Welche Rolle spielen die Gedanken und Gefühle sowie der Grad unseres Bewusstseins bei diesem Erblühen? Können wir trotz widrigster Lebensumstände die innere Flamme der Zuversicht und Freude lebendig halten und die zeitlosen Elemente unseres spirituellen Wesenskerns durch uns hindurchscheinen lassen? Ist das Chaos in der Welt und die Verunreinigung des Planeten vielleicht sogar ein Spiegelbild der Unordnung unserer Innenwelt? Könnte die Etablierung von Ruhe und Klarheit im Geist nicht nur unseren Umgang mit schwierigen Lebenssituationen deutlich verbessern, sondern auch eine direkte Veränderung der Welt zur Folge haben? Menschliche Leuchttürme wie Nelson Mandela und Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Rosa Parks weisen uns den Weg in eine äußere Freiheit, die in deren Innenwelt ihren Anfang nahm.
Wenn Sie dieses Buch in Händen halten, sind Sie vermutlich interessiert an der Befreiung und Weiterentwicklung Ihres Geistes. Vielleicht teilen Sie mit mir die Faszination für das Mysterium des Bewusstseins, das unsere menschliche Existenz belebt, und wollen erfahren, wie Sie dieses für Ihr Leben nutzen können. Begleiten Sie mich auf eine spannende Reise in die komplexe Welt des Körper-Geist-Systems und erfahren Sie, wie Ihr Geist auch auf den physischen Körper Einfluss nehmen kann. Finden Sie heraus, wer Sie sind, wenn Sie hinter den Vorhang der eigenen Biografie blicken und in die tieferen Seinszustände des reinen Bewusstseins eintauchen. Der Geist birgt ein unermessliches Potenzial für Entwicklung und Heilung in sich, sowohl auf seelischer wie auch auf körperlicher Ebene. Gedanken und Gefühle bilden nicht nur die Grundlage für unsere Entscheidungen und die Wahrnehmung der Realität, sondern formen auch die Architektur unseres Gehirns und spinnen ihre einflussreichen Fäden bis in die Funktionsweise unseres Immunsystems. Sie interagieren dabei mit sämtlichen Prozessen des Organismus, einschließlich der Atmung, der Verdauung und des pulsierenden Schlags unseres Herzens.
Sie werden erfahren, wie Sie durch Meditation die heilsame Ebene des mitfühlenden Herzens aktivieren können und einen Zugang zur Quelle Ihrer Intuition erhalten, um diese innere Stimme für Ihre Lebensentscheidungen zu nutzen. Die theoretischen Inhalte und praktischen Übungen sollen Sie auf Ihrem ganz individuellen Lebensweg unterstützen, Ruhe im Geist und Fülle im Herzen zu erleben. Sie helfen dabei, die opponierenden Elemente von Herz und Verstand auf eine Linie zu bringen und im Gleichklang für sich sprechen zu lassen, damit Sie Ihr einzigartiges Potenzial entfalten und in Ihrem Leben verwirklichen, was Sie sich von Herzen wünschen. Wenn dieses Buch nur einen einzigen Leser bei diesem Vorhaben unterstützt, dann hat es seinen erwünschten Zweck erfüllt.
Ich wünsche Ihnen viel Inspiration und Freude beim Lesen und Praktizieren!
Wolf-Dieter Nagl
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Heute weiß ich, dass jede Krise ihren Sinn hat. Schwierige Zeiten erfüllen einen ganz bestimmten Zweck, der sich uns meist erst im Nachhinein erschließt und oft Jahre später ersichtlich wird. So hat eine Krisenzeit in meinem eigenen Leben dazu geführt, dass das vorliegende Buch entstanden ist, denn sie zwang mich in eine lange Beschäftigung mit Themen und Techniken, die mir halfen, aus Negativspiralen auszusteigen und den Geist zu befreien. Sie ließ mich erkennen, dass unsere Innenwelt maßgeblich dazu beiträgt, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen, aber auch, wie wir sie gestalten.
Es gibt Vorkommnisse und Lebensumstände, die uns einladen, das Leben als trübsinnig oder gar sinnlos zu betrachten. Solche Einladungen schauen in jedem individuellen Leben jeweils anders aus, tragen verschiedene Namen und nehmen unterschiedlichste Formen an. Ob wir sie annehmen und uns in Negativität verlieren oder an ihnen wachsen, liegt dabei in unserer Verantwortung.
Meine persönliche Einladung erhielt ich, als ich im Alter von 18 Jahren den ersten Schritt über die Schwelle der medizinischen Universität setzte, und ich bin ihr unwissentlich gefolgt. Ich möchte Sie an meiner Geschichte teilhaben lassen, da sie veranschaulicht, wie inneres und äußeres Erleben sich gegenseitig beeinflussen, welche Auswirkung unser Denken und Fühlen auf unsere Lebensrealität hat und welche Schlüsse ich aus meiner eigenen Krisenzeit ziehen konnte.
Der Weg in die negative Denkspirale
Mit den überwiegend sonnigen Erfahrungen einer unbeschwerten Schulzeit ausgestattet und von der romantischen Vorstellung des heilbringenden Arztberufes beseelt, betrat ich in jungen Jahren eine klinische Welt, die den Menschen lediglich als chemisches Gemisch aus Atomen und physiologischen Regelkreisen sowie eine auf äußere Reize reagierende Biomaschine definierte. Bestimmt mag diese Wahrnehmung sehr subjektiv gewesen sein und bei Weitem nicht alle meine Studienkommilitonen haben die medizinische Lehre in gleicher Weise negativ empfunden. Doch mit voranschreitenden Semestern erlebte ich damals, wie das Gesamtkunstwerk „Mensch“, das sich aus Körper, Geist und Seele zusammensetzt, in alle möglichen, potenziell pathologischen Einzelteile seziert wurde und dadurch seinen ihm innewohnenden Schöpfungsglanz verlor. Der schmucklose Blick durch die reduktionistische Brille der Naturwissenschaften, der den Menschen nicht mehr in seiner Ganzheit betrachtet, sondern in isolierte Einzelteile aufspaltet, verpixelte die belebenden und einzigartigen Qualitäten des Geistes. In den anatomischen Schnittpräparaten der Gehirne, mit denen ich es in den Seziersälen zu tun hatte, ließen sich keine Lebensvisionen finden, in den Hauptkammern des Herzens keine Spuren von Liebe und Mitgefühl, und die histologischen Bilder der Zellkerne offenbarten keine Bibliothek an einst gemachten Lebenserfahrungen. Selbstverständlich schien auch niemand dort nach ihnen zu suchen.
Zwar hatte ich von Beginn des Studiums an den Glauben, dass die Art und Weise, wie wir denken und fühlen, einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen könne, doch geriet dieses Weltbild in den biomechanischen Hallen der apparativen Medizin zunehmend ins Wanken. Die Existenz einer geistigen menschlichen Ebene, die das Potenzial für Gesundheit und Heilung in sich trug, verschwand gänzlich unter dem Gewicht tausende Seiten umfassender Bücher, die vorwiegend Krankheiten und deren medikamentöse Behandlung zum Inhalt hatten. Dadurch dass der Fokus permanent auf Pathologien gerichtet war, bekam ich das Gefühl, dass Krankheiten eher die Norm waren und Gesundheit bloß die vorübergehende Abweichung von dieser Norm darstellte. Das scheinbar unbeeinflussbare Würfelspiel der Gene hinterließ ein Gefühl der Machtlosigkeit in mir. Eine negative Denkspirale setzte sich in Gang, die schließlich auf mich selbst übergriff. Wochen und Monate lang quälte ich mich mit Sorgen um meine eigene Gesundheit herum und drehte mich in der Angst vor sämtlichen Krankheiten immer weiter in dieser Abwärtsspirale hinunter. Ich schlitterte in eine depressive Mischkulanz aus Überforderung und Perspektivlosigkeit und musste mir nach langem und zähem Ringen eingestehen, dass mein Weg hier nicht weiterführen würde. Schlussendlich sah ich mich gezwungen, mein Studium auf halbem Weg zu beenden. Ich verließ die Universität nach dreieinhalb Jahren.
Mein Traum war geplatzt und meine seit der Kindheit gehegte Vision, Arzt zu werden, gescheitert. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte und was mit meinem Leben nun anzufangen sei. Ich gab mir ein halbes Jahr Bedenkzeit, um Klarheit ob meines weiteren Lebensweges zu gewinnen, und erinnere mich, in dieser Zeit von früh bis spät ausschließlich gegrübelt und über den Sinn des Lebens nachgedacht zu haben. Heute weiß ich, dass unablässiges Denken und Analysieren ein Garantierezept für Depression und Verwirrung ist, doch musste ich diese Suppe damals selbst zu Ende löffeln. Es waren dies wohl die dunkelsten, wenn auch lehrreichsten Zeiten meines Lebens.
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