Wir werden ihnen bald erlauben, bald verbieten, mit ihren Frauen oder Geliebten zu leben, Kinder zu haben oder nicht; es wird alles von ihrem Gehorsam abhängen, und sie werden sich unserem Willen mit Freude und Entzücken ergeben. Auch die quälendsten Geheimnisse ihres Gewissens – alles, alles werden sie uns bringen, und wir werden sie davon befreien, und sie werden unserer Entscheidung frohen Herzens glauben, weil diese sie von dem großen Kummer und der Qual der freien persönlichen Entscheidung befreien wird. Alle werden sie glücklich sein, alle diese Millionen von Untertanen, alle mit Ausnahme der Hunderttausend, die über sie herrschen; denn nur wir, wir, die Hüter des Geheimnisses, wir allein werden unglücklich sein.“
„Morgen werde ich Dich verbrennen!“
Zynisch spricht der Großinquisitor über den Tod der Menschen:
„Still werden sie sterben, still verlöschen, mit Deinem Namen auf den Lippen, und jenseits des Grabes nur den Tod finden. Wir aber werden das Geheimnis hüten und die Menschen zu ihrem eigenen Glück durch die Verheißung einer ewigen, himmlischen Belohnung locken. Denn selbst, wenn es dort oben etwas wie Belohnung gäbe, so wäre es doch nicht für solche wie sie.“
Als Höhepunkt seines Monologs kündigt der Großinquisitor dem schweigenden Christus die Hinrichtung an:
„Was ich Dir sage, wird in Erfüllung gehen, und unser Reich wird errichtet werden. Ich wiederhole Dir: Morgen wirst Du selber die gehorsame Schar sehen, die auf den ersten Wink meiner Hand sich zum Scheiterhaufen stürzen wird, um die Kohlen zu schüren, auf welchen Du dafür brennen sollst, dass Du gekommen bist, uns zu stören; denn wenn jemand lebt, der mehr als alle Ketzer unseren Scheiterhaufen verdient, so bist Du es. Morgen werde ich Dich verbrennen.“
Mit seiner Ankündigung, den wiedergekommenen Christus töten zu wollen, spricht sich der Großinquisitor selbst die Niederlage zu. Denn es gelingt dem Kardinal nicht, Christus zu unterwerfen wie die vielen Untertanen, über die seine Institution mit eiskalter Berechnung herrscht.
Der russische Literat Fjodor Dostojewski hat mit dieser Rede tief in die Abgründe der äußeren Religion hinein geleuchtet, die nur dem Namen nach etwas mit Christus zu tun hat. In Wirklichkeit fürchtet sie jedoch nichts mehr als Sein Wiederkommen, nichts mehr als den redenden Christus Gottes, der nicht schweigt. Dann würde ihr Geheimnis nämlich entlarvt, welches lautet: „ Wir haben Deine Tat verbessert.“ Und: „Wir sind nicht mit Dir im Bunde, sondern mit ihm.“
Behalten wir diese Rede im Bewusstsein, wenn wir in den folgenden Kapiteln die Grundfesten der Kirche näher betrachten, ihre Dogmen und Lehrverkündigungen, die in den kirchlichen Institutionen bis heute unverändert verbindlich sind.
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