehren sich nicht mit der Dauer vertrage. Die Erwartung an die Liebe, ewig zu sein und ewig leidenschaftlich, bedeute gerade ihre vorzeitige Endlichkeit. Deshalb endeten die großen Liebesgeschichten meistens tragisch, wie Louis Aragon mit einem einzigen Vers klargemacht hat: »Il n’y a pas d’amour heureux«. In den meisten Leben aber führe fast jede Liebesgeschichte in die geregelte Beziehungsform der Ehe und finde ein vergleichsweise banales Ende. Derjenige, dem man das Träumen auf trage, könne also nur scheitern.

Und doch gibt es keinen Grund, die romantische Professorin zu schelten, die ihre Schüler zu größeren Erwartungen ermutigen will. Im Gegenteil, zu loben wäre sie für ihre Absicht, mehr Bedingungslosigkeit und Hingabe zu fordern und von der Literatur, der Kunst, dem Film fürs Leben abzuschauen. Damit schlägt sie nicht einmal etwas Neues vor. Schon im 19. Jahrhundert schulte der Liebes- und Eheroman Frauen und Mädchen aus der breiten Bevölkerung darin, wie Liebe, Treue und Ehe zusammengehen und was die explosive Kraft der Eifersucht anrichten kann. Sie erfuhren, wie sich eine Frau in eine außereheliche Affäre und damit ins Verderben stürzte. Auch eine Frau hat ein Anrecht auf ein eigenes Begehren, lernten sie daraus. Sie bekamen vor Augen geführt, wozu ein guter Mann fähig ist und was die Liebe mit ihm anrichtet.

Hielten die Leserinnen damals die Verschmelzung der Seelen in der Ehe für die Wirklichkeit, so wurden sie zwar desillusioniert, sobald sie selber heirateten. Doch das war immer noch früh genug. Wären sie hingegen gar nicht erst von der Literatur verführt worden, hätten sie nie erfahren, dass sich das Dasein nicht in Kochen und Stricken erschöpft und es eine andere Möglichkeit von Existenz gibt. Und darum geht es im Liebessehnen bis heute. Mittlerweile wird der Roman als Vorschule der Ehe noch um den Film ergänzt, und zudem müsste es jetzt Vorschule des Liebens heißen, da die eheliche Beziehung endgültig zum Synonym für Liebe geworden ist. Gleichzeitig ist die Ehe nur noch eine Option für andere Formen des Zusammenlebens als Paar und fast gleichwertig mit dem Konkubinat. Die Kunst vermittelt aber weiterhin ein Gefühlswissen, wie es die Lehrsätze aus der Psychologie nie vermochten. Diese ermahnen uns nur mehr, den andern nicht mit Liebe zu erdrücken, seine Grenzen zu respektieren, ihn frei zu lassen.

Die Allgegenwärtigkeit der Liebesvorbilder in Kultur und Literatur sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie es um die Liebesbegabung heute steht. Die oben zitierte Professorin vermisst diese bei ihren Studenten, wie ihre rhetorische Frage und die Antwort darauf deutlich machen. Was sie meint: Die Ehe anzustreben, ist nicht gleichbedeutend mit dem Mut, sich einzulassen, und zwar auch dann, wenn ein gemeinsames Leben aussichtslos scheint. Dieses Streben nach der Ehe als Ziel hat nichts mit der Bereitschaft zu tun, auf jemanden zu warten, ihn zu vermissen, eine Asymmetrie auszuhalten wie zum Beispiel im Falle ungleich starker Gefühle. Sich eine gleichwertige Beziehung zu wünschen, heißt noch nicht, dass man Gleichheit in jedem Bereich fordern muss, diesen Fetisch unserer Zeit. Die Liebe schert sich nicht um ein partnerschaftliches Verhältnis. Ungleichheit erst kann Leidenschaften wecken, und dazu zählen auch die quälenden. Zu ihnen gehört die Eifersucht. Werden die Ansprüche an die Liebe gleicher, muss man um die Einzigartigkeit der Liebe fürchten.

Abgehängt – störende Gefühle

Als Anfang Dezember 2017 darüber diskutiert wurde, ob im Metropolitan Museum in New York ein Gemälde des französischen Malers Balthus abgehängt werden sollte, fand in der Dependance des Met gleichzeitig eine Ausstellung zu Edvard Munch statt. Ich konnte nicht durch die Munch-Schau im Met Breuer gehen, ohne dass sich das Bild des Anstoßes drüben beim Central Park dazwischenschob. Balthus’ »Thérèse, träumend« von 1938, das ein Mädchen in lasziv-selbstvergessener Pose auf einem Stuhl sitzend zeigt, hatte zwei junge New Yorkerinnen zu einer Petition bewogen. Darin forderten sie, das Kunstwerk zu entfernen oder wenigstens erklärend einzuordnen, denn es verkläre die kindliche Sexualisierung. Es sei verletzend und anstößig – »verstörend«.

Wie viele Werke von Munch müssten auch mit dieser Warnung versehen werden? Dieser Gedanke beschäftigte mich beim Gang durch die Ausstellung »Between the Clock and the Bed«, bis ich schließlich vor Munchs Gemälde »Eifersucht« stand. Das 1907 vom norwegischen Künstler erschaffene Werk über die umstrittene besitzergreifende und oftmals tödliche Leidenschaft interessierte mich bei diesem Museumsbesuch besonders. Doch bereits auf dem Weg in den Saal, wo es hing, ließ sich erfahrbar machen, was in diesen Wochen die öffentliche Debatte bestimmte und die Kunstwelt beschäftigte. Wie viele von Munchs Werken hier an den Wänden wären auch als politisch unkorrekt, da aufwühlend oder frauenfeindlich, einzustufen?

Da war das sterbende Kind, dem dokumentierenden Pinsel des Künstlers ausgesetzt. Da starrte mich dieser vom Selbstbildnis an, übernächtigt und von einem inneren Aufruhr gequält. Dort räkelte sich eine barbusige Madonna. Der unendliche Schrei vor gleißendem Himmel. Und was genau hatte sich zwischen dem Maler und seinem Modell abgespielt, die vor einem ungemachten Bett im Hintergrund stehen? Sie leicht bekleidet, mit glühendem Gesicht und wirrem Haar. Er schon wieder angezogen.

Das Gemälde »Der Künstler und sein Modell« bildete einen #MeToo-Moment ab, bloß trug hier das Modell den Morgenmantel und der Mann mit dem verkniffenen Mund Frack und Fliege. Die Szene wies ins Heute, auf das, was nach dem Harvey-Weinstein-Skandal die Öffentlichkeit erregte. Nachdem ans Licht kam, wie der Hollywood-Produzent, zu dessen Insignien wiederum der Morgenmantel und die Besetzungscouch gehörten, seine Macht schamlos ausgenutzt hatte und Schauspielerinnen bedrängte und sogar vergewaltigt haben soll, begannen Frauen weltweit über erfahrene sexuelle Belästigungen zu reden. Doch dann begann #MeToo Kreise zu ziehen, die auch die Freiheit der Kunst bedrohen könnten. Das »aktuelle Klima um sexuelle Übergriffe«, auf das sich die »Thérèse«-Petition in Anspielung auf #MeToo bezog, brachte eine Zensur von unten hervor. In diesem tief moralisch gefärbten Klima geht es nicht mehr nur um Vorwürfe der sexuellen Belästigung oder des Sexismus an die Adresse prominenter Männer aus dem Kultur- und Kunstbereich. Sondern am Pranger stehen die Kunstwerke selbst, die für die Neigungen ihrer Schöpfer verantwortlich gemacht werden.

In der New Yorker Munch-Ausstellung hingen noch alle Bilder, und ich erfuhr, was Kunst vermag und was man bisher an ihr liebte: zu berühren, aufzuwühlen und eben auch zu verstören. Man sieht sich der Angst, dem Begehren und dem Zerfall gegenüber, tritt mit den je eigenen Fragen an ein Bild heran, erkennt die Zeitlosigkeit einer Empfindung. Vielleicht war zwischen dem Künstler und seinem Modell auch alles ganz anders in besagtem Gemälde von Munch, und das Bett mit den zerwühlten Laken, von dem die Decke zu Boden floss, beschrieb eine harmlose Szene. Aber das ist es ja: Man stellt sich beim Betrachten alles vor. Sieht darin zum Beispiel die Abhängigkeit einer jungen Frau von 1921, die vom Künstler zweifach in Besitz genommen wird: im Bett und auf der Leinwand, wo er sie – mit seinem männlichen Blick – noch einmal erschafft, um seinen künstlerischen Ruhm zu mehren. Falls ich mir beim Museumsbesuch also ein paar Gedanken mehr als üblich machte, so hätte die Sexismus-Debatte einen Zweck erfüllt.

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