Gerade wollte ich meine Verpflegung aus dem Rucksack holen, als Jesus plötzlich eine Pause einlegte und seine Jünger losschickte, in der Menge nach Proviant zu fragen. Jesus wünschte sich wohl, dass wir später alle zusammen essen könnten. Erfolgreich waren sie damit aber nicht. Soweit ich das mitbekam, gab ihnen kein Einziger etwas. Na ja, wovon auch?
Ich bekam mit, wie sie auch meinen dicken Nachbarn Schlomo nach Proviant fragten, der zehn Meter neben mir saß. Der Kerl log einfach, er hätte nichts dabei, obwohl ich heute Morgen genau gesehen hatte, wie ihm seine Mama noch ein dickes Lunchpaket nachgetragen hatte. Jetzt tat der tatsächlich so, als hätte er nichts zu essen. Betrüger! Na ja, obwohl … ehrlich gesagt, habe ich genauso geantwortet, als die Jünger bei mir vorbeikamen. Aber das ist ja auch nachvollziehbar, oder? Was kann ich denn dafür, dass die anderen nicht dran denken, sich was mitzunehmen? Das Blöde war jetzt, dass mein Magen knurrte, aber ich unmöglich meinen Proviant rausholen konnte, weil ich ihn dann hätte teilen müssen. Schon eine doofe Situation.
Irgendwann haben sie dann doch einen Blöden gefunden. Einen kleinen Jungen mit fünf Broten und zwei Sardinen. Obwohl, so blöd war der gar nicht … er durfte sogar nach vorne zum Rabbi kommen, eine große Ehre. Und dann hat Jesus für sein Essen gedankt. Unglaublich: Obwohl es nur so wenig war, fingen die Jünger an, es zu verteilen. Und tatsächlich: Wie durch ein Wunder waren da auf einmal Körbe voller Brot und Fisch, mehr als genug für alle.
Schlomo hat sich natürlich sofort was abgegriffen, der Vielfraß. Da musste ich dann aber auch zugreifen, und irgendwie war das ein sehr schöner, ergreifender Moment. Ich hab das Essen dann echt genossen, obwohl ich irgendwie das Gefühl hatte, etwas verpasst zu haben.
Als ich später wieder alleine auf dem Nachhauseweg war und meinen Proviant rausholte, den ich die ganze Zeit versteckt gehalten hatte, war das Brot schon ein bisschen hart geworden, die Tomate ganz weich, und das Hähnchen roch nicht mehr ganz so frisch. Schade!
KOMMENTAR
Hast du dich auch schon mal gefragt, ob da nicht ein paar mehr Mamas und Ehefrauen gewesen sein müssen, die ihren Familien ein Pausenbrot eingepackt hatten? Und warum hat sich wohl nur ein Junge getraut, seines rauszuholen?
Jesus hat seine Jünger anschließend gleich mehrmals gefragt, ob sie dieses Wunder der zauberhaften Brot- und Fischvermehrung verstanden hätten. Die Bedeutung war ihm wichtig. Denn es geht darum, dass Gott nicht geizig ist, sondern uns das gibt, was wir brauchen – und noch viel mehr.
Ganz sicher bin ich mir da aber auch nicht immer. Vielleicht wäre deshalb in meiner Tasche auch Brot hart geworden und Hähnchen verfault.
Zum Nachdenken
Woran liegt es, dass es uns schwerfällt, anderen etwas abzugeben? Ist es vielleicht, weil dein Gott geizig ist, weil er dich ständig zu kurz kommen lässt? Und welche Brote und Fische hast du heute so richtig genossen?
3. Mose, Jesus und der Einbrecher
Ein Einbrecher stieg eines Nachts in ein Haus ein. Gerade leuchtete er auf der Suche nach Wertsachen mit seiner Taschenlampe herum, als eine Stimme in der Dunkelheit sagte: „Jesus weiß, dass du hier bist.”
Erschrocken klickte er seine Taschenlampe aus und wartete einige Momente ängstlich, ob man ihn entdeckt hatte. Als er nichts mehr hörte, schüttelte er den Kopf und fuhr mit seiner Suche fort. Gerade, als er die Kabel aus der Stereoanlage zog, hörte er die Stimme erneut: „Jesus weiß, dass du hier bist.” Diesmal ließ er die Taschenlampe an und leuchtete im Raum umher, um die Quelle der Stimme zu finden. Da entdeckte er in einer Ecke einen Papageien.
„Hast du das gesagt?“, zischte er ihn an.
„Ja”, gestand der Vogel, dann fuhr er fort: „Ich versuche nur, dich zu warnen, dass er dich beobachtet.“
Der Einbrecher entspannte sich. „Tsss … ja und? So´n frommen Quark glaube ich nicht! Wer in aller Welt bist du eigentlich? ”
„Moses”, antwortete der Vogel.
„Moses?” Der Einbrecher lachte. „Welcher Spinner nennt seinen Vogel Moses?”
„Derselbe Spinner, der seinen Rottweiler Jesus nennt.”
KOMMENTAR
Ich bin mit dem Bild von Jesus als einem Rottweiler aufgewachsen. Ich komme aus einer Generation, der bei einem Date das Lied „Pass auf, kleine Hand, was du tust …“ durch den Kopf gegangen ist, „ … denn der Vater in dem Himmel schaut herab auf dich!“ Ich habe lange an einen Jesus geglaubt, der mich in erster Linie vor Fehlern – und einer Menge Spaß – bewahren wollte.
Mal ehrlich: Ist Gott in Wahrheit nicht einfach nur langweilig?
Im 2. Buch Mose, Kapitel 24, ruft Gott Mose zu sich auf den Berg. Den hebräischen Ur-Text an dieser Stelle könnte man so übersetzen: „Komm hoch auf den Berg und sei wirklich hier!“ Rabbis haben wegen dieser Stelle ellenlange Diskussionen darüber geführt, was es heißt, völlig im Moment zu leben! So ganz hier und jetzt anwesend zu sein! Wichtig ist hier aber vielmehr: Gott will Mose ganz nahe sein!
Die Stelle gibt einen Einblick in das Wesen Gottes: Gott ist auf deiner Seite, lädt dich ein, mit ihm zu leben! Er liebt dich und will dich nicht einengen!
Wie wäre es, wenn du das folgende Gottesbild einfach mal eine Woche lang ausprobierst:
Wenn du davon ausgehst, dass du von ihm persönlich eingeladen bist!
Wenn du davon ausgehst, dass alles, was dir passiert, dazu führt, dass dein Leben gelingt! Weil Gott sich das für dich wünscht!
Dass Gott in deinen dunklen Stunden neben dir sitzt!
Dass Gott dich voranbringen will – mehr Gerechtigkeit, mehr Frieden, noch besseres Leben!
Wenn du davon ausgehst, dass er dich so richtig gern hat!
Zum Nachdenken
Was denkst du? Ist Gott nett? Hast du schon mal so ein „Pass auf, kleine Hand, was du tust! Denn der Rottweiler Jesus sieht alles“-Erlebnis gehabt? War das hilfreich?
(nach einer Erzählung von Peter Rollins)
Die beiden Jünger waren durch die Kreuzigung ihres Rabbis so traumatisiert, dass sie noch am Samstagmorgen ihre Heimatstadt Jerusalem verließen und losliefen; so weit wie möglich weg, einfach nur fort aus Israel. Irgendwann beendeten sie ihre Flucht und fanden im hintersten Winkel eines ihnen unbekannten Landes einen einsamen Ort, wo sie sich niederließen. Nach und nach wurden sie heimisch, und eine Kommune entstand, in der die Menschen stets versuchten, die Lehren des Rabbi Jesus umzusetzen.
Die Jahre gingen ins Land, und noch immer waren die Nachkommen der beiden Jünger eifrig am Werk, die Lehren ihres Meisters zu befolgen. Sie wurden von den anderen Menschen belächelt, aber auch für ihre guten Taten respektiert. Nur von der Hoffnung der Auferstehung Jesu hatten sie auch 200 Jahre später noch nichts gehört.
Bis eines Tages Missionare in die Gegend kamen. Diese erzählten ihnen, dass nur einen Tag nach der Flucht ihrer Gründer das Grab in Jerusalem leer war, Jesus von etlichen der anderen Jünger gesehen worden und der Messias tatsächlich von den Toten auferstanden sei. Natürlich war die Freude groß, und noch am gleichen Abend wurde ein rauschendes Freudenfest gefeiert.
Irgendwann am späten Abend, als immer noch fröhlich getanzt und getrunken wurde, bemerkte einer der Missionare, dass der Leiter der Gruppe, ein weiser alter Mann, das Fest verlassen hatte. Als er auch nach längerer Zeit nicht zurückgekommen war, ging man ihn suchen und fand ihn schließlich allein in der kleinen Kapelle.
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