Mit dem Eintritt der Grünen in die saarländische Landesregierung zogen für die Saarjäger düstere Wolken am jagdlichen Himmel auf, zumal Klaus Borger, als so genannter „Öko-Jäger“ den rund 3.500 VJS-Jägern nicht gerade wohl gesonnen, als Staatssekretär ins Grünen geführte Umweltministerium berufen wurde und dort auch für Forst und Jagd zuständig war.
Wer vielleicht noch glaubte, CDU und F.D.P seien immer Jäger und Jagd freundlich und würden die Grünen sozusagen „in Schach halten“, sah sich schnell bitter enttäuscht. Beide hielten sich in Deckung. Wen wundert das, wenn man, um an der Macht zu bleiben, den kleinen, dreiköpfigen Koalitionspartner braucht? Da wackelte nicht mehr der Hund mit dem Schwanz, sondern der Schwanz mit dem Hund, wie der Koalitionsvertrag zeigte. Was die Jagd betraf ein Desaster! Dazu später mehr!
Da nutzten auch die Rechtfertigungsversuche des F.D.P-Wirtschaftsministers Christoph Hartmann auf der Kreisjägermeister- und Hegeringsleitertagung 2010 und des CDU-Landtagsabgeordneten Hans-Gerhard Jene, beide selbst Jäger(!), auf dem Landesjägertag 2010 nichts. Die VJS-Jäger fühlten sich von den beiden Parteien verraten. Stattdessen entnahmen sie der Haus- und Hofberichterstattung der „Saarbrücker Zeitung“, wie die jagenden Koalitionäre sich „gar lustig der Jägerei“ hingaben (Saarbrücker Zeitung vom 14.12.2010). Interessant!
Die von den Grünen angestrebte Novellierung des saarländischen Jagdgesetzes war durch und durch ideologisch gefärbt. Wäre es wirksam geworden, es hätte den Namen „Antijagdgesetz“ verdient.
Darin hagelte es nur so von Verboten, z.B. Fuchsbejagung und „Geboten“ bei der „Rehwild-Schädlingsbekämpfung“. Nicht nur darin schien sich die Einschätzung des Journalisten und Schriftstellers Wiglaf Droste am 20.10.2010 in der „junge Welt“ zu bestätigen: „Richtig glücklich ist ein Grüner erst, wenn er anderen etwas verbieten kann.“
Der „gute“ Fuchs – das Hätscheltier der Grünen und das „böse“ Reh, das den ganzen Wald auffrisst und daher bejagt werden muss, als wolle man es ausrotten…
Da war z.B. das Verbot vom Staatssekretär, mit bleihaltiger Munition auf Flächen des Saarforst-Landesbetriebes zu jagen. Schriftlich mussten sich Pächter, Pirschbezirksinhaber und alle zeitweiligen Gastjäger erklären, dass sie ab dem 1. Januar 2012 nur noch Blei freie Munition verwenden würden. Wer das nicht tat – es nutzten auch keine gegenteiligen Argumente – dem wurde gekündigt.
Kleine Anmerkung dazu: Bei einer Blutuntersuchung bat ich meinen Arzt, mein Blut auch auf Bleirückstände zu untersuchen, da ich damals seit 59 Jahren regelmäßig und oft Wildbret genieße, ja bereits mit der Muttermilch aufgesogen habe. Das Ergebnis: 4,6μg/ l! Für erwachsene Männer gelten in Deutschland als Obergrenze 90μg/ l, für Frauen 70μg/ l. Mein Arzt und ich lachten, obwohl uns ob des Tobens der grünen Männchen und Frauchen nicht zumute war.
Aber wenn‘s halt der Wahrheitsfindung dient, hatten und haben die Saarforst-Jäger selbstverständlich immer Blei freie Munition bei sich!
Beim 1. Saarforst-Jägertag des Herrn Borger im November 2011 ging es hauptsächlich um das Lieblingsthema der Grünen: Es gäbe zu viele Rehe, und die verbeißen den ganzen Wald. Also weg mit diesen Schädlingen. Ein Forstdirektor und Anhänger Borgers verstieg sich sogar in der Forderung: „Wir müssen die Rehe so bejagen, als ob wir sie ausrotten wollen.“ Viele Jäger waren geschockt, so etwas aus dem Munde eines Beamten zu hören.
Selbiger Forstgrüne geriet wohl in Panik, als ihm bei einer Revierfahrt drei Rehe über den Weg wechselten. Da musste, aber zacko, eine „Waldschutzjagd“ – wie mehrfach anderenorts auch – durchgeführt werden. Da nutzten auch die Argumente der dortigen Jäger nichts, die ihren Abschuss (1 Stück Rehwild pro 10 Hektar) stets erfüllt haben und das in einem Stadtrandrevier, in dem sich mehr Zweibeiner mit allen nur denkbaren Aktivitäten und noch mehr Hunde tummeln, mit und noch mehr ohne Leine. Die dortigen Jäger sitzen sich buchstäblich den „Spiegel“ wund, bis sie ein Reh in Anblick bekommen, geschweige denn erlegen können.
Auch ihre Frage, wo denn nun der große Verbiss sei, wurde von dem Forstgrünen abgetan. Basta! Dass sogar auf Flächen, wo das meiste Rehwild erlegt worden war, die Eichenverjüngung ohne weiteren Schutz hoch kommt!
Auf Kosten der Steuerzahler Drückjagdsitze aufgestellt und das Umfeld frei geschlagen – alles für die Katz’! So viel kann ein Reh gar nicht verbeißen!
Stattdessen wurden über 20 Drückjagdsitze in einem Revierteil aufgestellt. Was die und die Arbeit den Steuerzahler wohl gekostet haben mögen? Aber bitte: Das waren doch wohl nur „Peanuts“! Das Saarland hat es ja dicke!
Die „Waldschutzjagd“ wurde an einem Samstagmorgen im Dezember 2011 anberaumt. Dazu wurde der gesamte Revierteil von ca. 250 Hektar für den Publikumsverkehr gesperrt. Sehr zur „Freude“ der „Bürger im Bürgerwald“, die auf Schildern bei Androhung mit einer Geldbuße in Höhe von 5000 Euro gewarnt wurden. Selbst der Versuch wäre geahndet worden.
Zwei der dort seit Jahrzehnten jagenden Waidmänner boykottierten das Spektakel. Mehr war es nämlich nicht! Angeblich wollen die Drückjagdsitzer und ihre Drücker 20 Rehe gesehen haben. Fünf Schüsse fielen, erlegt wurde keiner der „Waldschädlinge“. Das schlechte Wetter sei daran schuld gewesen, hieß es. Und dafür der ganze Aufwand an Personal, Zeit und Material – auf Kosten des Steuerzahlers! Aber wie oben gesagt: „Peanuts“! Im bettelarmen Saarland konnte man sich das leisten. Man gönnte sich ja sonst nichts!
Vorsicht! Waldschutzjagd! Lebensgefahr! Vor wem oder was soll den hier der Wald geschützt werden?
Jetzt war Schluss! Jetzt war das Ende der Fahnenstange erreicht! Um Wald und Wild und um ihr Land Verantwortungsbewusste schrieben an die Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und an die damalige Oppositionspolitikern Anke Rehlinger (SPD) und forderten sie auf, diesem Treiben des Herrn Borger und seiner Lakaien ein Ende zu setzen. Darüber hinaus wurde der Landesrechnungshof von dieser Verschwendung von Steuergeldern informiert.
Annegret Kramp-Karrenbauer hat im August 2011 Peter Müller im Amt beerbt. Dieser schien wohl gemerkt zu haben, was er sich da an Koalitionären eingebrockt hatte und wohl schon längst nicht mehr das Heft in der Hand hatte. Sichtlich gelangweilt spielte er sogar während einer Landtagssitzung auf seinem Laptop Schach. Da wird ihm das Lob an das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gerade recht gekommen sein …
Der stellvertretende Landesjägermeister, Josef Schneider, dankte der Ministerpräsidentin, Annegret Kramp-Karrenbauer, für ihren mutigen Schritt am 6. Januar 2012, auch zum Wohle für Wald, Wild und Jäger.
Es waren wohl nicht (allein) die Jäger, sondern der Koalitionär F.D.P, der sich selbst zerfleischte und damit für die Ministerpräsidentin kein zuverlässiger Partner in der Regierung mehr war. Am 6. Januar 2012 verkündete sie das Ende der Jamaika-Koalition, ein mutiger Schritt dieser Frau. Nicht nur bei den Jägern knallten die Sektkorken! 788 Tage Kampf für Wald undWild waren vorläufig zu Ende. Selbst der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Hubert Ulrich, musste gegen über den Medien einräumen, dass sie während dieser Zeit alle ihre Vorhaben umsetzen konnten, nur nicht ihr Jagdgesetz. Ein Horrido!
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