Welche Bedeutung für die Arnika haben die im Apuseni-Gebirge ansässigen Kleinbauern und die von ihnen, quasi in Handarbeit, betriebene traditionelle Landwirtschaft? Das Überleben der Pflanze hängt direkt an der extensiven Wiesennutzung der Kleinbauern, welche die Wiesen nach der Arnikablütenernte traditionell zur Gewinnung von Heu abmähen. Werden die Wiesen nicht mehr gemäht, tritt die natürliche Sukzession ein und es wachsen Sträucher wie zum Beispiel Heidelbeere (Vaccinium myrtillus L.), andere Stauden und später auch diverse Laub- und Nadelbäume, sodass die Landschaft für die Arnika verlorengeht, da sie die Konkurrenz um Nähstoffe und Licht nicht verträgt. Die Arnika ist ein eindeutiger Kulturfolger des Menschen. Um sie zu schützen, ist es deshalb erforderlich, den Kleinbauern vor Ort eine langfristige Existenzgrundlage zu sichern.
Die Kleinbauern im Apuseni sind in einem hohen Grad Selbstversorger auf Grundlage der Haltung weniger Tiere, die sie von den kargen Wiesen ernähren können, und des Anbaus von Gemüse und Salat auf den wenigen ebenen Flächen. Das Gras wird immer noch vorwiegend mit der Sense oder kleinen Balkenmähgeräten geerntet. Die Arnika ist eine sehr sensible Pflanze, deren Rhizom von schweren Traktoren zerstört würde. Der Einsatz von stickstoffhaltigen Kunstdüngern wiederum würde das Wachstum der Gräser so anheizen, dass die Arnika überwachsen würde, die Rosette am Boden nicht mehr ausreichend Licht bekäme und sich nicht mehr mit den notwendigen Nährstoffen versorgen könnte. So erhält diese spezifische, traditionelle und schonende Bewirtschaftung der Wiesen die Arnika am Leben.
Und die Menschen vor Ort – welchen Nutzen haben sie von dem Arnikaprojekt? Im Apuseni-Gebirge helfen sich Arnika und Menschen gegenseitig. Die Ernte und der Verkauf der Arnika bieten eine zusätzliche Einnahmequelle, wodurch die Bauern einen Anreiz haben, diese Art der extensiven Bewirtschaftung weiter zu erhalten und in den Bergen zu bleiben. Ob die nächste Generation noch dazu bereit sein wird, ist die Frage, die sich unweigerlich stellt.
Wer sammelt die Arnika – und wie erfolgt dieser Arbeitsgang? Die Arnika wird von den Bauernfamilien gesammelt. Wenn die Erntezeit beginnt, kommen oft auch die älteren Kinder, die mittlerweile in den Städten leben, wieder zurück, um bei der Ernte zu helfen und sich ein paar Euro dazuzuverdienen.
Wenn es eines Tages kaum noch Kleinbauern und Heilpflanzensammler geben sollte – wie könnte es dann mit der Arnika in den Westrumänischen Karpaten weitergehen? Seit 2010 werden mit Unterstützung von Weleda Anbauversuche durchgeführt, die zu ermutigenden Ergebnissen geführt haben und es einigen Bauern mittlerweile ermöglichen, zusätzlich zur Wildsammlung auf ebenen Flächen Arnika zu kultivieren und zu ernten.
Wie kommt die Arnika von den Karpaten nach Deutschland? Um die frische Arnika zu konservieren und für den Transport nach Deutschland vorzubereiten, wird sie noch in den Bergen getrocknet. Dr. Florin Pacurar hat in den letzten Jahren durch viele Experimente die Trocknung in den Bergen verbessert. Beheizt wird die Trocknungsanlage mit dem Holz aus dem Apuseni, sodass hier eine zusätzliche Wertschöpfung in der Region bleibt. Um ein Kilogramm trockener Ware zu erhalten, benötigt man rund fünf Kilogramm frische Blüten. Die Lieferung nach Deutschland erfolgt mit Kleinlastern, die direkt aus den Bergen zur Weleda nach Schwäbisch Gmünd fahren.
Welche Besonderheiten weist die Arnika aus den Karpaten – im Vergleich zu Arnika von andern Standorten – auf? Ein wichtiger Vorteil der rumänischen Karpaten ist das Phänomen, dass im Gegensatz zu vielen anderen Regionen, in denen die Arnika wild wächst, keine Arnikafliege (Tephritis arnicae) vorkommt. Weleda erhält aus diesem Projekt jährlich mehrere Tonnen getrockneter Arnikablüten, deren Qualität nicht mehr zu überbieten ist.
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