Käse
Speck und Wurstwaren
Fotonachweis
Gnocchigerichte gehören zu den Gerichten, die sich auf den meisten Speisekarten italienischer Restaurants finden. Aber auch in deutschen Küchen – zumindest im süddeutschen Raum – haben Gnocchi mittlerweile ihren Einzug gehalten. Selbst bei Discountern wie Aldi finden sich zumeist ein oder zwei Hersteller, die Gnocchi als Fertigprodukte anbieten.
Diese zunehmende Verbreitung hängt zweifelsohne mit dem Erfolg der italienischen Küche im deutschsprachigen Raum zusammen. Mit dazu beigetragen hat sicherlich auch die Tatsache, dass es sich bei den angebotenen Fertigprodukten um Produkte aus Kartoffeln handelt, die im Speiseplan vieler deutscher Haushalte ohnehin einen großen Raum einnehmen. Hinzu kommt, dass Gnocchigerichte, wenn sie gut zubereitet sind, hervorragend schmecken und den Vergleich mit einem Pastagericht oder einer anderen Vorspeise nicht zu scheuen brauchen. Zudem lassen sich bei entsprechender Übung Gnocchi leicht und sogar auf Vorrat zubereiten. Auch greifen viele der hier abgedruckten Gerichte Ihren Geldbeutel nur mäßig an: Die meisten Zutaten lassen sich kostengünstig erwerben oder teilweise sogar selbst züchten.
Das vorliegende Buch wendet sich daher an alle, die die italienische Küche lieben, die ihr persönliches Kochrepertoire bereichern, gerne etwas Neues ausprobieren und gleichzeitig kostengünstig kochen möchten. Dabei brauchen Sie wegen der Zutaten nicht nach Italien reisen, denn ein Kriterium für die Auswahl der Rezepte war ihre Verfügbarkeit. Wichtig für die Auswahl der Rezepte waren uns natürlich auch ihr Geschmack und die Stimmigkeit der Mengenangaben. Alle Rezepte dieses Buches wurden im Übrigen mehrfach probegekocht und ausführlich beschrieben. Sie lassen sich daher problemlos nachkochen, auch wenn Sie selbst nicht allzu viel Kocherfahrung besitzen.
Zum Nachkochen möchten Sie auch die Fotos anregen, die Sie bei den Rezepten finden. Sie sollen die Rezepte illustrieren und zeigen, wie das von Ihnen gekochte Gericht aussehen könnte. Dazu wünschen wir Ihnen viel Erfolg und guten Appetit!
Aussprache
Zunächst ein Wort zur Aussprache. Gnocchi beginnt im Italienischen mit einem gn, das wie in signorina /nj/ ausgesprochen wird, also / njokki / und nicht / gnokki /. Gnocchi ist im Italienischen eine Pluralform. Die Einzahl dazu heißt „ gnocco “, gesprochen / njokko /. Das h in der Pluralform ist ein orthographisches Zeichen dafür, dass das c oder cc vor i oder e als / k / ausgesprochen wird. Richtig ausgesprochen heißt das Wort also / njokki /. Das im deutschen Sprachgebrauch angehängte Mehrzahl –s entstammt der deutschen Pluralbildung bei Wörtern, die auf einen Vokal enden (dies gilt im Übrigen auch für Zucchini ; Zucchinis lautet nur die „eingedeutschte“ Pluralform).
Was sind eigentlich Gnocchi ?
Wenn Sie in einem deutschen Lebensmittelgeschäft nach Gnocchi suchen, finden Sie meist nur abgepackte Kartoffelbällchen, die zwar mit Recht den Namen Gnocchi tragen, aber nur eine, wenn auch wesentliche Unterart der Gnocchi darstellen. Es gibt nämlich noch andere Varianten der Gnocchi - Familie, zum Beispiel Gnocchi, bei denen Kastanienmehl das Weizenmehl ersetzt. Daneben gibt es Gnocchi, die nur mit Hartweizengries oder mit Mais- oder Reismehl hergestellt werden (sogenannte gnocchi di semolino ), aber auch Gnocchi, bei deren Herstellung altes Brot, Semmelbrösel oder Ricotta eine Rolle spielen. Dazu gehören die Ravioli nudi („nackte Ravioli“), die ihren Namen der Tatsache verdanken, dass sie nur aus einer Füllung bestehen, also nackt, d. h. ohne Teighülle sind. Ihre Zubereitung ähnelt der der Malfatti (den „schlecht gemachten“), die gewöhnlich ebenfalls mit Ricotta, Mehl und Spinat hergestellt werden. Die Canederli wiederum entsprechen in der Herstellung unseren Klößen oder Knödeln und sind mit Sicherheit ein Erbe Österreichs, das ja seit dem Frieden von Utrecht (1713) vorherrschende Macht in Italien war.
Mit Ausnahme der Gnocchi alla romana ist allen gemeinsam, dass es sich um einen Teig handelt, der in kleinen, meist runden oder ovalen Portionen zum Garen in kochendes Wasser oder in eine Brühe gegeben und nach einigen Minuten mit einem Schaumlöffel wieder herausgeholt wird. Insofern sind auch die schwäbischen Spätzle, deren Namen möglicherweise auf das italienische „ spezzare “ - „zerbrechen, umknicken“ zurückgeht, eine entfernte Verwandte dieser Spezialität.
Herkunft
Die regionalen Besonderheiten und die große regionale Verbreitung deuten darauf hin, dass es sich bei Gnocchi um ein Gericht handelt, das sehr alt ist und wahrscheinlich eine Art Volksgericht war. Die Grundzutaten – Wasser, Milch, Mehl oder Brot bei den älteren Gnocchiformen – waren ja vorhanden und für die meisten Leute auch erschwinglich. Unter verschiedenen Namen sind Gnocchi daher bereits für das 14. Jahrhundert belegt. In der heutigen Form allerdings – als gnocchi di patate – finden sie sich erst im 19. Jahrhundert, als die Kartoffel wahrscheinlich unter österreichischem Einfluss ihren Siegeszug als Volksnahrungsmittel auch in Italien antrat. Auch wenn es andere etymologische Ableitungen gibt – so von dem langobardischen „knohha“ = Nuss , Knoten oder dem lateinischen „nucleus“ = Kern – ist doch eine Verbindung zu den österreichischen Nockerln oder Nocken auch sprachlich äußerst wahrscheinlich. Heute jedenfalls haben die gnocchi di patate den anderen Gnocchiformen auch in Italien den Rang abgelaufen. Ihnen gilt denn auch das Hauptaugenmerk dieses Buches, doch wollen wir mit Ausnahme der Canederli , die zu sehr unseren Klößen ähneln, auch andere Gnocchivarianten vorstellen. Nicht berücksichtigt haben wir auch die Gnocchi sardi, da es sich bei ihnen nur um eine bloße Pastaform handelt.
Nährwert der Gnocchi
Kartoffelgnocchi sind nicht besonders kalorienreich. Ihr Nährwert liegt bei 160 Kalorien pro 100 g (circa 28 g Kohlehydrate, 4,5 g Fett und knapp 4 g Eiweiß). Etwas höher liegt der Kalorienanteil bei den aus Hartweizengrieß hergestellten Gnocchi (knapp 200 Kalorien pro 100 g). Er liegt damit weit unter dem Nährwert von Nudeln. Hier beläuft sich der durchschnittliche Nährwert auf rund 350 Kalorien pro 100 g.
Viel hängt allerdings von der Sauce ab, mit der Sie die Gnocchi servieren. Mit bestimmten Saucen können auch Gnocchi zu Kalorienmonstern werden. Ohne Saucen ist der Brennwert gering, der Geschmack allerdings auch nicht gerade aufregend.
Kochtipps
Wichtig bei der Teigherstellung ist, dass das Verhältnis von Mehl und Kartoffeln stimmt. Ist dies nicht der Fall, werden die Gnocchi entweder zu hart oder fallen auseinander. Leider lässt sich dabei das Mengenverhältnis von Mehl und Kartoffeln nicht genau bestimmen, da es wesentlich von der Kartoffelsorte abhängt. Verwenden Sie nur mehlig kochende Sorten und auf keinen Fall neue oder festkochende Kartoffeln, da diese für die Zubereitung von Gnocchi ungeeignet sind.
Statt die Kartoffeln zu kochen, können Sie sie auch ungeschält, aber gewaschen in den Backofen auf ein Backpapier geben und bei circa 200°C etwa 40 Minuten backen. Das Backen entzieht den Kartoffeln Feuchtigkeit. Sie werden dadurch trockener, lassen sich allerdings auch viel schwerer durch die Presse drücken. Bei dieser Garmethode brauchen Sie bei 800 g Kartoffeln ein zusätzliches Ei, da die Zutaten sonst nicht genügend binden.
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