Gertrud Wollschläger - Mai-Schnee

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Ein Parasit hatte sich in meine Gedanken eingenistet. 1972 war das, vor ziemlich genau 42 Jahren. Lange Zeit konnte ich gut mit ihm leben. Er war sozusagen zwar da, aber nicht wirklich mein Problem. Er meldete sich vor allem dann, wenn ich in die Gegend meiner Kindheit fuhr, um Verwandte und Freunde zu besuchen. Wenn ich nachfragte: Haben sie den Täter? Wenn ich ihre unglaubliche Wut erleben musste, die sie auf den Mörder des Mädchens hatten. Genaueres wussten sie nicht. Es gab viele Gerüchte. Das hartnäckigste und übelste – bis auf den heutigen Tag – wurde immer in gleicher Weise erzählt: Ja, man weiß, wer es war. Aber man will nicht, dass es herauskommt. Kann man sich das vorstellen? Zwölf Jahre alt war sie. Auf dem Heimweg von der Schule war sie. Erstochen wurde sie! Mit vielen Messerstichen …

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Aber es gab auch die anderen Jahre. Dann, wenn der Wind auf seinem Weg aus dem Osten zu viel an Kälte und Frost eingesammelt und nichts davon unterwegs abgeladen hatte, wenn er sich im Frühjahr noch einmal überraschend auf den Weg machte, wenn er heimlich über Nacht den Berg hochkroch und tagelang mit dicken Backen über die Obstbäume blies, deren erstes zaghaftes Anschwellen der Knospen bereits zu sehen war. Dann zerstörte er mit seinem kalten Atem alles, was sich bereits hervorgewagt hatte. In einer einzigen Nacht schaffte es der raue Geselle, alles zu vernichten, was er ungeschützt finden konnte. Brutal versetzte er den ersten Frühlingsboten einen tödlichen Schlag. Der mitgebrachte Frost sorgte dafür, dass sie danach wie matschiges Gemüse aussahen.

„Der Geißenschinder ist unterwegs“, sagten dann die Alten. „Holt die Geißen rein! Kümmert euch um unsere Hunde und Katzen! Lasst die Stalltüre einen Spalt offen, dass die Tierle verschlupfen können! Lauft! Holt Stroh aus der Scheune und stopft die Ritzen zwischen den Brettern im Stall zu!“ Die Hühner konnte man sich selbst überlassen. Die wühlten sich in ihre ausgekratzten Mulden, steckten die Köpfe unter die Flügel und verdösten den Tag. Wer aber seinen Ziegenstall nicht vorsorglich an die windgeschützte Seite der bestehenden Stallungen gebaut hatte und die Tiere dadurch dem berüchtigten späten Geißenschinder aussetzte, musste damit rechnen, dass sie in den folgenden Wochen mit seltsamen Krankheiten zu kämpfen hatten. Viele überlebten dann diese späte, harte Winterkälte nicht. Ein herber Verlust für die Kleinbauern! Waren die Ziegen vor Zeiten doch die Kühe vieler Familien auf den kleineren Schwarzwaldhöfen. Sie wurden gebraucht für das Überleben, die Geißen. Ihr Unterhalt kostete so gut wie nichts. Ihr karges Futter – sie fraßen tatsächlich alles – wuchs sozusagen vor der Haustür.

Die Landschaft, wenn man sie von oben anschaut, liegt fast topfeben da. Ein vielfarbiger Teppich, der sich mit jeder neuen Jahreszeit in ständig wechselnder Kleidung präsentiert, breitet sich vor dem Betrachter aus. Es sind die bunten Farben der Erde in allen Schattierungen. Das helle Frühjahr mit seinem überwältigenden Grün. Der farbige Sommer mit seiner einmaligen Blütenpracht, der die verschiedensten Sorten von Kräutern zum Blühen bringt und sie wie Edelsteine im Gras funkeln lässt. Ein Herbst, der nicht genug zeigen kann an farbigem Laub, das die Sonne an den freiliegenden Waldrändern in Gold und Rot aufleuchten lässt. Ein fahler, langer Winter? Bestimmt nicht! Die Äcker und Wiesen holen ihre Farben ein, ziehen ihre braunen Kleider an, von hell- bis dunkelbraun. Die knorrigen Obstbäume warten auf die Winterstürme, die ihnen helfen, sich von manchem überflüssigen dürren Ast zu befreien. Von allem gibt es auf dem Berg ein bisschen mehr, mehr Farben, mehr Schnee, mehr Wind, mehr Luft zum Atmen.

Steile Wege führen aus allen Richtungen auf den Berg. Wenn der Wanderer den Wald verlässt, breitet sich vor seinen Augen eine überraschend schöne Ebene aus. Mit dem kleinen Weiler mittendrin aus wenigen alten Bauernhöfen, die eng beisammenstehen, scheint es dem Betrachter, als sähe er Bilder aus einer anderen Welt. Man fühlt sofort: Hier kann keiner alleine. Jeder ist am Leben des anderen irgendwie beteiligt. Lattenzäune schützen die alten Hausgärten mit ihren Pflanzen, die sich ihren Lebensraum schaffen dürfen, wie es ihnen gefällt. Gemüse und Beerensträucher, die oft jahrzehntelang an immer der gleichen Stelle stehen und unermüdlich Früchte tragen, locken mit ihren reifen Früchten zur Erntezeit den Betrachter an die Zaunritzen. Wiesen wechseln sich mit Äckern ab, die großen Obstanlagen werden von Wanderwegen gesäumt. Eine Wallfahrtskapelle am Waldrand, Wegkreuze, ein Stück Jakobsweg und zwei gern besuchte Wirtshäuser runden das Bild ab. Es ist anders als anderswo. Es ist so, wie der Mensch im tiefsten Innern tickt, wie er eigentlich leben möchte, was seine Seele fordert, was seine Augen sehen wollen.

Und die, die hier wohnen? Die Menschen kennen einander. Oft besser als nur gut. Geht man in ihren Biografien etwas weiter zurück, ist festzustellen, dass sie meist irgendwo irgendwie miteinander verwandt sind. Diese Verwandtschaftsverhältnisse sind nicht immer einfach für die Beteiligten. Da kann man nicht einfach was sagen über jemand, denn es ist doch die Base von dem dabei, über den man an der Kaffeetafel heute so gerne geschimpft hätte. Etwas über den Acker, den die eigene Enkelin so gerne geerbt hätte, der jetzt aber in den falschen Händen gelandet ist. Wegen einer Tante, die sich von irgendeiner Seite einschmeicheln konnte.

„Jetzt gibt der doch denen den Acker. Der hat mal meinem Großvater g’hört. Den haben die dem abg’schwatzt für ein paar Kartoffelernten.“ „Von denen halt ich gar nichts mehr.“ „Komm mir bloß net mit der Sippe!“

Oder: „Mei Schwägerin, die Klara, hat doch scho lang gwusst, dass mei Mann a Verhältnis mit der Nachbarin hat. Des Luder! Aber mir hat sie natürlich nix davon erzählt. Kein Sterbenswörtle hat sie verlauten lassa. So isch die! Sie hat mi net aufrega wolla, hat sie mir gsagt. Ha, Ha! Des kennt mr jo! Vorne rum freindlch, henda rum schwätza. Wenn du recht gucksch, hat die sich no gfreit do drüber. Des Luder!“

Ist die Verwandtschaft sich aber einig über einen Eindringling von außen, klingt es natürlich ganz anders. Wie ein Bollwerk wird zusammengestanden und undurchdringlich abgeschottet. „Mir wisset nix und mir saget nix. Mir lasset nix raus. Brauchsch gar net weiterfragen. Ein Reingschmeckter erfährt von uns sowieso nix.“

Über eine geteerte, breitere Straße und mehrere kleine Seiten- und Feldwege ist der Ort aus jeder Richtung leicht zu erreichen. Steile Wege führen aus allen Richtungen auf den Berg. Wollten die Menschen ins Tal, gab es spezielle Abkürzungen, die steil oder schräg durch die Wälder nach unten führten. Die schmalen Trampelpfade kannte jeder schon von Kindheit an. Sie wurden weitergegeben von Generation zu Generation, wurden über die Jahre genutzt von Eltern und Großeltern. Jeder wusste sofort, was gemeint war, wenn jemand vom Schülerwegle, dem verschwiegenen Schleichweg der Jäger oder der alten Steige sprach. Während es auf der Teerstraße viele Kilometer nach unten ging, konnte man den unteren Ort auf diesen Spezialwegen in zehn Minuten erreichen.

Vor allem das Schülerwegle war ein stark frequentierter Abflugweg für die Schulkinder, die die ersten Klassen der Dorfschule besuchten. Oben, am Anfang des Weges wurde Aufstellung genommen, die Arme wie die Tragflächen eines Flugzeugs ausgebreitet, und ab ging es mit lautem Fliegergebrumm auf schnellstem Weg ins Tal. Der Schulranzen, der auf den Rücken geschnallt war, hüpfte mit, mehr oder weniger hoch, je nachdem, wie kräftig die Sprünge seines Trägers waren. Nach Schulschluss ging es wieder den Berg hoch. Jetzt aber über die Abkürzungen der Abkürzungen, immer in der Hoffnung: „Wenn ich dabei die Teerstraße quere, könnte jemand vorbeikommen, der mich mitnimmt.“

Der Wechsel der Jahreszeiten mit seinen heißen Tagen oder seinen Wetterunbilden wurde von Jung und Alt akzeptiert, so wie er war. Jedermann machte das Beste daraus mit den Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung standen.

Den Winter überstehen halfen festes Schuhwerk, warme Teddyjacke, handgestrickte Handschuhe und Schals, den Sommer kurze Hosen, Röcke, Hemd und Bluse, Sandalen oder barfuß.

Besondere Tage und unvergessene Höhepunkte des Sommers waren die Badetage im Fluss, der lebhaft plätschernd am Dorf vorbeiströmte. Das Wasser mal flach, mal tief. Jeder konnte sich seine Badestelle aussuchen. Wundervolle Nachmittage waren das. Die Freunde waren da, die ersten Mädchenblicke kamen bei den Jungen an, mal scheu, mal spitzbübisch frech.

Es gab die spannende Zeit des Kennenlernens, der kleinen Eifersüchteleien, später die großen Eifersuchtsdramen, am Ende die Schlägereien. All das gehörte zum Dorfleben. Keiner war deswegen ein geistig Gestörter oder gar ein Gewalttäter. Nein, sie waren Kameraden, Schulkameraden, wurden Freunde und blieben es oft ein Leben lang.

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