Aber nun lassen wir die Schatten aufziehen. Wo so viel Licht ist wie beim Mikrochimärismus, kommen wir um die dunklen Seiten nicht herum. Geraten nämlich die kindlichen Stammzellen etwa auf Viren oder UV-Strahlung, zeigen sie sich von einer ganz anderen Seite. Sie regen Veränderungen an, die bösartig enden können.
Wo im mütterlichen Organismus Probleme vorhanden sind, machen sie noch größere draus. Irgendwo eine Infektion, irgendwo eine UV-Exposition, schon wird aus der Protektion eine Belastung.
Einer der anfälligsten Opfer ist der Muttermund. Dort kommt selten die Sonne hin, dafür wird das Immunsystem heruntergefahren, um das Sperma hereinzulassen. Etabliert sich dort ein Virus, zum Beispiel HPV, und es gesellen sich fetale Zellen dazu, kann es zum Äußersten kommen. Die jungen Zellen werden zu jungen wilden Zellen. Gut wird zu Böse.
Was für die Brust so günstig ist, ist für den Uterus also ganz schlecht. Viele Geburten können Brustkrebs verhindern, aber Gebärmutterhalskrebs begünstigen.
Ähnliches gilt für das zweite Karzinom, das bei Frauen nach vielen Geburten häufiger vorkommt als sonst: dem Melanom. Der Hautkrebs ist außerdem auch wesentlich aggressiver. Ist die Haut irgendwo besonders beleidigt, sind kindliche Stammzellen das Letzte, was ihr in die Nähe kommen sollte. Die jungen Dinger sind extrem mitosefreudig, sie teilen sich also wie verrückt. Gerade das ist in so einem Fall das Gefährlichste.
Die nächste Schwachstelle ist der Dickdarm. Wenn der Darm durch die Ernährung mit den falschen Darmbakterien besiedelt ist, kann man nur hoffen, dass keine embryonalen Stammzellen vorbeiflanieren. Dann sind sie es nämlich, die schnell beleidigt sind, und als Retourkutsche umso eifriger an einem Karzinom arbeiten.
Nicht zuletzt haben wir noch die Autoimmunerkrankungen in der Schublade der Schandtaten kindlicher DNA. Das ist ja auch logisch. Die Zellen des Kindes sind nun einmal fremde Zellen, und da kann das Immunsystem schon verrücktspielen. Außerdem produzieren die T- und B-Lymphozyten unter ihnen ja zusätzliche Abwehrkräfte.
So neigen Frauen mit vielen Kindern im Vergleich zu kinderlosen Frauen eher zur Rheumatoiden Arthritis, Multiplen Sklerose, zu Lupus Erythematodes und Morbus Hashimoto, wobei letztere zu einer chronischen Schilddrüsenentzündung führt. Auf den Rheumastationen sitzen mindestens so viele Frauen wie in den Ambulanzen der Gynäkologie.
Wolfgang Holzgreve hat darüber hinaus nachgewiesen, dass die Schwangerschaftsintoxikation, die sogenannte EPH-Gestose, eigentlich eine Vergiftung mit den fetalen Stammzellen ist. Normalerweise befindet sich im Körper der Mutter eine Zelle des Kindes zu einer Million eigenen Zellen. Bei Patientinnen mit der EPH-Gestose ist es eine fetale Zelle zu nur Tausend eigenen.
Die Zellen des Kindes schützen und verjüngen zwar, andererseits sind sie aber etwas Fremdes, das den Körper durcheinanderbringen kann. Und von allem Guten kann man auch zu viel haben. Die Bilanz wirkt am Ende eher negativ.
Aber so ist eben mit Krankheiten. Sie treten auf, wenn nicht alles glatt läuft. Die Natur meint es gut. Sie hat einen Plan, der aber extrem kompliziert ist. Man kann nicht sagen, dass der eine oder andere Teil des Ganzen an einer Krankheit schuld wäre. Es geht in diesem Fall, wie so oft, ums Gleichgewicht.
Der Mikrochimärismus ist auf jeden Fall ein holistischer Superstar. Dieser Zellenaustausch setzt sich über Raum und Zeit hinweg und sorgt dafür, dass sich Familien über Generationen noch näher und ähnlicher sind.
Diese wandernden Zellen schaffen es, Vergangenheit und Zukunft im Menschen zu vereinen. Sie sind Geschenke und Vermächtnisse, die unglaublich erscheinen.
Diese menschenübergreifenden Zellen deponieren Botschaften in uns. Und damit vielleicht sogar kleine Antworten auf die großen Fragen: Woher kommen wir und wohin gehen wir?
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