Auffallend beim Schachtelhalm ist der aufrechte Frühjahrsspross mit seinem Sporenkolben und der senkrecht gestaffelte Stängel mit den schaftartig eingeschachtelten Abschnitten samt Nodien (Knoten) sowie die in quirligen Etagen stehenden fadenartigen, kantigen Blätter. Aus der Distanz betrachtet lässt sich die Pflanze mit der Konsole einer gotischen Säule vergleichen. Typischerweise lässt sich die etagierte Konstruktion des Schachtelhalmschaftes mit der Struktur der menschlichen Wirbelsäule vergleichen. Die gegenüber Wind und Wetter widerstandsfähige Architektur der Halme versinnbildlicht die äußerst festigenden, stützenden und stabilisierenden Kräfte der Pflanze. Ihr Aufbau diente so auch als Vorlage zur Erstellung des größten Gebäudes der Erde: Burj Khalifa in Dubai mit 828 Meter Höhe.
Die Signatur des Schachtelhalms zeigt deutlich, dass er bei Menschen als perfekte Stütz- und Trägerpflanze eingesetzt werden kann. Bei Erschöpfungszuständen, Burnout-Syndrom und Kräftezerfall, wenn die Batterien leer sind und ein extremes »Durchhängen« vorherrscht, eignet sich der Schachtelhalm hervorragend. Gemäß dem Gesetz: »Wie das Äußere so auch das Innere« zeigt er die Verbindung zur menschlichen Konstitution auf, nämlich zum gebrochenen Menschen, der infolge eines Stabilitätsverlusts den Kopf in den Sand steckt.
LAVENDEL (LAVANDULA ANGUSTIFOLIA MILL.)
Der Lavendel blüht blau und schmeichelt mit seinem Duft der Seele. Die kleinen trichterförmigen, violettblauen Lippengebilde der Blüte erscheinen wie trompetenartige Sprühdosen, die ihren betörenden Wohlgeruch in den Sommerwind verbreiten. Damit der Lavendel sein duftendes Aroma produzieren kann, benötigt er eine intensive UV-Bestrahlung. Zu diesem Zweck streckt er geradezu heroisch seine ölspeichernden Blütenähren der Sonne entgegen. Um keinen »Sonnenbrand« zu erleiden, schützt sich die Pflanze mit graufilzig behaarten Blättern, deren Flaum die Kraft besitzt, die Hitzestrahlen zu reflektieren, Wärme zu absorbieren und Feuchtigkeit zurückzuhalten. Zusätzlich richten sich die ledrig schmalen Blätter mit ihren eingerollten Rändern nach oben, um die Verdunstungsfläche möglichst gering zu halten. Die gespeicherte Wärme, die oft bis tief in die Nacht bestehen bleibt, nutzt der Lavendel als Energiequelle, um beachtliche Mengen ätherisches Öl zu produzieren. Der Duft erzeugt bei uns ein Gefühl von Weite und Freiheit; er kühlt den heißen Kopf, erfrischt, macht die Gedanken klar und hält die Gefühle in Balance.
Heute wird vor allem der Schmalblättrige Lavendel (Lavandula angustiflia Mill.), eine Kulturform aus der Provence eingesetzt, insbesondere für kosmetische und Gewürzzwecke. Da sich in diesen Kulturen über Jahrhunderte Rückstände von Herbiziden und Pestiziden angereichert haben, ist diese Gattung phytotherapeutisch jedoch weniger geeignet. Für die Pflanzenheilkunde ist der ursprüngliche und wildwachsende Schopflavendel (Lavandula stoechas) mit seinen blauvioletten kopfigen Scheinähren von größerer Bedeutung. Bereits in der Antike gelangte er zu hohem Ansehen.
SCHOPFLAVENDEL (LAVANDULA STOECHAS L.)
Der Schopflavendel, in alten Pflanzenbüchern auch als Stichaskraut bezeichnet, wird bei vielseitigen neurologischen Symptomen angewendet, etwa bei Schwindel, Ohnmacht, nervösen Kopfschmerzen, Migräne infolge mangelnder Kapillardurchblutung im Gehirn, Blutandrang zum Kopf, Benommenheit, Perimyokarditis, Herzrhythmusstörungen, pektanginösen Beschwerden, Gliederzittern, Krämpfen. In der Türkei, in der Umgebung von Marmaris, wird die Pflanze in Form eines Wasserdampfdestillats vor allem bei Veranlagung zu Arteriosklerose und Angina pectoris eingesetzt. Türkische Pflanzenheilkundige behaupten, dass »Karabash« (Hydrolat des Schopflavendels) die Arterien von Ablagerungen befreie und sie durchlässiger mache, selbst die feinsten Äderchen.
Ackerschachtelhalm
Schopflavendel
Signatur: Alles im Kopf
Die Signatur des Schopflavendels bezieht sich auf den Kopf des Menschen. Dies bringt die Pflanze mit ihrem endständigen kolbenartigen Blütenstand, zusätzlich noch von »flatternden Flügeln« überragt, deutlich zum Ausdruck – ein Sinnbild der Kopflastigkeit in der heutigen Gesellschaft. In unserer modernen Welt hat theoretisches Wissen eine übergeordnete Bedeutung erlangt. Unser Leben ist auf angelerntes Wissen ausgerichtet, wobei das rationale Denken fast ausschließlich auf das Erfassen des Äußeren, der Gestalt, der Struktur und der materiellen Zusammenhänge fokussiert ist. Wir stopfen uns voll mit verstandesmäßiger Gelehrsamkeit, Standpunkten und Anschauungen. Unser Kopf ist ständig vom Lärm der Gedanken überlastet, vollgestopft mit vermeintlichen Informationen und steht unter Druck, einem Dampfkochtopf ähnlich.
Alles, was beim Menschen physisch oder energetisch überlastet ist, führt zu Blockaden, Spannungen oder Dysfunktionen mit störenden Auswirkungen. Unser Verstand ist zwar ein nützliches, machtvolles Instrument, das wir benötigen, um in dieser Welt zu funktionieren. Er kann uns aber auch einengen und versklaven, wenn wir ihn die Oberhand gewinnen lassen. Der Intellekt hat die Tendenz, kompliziert, eigennützig und konfliktartig zu funktionieren – wir verlieren die Mitte. Mit der übertriebenen Kopflastigkeit bleibt das Herz unerreicht, vernachlässigt und blockiert. Die harmonische Balance zwischen Kopf, Hand und Herz beginnt zu leiden. Dadurch entwickeln sich mannigfache Störeffekte, die sich in Form von koronaren Erkrankungen, kapillaren Durchblutungsstörungen oder Einengung der Gefäße bemerkbar machen. Die Folge davon ist eine von außen nach innen eindringende Verhärtung.
Der Schopflavendel charakterisiert diesen Menschentypus und kann als Pflanzen-Analogie für den intellektuell gestressten Zeitgenossen mit all den zunehmend auftretenden psychosomatischen Beschwerden betrachtet werden. Allein schon das Einatmen des Lavendeldufts klärt und erfrischt die mentalen und psychischen Fähigkeiten, löst Stauungen und Energieblokkaden im Kopf und belebt die körperliche, seelische und geistige Zirkulation.
Der Lavendel ist fähig, mentale Überlastungen – rhythmischen Meereswellen ähnlich – zu lösen und herauszuwaschen; er besänftigt und mildert dadurch zahlreiche Spätfolgen wie Arterienverkalkung, Herzbeschwerden, Migräne, Kopfweh und Wetterfühligkeit. Die erfrischende, reinigende Wirkung dieser Pflanze ist in unserer heutigen Gesellschaft immer wichtiger.
ZUM GEBRAUCH DES BUCHES
ZUM GEBRAUCH
DES BUCHES
Phytotherapeutische Verschreibungen sollten idealerweise individuell nach den Befindlichkeitsstörungen des Kranken verordnet werden, sodass sich die auffallendsten Charakteristika in der passenden Heilpflanze widerspiegeln. Mit diesem Buch wurde ein Kompendium geschaffen, das die klare Differenzierung der entsprechenden Heilpflanzen in ihrer ganzheitlichen Charakteristik systematisch kategorisiert und somit die individuelle Phytotherapie erleichtert.
Für die aufgelisteten 100 Krankheitsbilder sind jeweils die bestindizierten Heilpflanzen differenziert dargestellt. An erster Stelle der Indikationen steht jeweils das Hauptmittel, das erfahrungsgemäß am meisten gebraucht wird. Es wird in der Rubrik »Behandlung mit Heilpflanzenarzneien« präzise beschrieben und anschaulich im Bild gezeigt.
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