Selbstheilung anregen
Die große Bedeutung der Reflexzonenmassage liegt vor allem in der Gesundheitsvorsorge: Indem sie den Energiefluss im Körper harmonisiert, die Funktionen von Organen und Drüsen normalisiert, Spannungen abbaut und Stressreaktionen ausgleicht, aktiviert sie intensiv die Selbstheilungskräfte und kann so vielen gesundheitlichen Störungen wirksam vorbeugen. Denn ebenso wie bei der chinesischen Druckpunktmassage, der Akupressur, auf der die Reflexzonentherapie in ihren Grundzügen basiert, ist es stets ein Anliegen, Krankheiten vorzubeugen, anstatt sie kurieren zu müssen.
Dieser primär vorbeugende Aspekt soll jedoch nicht implizieren, dass die Massage der Reflexzonen überwiegend der Verhütung von Krankheiten dient. Weit gefehlt: Mit dieser Heilmethode lassen sich auch zahlreiche, bereits bestehende Beschwerden im körperlichen, geistigen und seelischen Bereich lindern und in den meisten Fällen sogar deutlich bessern. Dies gilt insbesondere für jene Störungen des Befindens, deren Ursachen in einer Disharmonie der Lebenskräfte, der Energien eines Menschen, zu suchen sind – beispielsweise dauerhafte Schlafstörungen, Spannungskopfschmerzen, depressive Verstimmungen und Angstzustände.
Als besonders wirkungsvoll erweist sich bei derartigen Beschwerden die Behandlung der Reflexzonen am Ohr. Denn über die Massage der Ohrreflexzonen, die in diesem Buch ebenfalls ausführlich dargestellt ist (ab S. 144), kann direkt auf die seelisch-geistige Ebene eingewirkt und das psychische Befinden harmonisiert werden. Die vielen Erfolge bei Krankheiten, bei denen die moderne Schulmedizin an ihre Grenzen stößt, legen ein sehr eindrucksvolles Zeugnis von den umfassenden Heilwirkungen der Reflexzonenmassage ab.
Vorbeugen statt kurieren
„Eine Krankheit zu heilen, die schon existiert, ist, als ob man einen Brunnen gräbt, nachdem man Durst bekommen hat.“ Dies besagt ein altes chinesisches Sprichwort. Und so galten im Reich der Mitte auch nicht jene Ärzte als die besten, die am meisten Patienten hatten, sondern jene, welche die meisten gesunden Menschen betreuten.
Als bestes und einfachstes Mittel zur Erhaltung der Gesundheit galt und gilt die Harmonisierung der Lebensenergien, so wie es die Akupressur, aber auch die Reflexzonenmassage vorsieht. Entsprechend bietet sich die Massage der Reflexzonen zur Gesundheitsvorsorge an, da sie die Selbstheilungskräfte des Körpers mobilisiert und so alle wichtigen Voraussetzungen für körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden schafft.
Dieses Buch wendet sich vor allem an all jene, welche die Verantwortung für ihre Gesundheit nicht in andere Hände legen wollen, sondern mit ihren eigenen Händen aktiv zur Förderung und Erhaltung ihres Wohlbefindens beitragen möchten. Auf den folgenden Seiten finden Sie alles, was Sie zur selbstständigen Massage der Reflexzonen wissen sollten – sowohl der an den Füßen als auch an den Händen und an den Ohren.
Den Auftakt machen Informationen zur Historie der Reflexzonenmassage und Interessantes über ihre Wirkweise.
Lange Tradition
Ungeachtet kultureller Grenzen und Entwicklungsstufen hatte man schon sehr früh erkannt, dass das Drücken schmerzender Stellen Linderung verschafft. Beispielsweise kann man noch heute weltweit beobachten, dass Menschen jeder Altersgruppe spontan die Hand auf eine schmerzende Stelle legen, um damit dem Schmerz zu begegnen. Selbst im Tierreich taucht dieses Phänomen auf: Einige Tiere, wie etwa Braunbären, Schimpansen und Orang-Utans, pressen verletzte Körperstellen gegen einen Baumstamm oder legen sich auf Steine, um so Druck auf den Schmerzort auszuüben.
Eine uralte Idee
Abgesehen von solchen rein instinktiven „Behandlungen“ existierte in Indien bereits um 3000 v. Chr. ein umfangreiches Wissen über die Schmerzbehandlung durch Drücken und Massieren spezieller Körperpunkte. Nahezu zeitgleich entwickelte sich auch im Reich der Mitte ein komplexes Therapiesystem, bei dem mittels gezielter Massage bestimmter Druckpunkte heilender Einfluss auf andere Körperbereiche und Organe genommen werden konnte: die Akupunktur und Akupressur der Chinesen. Die Reflexzonenmassage gehört damit zu den ältesten natürlichen Heilweisen überhaupt.
Doch nicht nur in fernöstlichen Regionen, auch im Land der Pharaonen hatten die Heilkundigen schon lange vor Beginn unserer Zeitrechnung die Massage der Reflexzonen in ihren Behandlungskanon aufgenommen. Dies belegt unter anderem ein auf etwa 2300 v. Chr. datiertes Gemälde in der Grabkammer eines altägyptischen Arztes aus dem oberägyptischen Sakkara. Es stellt die Behandlung der Reflexzonen an Händen und Füßen dar. Von der legendären ägyptischen Königin Kleopatra wiederum ist überliefert, dass sie sich regelmäßig mit Massagen den Füßen von Marcus Antonius gewidmet haben soll. Ob dies mit zu der großen Verehrung beigetragen hat, die der römische Herrscher der berühmten Masseurin entgegenbrachte, sagt uns die Geschichtsschreibung allerdings nicht.
Ein „Urenkel“ der Akupressur
Ungeachtet der Tatsache, dass die Reflexzonenmassage auch im Abendland schon in sehr früher Zeit Anwendung fand, nimmt man heute an, dass ihre Wiege im Reich der Mitte stand. Denn die alten Chinesen waren es vermutlich, die als Erste den Nachweis erbrachten, dass sich durch Massieren und Drücken nicht nur die lokal begrenzte Region behandeln lässt, sondern dass sich eine solche Behandlung auch auf weiter entfernt liegende Bereiche auswirkt. Sie stellten fest, dass man auf diese Weise nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch Beschwerden der inneren Organe günstig beeinflussen und heilen kann. Vor diesem Hintergrund darf die chinesische Druckpunktmassage als „Urmutter“ der Reflexzonenmassage angesehen werden.
Alte Tradition im Westen
Sehr viel weiter westlich des Nils, jenseits des Atlantiks, bediente man sich ebenfalls der Reflexzonenmassage bei verschiedensten Störungen des Befindens. Aus alten Überlieferungen geht hervor, dass viele Indianervölker Nordamerikas um reflektorische Zusammenhänge wussten und diese gezielt zur Heilung und vor allem zur Schmerzlinderung einsetzten. Nachweislich war die Massage der Reflexzonen auch den alten Inkas wohl vertraut. Sie verfeinerten die Technik zu einem ausgeklügelten Behandlungssystem.
Weiterhin war die Reflexzonentherapie auch im antiken Europa nicht unbekannt. So finden sich in den Schriften römischer Gelehrter und Heilkundiger viele Hinweise auf Behandlungsweisen, die sich exakt in die Theorie der Reflexzonen einfügen. Weniger weit zurück liegt ein historischer Bericht über einen der berühmtesten Bildhauer und Goldschmiede der Renaissance, den Florentiner Benvenuto Cellini (1500–1571). Jenen Zeilen zufolge soll dieser unter quälend starken Schmerzzuständen am gesamten Körper gelitten haben, die er durch Druck auf spezielle Punkte an Fingern und Zehen erfolgreich kuriert hat. Der Nachwelt ebenfalls überliefert sind Schriften des Leipziger Arztes Dr. Ball aus dem Jahr 1580, in denen er über die organferne Therapie von Beschwerden mittels Massage bestimmter Druckpunkte berichtet.
Vom tradierten Heilwissen zur fundierten Behandlungsmethode
Auch wenn sich die Anfänge der Reflexzonenmassage bis weit ins Altertum zurückverfolgen lassen: Die Geburtsstunde der modernen Reflexzonentherapie schlug erst mit der wissenschaftlichen Erforschung reflektorischer Zusammenhänge vor etwa 125 Jahren. Einen der wichtigsten Impulse zur Entwicklung der Reflexzonentherapie gaben die Untersuchungen über die Reaktionen des Körpers auf bestimmte Reize, welche 1904 dem russischen Wissenschaftler Ivan Pawlow (1849–1936) den Nobelpreis einbrachten. Basierend auf seinen Erkenntnissen kamen die Forscher damals auf den Gedanken, die Wirkungen von Reflexreaktionen ganz gezielt zu therapeutischen Zwecken zu nutzen.
Etwa zur gleichen Zeit führte der US-amerikanische Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. William Henry Fitzgerald (1872–1942) umfassende Studien durch, die die Behandlung innerer Organe und die Schmerzlinderung mittels Drücken und Massieren bestimmter Hautareale zum Thema hatten.
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