Die Entwicklung der Zonentheorie
Anhand der gewonnenen Erkenntnisse und des umfangreichen medizinischen Wissens der amerikanischen Ureinwohner entwickelte Dr. Fitzgerald zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine sogenannte „Zonentheorie“ (S. 17). Dazu teilte er den Körper in zehn senkrechte Zonen ein, die jeweils in den Fingerspitzen und in den Zehen beider Füße enden. Wird innerhalb einer Zone an einer Stelle Druck ausgeübt, beeinflusst dies die komplette Zone. Bestimmte Bereiche an Füßen oder Händen sind also mit anderen Körperteilen und Organen der gleichen Zone verbunden – eine bahnbrechende Entdeckung.
Im Laufe der Jahrzehnte wurde die von Dr. Fitzgerald entwickelte Zonentherapie immer wieder überarbeitet und modifiziert. Eine Schlüsselrolle spielte dabei die US-amerikanische Masseurin Eunice Ingham: Sie hatte beobachtet, dass Spannungszustände oder erhöhte Schmerzempfindlichkeit an einem bestimmten Bereich am Fuß in nahezu allen Fällen mit einer Störung in dem nach der Zonentheorie jeweils korrespondierenden Körperteil einhergingen. Ausgehend von ihrer langjährigen Erfahrung übertrug Mrs Ingham in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts die Körperzonentheorie auf die Füße und entwickelte so die Fußreflexzonenmassage. Sie hat sich seither millionenfach bewährt und ist zu einer fundierten und dabei einfach anwendbaren Heilmethode für gesunde und kranke Tage geworden. Das hohe Ansehen, das die Reflexzonenmassage bei Patienten und Ärzten genießt, ist das Resultat ihrer umfassenden Wirkungen.
Behandlung via Fernwirkung
Dr. Fitzgerald hatte entdeckt, dass sich durch Drücken beziehungsweise Massieren bestimmter Zonen auf der Haut innere Organe positiv beeinflussen sowie Schmerzen lindern lassen. Dabei erwies es sich als vollkommen unerheblich, wie weit die behandelte Hautregion von dem Organ entfernt lag, an dem sich die Wirkungen zeigten. Den ersten Anstoß zu seinen Untersuchungen erhielt der Arzt vermutlich durch seine eigenen Patienten: Er hatte wiederholt beobachtet, dass jene, die bei operativen Eingriffen weniger empfindlich auf Schmerzen reagierten, ihre Fingerkuppen an die Armlehnen des Operationsstuhls pressten. Zwischen dem Druck auf die Fingerkuppen und der verminderten Schmerzempfindlichkeit schien also ein direkter Zusammenhang zu bestehen.
Die Head’schen Zonen
Eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der modernen Reflexzonenmassage spielte zudem der britische Neurologe Sir Henry Head (1861–1940). Er entdeckte im Jahr 1893, dass kranke Organe über Nerven- und Blutbahnen Veränderungen an bestimmten Hautgebieten, den Head’schen Zonen (auch Head-Zonen genannt) hervorrufen. Werden diese Zonen behandelt oder gereizt, so kann über die verbindenden Nervenbahnen auch auf die inneren Organe eingewirkt werden. Diese Erkenntnisse nutzen nicht nur die Reflexzonenmassagen, zu denen die Muskelreflexzonenmassage, die Bindegewebsmassage, die Kolon- und die Periostmassage gehören. Auch Kälte- und Wärmeanwendungen sowie die Neuraltherapie und die sogenannte Transkutane Elektrische Nervenstimulation, kurz TENS, basieren auf den Zusammenhängen, die Sir Head herausgefunden hatte. Auch in der Akupunktur, bei Shiatsu- sowie Akupressur-Behandlungen werden teilweise Head’sche Zonen aktiviert. Einer der Gründe, weshalb sich diese Therapiemethoden gut mit der Reflexzonenmassage kombinieren lassen (S. 96f.).
Über den ganzen Körper verteilt
Reflexzonen gibt es am gesamten Körper (ab Seite 27). Wohl den größten Bekanntheitsgrad haben die Hand- und Fußreflexzonen, weil sie zu diagnostischen wie therapeutischen Zwecken am meisten genutzt werden. Die Beschaffenheit und Stellung der Finger und Zehen ermöglicht nämlich wichtige Aussagen über angeborene organische Schwachbereiche und seelisch-geistige Qualitäten der betreffenden Person.
Neben jenen an den Füßen und Händen wurden noch rund dreißig weitere Reflexzonensysteme auf unserer Hautoberfläche ausfindig gemacht. So verfügen Schädel, Gesicht, Gaumen und Zunge über Reflexzonen, ebenso wie Ohren, Rücken und sogar Schienbeine. Sie sind allesamt ebenso für unser Wohlbefinden bedeutsam.
Heilende Reaktionen
Der heilsame Effekt von Reflexzonenmassagen bleibt nicht nur auf die direkt behandelte Körperstelle beschränkt, sondern kann auch weiter entfernt liegende Regionen beeinflussen. Denn das intensive Streichen mit den Fingerkuppen übt einen Reiz auf das Unterhautbindegewebe aus, wodurch die den massierten Bereichen zugeordneten Organe reflektorisch beeinflusst werden können. Diese Fernwirkung stellt die Basis der Reflexzonenmassage dar, die Sie zur Gesundheitsvorsorge sowie zur unterstützenden Behandlung von einfachen Beschwerden mit großem Gewinn selbst anwenden können.
Warum Berührung heilen kann
Die Massage der Reflexzonen bewirkt über energetische Verbindungen bestimmte heilende Reaktionen in den ihnen jeweils zugeordneten Körperteilen. Es handelt sich also nicht um eine mechanische „Reparatur“ von außen, sondern um das Harmonisieren beziehungsweise Regulieren körpereigener Energien – also um die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Reflexzonenmassage auch als Regulationstherapie verstehen.
Was dabei im Einzelnen vor sich geht und wie die heilsamen „Informationen“ von den behandelten Zonen aus zu ihren Zielorten finden, ist leider noch nicht vollständig geklärt. Um den Wirkmechanismus der Reflexzonenmassage in allen Einzelheiten erläutern zu können, ist noch einige Forschungsarbeit erforderlich.
Es existieren jedoch verschiedene Theorien, die den großen therapeutischen Erfolg der Reflexzonenmassage plausibel machen können. Auch wenn – das oft kritisierte Manko – bis heute keine anatomischen Zusammenhänge zwischen den massierten Zonen und den jeweiligen reflektorisch zugeordneten Bereichen nachgewiesen werden konnten.
Von Reflexbögen und Impulsen
Durch das Massieren einer Reflexzone wird ein Reiz ausgelöst, der über eine reflektorische Koppelung, einen sogenannten Reflexbogen, an das zu behandelnde Organ weitergeleitet wird und dort seine Wirkung entfaltet. Zwischen einzelnen Bereichen der Körperoberfläche und zu den inneren Organen bestehen also Verbindungen, über welche Impulse vermittelt werden können.
Mit anderen Worten: Der Hautbereich, der über entsprechende Reflexbögen mit dem Organ verbunden ist, zeigt ebenso wie das betreffende Organ selbst Störungen. Diese äußern sich durch erhöhte Schmerzempfindlichkeit sowie durch Schwellungen oder Dellen in diesem Bereich. Durch die Massage, das Auslösen eines Reizes, lassen sich zum einen die Störungen in der behandelten Reflexzone selbst beheben und zum anderen das mit ihr in Verbindung stehende Organ heilend beeinflussen. Der durch die Massage hervorgerufene Impuls führt zur Lockerung und Entkrampfung der betreffenden Reflexzone und reguliert über eine Kette biochemischer und nervaler Reaktionen die gestörten Funktionen im entsprechenden Organ.
Mehr als nur Nervenstränge
Lange Zeit wurde die Wirkung der Reflexzonenmassage vorwiegend mit der eben geschilderten Hypothese erklärt: Von den Reflexzonen aus gelangen Nervenimpulse über Reflexbögen an das Gehirn und werden von dort aus an das jeweils korrespondierende Organ gesandt, wo sie einen Reiz auslösen. Dies erschien auch gut nachvollziehbar, da in unseren Füßen die beachtliche Zahl von über 70.000 Nerven endet. Aktiviert man diese, könnten die mit ihnen in Verbindung stehenden Körperteile durchaus beeinflusst werden.
Dieser ebenso einfache wie einleuchtende Mechanismus ist jedoch nicht allein verantwortlich für die Wirkung. Die Reflexzonenmassage basiert nicht nur auf Nervenverbindungen, sondern auf bisher noch nicht nachgewiesenen energetischen Verbindungen zwischen den Füßen und den inneren Organen sowie bestimmten Körperbereichen und -funktionen. Die Wirkung der Reflexzonentherapie liegt also viel tiefer als bislang angenommen. Weitere Forschungen werden hierzu noch interessante Erkenntnisse zutage bringen.
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